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Die Sonne geht hinter der ehemaligen Dresdner Zigarettenfabrik Yenidze, die 1909 im Stil einer Moschee mit 62 Metern Höhe errichtet wurde, unter / dpa

Deutschland und der Islam - Mit Goethe in der Bagdadbahn

Tagelang skandierten hierzulande überwiegend muslimische Demonstranten antisemitische Slogans. Die Reaktion darauf war eher hilflos und verdruckst. Das liegt auch an der verworrenen Geschichte und komplizierten ideologischen Gemengelage, die Deutschland mit der muslimischen Kultur verbinden.

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Zuletzt erschien von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Als einst Kara Ben Nemsi durch die Wüste ritt, war die Welt noch in Ordnung. Das junge deutsche Kaiserreich sah sich als ehrlicher Makler und in der Levante herrscht der Sultan des Osmanischen Reiches. Man betrachtete sich mit wechselseitiger Sympathie und hatte gemeinsame Interessen. Inzwischen ist das Verhältnis deutlich komplizierter geworden. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: sie heißen Israel, Migration und Islam.

Dabei war es der Koran, der das Interesse deutscher Gelehrter an der arabischen Kultur weckte. Vor allem Johann Gottfried Herder – Dichter, Theologe und Aufklärungsphilosoph – sah in dem heiligen Buch des Islam ein singuläres Zeugnis arabischer Geistigkeit und Poesie und in Mohamed die Verkörperung und Verdichtung arabischer Kultur. Goethe wird hier mit seiner Verehrung der Dichtungen des persischen Mystiker Hafis anknüpfen.

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Maria Arenz | Sa, 22. Mai 2021 - 08:51

hat Heinrich Heine schon vor fast 200 Jahren die passenden Worte gefunden."Franzosen udn Russen gehört das Land, das Meer gehört den Briten, wir aber sind im Luftreich des Traums, die Herrscher unbestritten".

Die gebildeten Islamisten wünschen sich nicht nur die Welt ohne Israel, sondern auch ein künftiges islamisches Deutschland. Dementsprechend auch hohe Staats- und Beamtenpositionen, Minister und Regierungsämter im regierendem Islam in Deutschland und Europa.

Höre hierzu im Internet auf YouTube:
»Offenkundiges. Die Welt nach Israel.«
#ALQuds#Gaza#FreePalestine

Für die gebildete islamische Oberschicht des feudal-religiösen Aberglaubens, so auch in Deutschland und Europa, ist die Überwindung und Beseitigung der parasitären und ausbeuterischen Gesellschaftsordnungen der arabischen Golfmonarchien: Saudi-Arabien, Katar, VAE und Kuwait, ein untergeordnetes politisches Thema, ebenso wie die sozialökonomische und gesellschaftspolitische Gleichstellung der Frauen.

►Die große Mehrheit in unserer Gesellschaft und ihrer paternalistischen Eliten in bürgerlichen Parteien wie im Parlament und Regierung verstehen nichts von der historischen Mission des feudal-religiösen Aberglauben: Islam.

Karl-Heinz Weiß | Sa, 22. Mai 2021 - 10:41

Die deutsche Politik ist von Realitätsverweigerung geprägt. Einerseits der Schutz Israels als Staatsräson, andererseits offene Grenzen, vor allem für Muslime, dann Abschottung mit Erdogans gnädiger Duldung, dann Verteidigung des Iran-Abkommens trotz iranischer Expansionspolitik.
Jetzt kann nur noch unsere Völkerrechtlerin helfen, den roten Faden der deutschen Außenpolitik endgültig zu verlieren.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 22. Mai 2021 - 12:14

"Vielleicht wäre es angesichts dieser Gemengengelage sinnvoll, sich weder in moralischer Besserwisserei noch ideologischer Symbolpolitik zu verlieren, sondern einfach die Realitäten zur Kenntnis zu nehmen." Klasse!!!
Wer das hier und jetzt verstehen will, muss die sicherlich Historie einigermaßén kennen, um die Jetztzeit zu verstehen. Aber Sie sagen es. Eine undurchsichtige Gemengenlage im damaligen Zeitgeist und für uns heute kaum noch zu verstehen. Es bräuchte mehr als ein Leben, alle Facetten der Geschichte zu kennen und einordnen zu können. Deshalb ist die Anerkennung des hier und jetzt, sprich die Akzeptanz der Realität, das Wichtigste, um Krisen zu erkennen und zu bewältigen. Natürlich kann man aus der Gegenwart vieles der Vergangenheit anders beurteilen. Nur löst das nicht einen einzigen tagesaktuellen Konflikt. Es sind Sachverstand und nüchterne Bewertung gefragt und pragmatische Lösungen gefragt. Mit anderen Worten: Es fehlt der Politik der gesunde Menschenverstand.

gabriele bondzio | Sa, 22. Mai 2021 - 12:16

ohnehin eine positive Meinung vom „Mohamedanismus“ hatte."...hier galt die Maxime: «Der Feind meines Feindes ist mein Freund». Die Eroberung- Politik von Hitler hatte ihn in Europa keine Freunde gemacht und isoliert.
Auch Heinrich Himmler sprach von einer «Heldenreligion», die «für Soldaten praktisch und sympathisch» sei. Allerdings wurde diese "Liebe" erst nach Ende 1941 offengelegt. Als klar wurde, dass der Krieg gegen die Russen gescheitert war.
Aber ich las auch, dass bei den Spannungen im israelisch-palästinensischen Konflikt, auf Slogans aus der Nazi-Zeit, in arabischen Kreisen zurückgegriffen wird.
Mohammed Amin al-Husseini, der Grossmufti von Jerusalem, in seinem Judenhass schwer zu übertreffen, hielt sich ab 1941 in DE auf. Auch Muslime, die für das NS-Regime gearbeitet oder gekämpft hatten, verblieben in Westdeutschland.

Markus Michaelis | Sa, 22. Mai 2021 - 12:33

glaube ich. Was Grau sagt, ist vielleicht mehr der Blick einer intellektuellen Elite, die heute nicht die Richtung bestimmt sondern sich ihren Platz in den Strömungen suchen muss, die von breiteren Schichten "weiter unten" vorgegeben werden.

Wie mehrfach geschrieben, sehe ich ein Hautpmotiv darin, dass man die eigene Weltsicht für universell wahr und in bisher höchster Form menschlich hält - was immer das genau ist. Ich denke man sieht hier im Hararischen Sinne das evolutionäre Ringen von "Glaubenssystemen", wieviele Menschen sie mitziehen können.

Ein Hauptantrieb kommt glaube ich weniger aus der Geschichte als daraus, dass ein universell wahres System unbedingt alle Menschen einschließen muss - im Moment sind das zahlenmäßig eben "zufällig" hier Muslime. Interessant wird es, wenn Gruppen von Marginalisierten gleichberechtigt mitgestaltend werden und andere neue Gruppen dazukommen: was setzt sich dann als universelle Wahrheit durch? Da ist glaube ich ein breiteres Spektrum möglich.

Urban Will | Sa, 22. Mai 2021 - 12:44

Realitäten, zu dem Sie am Ende ihres Artikels ermuntern, Herr Grau, ist die Tatsache, dass es während des von Ihnen beschriebenen Zeitraumes, also etwa Ende 2. Hälfte 19. bis Ende 1. Hälfte 20. Jhdt. keine Massenmigration aus den muslimisch geprägten Ländern nach Deutschland gab.
Auch die demographischen Verhältnisse waren anders, man musste sich nicht „überrannt“ fühlen.

Und die dt. Regierungen waren noch nicht so weltfremd, Massenzuwanderung noch mit überbordenden finanziellen Leistungen zu befördern, etc. Kein Kaiser oder Reichskanzler wäre auf die saudumme Idee gekommen, zu behaupten, man könne seine Grenzen gar nicht schützen.

Außerdem, so meine Meinung, hat sich der Islam spätestens seit der Revolution im Iran rückwärts entwickelt. Der unaufgeklärte Islam – und nur um den geht es, nur er sorgt für all die weltweiten Probleme – ist es, dem man mit Realismus begegnen muss, nicht mit (links – grüner) Ideologie.
Er gehört nicht zu uns. Man muss ihm entgegen treten.

Christa Wallau | Sa, 22. Mai 2021 - 13:20

vernünftige Grundlage für jegliche Politik.

In Deutschland jedoch versteht man darunter etwas anderes:
Politik ordnet sich bei uns fast immer einer Ideologie bzw. einer von der Regierung bestimmten Moral unter - ohne Rücksicht auf Verluste!
Demnächst steht uns in dieser Hinsicht noch Schlimmeres bevor, als bisher schon, wenn nämlich die GRÜNEN das Gesetz des Handelns in die Hand nehmen.

Obelix würde sagen: "Die spinnen, die Deutschen!"

Jochen Rollwagen | Sa, 22. Mai 2021 - 13:23

Das liegt schlicht daran, daß "Die KanzlerIn" es sich nicht mit ihrer Partei und ihren (im wahrsten Sinn des Wortes) Gesinnungs-GenossInnen verscherzen will.

Und "Die Grünen" hatten schon immer was gegen Israel und bei "Freitach für Fiutscher" sieht's genauso aus.

Bernd Muhlack | Sa, 22. Mai 2021 - 15:30

Bei einem Artikel zur Bagdadbahn sowie den Kämpfen zwischen Arabern und dem Osmanischen Reich darf ein T. E. Lawrence "of Arabia" nicht fehlen!
Tochtern hatte zu "Palästina - Der Nahe Osten" damals beim Abitur eine Seminararbeit zu diesem wahrlich hochinteressanten Thema geschrieben.
Vatterns Bücher waren sehr hilfreich.

"Wer sich selbst und andre kennt
Wird auch hier erkennen:
Orient und Occident
Sind nicht mehr zu trennen."
Hafis - ein Perser, folglich wohl ein Schiit!
Die Gedichtsammlung "Der ost-westliche Diwan" (Goethe) ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, was Frau Aydan Özoguz wohl unbekannt ist.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis all diese "ewige" Literatur "angepasst" sein wird, gell?

Es gab immer ein ambivalentes Verhältnis "der Deutschen" zu "den Juden"; das ist ein beständiger Bodensatz, leider.
Genau deswegen brauchen wir keine "Neubürger" welche mit der Muttermilch zu Judenhassern erzogen werden!
& Toleranz ggü LGBTQ? Ebenfalls eher suboptimal.

Bin ich jetzt "Rassist?"

Rob Schuberth | Sa, 22. Mai 2021 - 16:55

Entgegen der Ansicht des Autors, halte ich die deutsche Reaktion wohl für verdruckst, aber bestimmt nicht für hilflos.

Denn unsere Politik u. auch die Medien (Cicero ist wie so oft eine der wenigen Ausnahmen) sehen hier bewusst weg, bzw. relativieren oder euphemisieren die harten Fakten.

"Der" Islam gehört nicht zu D.
Nicht nur an diesem, einem Kniefall/Bückling gleichkommenden, Satz scheiterte ein heutiger Ex-Bundespräs.

Der politische u. meist radikale Islam, der IST aber zigfach bereits bei uns angekommen.

Und es hilft nicht (im Gegenteil) immer so zu tun, als ob das nur die seltenen Ausnahmen wären.

Die aktuellen (vom ZDF schamlos schön geredeten) pro palästinensischen Demos haben doch deutlich gezeigt wer hier in D das Sagen hat.

Westliche Werte u. der Altertums Islam passen einfach nicht zueinander.

Nur wer sich assimiliert der ist auch bereit zu einer echten Integration.

Quirin Anders | Sa, 22. Mai 2021 - 19:54

Angesichts der beschriebenen Gemengelage zu empfehlen, "sich weder in moralischer Besserwisserei noch ideologischer Symbolpolitik zu verlieren, sondern einfach die Realitäten zur Kenntnis zu nehmen", drängt sich für gebildete und klar denkende Zeitgenossen zwar auf, könnte von den Wortführern des Mainstream aber fast schon als Ketzerei gegeißelt werden.
Denn wo kämen wir denn hin, wenn wir generell einfach die Realitäten zur Kenntnis nehmen würden? Dann wären z.B. die von Grünen gewünschte Klima- und Wirtschaftspolitik oder die jüngste Entscheidung des BVerfG zum Klimaschutzgesetz ja gleich als Farce entlarvt.
So darf man der bei uns favorisierten Träumerei doch nicht einfach den Boden entziehen!
Oder etwa doch? ;-)