Vier Frauen tanzen auf einer Bühne mit Flammen, eine steht erhöht und singt, bunte Lichter. Foto.
Entfachte kein Feuer in den Herzen: der deutsche ESC-Beitrag „Fire“ von Sarah Engels / picture alliance / AP Photo/Martin Meissner | Martin Meissner

Grand Prix der Beliebigkeit - Warum Deutschland beim ESC nicht gehasst, sondern übersehen wird

Deutschland scheitert beim ESC an Bedeutungslosigkeit: Während andere Länder Momente schaffen, die sich einprägen, liefert Deutschland nur solide Austauschbarkeit. Eine Abrechnung mit der deutschen ESC-Strategie zwischen Angst vor Peinlichkeit und Verlust kultureller Selbstsicherheit.

Florian Hartleb

Autoreninfo

Dr. Florian Hartleb ist Professor für International Relations an der Modul-Universität Wien sowie Autor des im Herbst 2025 erschienenen Buchs „Teenager-Terroristen. Wie unsere Kinder radikalisiert werden – und wie wir sie schützen können“.

 

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Wer persönlich in Wien dabei war, sah zunächst kein deutsches Debakel. In der Halle herrschte eine positive, fast wohlwollende Stimmung. Der deutsche Auftritt wurde nicht ausgebuht, nicht verspottet, nicht kalt abgeräumt. Im Gegenteil: Man konnte den Eindruck gewinnen, dass der Abend für Deutschland zumindest achtbar ausgehen würde. Gerade darin lag die eigentliche Pointe. Denn der Eurovision Song Contest entscheidet sich nicht im warmen Applaus der Halle, sondern in der kalten Logik der Stimmabgabe. Zwischen freundlicher Aufnahme und Punkten liegt ein Abgrund.

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Michael Klein | Di., 19. Mai 2026 - 12:12

Warum verschwenden Sie einen Teil Ihrer kostbaren Lebenszeit um sich Gedanken über eine solch sinnfreie Veranstaltung zu machen?

... der Anlass, wie auch der Artikel, wie ein Brennglas Licht auf den bedauerlichen Zustand dieses "Haltungs"-Landes und seiner öffentlichen Vertreter wirft. Es waren noch andere Zeiten als ein Guildo Horn sogar von den Niederlanden 12 Punkte einsammeln konnte. Heute "undenkbar" bei der Haltungselite. Der Artikel ist deshalb gelungen und interessant, auch wenn man sich diesen Musikmüll nicht antut, wie auch der "Timmy ..." Artikel, ebenfalls von heute.

Im Grunde ist jedes Wort über diesen ESC eines zu viel. Dieser "Ausscheid" hat sich sowas von überlebt, mehr geht gar nicht. Wer schaut sich das noch an??? Aber es sagt viel über das Niveau unserer Öffentlich Rechtlichen. Ein Land für welches ein Böhmermann das Kabarett vertritt oder wo die Quatschmacher um Olaf Schubert (der einmal ein ernsthafter Komiker war) echtes politisches Kabarett komplett verdrängt haben, ein solches Land ist auch nicht wert, dass es verteidigt wird. Ein Land, wo eine Bärbel Bas allen Ernstes die politische Linie vorgeben darf oder wo eine Grüne Chefin Gift und Galle spukt gegen eine Bewegung wie die AfD. Ein Land, das ein Kanzler wieder gen Osten führen will, zusammen mit dem Marktschreier Pistorius, ein solches Land ist nicht mehr mein Land. Und auch deshalb sehen wir auf internationalen und der politischen Bühne so aus wie wir aussehen - nicht wahrzunehmen. Aber bitte, auf gen Russland: Ich verweise auf Brechts seherisches Karthago-Gedicht. Dem Ende zu!

Mir persönlich geht der ESC am Allerwertesten vor bei. Trotzdem fand ich den Artikel sehr erhellend. Der selige Loriot hat als Kenner und Erklärer der deutschen Seele einmal geschrieben, eines seiner Bücher sei von je zwei evangelischen und zwei katholischen Hals-Nasen-Ohrenärzten begutachtet worden. Nun ist die deutsche Absicherungswut in einigen Anwendungsgebieten durchaus sinnvoll und hat zum Beispiel Exportartikel geschaffen, die z.T. immer noch gekauft werden, weil sie einfach funktionieren und nahezu unkaputtbar sind, oder auch Kernkraftwerke, in denen sich kein Fukushima-Unfall jemals hätte ereignen können. Leider konnte sich auch Frau Merkel mit einer an die Persilwerbung "Da weiß man, was man hat." erinnernden Selbstanpreisung 16 Jahre an der Macht halten, mit verheerenden Folgen für Deutschland. Und die Überregulierung in allen Lebensbereichen tut mittlerweile ein Übriges. Insofern ist dieser Artikel durchaus nachdenkenswert.

Armin Latell | Di., 19. Mai 2026 - 14:06

dass Schland bezahlt. Wenn wir kein Geld mehr haben, dürfen wir möglicherweise gar nicht mehr teilnehmen. Mir persönlich ist diese Veranstaltung so was von egal, ich verschwende meine Zeit lieber für anderes. Insbesondere deshalb, weil damit Politik gemacht wird. Im Vorfeld wird schon gecancelt was das Zeug hält. Linker Kindergarten. Auf der anderen Seite: ich brauche keine "Künstler" der Marke Conchita Wurst und Konsorten. Ich schaue und höre Rammstein, da habe ich etwas, das ich garantiert nicht vergesse. Oder auch Andre Rieu...

Thomas Hechinger | Di., 19. Mai 2026 - 14:07

Ein Vorschlag für den deutschen Beitrag beim nächsten ESC: die Abschiedsszene von Siegfried und Brünhilde aus dem 1. Akt der „Götterdämmerung“ von Richard Wagner.

Achim Koester | Di., 19. Mai 2026 - 14:51

Antwort auf von Thomas Hechinger

Richard Wagner kennen die Initiatoren und Zuschauer sowieso nicht, denn das hat etwas mit Kultur zu tun. Warum Herr Weimer den deutschen Beitrag so lobt, erschließt sich mir auch nicht.

Jens Böhme | Di., 19. Mai 2026 - 16:21

Wenn man im Vorentscheid mit Haltung Angst und Sicherheitsdenken pflegt, kommt Sarah Engels raus. Erfolgreiche Kultur und Kunst sind Inspiration und Wiedererkennung. Wenn beim Vorentscheid bereits nicht international vorausschauend von den Zuschauern gewählt wird, dann muss immer wieder Sarah Engels und Co. zum ESC und für das grottige nationale Voting den Kopf hinhalten. Bulgarien und Rumänien - großes Musikkino beim ESC 2026!

S. Kaiser | Di., 19. Mai 2026 - 18:18

Sorry, Deutschland ist weder der Nabel der Welt, und auch nicht der des ESCs. Da wird sich mit deutscher Gründlichkeit und Akribie darauf vorbereitet, und dann landet man wiederholt auf den letzten Plätzen. Resoniert halt nicht, so what.
Warum hat Lena Meyer-Landruth mit ihrem unspektakulären Liedchen 2010 wohl gewonnen. Schlicht, weil sie Spaß an der Teilnahme und Freude bei ihrem Auftritt ausgestrahlt hat, und sich diese Fröhlichkeit auch aufs internationale Publikum übertragen hat. Mehr war es nicht.
Also, einfach abschreiben. Solche Wettbewerbe sind halt nicht unser.

Walter Buehler | Di., 19. Mai 2026 - 20:33

... vorhüpfte, ist heutzutage - bei Netflix, RTL 2, FKK, Feminismus und MeToo einfach nur gähnend langweilig.
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Die "durchsichtige" Kleidung der etwas älteren deutschen "Moderatorin", die Dämlichkeit der beiden männlichen Moderatoren (ebenfalls mit stets weit aufgerissenen Augen) bei der ARD-Aftershow-Sendung hat da auch wenig geholfen.

Der Typus der aufgeputschten ARD-Funktionär:innen, die nur für ihre eingekauften Klatschhasen Witze reißen, der ist ein Garant dafür, dass die Club-Qualität der deutschen Sänger & Hüpfer im ESC sich auch in Zukunft niemals ändern kann.

Aber das ist ja auch total egal.

Wolfgang Z. Keller | Di., 19. Mai 2026 - 23:12

... danke für diesen zuordnenden Begriff: ich habe mich nämlich nur gefragt, was "die Macher:innen" wohl bewogen hat, der Frau Engels eine im Schambereich sich anzüglich verdunkelnde Glitzerklamotte anzuziehen: wie pikant aber auch!

Ansonsten danke für diesen Artikel Herrn Dr. Hartleb, Cicero und ALLEN Foristen für ihre Beiträge - immer nur Iran, Trump, Merz usw. kann´s doch wirklich auch nicht sein, und ich gestehe, dass ich mir dies Jahr erstmalig den ESC bzw. die ersten vier, fünf Lieder/Songs/Darbietungen und dann nach x Stunden das Voting angeschaut habe.

Mein Motto: mit 80+ auf der vermutlichen Zielgeraden möchte ich solche "Ereignisse" auch wenigstens einmal gesehen haben - und ich fand diese Truppe aus Bulgarien ausgesprochen mutig, fetzig und "krachert", wie´s in Bayern heißt: ihre Show am Schluss vergnügte mich und ihr Sieg freute mich.