Plagiatsaffäre - „Franziska Giffey hatte das Pech der frühen Promotion“

Sollten Politiker, die bei ihrer Doktorarbeit betrogen haben, zurücktreten? Diese Frage wird sich vielleicht bald für Franziska Giffey stellen. Vroniplag deckte die Mängel auf. Ein Gespräch mit dem Bildungsforscher Heiner Barz über schlampige Politiker und selbsternannte Plagiatsjäger

Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Franziska Giffey (SPD), kommt zur Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion im Deutschen Bundestag
Wird Franzsika Giffey der Doktortitel aberkannt? / picture alliance

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Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin für CICERO.

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Professor Dr. Heiner Barz leitet die Abteilung Bildungsforschung am Sozialwissenschaftlichen Institut der Universität Düsseldorf.

Herr Barz, Annette Schavan, Frank-Walter Steinmeier, Karl-Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin – und jetzt auch Franziska Giffey. Immer wieder fliegen Politiker auf, die bei der Promotion geschummelt haben. Ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass sie schlampig arbeiten? 
Blödsinn. Auch hinter das „geschummelt“ würde ich ein Fragezeichen setzen. Ursula von der Leyen oder Frank-Walter Steinmeier wurde der Doktortitel ja auch nicht aberkannt. In diesen Fällen haben die Universitäten entschieden: Die Arbeiten waren zwar handwerklich problematisch, aber die Fehler waren nicht so gravierend, dass man den Verfassern Täuschung oder Betrug unterstellen wollte.

Trotzdem werfen diese Fälle kein gutes Licht auf die Universitäten. Ist es zu leicht, in Deutschland zu promovieren?
Das ist eine Frage, die immer wieder gestellt wird. Richtig ist, dass Doktorarbeiten nicht nur von Menschen verfasst werden, die sich aus Neugier dazu berufen fühlen oder einen Forscherdrang in sich verspüren. 

Sondern?
So eine Promotion ist für viele nur eine Sprosse auf der Karriereleiter. Die versucht man halt zu absolvieren, ohne allzu viel Zeit und Hirn zu investieren. Das führt dazu, dass auch Doktorarbeiten zweiter oder dritter Güte dabei herauskommen. Wobei die Plattform Vroniplag die Arbeiten nur daraufhin untersucht, ob Quellen korrekt zitiert wurden. Mich als Bildungsforscher interessiert aber etwas ganz anderes.

Nämlich? 
Im Sinne einer wissenschaftlichen Qualitätssicherung müsste man eigentlich auch fragen: Was ist der Erkenntnisgewinn dieser Doktorarbeiten? Ist die Fragestellung so tragfähig und die methodische Durchführung so solide, dass man wirklich von einem Beitrag zur Forschung sprechen kann? Und diese Maßstäbe sollten nicht nur für die Arbeiten von Politikern gelten, sondern generell für den Wissenschaftsbetrieb. 

Machen sich Politiker überhaupt noch die Mühe, ihre Arbeiten selber zu schreiben? Es gibt Unternehmen, bei denen man sich akademische Titel samt der dazugehörigen Arbeit kaufen kann. Einen Bachelor gibt es schon ab 5000 Euro.  
Da wissen Sie mehr als ich. – Geschichten über Ghostwriting kursieren zwar allenthalben, aber belastbare Belege oder handfeste Anklagen sind mir keine bekannt. Wahrscheinlich müsste man sogar umgekehrt annehmen, das spezialisierte professionelle Ghostwriter, wenn es sie denn gibt, gerade NICHT gegen die Zitierregeln verstoßen.

Bei Vroniplag wurden bisher 204 Plagiate entlarvt. Gab es darunter auch Arbeiten von akademischen Ghostwritern?
Soweit ich weiß, gab es diese Mutmaßungen im Fall des ehemaligen Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Aber bisher hat er das weder eingeräumt, noch konnte es ihm nachgewiesen werden. Ich glaube allerdings eher nicht, dass er Ghostwriter hatte. 

Warum nicht?
In seiner Doktorarbeit waren Dutzende von Seiten aus anderen Dokumenten ohne Quellenangabe aneinander getackert. Einem echten Profi dürfte das nicht passieren. 

Die Doktorarbeit von Franziska Giffey zum Thema „Europas Weg zum Bürger – die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft“ ist nur 205 Seiten lang. Auf 49 Seiten wurden Auffälligkeiten entdeckt wie Wikipedia-Artikel, die nicht als solche gekennzeichnet waren. Kann man da noch von Schlampereien sprechen – oder hat das schon System
Der Eindruck mag entstehen. Gerade im sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich geht es oft darum, schon vorhandene Theorieansätze oder Methoden zu referieren, um dann noch eine eigene Frage abzuarbeiten. Wenn Sie Max Webers Protestantismus-These erläutern oder die deliberative Demokratietheorie nach Habermas – dann ist es fast unvermeidlich, dass man sich an Formulierungen anlehnt, die auch schon in anderer Sekundärliteratur verwendet wurden. Die Qualität einer Arbeit liegt aber nicht darin, dass man es schafft, in der 383. Reformulierung von Max Webers Protestantismus-These nochmal nie dagewesene Worte zu finden. Es müsste darum gehen, etwas Neues daraus zu machen, sie für neue Fragestellungen fruchtbar zu machen.   

Doktorarbeiten werden von Doktorvätern oder Doktormüttern betreut und bewertet. Müssen die sich nicht auch den Vorwurf gefallen lassen, sie hätten schlampig korrigiert? 
Es ist wahrscheinlich immer so gewesen, dass Rekapitulationen der Vorläuferliteratur mal mehr, mal weniger originell ausfielen. Es ist nicht so, dass es da einen dramatischen Verfall der Betreuungskultur gibt. Es ist im Zeitalter des Internets bloß viel leichter nachweisbar, was woher stammt. Vor zwanzig, dreißig Jahren konnte man höchstens per Zufall über formulierungsidentische Stellen stolpern. Die Möglichkeiten des elektronischen Textabgleichs waren noch nicht breit verfügbar. Heute scannt man die Texte einfach nur ein, lässt die Texterkennung darüber laufen und lässt die Dateien vergleichen: Dann wird alles rot markiert, was identisch ist.  

Sollten Doktorväter und Doktormütter diese Software nicht auch benutzen? 
Fragen Sie mal die Leute von VroniPlag, wieviel Arbeit das macht. Es ist ja nicht so, dass man auf einen Knopf drückt – und dann hat man die identischen Stellen. Man muss die Literatur ja erstmal recherchieren, dann besorgen, die als Referenz in Frage kommt. Dann muss man sie Seite für Seite einscannen und vergleichen. Das erfordert schon einen gewissen Aufwand. 

Wie viel Zeit brauchen die Plagiatsjäger, um eine Fälschung zu entlarven? 
Ein Mann mit dem Pseudonym Robert Schmidt hat es als Antiplagiatsdesperado zu zweifelhafter Berühmtheit gebracht. Er hatte sich schon in die Doktorarbeiten von Norbert Lammert und Annette Schavan verbissen. Jetzt ist er mit an der Promotion von Franziska Giffey dran. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung hat er gesagt, diese Arbeit habe ihn bisher schätzungsweise 500 Stunden gekostet. 

Was treibt diese Jäger an?
Schwierige Frage. Es ist wahrscheinlich manchmal das Gefühl, zu kurz gekommen zu sein und in einer ungerechten Welt zu leben. Der Gedanke: „Die da oben machen sowieso, was sie wollen. Sie bescheißen uns – und machen sich selber einen faulen Lenz.“ Der Wunsch, es „denen da oben“, also z.B. auch Politikern, endlich einmal heimzuzahlen. 

Von den 204 von VroniPlag entlarvten Plagiaten stammten aber nur 16 von Politikern. 
Das hat mich auch gewundert. Durch die Fälle, die es in die Medien schaffen, entsteht der Eindruck, dass ihr Anteil größer ist. Es gibt allerdings eine lange Liste von potenziellen Opfern aus der Politik. Da steht übrigens auch die Bundeskanzlerin drauf. 

Die Mehrzahl der entlarvten Plagiate stammen von FDP-Politikern. Ist das ein Zufall? 
Wahrscheinlich nicht. Unter Westerwelle hat sich die FDP ein Image als Partei für Hotelbesitzer und Besserverdiener zugelegt. Der Neoliberalismus gilt vielen als Feind. Wer das propagiert, passt offenbar gut ins Feindbild der Plagiatsjäger. 

Heißt das, auch CDU- und CSU-Politiker sind besonders gefährdet? 
Allerdings. Erstes Opfer von VroniPlag war Veronika Sass, die Tochter von Bayerns ehemaligem Ministerpräsident Edmund Stoiber. Daher kommt der Name Vroni. Als Guttenberg gefallen war, haben sich die Jäger gedacht, hoppla, das funktioniert ja. Jetzt gucken wir mal bei Stoibers. Sein Sohn und seine Tochter hatten beide promoviert. Und die Juristin Vroni musste ihren Doktortitel abgeben. Der Sohn hatte Glück.

Wie bewerten Sie die Arbeit der Jäger: Ist das eine sinnvolle Arbeit – oder nicht auch eine gefährliche Waffe, um politische Gegner zu diskreditieren? 
Es ist beides. Positiv schlägt zu Buche, dass seit dem Fall zu Guttenberg unübersehbar eine Sensibilisierung im Umgang mit „Textbausteinen“ eingesetzt hat. Studenten sind im Normalfall heute ängstlich bemüht, nur ja keinen Halbsatz ohne Quellennachweis in ihren Examensarbeiten zu verwenden. Es hat auch ein Wandel in der Betreuungskultur der Doktorarbeiten stattgefunden. Heute haben viele Fakultäten begleitende Angebote nicht nur zum richtigen Zitieren, sondern auch zum Zeitmanagement oder auch Schreibwerkstätten. VroniPlag war insofern ein Weckruf. Man weiß jetzt, dass man sich vor der Übernahme fremder Sätze ohne Anführungszeichen hüten sollte. Andererseits funktioniert dieses Wiki aber auch wie ein Internetpranger. 
Wobei es übrigens um die Expertise dieser selbsternannten Plagiatsgutachter nicht immer besonders gut bestellt ist. Prof. Debora Weber-Wulff, als WiseWoman auf Vroniplag aktiv, z.B. behauptet bis heute in ihrem Internet-Kurs über Plagiate, dass eines der berühmtesten Gedichte von Goethe ein Plagiat sei: Wanderers Nachtlied („Über allen Gipfeln ist Ruh …“) eigentlich von Johann Daniel Falk stamme. Das ist natürlich Blödsinn, weil Falks Version später entstand, aber die Bundeszentrale für politische Bildung ebenso wie die Zeit kupfern die Plagiatsbehauptung ungeprüft ab – schließlich stammt sie ja von einer „Plagiatsexpertin“.

Warum kostet dieser Pranger die einen den Doktortitel und ihre Karriere – und andere kommen ungeschoren davon? 
Das kann man wohl nur als Glück oder Willkür bezeichnen. Ich würde sagen, es hat nichts damit zu tun, ob der eine mehr und der andere weniger abgeschrieben hat. Die Maßstäbe an den Hochschulen sind eben sehr unterschiedlich. Die Medizinische Hochschule Hannover, die die Promotion von Ursula von der Leyen untersucht hat, hat Fehler konstatiert – aber kein Fehlverhalten. Der ehemalige Kultusminister und heutige stellvertretende Ministerpräsident Bernd Althusmann Niedersachsens, Bundespräsident Steinmeier oder der ehemalige Bundestagspräsident Lammert – sie alle durften ihren Doktortitel behalten. Dabei stuften viele Beobachter die Mängel hinsichtlich fehlender Quellenverweise mindestens auf ähnlichem Niveau ein wie bei Schavan. 

Was folgern Sie als Bildungsforscher daraus?
Es müsste einheitliche Bewertungskriterien und Verfahren geben. An manchen Unis gibt es einen Ombudsmann für gute wissenschaftliche Praxis, der in solchen Fällen eingeschaltet werden kann – an anderen nicht. In den entscheidenden Gremien (Promotionsausschuss, Fakultätsrat) sitzen z.T. Studierende, Sekretärinnen und nicht-wissenschaftliches Labor-Personal. Und alle sind stimmberechtigt in der Frage: Doktortitel aberkennen oder nicht. In jedem Lehrbuch der Sozialpsychologie lässt sich die geradezu unheimliche Tendenz zur Konformität im Denken von solchen Gremien nachlesen, das Streben um Konsens um jeden Preis. Gerade unter äußerem Druck und unter dem Zwang zur Geheimhaltung, entsteht gleichsam automatisch ein übersteigertes Wir-Gefühl, eine kollektive Selbstüberschätzung, ein enormer Gruppendruck etc. Abhilfe könnte in der Einschaltung externer Expertise liegen.

Franziska Giffey hat ihren Doktor an der FU Berlin gemacht. Die Bundesfamilienministerin (SPD) wird als aussichtsreiche Bewerberin für die Nachfolge des glücklosen Bürgermeisters Michael Müller gehandelt. Muss die FU ihr den Titel jetzt nicht zwangsläufig entziehen, um nicht in den Verdacht zu geraten, man habe ihn der Politikerin als Willkommensgeschenk gemacht?
Das wäre ein naheliegender Reflex. Zumal die FU ja auch erst vor Kurzem dem Berliner CDU-Politiker Frank Steffel den Doktor-Titel entzogen hatte. Für die Uni ist das keine glückliche Situation. Es gibt viele Gründe, warum eine Uni in die Schlagzeilen gelangen will – aber bestimmt nicht wegen aberkannter Doktortitel.

Aber ist der Doktortitel als Türöffner heutzutage wirklich noch so wichtig?
Er kommt aus der Vergangenheit, da haben Sie Recht. Aber gerade das kann in der Politik Vertrauen schaffen. Man demonstriert, dass man in soliden Traditionen verwurzelt ist – und sein Fähnchen nicht nur nach dem neusten Modetrend in den Wind hängt. 
Ist im Umkehrschluss die Fallhöhe bei Politikern auch höher, wenn sich herausstellt, dass bei der Promotion geschlampt wurde?
Würde ich sagen. Wobei Frau Giffey das Pech der frühen Promotion hatte. 

Wie meinen Sie das?
Sie hat 2009 promoviert. 2011 kam der phänomenale Absturz des fabelhaften Freiherrn von und zu Guttenberg. An keiner Uni hat vorher irgendjemand viel über Begriffe wie Paraphrase oder Plagiat nachgedacht. Danach wurde alles anders. Wäre sie 2011 dran gewesen, hätte sie sicherlich viel genauer hingeguckt.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 14. Februar 2019 - 08:53

Erstens widerspreche ich der "Charakterisierung" von Guido Westerwelle.
Er wird für mich in Erinnerung bleiben als der, der dem Konformitätsdruck zum Krieg im Falle Libyens widerstand, wahrscheinlich auch seitens seiner Kanzlerin, während ich noch an den Sinn von Kriegen unter humanistischen Hoheitszeichen glaubte.
Zweitens mag man in der DDR gelernt haben, korrekt zu zitieren, das war es dann aber auch vielleicht.
Symptomatisch scheint mir ein Erlebnis, ohne beschriebener Frau damit zu nahe treten zu wollen:
Es gab in einer Bäckerei im Ostteil Berlins ein Sonderangebot, 3 Brötchen für...
Die Verkäuferin wollte mir 9 Brötchen zum regulären Preis abrechnen, bis ich anmerkte, dass ich dann halt 3 mal 3 Brötchen kaufen würde. Wobei ich auch nicht ausschliesse, dass "geistige Überflieger" der Kette auf die Idee kamen.
Die Gnade für Frau Giffey liegt hoffentlich darin, dass sie es vermochte, in der DDR das Denken nicht zu verlernen.
Hoffentlich bleibt sie der Politik erhalten.

Die arme FDP wird bei der hier zitierten Zählweise mit angeblich 6 Plagiaten wieder einmal Opfer der genialen Idee der Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU mit jeweils 5 Plagiaten. Streng genommen müsste man die nämlich zusammenrechnen.
Während bei unseren Arbeitsgruppen Doktoranden mit CDU-Parteibuch die Doktorarbeit oft durch intensivste Betreuung ( ein anderer Doktorand musste die experimentelle Forschung durchführen) quasi mit der Dampfwalze geebnet wurde bzw. werden sollte, hatte ein Doktorand ohne Parteibuch dort meist jede Menge Ärger und musste um seinen Abschluss zittern.
Wenn denen überall in der Doktorarbeit so ein Theater gemacht werden würde wie bei meinen ehemaligen Chefs, die ihre Professur dadurch definierten, hochbegabten Leuten enorme Schwierigkeiten zu bereiten und 2/3 aller Doktoranden, darunter ehemalige Jugend-Forscht-Sieger, nach 10 Jahren (Verdienstausfall!) abzusägen, dann würde wohl niemand mehr promovieren wollen. Diese Ungerechtigkeit ist skandalös.

Weil eine Bäckereiverkäuferin Ihnen neun Schrippen zum Preis von neun Schrippen berechnen wollte, meinen Sie über ehemalige DDR-Bürger urteilen zu können? Glauben Sie ernsthaft, ohne nun den Westverkäuferinnen zu Nahe treten zu wollen, dass diese alle Einsteine wären?

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 14. Februar 2019 - 09:08

"Einem echten Profi dürfte das nicht passieren".
Das wären aber Profis in Sachen Abfassen der Doktorarbeit, nicht darin, eine zu schreiben.
Wenn das das Niveau unserer Universitäten ausmacht, ging das Abendland schon lange verloren.
Sicher muss man auch das richtige Zitieren beherrschen, gehört die Form zum Inhalt, ich hätte aber gedacht in erster Linie die Form des Denkens, die Darlegung, Argumentation, vielleicht in Abgrenzung zu "jetzt ist es mal so", bzw. Behauptung
Die Debatten sind also vielleicht von nachgeordnetem Rang.
Hingegen kann ich mich vage erinnern, dass über die Doktorarbeit Helmut Kohls eher geringschätzig gesprochen wurde.
Für Politiker aber entscheidend dürfte doch die Fähigkeit zu Politik sein.

Ernst-Günther Konrad | Do, 14. Februar 2019 - 09:24

Genau diese Frage müsste grundsätzlich immer gestellt werden, wenn promoviert wird. Es finden sich teilweise Doktorarbeiten, die mit dem eigentlich Hauptstudienfach des Aspiranten wenig bis gar nichts zu tun hat. Es reicht nicht nur ein Thema zu finden, sondern es müsste vor allem daran gemessen werden, wurde in der Doktorarbeit etwas neues dargestellt oder vorhandenes entscheidend weiter entwickelt mit neuem Erkenntnisgewinn.
Ich stimme der Aussage zu, das Ghostwriter mit Sicherheit keine Zitierfehler machen und deshalb eigentlich die Eitelkeit und der persönliche Karrieredrang in der Hauptsache Motiv für unsaubere Arbeiten sind.
Sollten die "Betrüger" zurücktreten? Ich denke es kommt darauf an. Ist eine Arbeit nur schlecht gemacht, aber noch ausreichend, dann nicht. Wurde sie nicht selbst verfasst oder im Prinzip nur "abgekupfert", dann ja. Wer nachweislich gelogen hat, egal in welcher Stellung, sollte sein Amt aufgeben. Veröffentlichungen bedeutet ohnehin Gesichtsverlust.

gabriele bondzio | Do, 14. Februar 2019 - 09:59

Titel jetzt nicht zwangsläufig entziehen, um nicht in den Verdacht zu geraten, man habe ihn der Politikerin als Willkommensgeschenk gemacht"...gerecht wäre es nur. 2009 (Ende Oktober) verteidigte sie ihre Arbeit. Ende des Jahres 2010 wurde Giffey Bezirksstadträtin in Neukölln, sie sprosste die Leiter hoch. Erklären jedoch Wissenschaftler Täuschungen in einer Dissertation zu Bagatellen, machen sie Wissenschaft zu Esoterik (wobei sie teilweise dies schon ist im Gender-Bereich). Die Erstgutachterin von Franziska Giffeys Doktorarbeit schweigt sich ja aus. Giffeys könnte ja eine neue Doktorarbeit über die Erziehung unsere Jüngsten schreiben. Mit dem Titel "Wie erziehe ich Kinder im Sinne des Staates" oder „So erkennst du Nazi-Eltern“ :-) Da dürfte sie ja eigne Erfahrungen gesammelt haben. Und die Konformität im Denken bleibt gewahrt, zumindest in politischen Kreisen.

Jens Rotmann | Do, 14. Februar 2019 - 10:00

Tolle Umschreibung, wieder was gelernt ! Bei der nächsten Unkorrektheit, zum Beispiel Einkommenssteuer, war ich halt schlampig. Macht doch nix, wird das FA sicher sagen, du alter Schlamper !

Herr Rotmann, sich mit dem FA anzulegen! Da geht es um ihre "Steuerschuld" dem Staat gegenüber und da hört der Spaß aber auf. Vor allen dann, wenn Sie dem Staat auch noch Geld schuldig sein sollten.
Sollte man nicht mal die Brochüre der Amadeu-Antonio-Stiftung: "Ene, mene, muh-und raus bist du!" unter die Lupe nehmen? Ist das Geleitwort der Bundesministerin Dr. Franziska Giffey nicht auch ein Plagiat ? Hat dies vieleicht ein Ghostwriter verfasst?
Fördergelder für die "Stiftung" sind ja reichlich geflossen, da kann man ja auch eine kleine Unterstützung, mangels knapper Zeit,(Termine, Vorträge, und da ist ja noch ihr Job als Ministerin) erwarten!
Der Titel der Brochüre würde dann ja auch wie die Faust aufs Auge passen, falls die Vorwürfe zutreffen: Ene, meme...und raus ist Sie!

Nur Hamanda | Do, 14. Februar 2019 - 10:12

Schaue auf die Politiker.
Schaue auf die Politik.
Schaue auf dich.
Und frage dich, welche Rolle spiele ich?

Bernd Schiebener | Do, 14. Februar 2019 - 10:24

Hat die Dame gegen die Regel verstoßen, muss sie zurücktreten ! Mir ist übrigens wurscht, wie sich jemand nennt, Doktor, Präsident, Papst, König oder was es noch so alles im Tierreich gibt. Alles Titel-ohne Mittel. Für mich zählen Leistung und Charakter.
Aber im Land der Untertanen, scheinbar immer noch hoch geschätzt und wichtig.

Christa Wallau | Do, 14. Februar 2019 - 10:26

Seit ich durch unseren Sohn einen kleinen Einblick in die Welt der Forschung erhalten habe,
mißtraue ich der sog. Wissenschaft und den Doktortiteln, die sie vergibt, in hohem Maße.
Unser Sohn stellte bei der Arbeit an seiner Promotion in Biologie angewidert fest, daß es gar nicht darum ging, objektive Ergebnisse bei seinen Untersuchungen zu dokumentieren, sondern um eine Gefälligkeitsarbeit für einen amerik. Professor, der die Zahl seiner Veröffentlichungen gewinnbringend erhöhen wollte. Er zog sich daraufhin total aus diesem "Betrieb" zurück, um als freier Musiker zu arbeiten.
Meiner Ansicht nach krankt unsere Gesellschaft ganz allgemein daran, daß schöner Schein dem
Sein u. wirklicher Leistung vorgezogen wird. Dadurch hat sich auch die sog. ELITE zu einer veschworenen Clique von wichtigtuerischen Möchtegernen u. eloquenten Hohlköpfen entwickelt - mit verheerenden Auswirkungen auf alle Bereiche, in denen wir kompetente, ehrliche, verantwortungsbewußte Menschen dringend
brauchen.

Günter Johannsen | Do, 14. Februar 2019 - 11:44

"Die Doktorarbeit von Franziska Giffey zum Thema „Europas Weg zum Bürger – die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft“ ist nur 205 Seiten lang. Auf 49 Seiten wurden Auffälligkeiten entdeckt..."
Wikipedia zu zitieren ohne Angabe der Quelle ist Betrug. Ich bin der Meinung, dass Frau Giffey nicht nur den Titel freiwillig abgeben, sondern auch umgehend von ihrem Amt zurücktreten muss. Es wäre beschämend und nicht akzeptabel, das nicht zu tun. Sie beschädigt dadurch ihr Amt und schürt die Politikverdrossenheit, die ohnehin schon auf ein unerträgliches Maas angestigen ist!

to quote or not to quote, that is the question.
Vielleicht ein familiärer Seniorita-Rat:
Giv.ey a chance, lieber Herr Johannsen:
Kein apple a day, sonst is the doctor away.

Wäre auch schön wenn sich medial die Erkenntnis vom Doktorgrad, nicht "Titel"durchsetzen würde...
Tatsächlich haben Personen in wichtigen Ämtern nichts verloren die gewohnheitsmäßig die Realität verbiegen, und solche methodischen Fehler beim Arbeiten machen.

Waren die ersten Vroni-Leak-Veröffentlichungen noch einen Aufschrei wert und führten zu Rücktritten der Amtsträger, reduziert sich das heute offenbar auf den Begriff der Politik- und Politikerverdrossenheit. Es wird halt, wie überall, nur etwas schlampig gearbeitet. N e i n - gleiches Recht für alle! Von Guttenberg und Frau Schavan wurden quasi gezwungen, von ihren Ämtern zurückzutreten. Andere folgten ihnen, mussten die Doktortitel zurückgeben und verschwanden und der politischen Versenkung. Das muss auch für Frau Giffey gelten. Es darf kein zweierlei Maaß geben, nur weil es diesmal eine Sozialistin getroffen hat.
Aber, wie heißt es so schön an anderer Stelle - Unrecht (und Gewalt) geht nur von Rechts aus. Linke verteidigen immer nur die Demokratie!

Ernst-Günther Konrad | Fr, 15. Februar 2019 - 09:06

In reply to by Wolfgang Henning

Zweierlei Maß darf es schon aus grundgesetzlichen Gründen nicht geben. Einerseits wird jeder "Schummler" bei der Steuerklärung gnadenlos gejagt, es sei denn, er hat Millionen unterschlagen und zeigt sich im Rahmen des steuerlichen Ablasshandels reuig. Sie haben dennoch recht. Egal ob Linkspolitiker oder AFDler und alle dazwischen. Wer lügt und betrügt muss wie jeder Bürger auch, ohne wenn und aber die Konsequenzen erleben. Rücktritt und Aberkennung des Doktortitels. Ich gehe sogar soweit zu sagen, alle Funktionsämter die aufgrund des "falschen" Doktortitels zu einer höheren Vergütung führten, sind zurück zu zahlen. Nur, da wird es kein Gesetz geben. Die Politiker haben sich da schon selbst geschützt. Uns jagt man durch die Republik, wenn wir 30 € Verwarnungsgeld bezahlen müssen, weil wir zu schnell waren. Tolle Vorbilder.

Kurt Walther | Do, 14. Februar 2019 - 13:53

Recht aufschlußreich die Ausführungen von Prof. Barz. Da hat es also etliche Doktorarbeiten aus dem sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich erwischt. Und das mit scheinbar doch relativ einfachen Computerprogrammen, aber viel zu leistender Vorarbeit durch den Plagiatsjäger.
Im MINT-Bereich dürfte es mit dem Jagen wesentlich schwieriger sein. Langgezogene Texte gibt es dort seltener. Vielleicht kann bei MINT-Doktorarbeiten demnächst die KI beim Entdecken helfen. Bei unserer promovierten Physikerin und Pfarrerstochter an der Spitze konnten in der Doktorarbeit bislang keine Unzulänglichkeiten gefunden werden. Ihre Arbeit wurde garantiert von (politisch) kritischen Physikern gründlich überprüft - glaube ich zumindest -, denn ich kenne Physiker, die von ihrem politischen Kurs wenig oder nichts halten. Was Frau Giffey anbetrifft, so würde ich im Falle ihres Falles dies bedauern. Bedauern muß ich, dass nicht-wissenchaftliches Personal in Uni-Kommissionen darüber mit abstimmt.

Ich habe sie vor Jahren mal kurz überflogen. Danach referiert sie auf grob geschätzt aus der Erinnerung ca. 90-95% des Inhalts scheinbar lediglich Lehrbuchstoff über statistische Mechanik, was recht ungewöhnlich zumindest bei Dissertationen in Physik in Westdeutschland gewesen wäre, denn sowas erledigt man normalerweise in der Einleitung.
Inwieweit sie beim Rest vielleicht auch noch "intensiv" durch andere Wissenschaftler "betreut" wurde, kann höchstens ihr Ehemann beurteilen. Auch sowas kommt sogar in Westdeutschland leider immer wieder vor, dass ein armer anderer Doktorand länger festgehalten wird, um für seinen Kollegen (mit Parteibuch) diese und jene Untersuchung durchführen zu müssen (Verdienstausfall für diesen armen Doktoranden in exorbitanter Höhe inklusive), weil der seine Aufgabe nicht gelöst bekommt.

Norbert Heyer | Do, 14. Februar 2019 - 16:09

Politiker scheinen schon in jungen Jahren der Versuchung zu erlegen, sich Vorteile und Titel möglichst einfach zu beschaffen. Wenn Frau Giffey sich mit einem unverdienten Titel schmückt, so muss sie bei Überführung eben die Konsequenz - Rücktritt - ziehen. Es ist erstaunlich, dass der Experte das nicht so sieht. Hier liegt ein Sollbruchstelle in unserer Gesellschaft: Das gemeine Fußvolk erhält keinen Bonus bei Steuerhinterziehung, Strafbescheide werden gnadenlos vollstreckt, GEZ-Gebühren mit Freiheitsstrafen erzwungen. Alles richtig, alles korrekt - aber bei Politikern gilt dieser Maßstab nicht? Auch übernommene Bürgschaften durch Bürger für Flüchtlinge werden vom Staat
übernommen? Unser Rechtsstaat zeigt damit ganz klar, dass er Recht nach politischen Vorgaben durchsetzt oder eben nicht. In einer Demokratie kann es aber für das Recht nur einen Grundsatz geben: Es gilt für alle Menschen gleich, völlig unabhängig von der Person und seiner Stellung, alles andere ist Willkür.

Marianne Bernstein | Do, 14. Februar 2019 - 19:04

Mal abgesehen von wirklich vielen Problemen in wenigen Arbeiten sagt "auf 49 von 205" Seiten nicht wirklich viel. Bei Frau Giffey geht es auch eher um die Bewertung ob die Zitierung richtig ist oder "willkürlich".
Schreiben Sie doch erst einmal 200 Seiten und dann lesen Sie die 200 Seiten auch. Da wird manchem vielleicht einmal klar, dass ein Gutteil der Kritik von Vroni-Plag schlicht und ergreifend anmaßend ist.

Ernst-Günther Konrad | Do, 14. Februar 2019 - 20:18

In reply to by Marianne Bernstein

Eine Dissertation ist kein Erlebnisaufsatz, bei denen man mal Tag oder Ort verwechselt. Es ist auch kein Roman, wo man einfach mal Seitenzahlen vergisst. Es gibt Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens. In einer Dissertation muss immer und zweifelsfrei erkennbar sein, was vom Verfasser selbst ist und was er ggfls. an eigenen Erkenntnissen durch "andere" ergänzt oder erklärt hat. Ginge es hier um zwei fehlende Zitiernachweise, hätte wohl niemand ein Problem damit. Das kann gerade bei redaktionellen Änderungen am Text mal passieren. Aber auf 49 Seiten mehrfach bei anderen "abkupfern" und dann "vergessen" dies zu erwähnen, impliziert für mich Vorsatz. Ich muss daher annehmen, das Frau Giffey offenkundig 25 % ihres Dissertationsinhaltes nicht durch eigenes Nachdenken und praktisches Überprüfen verknüpft mit neuen Erkenntnissen belegt, sondern das sie "geistigen Diebstahl" begangen hat. Mit anderen Worten. Frau Giffey hat möglicherweise bewusst und gewollt betrogen. Deshalb kein Mitleid.

Karl Müller | Fr, 15. Februar 2019 - 13:17

In reply to by Marianne Bernstein

ebenso erwarten wie bei der späteren Tätigkeit des Autors.

Nur wer allzu tief im Anus von Parteien oder sonstigen Lobbyorganisationen steckt, wird hinsichtlich seiner wissenschaftlichen Arbeit solche "Kompromisse" machen.
Das ist aber keine eigene Leistung welche die Fachdisziplin entsprechend voranbringt, oder auch nur der Befähigungsnachweis wissenschaftlich arbeiten zu können.