Geschreddertes Banksy-Bild - Keine Aura ist doch auch ein hübsches Geschäft

Ästhetischer Populismus: Das von Banksy geschredderte Banksy-Bild zeigt die Scheinheiligkeit des Kunstmarkts

Zwei Mitarbeiter von Sotheby's halten das geschredderte Banksy-Bild
„Banksy ist kein Rebell gegen den Kunstmarkt, sondern ein genialer Zocker“ / picture alliance

Autoreninfo

Beat Wyss hat an zahlreichen internationalen Universitäten gelehrt. Er hat kontinuierlich Schriften zur Kulturkritik, Mediengeschichte und Kunst veröffentlicht. Beat Wyss ist Professor an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

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Eine Kolumne über Banksy zu schreiben, war nicht meine Idee. Ästhetischer Populismus solle nicht über Gebühr belohnt werden. Jenes Bild vom Ballonmädchen, Spray auf Pappe, das am 5. Oktober exakt auf den Hammerzuschlag bei knapp 1,2 Millionen Euro durch den Goldrahmen geschreddert kam, war von den Medien doch bis zum Überdruss durchgenudelt worden! Die Redaktion ließ nicht locker, also leistet jetzt auch Cicero seinen ehrenamtlichen Beitrag zur Wertsteigerung von Spektakelkunst durch öffentliche Aufmerksamkeit.

Nachdem sich der Schock über die angebliche Selbstzerstörung des Werkes beim naiv kunstgläubigen Publikum gelegt hatte, kursierte schon bald in den einschlägigen Onlinemedien das Gerücht, Banksy selbst sei nicht nur Einlieferer, sondern auch der zuschlagende Bieter dieser Auktion gewesen. Abwegig wäre das nicht. Sein Freund, Damian Hirst, hat es ihm vorgemacht, damals, 2007, als der legendäre Diamantschädel zur Versteigerung kam. Bei hochpreisiger Kunst ist Insiderhandel nicht unüblich, denn der hilft, Wertansprüche hochzuschrauben und Preise zu halten.

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wolfgang püschel | Do, 15. November 2018 - 15:30

Das von Banksy geschredderte Banksy-Bild zeigt
die Belanglosigkeit des Bildes von Banksy.

15.11.2018 Wolfgang Püschel

Brigitte Simon | Do, 15. November 2018 - 15:46

wird mit diesem Artikel dem ästhetisch empfindenen
Menschen "untergejubelt"! Im Grunde ist jegliche
Stellungnahme hierzu eine unzulässige Wertaufbesserung. Shanghai, Dubai, Katar, Saudi-Arabien, China, mittlerweile auch Paris, Dekadenz der Geladenen reicht nicht. Nun gibt auch
Cicero eine Plattform.
Meine Bilder müssen und werden nicht geschred-
dert. Ich imitiere den "Armen Poet" und umarme
Spitzweg

Margrit Morf | Do, 15. November 2018 - 16:00

Für mich zeigt das Ganze vor allem die Dekadenz der heutigen Eliten, die alles und jedes bejubeln und als Kunst bezeichnen, auch wenn es ganz banal ist, aber eben halt "neu" und dann noch von der richtigen Seite gelobt wird.

Dimitri Gales | Do, 15. November 2018 - 20:35

Das Publikum weiss gar nicht mehr, was Kunst ist, viele folgen dem Mainstream, ohne sich Fragen zu stellen. "Anything goes" ist das Markenzeichen unserer Epoche. Auf dem verrückten Kunstmarkt geht es nur noch um Geld und Geldvermehrung. Wenn beispielsweise ein "Künstler" Holzobjekte mit eingehämmerten Nägeln "übersät", weiss anstreicht, und diese Objekte sich für viele hunderttausend Dollars verkaufen, dann kann man sich als Kunstkenner nur noch in die "innere Emigration" zurückziehen und auf bessere Zeiten hoffen.

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