Mit Vorkochen kommt man gut durch die Arbeitswoche / dpa

Genusskultur trotz Fulltime-Job - Wenn Kochen zum Zeitproblem wird

Unser Genusskolumnist kann derzeit nicht wie gewohnt entspannt einkaufen und kochen, weil er für einen Monat einen „9 to 5-Job“ (genauer: 10 to 6) angenommen hat. Doch auch die „schnelle Küche“ am Abend bietet genussvolle Möglichkeiten.

Autoreninfo

Rainer Balcerowiak ist Journalist und Autor und wohnt in Berlin. Im Februar 2017 erschien von ihm „Die Heuchelei von der Reform: Wie die Politik Meinungen macht, desinformiert und falsche Hoffnungen weckt (edition berolina). Er betreibt den Blog „Genuss ist Notwehr“.

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Für mich ist das temporäre Eintauchen in die „normale Arbeitswelt“ eine ziemliche Umstellung. Viele Kollegen nutzen die Mittagspause, um in einem der zahlreichen einfachen Restaurants in der Umgebung eine warme Mahlzeit einzunehmen. Ich wurde sogar Zeuge von kollektiven Gängen zu einer Currywurstbude, nenne aber selbstverständlich keine Namen. 
Das alles läuft meinen Essgewohnheiten diametral entgegen, denn ich bin der klassische „Abendesser“, der tagsüber in der Regel nur einige kleine, kalte Zwischenmahlzeiten zu sich nimmt. Das nunmehr stark eingeschränkte Zeitbudget für genussvolle Verköstigung erfordert aber eine nahezu akribische Planung.

Trotzdem keine Fertiggerichte

Gut, Pasta in diversen Varianten geht eigentlich immer. Geht einem aber – wenn zu oft auf dem Teller – doch arg auf den Wecker. Fertiggerichte sind mir als Major der Geschmackspolizei a.D. weitgehend suspekt. Und mein Grundsatz „Ich gehe (fast) nicht mehr essen, weil ich so unglaublich gut kochen kann“, soll auch in der „10 to 6“- Zeit hochgehalten werden, jedenfalls weitgehend. 
Aber die kleinen Freiheiten des eingefleischten Freiberuflers sind in dieser Phase nicht mehr zelebrierbar: Der mittägliche Mittwochs-Besuch des Ökomarkts in meinem Kiez, das entspannte Schlendern durch diverse liebgewordene Einkaufsstätten auf der Suche nach kulinarischen Impulsen, das genussvolle Vorbereiten köstlicher Speisen: Alles derzeit nicht mehr so einfach oder gar nicht möglich, außer am Wochenende. 

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Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 10. September 2022 - 12:49

habe ich in England kennengelernt und mit der reformierten Oberstufe war ein kalter Snack auch besser als warme Mahlzeiten mittags, nach denen ich wohl ein Nickerchen machen , nicht aber mehr lernen konnte.
Zu späte Mahlzeiten machten sich gewichtstechnisch sehr übel bemerkbar, ich bemühe mich also jetzt, ab 18 Uhr nichts mehr zu essen, bis zum leichten Frühstück.
Fertigessen von DM oder aus dem Reformhaus, bzw. vegane Fertiggerichte von Konsum, Rewe, Edeka usw. ermöglichen auch mehr (Frei-) Zeit.
Ich bin ja keine Influencerin, ich nutze jedoch mein Heim, alles mögliche über längere Zeit auszuprobieren.
Eine gute Köchin zu werden, fiel mir bislang nicht ein.
Mir scheint, dass man dazu zuhause über einen großen Fundus an Nahrungsmitteln und Gewürzen verfügen muß.
So heimisch bin ich noch nie irgendwo geworden, dass ich mich an Bevorratung gewöhnen konnte.
Ich schätze also eine intelligente und praktikable Vergesellschaftung, vlt. abends essen im Reformhaus oder so, wenn man raus muss...

Gabriele Bondzio | So, 11. September 2022 - 08:51

Sowie "Du bist was Du isst" ...haben schon ihre Berechtigung.
Es gibt auch hierzu interessante Studien.

ZB. Unser Hirn ist, was es isst
https://programm.ard.de/TV/arte/unser-hirn-ist--was-es-isst/eid_2872430…

Da ich, wie sie lieber Herr Balcerowiak, Spaß am kochen habe. Sind die letzten 30Jahre mit viel Zeit (hatte auch als Selbständige, da im Eigenheim mein Büro) für Essen und Konservierung eigener Garten-Produkte, besetzt.

Außer der teils italienisch -ungarischen Küche durch meine Vorfahren, die meine Kindheit und Jugend, punkto Essen (mit viel Schärfe) beeinflußt hat.
Ist natürlich die gute deutsche Küche und auch Experimentierfreudigkeit in meinen Töpfen.

Auch Vorratshaltung, kochen von größeren Portionen mit anschl. einfrieren, gehörte schon immer zu meinen Gepfogenheiten.
So konnte ich, wenn Besuch kam schnell mal in den Kühschrank greifen.

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