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Bibliothek des Schreckens / picture alliance

Serie: Gefährliche Lieblingslektüre - José Ortega y Gasset: Scheitern als Tugend

Verglichen mit seinem Altersgenossen Martin Heidegger taugt der spanische Kulturphilosoph José Ortega y Gasset kaum als moralischer Aufreger. Doch die glatte Oberfläche ist trügerisch.

Pietzcker

Autoreninfo

Dr. phil. Dominik Pietzcker studierte Philosophie, Geschichte und Germanistik in Freiburg i. Br., Dublin und Wien. Bis 2011 in leitender Funktion in der Kommunikationsbranche, u.a. für die Vereinten Nationen, die Europäische Kommission und diverse Bundesministerien. 2012 Professur für Kommunikation an der Macromedia University of Applied Sciences, Hamburg. Seit März 2026 Magnolia Professur an der Shanghai International Studies University. Zahlreiche Veröffentlichungen zu interkulturellen und wirtschaftssoziologischen Themen. 

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José Ortega y Gasset gilt als der prominenteste spanische Philosoph des 20. Jahrhunderts. Als einflussreicher Kulturkritiker glaubte er an die mögliche Größe und Bedeutsamkeit des Individuums (zumal an seine eigene), leugnete aber zugleich jegliche historische Mission. Fortschritt war für ihn ein ambivalenter Begriff. Als leidenschaftlicher Subjektivist wusste er von der Haltlosigkeit des Einzelnen in der fragmentierten Moderne. Nationale Traditionen hielt er für sowohl identitätsstiftend als auch retardierend. Geistige und kulturelle Horizontlinien fand er nur in ihrer Erweiterung interessant. Lebendig zu sein, bedeute, neue Perspektiven einzunehmen.

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Dorothee Sehrt-Irrek | Fr., 3. Oktober 2025 - 12:17

Massen nicht schrecken.
Ich würde sie aber nie politisch nutzen wollen.
Kannte Ortega y Gasset Eichendorff, Nietzsche?
Sicherlich war ihm Christus ein Begriff, der evtl. "Prototyp" des "scheiternden Gottes", den man dann "weiterleben" lassen konnte und dies wohl auch getan hätte, wenn der Leichnam im Grab verblieben wäre?
"Der Mythos des Sisyphos" von Albert Camus war ihm sicher auch bekannt?
Zugegeben ist die Gestalt des scheiternden Gottes für mich von Beginn an ein "nicht zu verzeihendes" Drama unserer jüngeren Geschichte gewesen, aber kein überraschendes.
Der dieser Einschätzung zugrundeliegende Gottesgedanken trifft es vielleicht auch nicht mehr in der Modernen, wie Nietzsche verzweifelnd zu denken wagt.
Nun, er trifft evtl. damit etwas, das die Welt im Innersten zusammenhält.
Würde sie sein, wenn die Menschen davon liessen?
Sie wird aber auch nicht sein, wenn wir uns weiterhin zerstören, auf die eine oder andere Art.
Die "Information" könnte unsterblich sein?
...oder sonst was?

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa., 4. Oktober 2025 - 10:31

Können wir sie überhaupt lesen?
Was bedeutet zum Beispiel das Auseinanderlaufen der Messdaten für die letzten 185 Jahre und die Ergebnisse der parallelen Proxydatenerhebung, dem sogenannten "Decline"?
Ich hörte wieder einen Vortrag von Prof. Peitgen zu den Temperaturen der letzten 1000 Jahre und ob wir gesicherte Daten dazu erheben können.
Differiert eine "Erdtemperatur", die ich noch eher für die Proydaten zugrundelegen würde, vom menschengemachten Klima und kann sich das wieder treffen?
Will sagen, ich wage nicht mehr Ortega Y Gasset, sondern versuche mitzudenken mit unserer Elite, die als jetzt pensionierte oder verrentete vielleicht noch Zeit und Energie hat, die Welt zu retten.
Das wäre sehr nett...

Chris Gustav | Sa., 4. Oktober 2025 - 14:10

hoch interessant-ich hatte das Vergnügen, mit dem legendären Spanier Paco de Lucía einige Konzerte zu veranstalten. Paco gilt für Kenner als einzigartig kreatives Gitarrengenie, auch unter Jazzmusikern. Doch war er äußerst kritisch sich selbst gegenüber, sah sich eher als Scheiternder denn als Gitarrenheld. Ständig suchte und lebte er die Einsamkeit, die Zurückgezogenheit. Daraus schöpfte er die Kraft, den Massen seine Werke zu präsentieren. Um sich dann wieder zu kritisieren -Ortega und er hätten sich sehr gut verstanden als elitäre Zweifler. Städte dienen tatsächlich der Nivellierung des Geschmacks und der Leistungsfähigkeit auf unterem Niveau...