Bib
Bibliothek des Schreckens / picture alliance

Serie: Gefährliche Lieblingslektüre - Arnold Gehlen: Die Gesellschaft als Kristallkugel

Wenn der Zeitgeist nach rechts pendelt, kommen die konservativen Meisterdenker wieder näher. Arnold Gehlen war einer von ihnen. Er hielt den Begriff des Individuums für überschätzt und den Einzelnen für zivilisatorisch überfordert.

Pietzcker

Autoreninfo

Dr. phil. Dominik Pietzcker studierte Philosophie, Geschichte und Germanistik in Freiburg i. Br., Dublin und Wien. Bis 2011 in leitender Funktion in der Kommunikationsbranche, u.a. für die Vereinten Nationen, die Europäische Kommission und diverse Bundesministerien. 2012 Professur für Kommunikation an der Macromedia University of Applied Sciences, Hamburg. Seit März 2026 Magnolia Professur an der Shanghai International Studies University. Zahlreiche Veröffentlichungen zu interkulturellen und wirtschaftssoziologischen Themen. 

So erreichen Sie Dominik Pietzcker:

Arnold Gehlen (1904–1976) war ein typischer Vertreter des sogenannten deutschen Bildungsbürgertums, das sich vor allem in den mittelgroßen Universitätsstädten herausgeformt hatte. Sein Vater war ein erfolgreicher Verleger in der Buchstadt Leipzig (damals das publizistische Herz Deutschlands), seine Mutter stammte aus einem baltischen Adelsgeschlecht. Gehlen besuchte das humanistische Thomas-Gymnasium, um anschließend an der Universität seiner Heimatstadt eine beachtliche Anzahl akademischer Fächer zu belegen: Philosophie und Germanistik, Kunstgeschichte und Psychologie. Das klingt ein wenig nach Faust: „Habe nun, ach!“. Gehlens Studienwahl gibt Aufschluss über sein ebenso reges wie breitgefächertes Interesse – dies zu einer Zeit, in der das wissenschaftliche Spezialistentum bereits grassierte.

Cicero Plus

Ohne Abo Lesen

Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.

Mehr lesen über

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Karl-Heinz Weiß | Mo., 29. September 2025 - 12:41

1940 als frühes NSDAP-Mitglied und in Kenntnis von deren unerbittlichem Judenhass "frei von rassistischen Anklängen" zu schreiben, erscheint mir etwas theoretisch . Aber vielleicht spielte auch der Dünkel eine starke Rolle, wie beim selbstverständlichen Ausschluss von Studenten von der Bibliotheksnutzung. Und an seinem Cousin Reinhard Gehlen konnte er mustergültig feststellen, wie sich Mitläufertum auszahlt. Vom beschworenen "menschlichen Genie" war das meilenweit entfernt.