Mittelalterforschung - „Heinrich Himmler sah sich als Nachfahre einer Hexe“

Der Historiker Günter Dippold spricht über die populärsten Mythen rund um die Hexenverfolgung in Mittelalter. Viele Irrtümer gehen auf einen Befehl von Heinrich Himmler zurück, Bibliotheken und Archive zu durchforsten. Der SS-Chef war offenbar besessen vom Thema Hexen

Ein Relief der letzten Hexenverbrennung im Rheinland
Ein Relief der letzten Hexenverbrennung im Rheinland / picture alliance

Autoreninfo

Constantin Magnis ist Chefreporter bei Cicero

So erreichen Sie Constantin Magnis:

Es gibt eigentlich kaum ein historisches Ereignis, das derart mit Klischees und Mythen beladen ist wie das Thema Hexenverfolgung. Stimmen Sie dem zu?
Ja, unbedingt. Es ist tatsächlich beeindruckend, wie viele Irrtümer, Halbwahrheiten oder schlicht Unwahrheiten sich, beginnend im 19. Jahrhundert, aber bis heute anhaltend, um das Thema herumgesponnen haben.

Die landläufige Annahme über die Hexenverfolgung lautet: Im Mittelalter hat die katholische Inquisition millionenfachen Genozid an Frauen verübt. Können wir das mal mit den historischen Fakten abgleichen?
Zuerst einmal sind die Millionen, mit denen bis heute in vielen Publikationen hantiert wird, jenseits jeglicher Realität. Man schätzt, dass in der Hochphase der Hexenprozesse, also vom späten 16. bis ins späte 17. Jahrhundert, europaweit etwa 50.000 Menschen ums Leben gekommen sind.

Prof. Dr. Günter Dippold (Foto Juri Gottschall)
Prof. Dr. Günter Dippold. Foto: Juri Gottschall/Uni Bamberg

Wie lässt sich diese zahlenmäßige Übertreibung erklären?
Man hat Zahlen aus regionalen Brennpunkten der Hexenverfolgung unzulässig hochgerechnet. Natürlich gab es Gegenden, wie die Grafschaft Vaduz, wo man Opferzahlen von bis zu zehn Prozent der Wohnbevölkerung schätzt, an Orten wie dem Hochstift Bamberg war es noch etwa ein Prozent. Aber anderswo ging es eben nie über Einzelfälle hinaus. Die Übertreibung stammt zum Teil aus dem Kulturkampf des 19. Jahrhunderts. Vor allem aber hat die Propaganda der Nazis eine Rolle gespielt.

Welches Interesse hatten die Nazis an der Übertreibung der Hexenverfolgung?
Dahinter steckte vor allem Heinrich Himmler. Offenbar sah er sich selbst als Nachfahre einer Hexe, vor allem aber wollte er damit Propagandamaterial gegen die Kirche gewinnen. Auf seinen Befehl hin unternahm die SS die bis dahin intensivste Forschung, die je zum Thema Hexenverfolgung betrieben wurde. Es gab ein „Sonderkommando Hexen“, das eine Kartei angelegt hat, für die so ziemlich alle deutschen Bibliotheken und Archive durchforstet wurden. Die Ergebnisse liegen bis heute im polnischen Posen. Übrigens sah Himmler, irre wie er war, hinter der Hexenverfolgung auch die jüdische Weltverschwörung.

Himmler verklärte das Hexenwesen außerdem zum Träger eines nordischen Urmatriarchats.
Richtig, das ist ein weiteres Motiv der NS-Forschung, hier alte, vorchristliche Religionen ausgraben zu wollen. Das geht auf Vorstellungen aus der Ära der Gebrüder Grimm zurück, die ja auch hinter dem alten Erzählgut Quellen für vorchristliche Epochen gesehen haben.

Gerade im Feminismus wird die Hexenverfolgung oft als Geschlechterkampf interpretiert, die feministische Theologin und Philosophin Mary Daly etwa erklärte, Frauen hätten unter den Hexenprozessen mehr gelitten als alle Opfer von Rassismus und Völkermord. Ist diese Lesart richtig?
Es stimmt, dass Frauen weit überproportional unter den Opfern sind, auch aus der damaligen Überzeugung heraus, Frauen seien für dämonische Versuchungen empfänglicher als Männer. Was entgegen der populären Überzeugung keine große Rolle gespielt hat, war die besondere Verfolgung weiser, heilkundiger Frauen. Es kam zwar vor, dass eine Frau magische Praktiken ausübte und dadurch in die Mühlen der Justiz geriet. Das waren aber letztlich Einzelfälle. Am Ende hat die Justiz vor keinem Geschlecht, keiner Alters- oder Berufsgruppe halt gemacht.

Wie muss man sich denn „magische Praktiken“ aus dieser Zeit vorstellen? Gab es tatsächlich so etwas wie Hexenzirkel, wie sie heute in Neo-Paganistischen Milieus oder als Ableger des Wicca-Kultes existieren?
Es gibt aus der Frühneuzeit tatsächlich Belege dafür, dass Frauen und auch Männer in magische Praktiken involviert waren. Meistens handelte es sich dabei um ganz schlichte Vorgänge: Kinder reißen aus einem Acker irgendwelche Pflanzen aus. Die Betroffene hängt die Pflanzen in den Rauch, in der Erwartung, dass dann die Kinder zur Strafe ausdörren. Oder eine Kuh stirbt unversehens, und die betroffene Bäuerin trägt Lunge und Leber zu einem weisen Mann, der sie unter Beschwörungen verbrennt, und in der Folge soll der Verursacher dieses Kuhtodes ebenfalls sterben. Und es existierten auch überlieferte Zauberbücher, die heimlich weitergereicht wurden, zum Teil mit abgewandelten Formen der christlichen Liturgie. Aber die Existenz von Netzwerken oder Sekten im Sinne einer gemeinsamen Ausübung paganistischer Praktiken können wir bisher aus dieser Zeit nicht nachweisen.

Interessanterweise gab es in katholischen Ländern wie Italien oder Spanien kaum Hexenverfolgung. Die spanische Inquisition bekämpfte die Hexenprozesse und hat sie schließlich ganz verboten. Welche Rolle spielte die katholische Kirche bei der Hexenverfolgung in Deutschland?
Es gibt sehr wohl den Typus des geistigen Brandstifters, auf katholischer Seite etwa den Bamberger Weihbischof Friedrich Förner oder den Generalsuperintendent des Coburger Herzogs auf evangelischer Seite, die ihre Fürsten gedrängt haben, gegen die Hexen vorzugehen. Aber richtig ist auch, dass die römische Amtskirche sehr skeptisch gegenüber der Hexenverfolgung war und sie eher abgelehnt hat. Dabei ist die prinzipielle Überzeugung, dass es Menschen gibt, die mit dem Teufel im Bund stehen, damals kaum bestritten worden. Aber über die Frage, wie dem Problem beizukommen sei und ob man deshalb massenhaft Prozesse führen sollte, wurde intensiv gerungen. In Deutschland gab es dieses Ringen in katholischen wie evangelischen Fürstentümern. In Mitteldeutschland, etwa der Grafschaft Henneberg, in Eisenach oder Mecklenburg gab es zum Beispiel sehr viele Hexereiprozesse. Umgekehrt gab es in den großen katholischen Fürstentümern wie Bayern oder Habsburg eher wenige Fälle. Das alles war also keineswegs nur ein katholisches Phänomen.

Martin Luther soll ein ausgesprochener Befürworter der Hexenverfolgung gewesen sein. „Die Zauberinnen schaden mannigfaltig. Also sollen sie getötet werden“, wird er zitiert.
Da muss man vorsichtig sein. Luther war zwar ein Befürworter der Hexenprozesse. Allerdings in einer Zeit, in der das ein Randphänomen war. Die Reichstadt Nürnberg, damals das lutherische Kommunikationszentrum in Süddeutschland, bezeichnet die ganze Vorstellung von Hexen schon in den 1530er Jahren als „ein lauter Wahn“.

Die Prozesse wurden in den allermeisten Fällen von weltlichen, nicht kirchlichen Gerichten geführt. Wenn es nicht Religion und Aberglaube alleine waren, was waren dann die entscheidenden Antriebskräfte für die Hexenverfolgung?
Einzelne Scharfmacher spielten dabei immer eine Rolle, allen voran der Dominikaner Heinrich Institoris, der 1486 mit dem „Hexenhammer“ das Grundlagenwerk zur Hexenverfolgung verfasst hat. Dann kamen die Krisen des 16. Jahrhunderts dazu: Ständiger Krieg, Glaubensspaltung, Klimaverschlechterung. Es gab Jahre ohne Sommer, Missernten häuften sich, die Bevölkerung wuchs explosionsartig, es kam zu Versorgungsengpässen und Hungersnöten. Weil man immer schon glaubte, dass Hexen das Wetter machten, gab man ihnen die Schuld. Es reichten dann einige wenige Scharfmacher in den Fürstentümern, um die Lawine ins Rollen zu bringen.

Es ist bezeichnend, wer den Prozessen alles zum Opfer fiel: Kleinkinder und Greise wurden verbrannt, Aristokraten genauso wie Bettler hingerichtet. Eine Selbstzerfleischung der Gesellschaft, der jeder zum Opfer fallen konnte.
Ja, niemand war sicher. Nicht einmal die Priester, von denen alleine in Würzburg fast 50 hingerichtet wurden. Soviel zur landläufigen Vorstellung von der katholischen Kirche als Urheber der Hexenverfolgung.

Man stellt sich vor, dass der Buchdruck damals die Verbreitung von Gerüchten ungemein vereinfacht hat, und ähnlich brandbeschleunigend gewirkt hat, wie heute die sozialen Netzwerke.
Bei der Glaubensspaltung spielte der Buchdruck tatsächlich eine zentrale Rolle. Der Erfolg der Reformation wäre ohne Buchdruck nicht denkbar gewesen. Aber im Fall der Hexenverfolgung war es kein besonders wichtiger Faktor. Es gab vereinzelt Flugblätter, aber die gab es zu hundert anderen Themen auch.

Gibt es Ihrer Erfahrung nach Grundvoraussetzungen, die erfüllt werden müssen, damit Menschen, Gesellschaften und Ortsgemeinschaften beginnen, sich gegenseitig umzubringen?
Gefährlich wird es immer dort, wo Ideologie über Menschlichkeit gestellt wird. Wenn man im anderen nicht mehr einen individuellen Mitmenschen sieht, sondern ein Mitglied einer Gemeinschaft, die als schädigend oder gefährlich wahrgenommen wird, und deshalb beseitigt werden soll.

Bei uns scheint die Angst vor Terror und Überfremdung täglich zu wachsen. Aus der Sicht eines Historikers: Wäre eine derartige Barbarei heute bei uns noch einmal denkbar? Und wie wappnet man sich als Gesellschaft dagegen?
Ich werde oft gefragt: „Wie konnten die damals nur?“ Ich bin mir noch nicht sicher, was man in 200 Jahren mal über unsere Zeit sagen wird. Natürlich wächst das Risiko für so etwas in Zeiten von Zukunftsangst und großer gesellschaftlicher Verunsicherung. Damals waren die Opfer fiktive Schuldige, also Menschen, die angeblich mit dem Teufel im Bunde stehen. Heute haben wir, wenn man das Stichwort Islam aufruft, ganz leicht Klischeebildungen, die zu Feindschaften führen können. Eine Tatsache, die gestern noch ganz normal war, nämlich dass der Nachbar Muslim ist, kann dann morgen schon zur Gefährdung werden. Wir müssen die Hochnäsigkeit gegenüber der eigenen Geschichte immer wieder in Frage stellen. Und wir sollten lernen, sowohl der Mehrheitsmeinung als auch den eigenen Ängsten zu misstrauen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Günter Dippold ist Historiker und Honorarprofessor für Volkskunde und Europäische Ethnologie an der Universität Bamberg.

Arndt Reichstätter | So, 7. August 2016 - 15:05

Der Bogen zwischen Hexen, Nazis und Angst vor Überfremdung leuchtet mir nicht ganz ein.

Die Nazis waren ein gewalttätiger Arm des Monsters aus (1) autoritärer Erziehung, (2)Elitedenken und (3) militärisch industriellem Komplex.

Die heutige Hexenjagt betreibt weniger die politische Rechte, die ihr Recht aus sichere Grenzen einklagt oder den Kulturmarxismus anhand von Argumenten kritisiert.

Sondern eher die politische Linke, die (1) die Meinungsfreiheit einschränkt, (2) über zentralistische Planung die Gesellschaft und sogar das Wetter zu kontrollieren gedenkt, und (3) innenpolitisch offen die gewalttätige Antifa unterstützt und außenpolitisch Kriege aus Demokratiezwecken führt.

Momentan hat sich eindeutig die Linke zu mäßigen. Übrigens waren die Nazis eher rassistische Linke als Rechte. (Ein weiteres Beispiel für die Zauberspruch-Methoden der herrschenden Linken.)

Sie differenzieren fast chirurgisch in der politischen Rechten aber kehren alle Linken über einen Kamm. Zu sagen alle Linken würden die Antifa unterstützen ist als ob man sagen würde, jeder der CDU und rechter wählt unterstützt die NSU.

Sie werfen weiterhin alles was irgendwie negativ in linken politischen Lagern stattfindet in einen Topf: Kriegstreiberei der SPD, wobei die Partei die Linke z.B. vollkommen gegen jegliche Kriegshandlungen ist, bis hin zur Unterstützung der Antifa, was im (radikalen) linken Lager v.a. stattfindet.

Zentralistisch gesteuert werden Behörden momentan und ich meine Frau Merkel ist von der CDU. Linke fordern die Selbstverwaltung der Kommunen und nicht das Bündeln an wenige Standorte.

Nationalsozialisten waren keine Linken. Das ist der Versuch der Wortklauberei. Sozialistisch an Nazis ist die Tatsache, dass sie sich Prinzipien des Sozialismus zu eigen machen wollten aber nicht im Sinne der Freiheit für jeden sondern der gleichmäßigen Unterdrückung.

Arndt Reichstätter | Di, 9. August 2016 - 12:49

In reply to by Gast

Natürlich lege ich den Fokus eher auf die Linke. Denn die Linke ist ja an der Macht und damit das Problem. Die politische Rechte existiert kaum bis nicht.

Dies ist, was ich von einer SPD erwarten würde, wäre diese tatsächlich gegen Krieg: Stärkere Rhetorik über die Notwendigkeit eines souveränen Deutschlands. Androhung der Abspaltung Deutschlands von der NATO, sollte diese ihre neokolonianistischen Aktivitäten nicht sofort einstellen. Ggfs. Verweis des Landes der amerikanischen Truppen. Ende der Drohnenmorde aus Rammstein sowie der Sanktionen gegen Russland und freier Handel mit allen.

Die Partei DIE LINKE hat derzeit leicht reden. Sie ist nicht an der Macht und kann daher erzählen, was sie will. Aber auch ich vernehme ihre antikriegerischen Äußerungen zumindest mit Wohlwollen.

Ob man die Nazis als Linke bezeichnen kann, ist eine interessante Debatte. Ich behaupte, sie hatten mindestens so viele Kulturmerkmale der Progressiven wie der Konservativen.

Ich staune, denn Sie schreiben:" Natürlich lege ich den Fokus eher auf die Linke. Denn die Linke ist ja an der Macht und damit das Problem. Die politische Rechte existiert kaum bis nicht."
Und wer ist Frau Merkel ? Wer gibt ihr die Zustimmung von 47 % ? Wer hat die Gesetze ausgehebelt und Menschen aus Syrien hierher eingeladen ? Wer zog durch die Lande und hetzte über die Südländer, die angeblich nicht wirtschaften könnten was bis heute von vielen Menschen, auch hier im Forum immer noch geglaubt wird ? Wer hat geduldet, dass unsere BW nicht mehr als Verteidigungsarmee gilt sondern eine Angriffsarmee geworden ist ?
Nein Herr Reichstätter, das, was Sie schreiben geben die Fakten nicht her. Aber vielleicht gehören Sie ja zu denen, die einfach nicht wahrhaben können, dass die CDU originär eine "reiche Leute und Unternehmer-Partei" und mit Arbeitnehmern so gut wie nichts zu tun haben will ? Die politische Rechte agiert im Unter-oder Hintergrund und existiert.

Bernd Rundfeder | Mo, 22. August 2016 - 22:50

In reply to by Gast

die Nazis mögen keine Linken gewesen sein, aber eindeutig mehrheitlich Sozialisten.
Für Hitler war es ein steter Kampf, die Sozialisten in der Partei im Zaum zu halten und ihnen wieder und wieder "Haäppchen" zuzugestehen. Auch war das Regime sehr bemüht, den "kleinen Mann" finanziell so wenig wie möglich zu belasten, hingegen bei Besserverdienenden und Unternehmen kräftig hinzulangen, die unterworfenden Völker wurden hingegen auf Unerträgliche belastet, die Juden bis in den Tod beraubt.
Wobei sich das NS-Regime ja durchaus in die mörderischen sozialistischen Menschenexperimente von Stalin, Mao, Pol Phot etc. einreiht, und auch der "völkisch-sozialistische Ansatz war bei vielen - genaugenommen auch in der DDR - vorhanden. Sozialismus scheint tatsächlich mit historischer Zwangsläufigkeit erst in der Unterdrückung, dann im Mord zu enden.
(ich empfehle zum Erkenntnisgewinn Kershaw, Aly, Domarus)

Jonas Herdegen | So, 7. August 2016 - 16:21

Wieso sie in einem Artikel, der Mythen der Hexenverfolgung auflösen möchte, permanent behaupten, die Hexenverfolgung hätte im Mittelalter stattgefunden, spricht nicht für ihre Zeitschrift.

Die Hexenverfolgungen waren ein neuzeitliches Phänomen, warum hören Sie eigentlich Ihrem Gesprächspartner nicht zu?

Sie müssen mal lernen, genauer zu lesen: Das einzige Mal im gesamten Interview, in dem Das Wort "Mittelalter" vorkommt, ist diese Textstelle: "Die landläufige Annahme über die Hexenverfolgung lautet: Im Mittelalter hat die katholische Inquisition millionenfachen Genozid an Frauen verübt. Können wir das mal mit den historischen Fakten abgleichen?" Landläufige Annahme bedeutet, das gerade NICHT die Meinung des Interviewers hier kommuniziert wird.

Jonas Herdegen | Mo, 8. August 2016 - 18:27

In reply to by Gast

Ihr Aufruf "Lesen lernen" fällt auf Sie zurück.

Cicero führt das Interview unter dem Schlagwort "Mittelalterforschung", das wird dann in der Einleitung erneut aufgegriffen. - Dippold ist auch gar kein Mediävist.

Somit wird bei den meisten Lesern dieses Artikels die Hexenverfolgung im Mittelalter verortet werden, und damit ein Verständnis dieses Phänomens erschwert.

Christa Wallau | So, 7. August 2016 - 16:33

Nun dürfen also Hexenverfolger und der Nazi Himmler, dieser Teufel, der es mit Hexen hatte, als abschreckende Beispiele für diejenigen dienen, welche heute hochgefährlichen "Muslimverfolgern" nachlaufen könnten. ("Seid auf der Hut: Mißtraut euren Ängsten und
glaubt euren weisen polit. und kirchlichen Führern! Wir warnen vor Progromen, diesmal gegen unschuldige Muslime!")
Also ehrlich: Ich habe nicht den Eindruck, daß sich Muslime in DE davor wirklich fürchten. Das Selbstbewußtsein, mit dem viele Anhänger-/ innen Mohammeds bei uns auftreten, ist ungebrochen. Die Demo in Köln hat dies gerade eindrucksvoll bewiesen.

Mit dem Totschlag-Argument "Klischee" kann man jede Kritik unterbinden.
Das hat bisher prima funktioniert.
Leider stellt sich inzwischen allerdings immer mehr heraus, daß man bei den Islam-Verbänden Erdogan und Genossen auf den Leim gegangen ist, vor denen manche (Laut Artikel: die GEFÄHRLICHEN!) lange gewarnt haben. Soll man nun die Augen zumachen, oder
was?

Sehr gut erkannt, Frau Wallau. Wehret den Anfängen, allerdings ist es dafür schon fast zu spät. Was da jetzt in der Türkei passiert, ist nur ein Ausblick darauf, was auch in Europa möglich und machbar ist. Der Lynch-Mob ist sehr schnell mobilisiert und Blut in Mengen berauscht mehr als Alkohol oder sonstige Drogen und Ketzer laufen zuhauf und rufen nach göttlichen Zeichen. Wo bleibt der Demagoge?

Joachim Walter | So, 7. August 2016 - 17:05

... wie man an den Vorkommnissen im nahen Osten sehen kann.

Da reicht es, wenn man in den Augen bestimmter Leute als "Ungläubiger" angesehen wird, und schon hat man prinzipiell das Recht auf Leben verwirkt, oder ist zumindest Mensch zweiter Klasse, der nur in Ruhe gelassen wird, wenn er eine Sondersteuer zahlt.

Die "Bevölkerung wuchs explosionsartig" - genau das beobachten wir seit einiger Zeit auch in Afrika und im nahen Osten, und immer dort wo religiöser/ideologischer Fanatismus und der Kampf um Ressourcen aufeinandertreffen, dort werden wir auch in Zukunft solche Exzesse sehen.

Mit der unkontrollierten Massenmigration nach Europa importieren wir gerade sowohl die ideologischen Grundlagen, z.B. in der Form des real existierenden, und leider wenig friedliebenden Islam, wie auch den Bevölkerungsdruck und die Verteilungskämpfe.
Und diesen Kampf zwingen wir der Bevölkerungsschicht auf, die keine Zeit hat sich um politische Korrektheit beim täglichen Lebenskampf zu kümmern.

Dimitri Gales | So, 7. August 2016 - 20:34

Es tut gut, in diesem Magazin mal einen anderen niveauvollen, hochinteressanen Artikel zu lesen, der nicht von Politik oder anderen Konfliktthemen handelt.
Es würde mich nicht wundern, wenn die Bürger hierzulande bezüglich der Politik inzwischen abgestumpft und desillusioniert sind.

peter hauser | Mo, 8. August 2016 - 01:09

Nun Mythen sind Bilder die wie Ideale als Vorstellung wirken und Kräfte ins Leben rufen die sich dann verwirklichen.
Das Leben mag ein "Horrorfilm" sein", aber so ist es nun einmal.
Man möge doch einmal nachschauen wieviel Unsinn durch Glauben die Welt geprägt hat......Blut vergossen. Leid geschaffen und Zeit aufgewendet wurde um Menschen zu töten.
Menschen leben von Wünschen und Erwartungen, sonst verstände sich doch alles von selbst. Es geht halt weiter und wir werden erlößt sein, wenn der Tod uns berührt.Einige wollen immer weiter machen.....Reinkation ist auch eine Hoffnung, warum auch nicht ?

Karola Schramm | Mo, 8. August 2016 - 10:47

Immer wieder werden von verschiedenen Gruppen Sündenböcke gesucht für politisches Versagen oder dem, was man - früher - nicht erklären konnte.
Vom eigenen Versagen, Nichtwissen, Benachteiligung oder Fehlverhalten wird auf andere gezeigt, die dann zu Schuldigen erklärt werden & eliminiert oder bestraft werden müssen. Das war früher so & ist heute noch so.

Ein schönes Interview, weil es auch Bezug nimmt auf die heutige Situation.
Heute wie früher, fällt die innere soziale Sicherheit der Menschen weg. Sie stehen unter Existenzdruck & unter Existenzangst - beides von der neoliberalen Politik und Ideologie so gewollt und planmäßig durchgeführt. Die schrecklichen Ergebnisse sehen wir täglich. Ellenbogengesellschaft, Herz-Kreislauferkrankungen, Betrügereien in Lebensläufen & völkerrechtswidrige Kriege mit enormen Flüchtlingsbewegungen in Richtung Sicherheit sind nur einige Folgen. Wenn Gesellschaften katapultmäßig aus ihrem Rahmen geschleudert werden, ist alles Schreckliche möglich.

Hans Heinreich | Mo, 8. August 2016 - 14:26

Daß ein CSU-Parteisoldat und Christ sich die Hexenverfolgung schön rechnet, überrascht nicht wirklich. Die Kirche war der Urheber. Sie war und ist die tragende Kraft hinter dem Glauben an Teufel, Dämonen und anderen Unsinn. Sie hat die Gedanken der Leute gelenkt und bestimmt. Sie hat den Aberglauben der Leute geprägt und geschaffen und das nicht nur durch das Dämonisieren von mythischen Figuren aus der vorchristlichen Zeit. Ohne das Christentum hätte es keine Verfolgung gegeben, ohne das Christen hätte es den ganzen dazu nötigen Aberglauben nicht gegeben und ohne das Christentum hätten sich Faktoren wie Religionskrieg und Weltuntergangsängste gar nicht auswirken können, denn die hätte es nicht gegeben.

Andre Eisen | Mo, 8. August 2016 - 21:02

In reply to by Gast

Sie tun ja so als gäbe es ohne Christen gar keine Probleme? Das sieht aber auf der ganzem Welt doch anders aus, oder? Ich glaube das Übel kam und kommt nie aus der Religion selbst. Diese ist aber immer ein guter Vorwand, um persönliche Machtinteressen zu verwirklichen. In allen Religionen.

Andreas Hahn | Di, 9. August 2016 - 09:31

In reply to by Gast

Wenn man diesen Kommentar liest, fragt man sich, auf welchem Planeten Sie leben. Das Christentum hat unzähligen Menschen den Mut gegeben, ihr Leben im Vertrauen auf Gott aktiv zu gestalten, anstatt sich von der Angst vor Geistern, Dämonen usw. lähmen zu lassen.

Frank Goller | Mi, 10. August 2016 - 10:32

In reply to by Gast

Schon mal was von der Vorhölle und dem Fegefeuer gehört. Dieser Glaube lebt nur von der Angst ! Naja, die Vorhölle wurde ja -dem Himmel sei Dank- von Papst Benedikt abgeschafft - wahrscheinlich aus Kostengründen......bei diesen Energiepreisen.

Hans Heinreich | Mo, 8. August 2016 - 14:37

Es konnten nur weltliche Gerichte auf der Basis der von der Kirche vorgegebenen Wahrheit agieren. Denn nur die hatten die Macht dazu. Das macht das Christentum aber nicht unschuldig. Denn die Kirche bestimmte die Realität im Geiste. Christen haben im Namen ihres Gottes, ihrer Kirche und ihres Glaubens geurteilt auf der Basis dessen, was die Kirche als Realität vorgab. Ohne das Christentum hätte es nie solche Prozesse gegeben.
Man sollte auch nicht vergessen, daß die Hexenverfolgung auch als Fortführung der Ketzerverfolgung am Ende des Mittelalters gesehen wird. Die Gottlosen zu verbrennen war nicht neu. Neu war nur, daß auf einmal Frauen so sehr im Mittelpunkt standen. Die Leute mit veralteten geopraphischen Begriffen in die Irre zu führen ist übrigends höchst unwissenschaftlich. Bayern war damals winizig. Der Hexenhammer wären kaum ohne Buchdruck zum Handbuch für Hexenjäger geworden.

Petra Wilhelmi | Mo, 8. August 2016 - 15:08

Gähn ... Der liebe gute Islam und wie schlecht sind wir Biodeutschen, dass wir nicht das total Gute in ihm sehen, sondern ihn ablehnen. Pfui, fast so wie Hexen und Teufel. Nun gut, Sie sind ein Mann, da ist der Blickwinkel wohl etwas moderater. Sie werden ja im Islam nicht diskriminiert, wenn sie Muslim wären. Sonst schon. Übrigens es ist nicht wahr, dass die Hexenverfolgung vor allem außerhalb der Kirche lief. Auch die Inquisition verbrannte Frauen als Hexen. Dabei ist es unerheblich, ob man eben 1 Million verbrannte oder "nur" 10.000. Da ist wohl dann alles nicht mehr so schlimm. Oder? Ob nun der Kirchenfürst ein paar weniger und der weltliche Fürst ein paar mehr verbrannt hat, ist auch unerheblich. Kommt es auf die Zahl an oder auf den Fakt? Vor und nach der Hexenverfolgung gab es auch wirre Zeiten ohne diese Folgen. Und die Verquickung des Ganzen mit der heutigen Situation ist einfach nur schofel.

Karin Domig | Mo, 8. August 2016 - 20:07

sehr interessanter Artikel...

Dimitri Gales | Mo, 8. August 2016 - 21:15

Möglich, dass es irgenwann mal wieder zu einer Art "Hexenjagd" kommen wird. Diesmal werden die "unnützen Esser", die nicht in die neoliberale Doktrin passen, zum Ziel der Aussonderung: Langzeitarbeitslose, Arme, arme Alte. Das gab schon einmal, wie etwa zur Zeit Elizabeth I von England; da ging es um die zuweilen grausame Verfolgung von Arbeitslosen, die damals sehr zahlreich waren. Hexenverfolgungen passen sich eben immer der jeweiligen Epoche an.

Einen schönen Kommentar haben Sie geschrieben, dem ich nur noch hinzufügen möchte, dass es Ähnliches auch während der Nazuzeit gab. Arme, Alte, Kranke, Homosexuelle, Kinder, Säuglinge - alle die hilflos waren und der Obhut bedurft hätten, waren Esser zu viel.
Auch heute noch werden Kinder verkauft, weil kein Geld für Nahrung da ist oder Mädchen mit 14 Jahren verheiratet, damit ein Esser weniger in der Familie ist.

Es ist so viel Geld in der Welt und nichts wird getan, damit Hunger und Elend endlich aufhören...

Elizabeth Morgan | Fr, 12. August 2016 - 11:25

"Spätes 16. Jahrhundert" zählt doch schon als Neuzeit!
Liebe Cicero-Leute, mir mutet das falsch eingeordnet an!

So mittelalterlich sie anmuten, Hexenverfolgungen sind doch ein Phänomen der (dunklen) Neuzeit, auch wenn wir sie gern ins distantere Mittelalter bugsieren wollen! Gewalt und das Irrationale gehören leider auch zur Neuzeit! (Vgl. auch Kolonialzeitverbrechen, Nationalsozialismus, Religionskriege, diktatorische Regimes aller Couleur im Namen verschiedenster -ismen).
- Wieder so ein Mythos über Hexenverfolgungen: Hexen=Mittelalter.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 17. August 2016 - 11:26

So aus der Ferne halte ich ihn für einen der ganz großen Spinner unter den Nazis, gleich neben Hitler.
An diesem seinem Forschungsprojekt könnte aber etwas dran sein und warum sollte es keine guten Gründe gegeben haben, vor allem der katholischen Kirche etwas von ihrer Macht über die Gesellschaft zu nehmen?
Nein? Die Kirche herrschte wohl ganz friedlich, entnehme ich diesem merkwürdigen Interview?
Na ja Schiller kann man den Don Carlos vielleicht nachsehen, überhaupt allen, die der katholischen Kirche zum Opfer fielen, weiss Gott nicht nur Frauen.
Aber da Himmler eben ein evtl. Schwachkopf war, hat er es darauf fokussiert.
Ich halte Umberto Ecos Buch "Der Name der Rose" hoch wie ein Kruzifix gegen dieses Interview.
Einfach vorsorglich.
Und sowenig wie Ecos Kritik ist die meine eine ausserhalb des Glaubens, auch nicht des christlichen.
Dieses Interview wirkt wenig gehaltvoll, aber gut abgezählt.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Ebenfalls gelöscht werden ad-hominem-Kommentare, die lediglich zum Ziel haben, andere Foristen zu diskreditieren. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Generell gilt: Pro Artikel ist pro Nutzer ein Kommentar und eine Replik auf einen anderen Leserkommentar erlaubt. Kommentare, die Links zu zweifelhaften Webseiten enthalten, werden nicht veröffentlicht. Um die Freischaltung kümmert sich die Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.