Grafik mit Mandalorianer und Grogu in einer Wüste, Logo mit Text „Film der Woche“ oben rechts.
Gemeinsam durch dick und dünn: The Mandalorian (Pedro Pascal) und Grogu / © 2026 Lucasfilm Ltd™. All Rights Reserved

Film der Woche: „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“ - Die Macht ist müde

Seit Disney „Star Wars“ in ein Dauer-Franchise verwandelt hat, schwindet die kreative Kraft. „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“ ist ein banales Action-Spektakel. Es vertraut allein seinem Markenwert – und entzaubert den Mythos der Reihe.

Ursula Kähler

Autoreninfo

Ursula Kähler ist promovierte Filmwissenschaftlerin und arbeitete unter anderem am Deutschen Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt am Main. Sie veröffentlichte „Der Filmproduzent Ludwig Waldleitner“ (2007) und „Franz Schnyder. Regisseur der Nation“ (2020).

 

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„Star Wars“ ist längst kein Kinoereignis mehr, sondern ein ausgeschlachtetes Dauerprogramm. Die legendäre Saga ist seit der Übernahme von Lucasfilm durch die Walt Disney Company im Jahr 2012 zu einer kommerziellen Content-Fabrik mutiert. Story-Entscheidungen sind widersprüchlich, der Fokus liegt offensichtlich auf der Vermarktung. Darunter leidet die einst magische Strahlkraft. Einige wenige Projekte wurden allerdings positiv aufgenommen, etwa das Spin-off „Rogue One“ (2016) und die Serie „The Mandalorian“ (2019 bis 2023). Allein 15 „Star Wars“-Serien sind seit der Disneyisierung entstanden, sowohl animierte als auch real inszenierte Produktionen. Mit „The Mandalorian and Grogu“ erscheint diese Woche die Fortsetzung für die große Leinwand.

Bislang existieren drei Staffeln des von Jon Favreau entwickelten Spin-offs. Es spielt fünf Jahre nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983) und handelt von einem Kopfgeldjäger, Din Djarin (Pedro Pascal), der nach dem Fall des Imperiums ein geheimnisvolles Kind beschützen muss: Grogu oder auch „Baby-Yoda“. Dabei gerät er in Konflikte mit Resten des Imperiums und anderen Gegnern im Universum. Diese Art Space Western punktet mit einer gewissen Raffinesse und den persönlichen Abenteuern eines einsamen Kriegers. Außerdem erinnert die Serie stärker an die Originalfilme als manche der neueren Kinofilme. Darüber hinaus wurde der niedliche (und machtsensitive) Grogu blitzschnell zum popkulturellen Phänomen. Autorenfilmer Werner Herzog, der in den letzten Jahren echten Kultstatus als Schauspieler erlangt hat, überzeugte die Produktion ebenfalls. In drei Folgen der Season 1 tritt er in der Rolle des Schurken „The Client“ auf.

All die in der Serie etablierten individuellen Aspekte sind plötzlich irrelevant

Auch ohne Fachkenntnisse der „Star Wars“-Reihe kann sich der geneigte Sci-Fi-Fan von „The Mandalorian“ prima unterhalten lassen. 2023 erschien die letzte Staffel. Eine weitere ist nicht geplant. Der rund zweistündige „The Mandalorian und Grogu“ ist die logische Konsequenz einer spürbaren Marktnachfrage. Und weil die Zielgruppe seitens der Macher so breit (und damit profitabel) wie nur irgend möglich festgelegt wurde, erzählt das Werk eine völlig unabhängige Geschichte. Die Handlung dieses sogenannten Standalone-Films kapieren also auch diejenigen, die weder Ahnung von „Star Wars“ noch von „The Mandalorian“ haben. Leider liegt genau hier das Problem. Denn all die in der Serie etablierten individuellen Aspekte, die vor allem den Helden Din Djarin betreffen, sind plötzlich irrelevant. Dass „Mando“ als Kind seine Eltern auf tragische Weise während der Klonkriege verlor, wie es zur Verbindung zwischen Din Djarin und Grogu kam, was er damit aufs Spiel setzte und dass seine Abenteuer gleichzeitig eine Reise zur eigenen Identität sind: völlig egal. 
 
Stattdessen zählen in der von Jon Favreau geschrieben und inszenierten Verfilmung einzig und allein Action, Verfolgungsjagden, gewaltige Bilder – und viel Krach. So viel Krach, dass der Kinosessel nahezu permanent vibriert und die Gehörgänge immer wieder minutenlang abgedichtet sein wollen – zumindest beim immersiven Sichten dieses martialischen Spektakels in einem IMAX-Kino. All die revolutionäre, referenzierende, mystische Stärke, die vor allem die alten „Star Wars“-Episoden zwischen 1977 und 1983 hervorzubringen vermochten, ist passé. Favreaus Film ist eine einzige Kapitulation vor Hollywoods Geldgier. Damit verrät der Amerikaner den filmkulturellen Wert der Reihe, den er als Erbe von George Lucas eigentlich bewahren sollte: die archetypische Verankerung einer universellen Mythologie, die nicht allein auf Science-Fiction beruht. Trotz seines Blockbuster-Charakters ist „Star Wars“ eine der einflussreichsten Sagen der modernen Filmgeschichte – ein modernes Märchen voll moralischer, philosophischer, emotionaler Tiefe und revolutionärer technischer Kreativität. Natürlich kann Favreau an Lucas’ Leistung nicht mehr herankommen. Zu hoch liegt die Messlatte. Doch etwas ambitionierter hätte man schon sein dürfen. So ist der Film ein fest für jeden Kulturpessimisten.

Eine erschöpfte Galaxie im Leerlauf der eigenen Legende

Wie die Serie spielt auch die Kinoproduktion nach dem Fall des Imperiums. Der mandalorianische Kopfgeldjäger (erneut Pedro Pascal) und Grogu arbeiten für die Neue Republik und deren Offizierin Colonel Ward, die einzige Frau weit und breit, gespielt von der immer noch großartigen Sigourney Weaver. Das Dreamteam aus fast ausschließlich maskiertem Kämpfer (das Abnehmen des Helms verbietet ihm seine Glaubensrichtung) und Dreikäsehoch-Yoda (er gluckst so süß!) geraten in eine Mission gegen verbliebene imperiale Warlords. Im Zentrum steht die Rettung von Rotta, dem Sohn von Jabba der Hutte. Ihre Reise führt sie in – zugegeben reizvollen – Vintage-Fahrzeugen quer durch die Galaxis, wo sie in die politischen Machtkämpfe um die Überreste des Imperiums hineingezogen werden. Doch alles natürlich nur oberflächlich.

Zu Beginn fasziniert das halsbrecherische Wiedersehen mit Stormtroopers, AT-ATs (All Terrain Armored Transports), gigantischen vierbeinigen Kampfmaschinen, und Scout Walkers in einer verschneiten Hochgebirgslandschaft. Auch die Wechsel der diversen geografischen Settings sind durchaus attraktiv, etwa die sogartigen Flüge durch den Hyperspace, die Kämpfe und Jagden im dystopisch-urbanen Raum, in Wüste, Urwald oder unter Wasser. Allein, was nützen all der Pomp, die digital animierten Effekte, wenn über der banalen Handlung bloß die noch simplere Botschaft schwebt, die der Mandalorianer uns selbst offenbart: „Die Alten beschützen die Jungen. Dann beschützen die Jungen die Alten“? Wo einst Mythos und Staunen lagen, arbeitet heute nur noch eine erschöpfte Galaxie im Leerlauf der eigenen Legende. Selbst die Macht ist nicht unendlich belastbar. Müde ist sie geworden. „Das ist der Weg“ lautet Din Djarins bekanntes Zitat. Der Weg für das „Star Wars“-Universum sollte nun enden. Möge die Weisheit mit Disney sein.

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Dorothee Sehrt-Irrek | Mi., 20. Mai 2026 - 16:45

nachgefragt werden, werden die Produzenten es schon an den sinkenden Einnahmen merken.
Yoda-Baby ist einfach zu niedlich, um schon verschrottet zu werden, nehme ich an.
Dieses Glucksen und Hand-Ausfahren...
Die Alten müssen meiner Meinung nach nicht geschützt werden, gerecht darf es aber zugehen, wenn es um Lebensleistungen wie z.B. Rente geht und irgendwann schubsten die "Dinos" die alten Saurier auch nicht mehr über die Klippe, soweit ich mich an die Serie erinnere.
Schöne Besprechung.
Sah gerade gestern Abend auf Prime "Bella Roma".
Leben und Leben lassen

Ingbert Jüdt | Mi., 20. Mai 2026 - 17:12

Es gibt nur eine dieser neuen Serien im Star Wars-Franchise, die wirklich gut geworden ist, und das ist »Andor«. Die zwei Staffeln, die am Ende unmittelbar in den Plot von »Rogue One« übergehen, sind sozusagen Star Wars für Erwachsene und mit großartigen Schauspielern wie Diego Luna, Stellan Skarsgård, Elizabeth Dulau und Genevieve O'Reilly besetzt, die auch große schauspielerische Leistungen bieten. Gerade wenn Frau Kähler den Verlust von »moralischer, philosophischer, emotionaler Tiefe« beklagt und dem Star-Wars-Universum das Ende des Wegs nahelegt, sollte sie dem Franchise nicht das Requiem orgeln, ohne diese Leistung noch gewürdigt zu haben.