Szenenbild aus „Extrawurst“
Matthias (Friedrich Mücke), Torsten (Christoph Maria Herbst) und Heribert (Hape Kerkeling) besprechen die Lage / Studiocanal GmbH/Daniel Gottschalk

Film der Woche: „Extrawurst“ - Das wird man ja wohl noch sagen dürfen

Nach dem fulminanten Bühnenerfolg kommt „Extrawurst“ nun ins Kino. In einem Tennisverein eskaliert ein Streit um einen Grill für das einzige muslimische Mitglied. Launig offenbart der bitterböse Schlagabtausch die Probleme einer heterogenen Gesellschaft.

Ursula Kähler

Autoreninfo

Ursula Kähler ist promovierte Filmwissenschaftlerin und arbeitete unter anderem am Deutschen Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt am Main. Sie veröffentlichte „Der Filmproduzent Ludwig Waldleitner“ (2007) und „Franz Schnyder. Regisseur der Nation“ (2020).

 

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„Man sagt doch immer, der Mensch wäre ein soziales Wesen. Aber ganz ehrlich? Ich find’, davon merkt man fast nichts mehr.“ Mit diesen Worten, gesprochen von Hape Kerkeling, beginnt die Komödie „Extrawurst“. Dazu erklingt der wunderbare Song „Shiny Happy People“ von R.E.M., und wir sehen einige kurze Szenen aus dem Alltag deutscher Großstädter. Väter, die ihre Kinder auf einem Spielplatz verteidigen und sich anschließend prügeln, ein Mann, der einer Hundebesitzerin die Hinterlassenschaft ihres Vierbeiners in die Tasche steckt, und zwei Autofahrer, die sich um eine Parklücke fetzen. „Man hat doch in letzter Zeit das Gefühl, bei allen liegen die Nerven nur noch blank“, setzt Kerkeling seinen Prolog fort. Jede kleine Diskussion werde zum Riesenzoff. Die Leute kriegten es einfach nicht mehr richtig auf die Kette, wie man vernünftig miteinander redet. „Außer in unserem Club.“

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Markus Michaelis | Mi., 14. Januar 2026 - 12:08

Für sich privat ist das eine gute Einstellung. Wo es die Gesellschaft hinführt, ist eine andere Frage, die eher offen ist, würde ich denken. Humor heißt irgendwie, dass ich Abstand zu den Dingen gewinne, und von etwas außerhalb drüber lachen kann. Das kann eng damit verbunden sein, dass ich Dinge nicht ganz so ernst nehme: welcher Grill genau, wie genau mit Hundehaufen umgegangen wird, woher die Großmutter mal kam: am Ende ist ja alles nicht so wichtig.

Nicht schlecht, aber bei vielen wird das so interpretiert, dass wir dann zu den gemeinsamen wirklich wichtigen Dingen kommen, die alle Menschen teilen: Menschlichkeit, Menschenrechte, Demokratie, Grundgesetz etc.

Ich erkunde gerne vollkommen offen eine möglichst bunte Welt, wenn mein Kreis Gleichdenkender und die wirklich wahren Grundsätze nie, durch nix und niemanden, von innen oder außen je in Frage gestellt werden. Welt und Mensch scheinen aber so nicht zu sein.

Bert Dufaux | Mi., 14. Januar 2026 - 12:29

Hört sich im Artikel gut an, aber bevor man an der Kinokasse die Karte löst, wäre es noch interessant, zu erfahren, ob es sich bei diesem Film um politisch korrektes, stramm linkes Erziehungskino handelt, wie man es aus Produktionen der Öffentlich-Rechtlichen kennt oder ob es eine nach allen Seiten hin offene Gesellschaftskritik ist.

Sabine Lehmann | Mi., 14. Januar 2026 - 13:19

Herrlich. Besser und treffsicherer am Puls der Zeit...........vorbei kann man die Thematik nicht darstellen. Aber gut, es sollte ja auch eine Komödie werden. Und da die deutsche Filmkunst nicht anders ist als der Rest der sog. elitären Gesellschaft samt Politik, muss das Ganze politisch korrekt ablaufen. Angesichts des "brandheißen" Minenfelds Islam passiert auch das -so wie überall in Deutschland- in einer Art vorauseilenden Gehorsams oder besser gesagt in einer ewig und überall präsenten Form der Anbiederung. Das steht dem deutschen Wesen gut.
Apropos gut: Gut finden das sicher bei weitem nicht Alle. Ich gehöre auch dazu, ich finde es auch nicht gut, ganz und gar nicht. Ich gehe sogar noch weiter, mich widert es nur noch an. Dass am Ende natürlich doch noch ein zweiter Grill für den einzigen Moslem des Vereins angeschafft wird und ALLE sich wieder lieb haben, ist m.E. weder lustig noch unterhaltend, es trägt sein übriges bei zu meinem "Grundgefühl"......und Schnitt.