Szenenfoto aus „Ein einfacher Unfall“
Vahid (Vahid Mobasseri) in der iranischen Wüste / © Les Films Pelléas

Film der Woche: „Ein einfacher Unfall“ - Abrechnung mit einem Regime

In Cannes gewann das iranische Roadmovie „Ein einfacher Unfall“ die Goldenen Palme. Fünf ehemalige politische Häftlinge entführen darin ihren mutmaßlichen Peiniger. In beeindruckender Weise wirft Regisseur Jafar Panahi moralische Fragen auf, die sich einmal nach dem Sturz des Mullah-Regimes stellen werden.

Ursula Kähler

Autoreninfo

Ursula Kähler ist promovierte Filmwissenschaftlerin und arbeitete unter anderem am Deutschen Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt am Main. Sie veröffentlichte „Der Filmproduzent Ludwig Waldleitner“ (2007) und „Franz Schnyder. Regisseur der Nation“ (2020).

 

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Vahid ist Automechaniker und lebt in Teheran. In der Werkstatt telefoniert der Mann mittleren Alters fürsorglich mit seiner Mutter, als er plötzlich ein Geräusch hört, das ihn an das Grauen seiner Vergangenheit erinnert. Es ist das Knarren eines Holzbeins. Vahid ist sich sicher: Der Kunde, der es trägt, ist sein früherer Peiniger. Einst vom iranischen Regime zu jahrelanger Haft verurteilt, schleppt Vahid das Trauma dieser Zeit stets mit sich herum. Nun versucht er, ein normales Leben zu führen. Doch mit diesem einen Moment sind Angst und Gräuel wieder da. Es ist der erste Wendepunkt in dem beeindruckenden Film von Regisseur Jafar Panahi. „Ein einfacher Unfall“ lautet der Titel. Denn nichts anderes ist der Auslöser der anschließenden dramatischen Kettenreaktion. Sie wirft große Fragen auf, die den politisch gespaltenen Iran bewegen.  

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