Nahaufnahme eines jungen Mannes, erschrocken, mit Maschinenarmen und grellem Licht, Foto.
Schnellkurs in Empathie? / © Universal Studios

Film der Woche: „Disclosure Day“ - Kosmische Erleuchtung

Mit „Disclosure Day“ serviert Steven Spielberg einen Action-Thriller voller Pseudowissenschaft und Verschwörungstheorien. Getragen wird er von der naiven Botschaft, dass die Konfrontation mit Außerirdischen für mehr Nächstenliebe unter uns Menschen sorgt.

Ursula Kähler

Autoreninfo

Ursula Kähler ist promovierte Filmwissenschaftlerin und arbeitete unter anderem am Deutschen Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt am Main. Sie veröffentlichte „Der Filmproduzent Ludwig Waldleitner“ (2007) und „Franz Schnyder. Regisseur der Nation“ (2020).

 

So erreichen Sie Ursula Kähler:

„Ich bin davon überzeugt, dass wir nicht allein sind“, sagt Steven Spielberg. Besuch von Außerirdischen bekam der Hollywood-Regisseur allerdings noch keinen. Das Thema lässt den Meister des Blockbuster-Kinos nicht los. Immer wieder widmete er sich der Begegnung der dritten Art. „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“ ist sein mittlerweile 34. Kinofilm. Seit „Die Farbe Lila“ (1985) dreht er eher ernste, reife Produktionen, die sich abheben von solchen wie „Der weiße Hai“, „E.T.“ oder „Indiana Jones“. Dementsprechend will auch sein neues, gefühliges Action-Alterswerk keine Science-Fiction sein. Vielmehr dreht sich hier alles um Empathie, die wir, so Spielberg, zu selten füreinander empfänden.

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Jens Böhme | Do., 11. Juni 2026 - 11:33

Muss Unterhaltung wissenschaftlich korrekt sein?

Ingbert Jüdt | Do., 11. Juni 2026 - 13:30

... die wie bei so vielen pseudokritischen Artikeln nur durch großflächiges Unterschlagen von Kontext funktioniert. Zitat: »Die Idee zum Film kam dem 79-Jährigen beim Lesen einer Titelstory der New York Times im Jahr 2017.« Die Autorin unterschlägt, dass der Artikel von 2017 einer von dreien war, der von 2021 an eine Initiative auf höchster Ebene des US-Kongresses für die Offenlegung potentieller UFO-Geheimnisse des DoD angestoßen hat, die bis heute andauert, und zuletzt Trump zur Freigabe einer großen Zahl von Militärvideos veranlasst hat. Das war immerhin auch schon im Cicero nachzulesen (Andreas Anton, 10.08.2023).

Was immer am Ende dabei herauskommt (ein »smoking gun« ist bislang noch nicht erkennbar): aus dem hier unterschlagenen Kontext geht klar hervor, dass dem Thema mit den alten Totschlagvokabeln »Pseudowissenschaft«, »Verschwörungstheorien« und »Besessenheit der amerikanischen Populärkultur« nicht mehr beizukommen ist. Frau Kähler versumpft auf dem Kenntnisstand von 2017.

Erst gestern hat der UFO-Whistleblower David Grusch gemeinsam mit immerhin (unter anderem) fünf Angehörigen des Repräsentantenhauses (Anna Paulina Luna, Eric Burlison, Tim Burchett, Jared Moskowitz, Scott Perry) auf den Stufen des Kapitols eine Pressekonferenz abgehalten, die eine Reihe ziemlich krasser Behauptungen über amerikanische UFO-Geheimnisse aufstellt (ich spoiler nix, wen es interessiert, muss schon selber schauen, z. B. den Mitschnitt bei DRM News auf Youtube).

Das kann man natürlich gerne für maximal verstrahlten Unsinn halten, aber man sollte doch wenigstens zur Kenntnis nehmen, dass Spielbergs Film ganz wesentlich in diesem Kontext entstanden ist und nicht bloß von einem einzigen Zeitungsartikel aus 2017 getriggert wurde.

@Ingbert Jüdt, nach meiner Interpretation ging es der Rezensentin vorrangig um die spezielle US-Sicht auf das Thema. In anderen Weltgegenden läuft es seit eh und je "unter dem Radar". Ob es mit dem amerikanischen Sendungsbewusstsein zu tun hat - eine Interpretation durch den genialen Steven Spielberg wäre interessant

Ingbert Jüdt | Fr., 12. Juni 2026 - 12:03

Antwort auf von Karl-Heinz Weiß

... jedoch bezog sich meine Kritik am Artikel darauf, dass zur »speziellen US-Sicht auf das Thema« eben auch die Sichtweise gehört, die namhafte parlamentarische Vertreter der USA selbst (unter Biden zählte auch Chuck Schumer, demokratischer Mehrheitsführer im Senat, dazu) neuerdings darauf entwickelt haben.

Ich halte es für einen groben Patzer in der Recherche, diese jüngere Entwicklung nicht beachtet zu haben und stattdessen mit der einunddrölfzigsten Iteration der, mit Verlaub, abgeranzten »Verschwörungstheorie«-Vokabel aufzuwarten.