- Unsere Wurzeln, unser Sein
Die französische Tragikomödie „Die Farben der Zeit“ ist eine Zeitreise mit konservativer Botschaft. Raffiniert wechselt ihr Plot zwischen der Belle Époque und der Gegenwart. Ohne erhobenen Zeigefinger kritisiert sie blinden Fortschrittsglauben.
Soziale Missstände sind der narrative Kern des zeitgenössischen Kinos. Nahezu ohne Unterlass macht es auf gesellschaftliche Probleme und politische Themen aufmerksam. Dazu zählen Machtmissbrauch, Armut, Rassismus, Diskriminierung, Geschlechterrollen und Migration. Das ist gut und wichtig. Doch ein Sujet wird quasi vollkommen vernachlässigt: die Kritik am Fortschritt. Abgesehen von Dystopien in Form von Postapokalypsen, in denen böse, autoritäre Mächte oder Außerirdische Unheil über die Menschheit bringen („Die Tribute von Panem“, „Mad Max“, „Independence Day: Wiederkehr“), scheuen Regisseure und Produzenten offenbar eine kritische Auseinandersetzung mit dem technischen Fortschritt wie der Teufel das Weihwasser.
-
Monatsabo (im 1. Monat) 2,00 €
Das Abo kann jederzeit mit einer Frist von 7 Tagen zum Ende des Bezugzeitraums gekündigt werden.
Der erste Monat kostet 2,00 €, danach 9,80 €/Monat.
Ohne Abo Lesen
Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.
Ich glaube, das hat (sicher nicht nur, aber auch etwas) mit dem Menschenbild zu tun, dass man hat. Wenn man den Menschen als vorgegeben ansieht, d.h. es gibt soetwas wie genau ein richtiges Menschsein für alle Menschen, dann lenkt einen das glaube ich automatisch mehr in die Zukunft, weil man dieses eine, wahre Menschsein in der Vergangenheit ja offensichtlich nicht erreicht hat, also alle Kraft für die Zukunft, auf dem Weg dorthin.
Sieht man den Menschen mehr als offen an, mit vielen Möglichkeiten, wie Menschsein geht, sich auch sehr widersprechenden Ideen, und alle mit ihren inneren Widersprüchen, dann führt das glaube ich vielleicht nicht automatisch, aber doch naheliegend zu mehr Verankerung in der Vergangenheit. Aus dem Ozean der Möglichkeiten eine Basis, die einfach dadurch fest wird, dass sie mal real war - und daran nimmt man dann Veränderungen vor.
Das Überrollen durch die Technik ist nochmal ein eigenes Feld.
Dieser Film hört sich wirklich gut an. Wird vorgemerkt. Sehr gut!
