Szenenbild aus „Der Schimmelreiter“
Stress am Deich: Bürgermeister Ole Petersen (Nico Holonics, l.) und Deichgraf Hauke Haien (Max Hubacher, r.) mit Arbeitern und Wutbürgern / Anke Neugebauer/Arsenalfilm

Film der Woche: „Der Schimmelreiter“ - Deichbruch für Dummies

Bereits die Nazis haben Theodor Storms Novelle „Der Schimmelreiter“ für ihre Ideologie missbraucht. Nun erscheint eine moderne Adaption, die sie für Klima-Alarmismus instrumentalisiert – und dabei ihr Publikum für unmündig erklärt.

Ursula Kähler

Autoreninfo

Ursula Kähler ist promovierte Filmwissenschaftlerin und arbeitete unter anderem am Deutschen Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt am Main. Sie veröffentlichte „Der Filmproduzent Ludwig Waldleitner“ (2007) und „Franz Schnyder. Regisseur der Nation“ (2020).

 

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Deichgraf Hauke Haien ist ein tragischer Visionär. Der Held aus Theodor Storms „Der Schimmelreiter“ scheitert am Aberglauben seiner Zeit. Die neueste Verfilmung der Novelle scheitert vor allem an einem: dem Geduldsfaden ihrer Zuschauer. Bereits nach der Exposition droht dieser zu reißen. Zumindest bei kritisch reflektierenden Filmfreunden. Inszeniert als alarmistischer Kampf gegen den Klimawandel, verkommt Storms düsteres und vieldeutiges Meisterwerk zum biederen Ökothriller mit propagandistischer Botschaft. All die subtile Kunst versinkt in einem Meer aus gut gemeinter Banalität und mutiert zum Frontalunterricht für Schwererziehbare.

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Klaus Funke | Mi., 4. Februar 2026 - 13:22

Anspruchsvolle Filme machen, Literaturverfilmungen zumal, gelingt den heutigen Filmemachern nicht mehr. Sie sind ideologisch zugekleistert von grüner Ideologie. Sie wollen den Zuseher erziehen, formen, beeinflussen. Deshalb misslingt auch ein Tatort nach dem anderen. Nur deshalb hat auch Frau Harfouch hingeschmissen. Und nun der Schimmelreiter. Es wird nicht lange dauern, so werden sie Krieg & Frieden und Dostojewski politisch zeitgerecht umformen. Krass ist es auch am Theater zu beobachten, diese Sucht nach dem erhobenen Zeigefinger. Deshalb gehe ich schon seit 35 Jahren nicht mehr ins Theater und auch nicht ins Kino. Diese Herrschaften, Regisseure und Drehbuchautoren können nur durch absoluten Zuschauer-Boykott zur Umkehr bewegt werden. Und ja, ich gebe Ihnen Recht, Frau Kähler, die Art und Weise erinnert fatal an die Goebbels´sche "Filmförderung". Hirnwäsche ist angesagt. Ein total ideologisierter Klimarettungswahn macht sich breit. Und links und rechts wird nichts mehr gesehen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi., 4. Februar 2026 - 15:22

in meinen jungen Jahren deprimiert.
Er war so ausweglos, so schicksalverloren.
Deshalb würde ich sein Werk heute überschreiben "Die Qualen des Bürgertums", denn wir haben es nicht mehr mit den aristokratischen Ich-en eines Schiller, Goethe oder eines Eichendorff oder Novalis zu tun.
Deren Stellung in der Welt, ob nun gegenüber Gott oder Welt, legitimiert sich in Gott, wächst in ihm heran und wird zum Absoluten.
Ein "Sapere aude" kann dem Bürger nicht in den Sinn kommen.
Er definiert sich über seine Weltlichkeit und sein Eigen/tum.
Diese Weltlichkeit wird für Storm durch z.B. die Mendelschen Erbgesetze zum Verhängnis, zur Last, zur Strafe ob des Bürgers Aufbegehren.
Der Schimmelreiter will seine Frau und auch sein behindertes? Kind dem Schicksal, den Fluten der Geschlechtlichkeit, dem Meer also, abringen, Land gewinnen, stehen und leben können, aber er scheitert und doch nicht, würde ich rufen, ähnlich der Himmelskönigin in Goethes Faust, "wer immer strebend sich bemüht, den können..."

"wer immer liebend sich bemüht, den können wir erretten".
Die Kirche, das Vertrauen auf den lebendigen Gott bleibt für Storm eine Versicherung des liebenden Lebens.
Sehr schön auch in "Viola Tricolor".
Sah gerade ein sehr schönes Interview mit Erzbischof Gänswein, der Papst Benedikt lebendig werden liess.
Ich hoffe sehr, dass die katholische Kirche auch den Schatz der Schriften Papst Benedikts heben und bewahren möchte.
Die christlichen Kirchen sind wirklich reich in einem spirituellen Sinne.
Wir sind reich und beschenkt in vielen, die für uns Wege bereiten, für das Leben und die Liebe.
Es wäre wirklich schade um all das.
Ob das jetzt zum Film passt, kann ich nicht sagen.
Es ist halt meine frühe Lektüre Theodor Storms und meine Bewunderung für Gärten...

Hans v. Weissensand | Mi., 4. Februar 2026 - 15:45

noch aufregen? Die letzten Gerichtsentscheidungen zu den Klagen von DUH und BUND sprechen doch Bände. Denke das eigene Publikum wird den Film zur Selbstvergewisserung ansehen. Bestimmt werden noch ein paar Schulklassen in den Film gescheucht um anschließend einen Aufsatz über Klimawandel, Wutbürger etc. zu schreiben.

A. Brand | Mi., 4. Februar 2026 - 15:47

Seit vielen Jahren setzt der ÖRR den Erziehungsauftrag, den er glaubt zu haben vor Qualität und vergibt danach seine Mittel. Das sieht man gut an Formaten wie dem Tatort, dieser war früher fast überwiegend mindestens sehenswert, teilweise waren es richtige Meisterwerke. Heute ist jede zweite Folge ungenießbar, weil propagandistisch, der Rest Mittelmaß. Selbes gilt für alle politischen Formate, diese sind zu propagandistischen Erziehungssendungen verkommen, Qualität und Fakten sind Nebensache.

Daß die Neuverfilmung der „berüchtigten Adaption von 1934 ähnelt“, ist ebenfalls nicht verwunderlich. Die Grünen und ihre Blase stehen den Nationalsozialisten geistig sehr nahe, sie wähnen sich über dem „normalen“ Volk, sie sind maximal intolerant, teilen die Welt rigoros in schwarz und weiß, sie sind bereit ihre Ideologie mittels Zwangs und Unfreiheit des Individuums dem Volk aufzuzwingen, wenn nötig auch mit Gewalt! Sie sind wie die Nationalsozialisten klassische Faschisten!

Jens Böhme | Mi., 4. Februar 2026 - 19:53

Kann Deutschland auch andere Filme, z.B. Unterhaltung, als solch Agitprop-Filme? Jede Woche wird immer gefragt, ob sich der "Tatort" lohne zu schauen. Ist der "Tatort" gesellschaftspolitisch, dann gibt es immer ein "ja".