Film der Woche Der Fremde
Meursault (Benjamin Voisin) und Marie (Rebecca Marder) / © Weltkino

Film der Woche: „Der Fremde“ - Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt

Albert Camus’ Roman „Der Fremde“ beleuchtet radikal die Absurdität menschlicher Existenz. Regisseur François Ozon hat ihn mit postkolonialem Bezug für die Leinwand adaptiert. Trotz virtuoser Ästhetik wird der Film der Vorlage nicht gerecht.

Ursula Kähler

Autoreninfo

Ursula Kähler ist promovierte Filmwissenschaftlerin und arbeitete unter anderem am Deutschen Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt am Main. Sie veröffentlichte „Der Filmproduzent Ludwig Waldleitner“ (2007) und „Franz Schnyder. Regisseur der Nation“ (2020).

 

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Nur wenigen Werken der Literatur gelingt es, dem Schicksal der Vergänglichkeit zu entkommen. „Der Fremde“ von Albert Camus gehört zu diesem erlesenen Kreis. Sein 1942 erschienener Debütroman brachte dem Franzosen den Durchbruch. Er entstand parallel zu Camus’ philosophischer Abhandlung „Der Mythos des Sisyphos“ und übersetzt die darin erschlossene Philosophie des Absurden, die eng mit der des Existenzialismus verwandt ist, in belletristische Form. Die Geschichte des stillen, antriebslosen Angestellten Meursault im Algier von 1938, der eines Nachmittags, geblendet vom Sonnenlicht, einen Mord begeht, entwickelte sich zum Klassiker der Weltliteratur. 1957 erhielt Camus für sein Gesamtwerk den Literaturnobelpreis.

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Dorothee Sehrt-Irrek | Fr., 2. Januar 2026 - 15:51

Mit wenigen Sätzen haben Sie das "lebendige Herz" von Camus skizziert.
Gott sei Dank, denn die "Unnahbarkeit" zeigt eigentlich nur die Abwesenheit von "gut und böse", mehr noch, die Transzendenz, die im Miteinander verbleibt.
Hat Camus auch Rilke gelesen?
"Du musst das Leben nicht verstehen".
Nietzsche muss er gelesen haben, denn dessen "Also sprach Zarathustra" könnte mindestens die Blaupause für die "sanfte Gleichgültigkeit der Welt" sein.
Aber Nietzsche beschreibt im Zarathustra das gemeinsame "wolkenlose Lächeln" von Übermensch und Schwesterseele, wieso zeigt Camus es als eher Unnahbarkeit/Verschlossenes?
Er arbeitet seine eigenen familiären Umstände auf?
Lt. Wiki war seine Mutter Analphabetin und leicht sprach-und hör"behindert".
Entsprechend gelangt Camus darüber zu einer Definition des "Absurden", nicht des Paradieses "aus" Erden?
Vielleicht passt aber doch die Beschreibung der Liebe von Paulus, die Liebe blähet sich nicht auf etc.?
Jedenfalls fehlt die Angst vor dem Tod...