Fall Claas Relotius - Wenn „Haltung“ mehr zählt als Wahrhaftigkeit

Der „Spiegel“ stößt seinen als Betrüger entlarvten Reporter Claas Relotius empört ab. Doch die Hexenjagd ist verlogen. Denn vielen der relevantesten Medien scheint die richtige Haltung wichtiger zu sein als die Wahrheit, schreibt Rechtsanwalt Gerhard Strate

Georg Restle
Georg Restle, Chef des ARD-Politmagazins Monitor: Hauptsache, die Haltung stimmt / picture alliance

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Gerhard Strate ist seit bald 40 Jahren als Rechtsanwalt tätig und gilt als einer der bekanntesten deutschen Strafverteidiger. Er vertrat unter anderem Monika Böttcher, resp. Monika Weimar und Gustel Mollath vor Gericht. Er publiziert in juristischen Fachmedien und ist seit 2007 Mitglied des Verfassungsrechtsausschusses der Bundesrechtsanwaltskammer. Für sein wissenschaftliches und didaktisches Engagement wurde er 2003 von der Juristischen Fakultät der Universität Rostock mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Foto: picture alliance

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Im Juli 2018 veröffentlichte Georg Restle, Chef des ARD-Politmagazins Monitor, sein „Plädoyer für einen werteorientierten Journalismus“. Den Essay zu lesen, lohnt sich: Kaum jemals wurde der mediale Schritt vom Wege der Neutralität ungenierter eingestanden. Dass Herr Restle wenig von den intellektuellen Fähigkeiten seines Publikums zu halten scheint, macht er überdeutlich: „Und meinen wir wirklich, neutral und ausgewogen zu sein, wenn wir nur alle zu Wort kommen lassen, weil die Wahrheit schließlich immer in der Mitte liegt? Und wenn die Mitte immer weiter nach rechts wandert, liegt die Wahrheit eben bei den Rechten? Und wenn die Mitte verblödet, bei den Blöden?“

„Falsche“ und „richtige“ Haltungen

Im Gegensatz zu den von ihm konstatierten journalistischen „Neutralitätswahn“ sei die offengelegte Parteinahme für die Benachteiligten nicht nur wahrhaftiger, sondern auch ehrlicher, lässt uns Restle wissen. Wer sich so leichthändig und ganz bewusst mit scheinlogischen Begründungen vom journalistischen Handwerk verabschiedet und stattdessen der bevormundenden Haltungsschreiberei das Wort redet, legt damit, zugunsten des eigenen Sendungsbewusstseins, die Axt an die Wurzel der Pressefreiheit. Er maßt sich und der journalistischen Zunft an, zu bestimmen, welche Haltung die einzig „richtige“ wäre und in der Folge Kollegen mit der „falschen“ Haltung aufs Abstellgleis zu befördern.

Dass eine derartige fatale Verschiebung der Koordinaten des Anstands bei vielen großen Medien längst erfolgt ist, zeigt die weiterhin rasant anwachsende Zahl von Journalistenpreisen, die im deutschsprachigen Raum inzwischen bei mindestens 570 liegt. Benötigt werden all die Statuen, Blechmedaillen und Urkunden nur zu einem einzigen Zweck: Journalistenpreise verleihen ihren Trägern eine Scheinautorität, die sie fürderhin dazu berechtigt, ihren Mitmenschen die von Haltungsfetischisten wie Restle gewünschte Brille aufzunötigen. Dass sie selbstverständlich auch die menschliche Eitelkeit bedienen, macht sie umso begehrenswerter, wodurch der Konformitätsdruck noch weiter ansteigt.  „[…] Warum wir endlich damit aufhören sollten, nur abbilden zu wollen, ‚was ist‘“, twitterte Restle fröhlich, um weitere Leser für seinen Essay zu gewinnen.

Claas Relotius wusste, was gefragt ist

Ob zu den Lesern dieser geistigen Diarrhoe auch Claas Relotius zählte, wissen wir nicht. Auch werden wir wohl nicht erfahren, ob der junge Überflieger das Buch „Haltung zeigen!“ von Kollegin Anja Reschke kennt, welches in dasselbe Horn stößt. Es ist auch einerlei: Wie alle erfolgreichen Hochstapler verfügt Relotius über einen feinen Scanner für das, was seine Peergroup umtreibt. Dass Haltung mehr zählt als Wahrhaftigkeit: Relotius wusste diesen Trend der Zeit meisterhaft für seine Zwecke zu nutzen. Sein hohes Gespür für Sprachbilder und ihre unterschwellige Wirkung sorgte dafür, dass niemand sein Treiben kritisch beobachtete. Lieferte er nicht genau den Stoff, der haltungsbesoffene Redakteure zum Schwärmen brachte? Und war es nicht dieser Haltungsjournalismus, der auch Giovanni di Lorenzo bestimmte, als er zwar „instinktiv Skepsis“ gegen die Geschichten von Relotius hegte, diese aber nie offen artikulierte, sondern sich darauf beschränkte, Relotius beim Nannen-Preis nie „zum Zuge“ kommen zu lassen?

Und so fragte niemand nach, als Relotius mit seinem Beitrag „In einer kleinen Stadt“ ein düsteres Stimmungsbild von Fergus Falls und seinen Bewohnern zeichnete: Wohnten in der US-amerikanischen Kleinstadt nicht schließlich mehrheitlich dumpfdumme Trump-Wähler, deren lächerliche Kleingeistigkeit es herauszuarbeiten galt, und sei es mit reinen Lügen? Wären die redaktionellen Kontrollen strenger ausgefallen, wenn Clinton-Wähler auf diese Weise vorgeführt worden wären? Mit Sicherheit! – Klar ist: Der im März 2017 erschienene Artikel passte wie die Faust aufs Auge zu den infantilen Trump-Karikaturen, mit denen der Spiegel immer wieder seine einwandfreie „Haltung“ gegen den immerhin demokratisch gewählten Präsidenten der USA demonstriert. Dass Relotius als Überschrift seines Artikels ausgerechnet den sehr bekannten deutschsprachigen Titel des Stephen-King-Schockers „Needful Things“ wählte, dürfte in seiner sendungsbewussten Redaktion eine diebische Freude ausgelöst haben. Eine Freude, die sich jedes kritische Nachfragen von selbst verbat.

Fehlende Trennung zwischen Kommentar und Bericht

Dass der Überrumpelungseffekt der erfüllten Erwartungen auch im Inland wirksam ist, zeigen die plumpen Fälschungen im Interview mit der letzten Überlebenden der Weißen Rose, Traute Lafrenz. Welch eine gute Gelegenheit für Claas Relotius, den missliebigen Sachsen so richtig einen mitzugeben und mangelnde Wahrhaftigkeit durch gute Haltungsnoten auszugleichen: Was der vielfach preisgekrönte Reporter der alten Dame zum Thema Chemnitz in den Mund legte, war ausschließlich der Dichtkunst des Schreibers und den feuchten Träumen der Spiegel-Redaktion geschuldet. Da störte wohl noch nicht einmal die Einleitung des Artikels, von der man sich fast wünscht, sie möge ebenfalls eine Fälschung sein: Darin beschreibt Relotius, auf welch unwürdige Weise er sich aufgedrängt und die 99-Jährige zu einem Interview genötigt hatte.

Nicht nur Claas Relotius entschied sich dafür, die gute alte Trennung zwischen Kommentar und Bericht zugunsten von mehr oder weniger sprachgewaltiger Stimmungsmalerei aufzuheben. So berichtete auch die Zeit über den angeblichen Fall Wedel nur deshalb, weil sie die Möglichkeiten der juristischen Verifizierung der Vorwürfe aufgrund angenommener Verjährung für ausgeschöpft hielt. Warum also nicht gratis die tolle Gelegenheit nutzen, der #MeToo-Bewegung auch in Deutschland medialen Schwung zu verleihen?

Verlogene Hexenjagd

Ganz klar: In der Person von Claas Relotius findet der Haltungsjournalismus als Konzept einen seiner würdigsten Vertreter. Die Hexenjagd gegen ihn ist deshalb verlogen und unnötig. Wir lernen daraus: Ist die zwingende Stoßrichtung eines Artikels schon vor Beginn der Recherchen klar, so kommt es nur dann auf dessen Wahrheitsgehalt an, wenn der betreffende Reporter sich beim Schwindeln erwischen lässt. Viele der von ihrer Reichweite her relevantesten Teile der Medienbranche haben sich mit dem Haltungsjournalismus für eine falsche Abzweigung entschieden. Sie passten zusammen wie Schlüssel und Schloss: die Eitelkeit eines mit Preisen überhäuften Jungreporters und das Sendungsbewusstsein einer Redaktion, die sich gerne als „Sturmgeschütz der Demokratie“ geriert, jedoch offenbar still und heimlich die Seiten gewechselt hat. Es bleibt also abzuwarten, wie der sprachgewaltige Claas Relotius sein absehbares künftiges Dasein als Bauernopfer gestalten wird.

Der Verfasser ist ein Spiegel-treuer Leser seit mittlerweile einigen Jahrzehnten. Mich ergreift ein längst entwöhntes Sehnen nach jener Zeit, als eine kleine Fangemeinde des Nachrichtenmagazins sich schon sonntagabends am Hamburger Hauptbahnhof traf. Das war für die Leser der früheste Auslieferungsort des Spiegel. Geschehen im September/Oktober 1987, als der Spiegel unter der Ägide des unvergessenen Erich Böhme nach und nach die Details der Barschel-Affäre mutig entblätterte. Die Artikel wurden damals noch überwiegend anonym publiziert. Das hatte etwas Gutes: Für die Wahrheit war viel, für Eitelkeiten keinerlei Platz.

Auch für „Cicero“ hat Claas Relotius zwischen 2012 und 2016 gelegentlich als freier Autor geschrieben. Wir haben die Texte vom Netz genommen und überprüfen sie derzeit

Karin Zeitz | Do, 27. Dezember 2018 - 14:47

Sollte es nur einen Wert geben : die Wahrhaftigkeit der Berichterstattung. Die Wertung sollten sie ihren mündigen Lesern überlassen. Leider ist die Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien zunehmend tendenziöser geworden, von einfachen sprachlichen Disqualifationen bis zu offener Hetze gegen bestimmte Länder, Personengruppen, Einzeloersonen und Parteien. Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt.

Walter Meiering | Do, 27. Dezember 2018 - 14:52

Der Spiegel ist zunächst einmal ein privatwirtschaftliches Produkt. Als solches darf er eine eigene Tendenz haben. Er ist schon längst nicht mehr das 'Sturmgeschütz der Demokratie', sondern das Sturmgeschütz einer bunten, multiethnischen Gesellschaft in Deutschland. Insofern betreibt er schon längst Gesinnungsjournalismus. Wie gesagt, er darf das, so lange seine Journalisten bei der Wahrheit bleiben. Man muss ihn ja nicht mehr kaufen, was ich aus diesem Grunde auch schon lange nicht mehr tue. Bedenklicher finde ich, dass auch der ÖR Rundfunk längst auf diesem einseitigen Weg ist. Dafür habe ich allerdings kein Verständnis mehr.

"Insofern betreibt er schon längst Gesinnungsjournalismus" Meine Frage: Woher wissen sie denn das so genau, nachdem sie den Spiegel doch schon "seit längerer Zeit nicht mehr kaufen"?

Haben Sie schon mal was von online verfügbaren Artikeln aus den Heften gehört? Diese kann man auch lesen und seine Schlüsse daraus ziehen, ohne das Kampfblatt zu kaufen.

Es gibt auch in den sozialen Medien entsprechende Artikel und Zitate aus vielen besonders guten oder besonders schlechten Artikeln. Da muß man nicht mehr die Druckerzeugnisse kaufen, über deren einseitige Sicht auf die Dinge man sich nur ärgert.
Ich hab den Spiegel schon 2010 abgewählt.

Ernst-Günther Konrad | Do, 27. Dezember 2018 - 14:53

Mir war dieses Essay nicht bekannt. Aber es beschreibt eins zu eins die überwiegende Haltung der ÖR und der regierungstreuen Medien. Was früher noch klamm und heimlich versucht wurde, wird nun öffentlich deklariert. Geradeso, als ob er es keine andere Wahrheit gibt. Die Wahrheit ist die Manipulation der öffentlichen Meinung nicht nur durch die Sendung Monitor, die im Zweiten Programm gestaltenen politischen Sendungen sehen nicht besser aus. Überall das gleiche Vorgehen. Skandalisieren, eingefärbte Berichterstattung, ausgesuchte und verfälschte Bilder, gestellte Befragungen, gefälschte Statistiken, aus dem Sachzusammenhang gerissene Halbsätze zur Diffamierung der Kritiker und erfundene Geschichten. Warum soll sich der vielzitierte Werteverfall nicht auch in den Medien bemerkbar machen. Es scheint langweilig, nur zu schreiben was ist. Man will mitgestalten, seine Macht ausbauen und persönlichen mit Preisen versehenen Erfolg. Das macht unantastbar. Aber nicht alle Wähler schlafen.

Rudolf Stein | Fr, 28. Dezember 2018 - 11:51

In reply to by Ernst-Günther Konrad

Das, was man dem journalistischen Hochstapler vorwirft, gabe es schon seit längerer Zeit. Fragen Sie Goebbels und K.-E. v. Schnitzler oder Albert Norden. Der Hinkefuß und sein Auftraggeber nannten das die Vorsehung realisieren. Schnitzler und Norden beriefen sich auf die Parteilichkeit, die man anstelle der Wahrheit benutzte, denn Wahrheit war etwas, was auch dem Gegener helfen konnte, die Parteilichkeit aber stand im Dienste des gesellschaftlichen Fortschritts, und dessen Zielrichtung stand außerhalb jeder Diskussion. So konnte man und kann man heute noch! jede Lüge auftischen, wenn sie denn im Dienste des gesellschaftlichen Fortschritts, der Humanität und der Demokratie daherkommt. Wahrheit ist etwas für Leute, die nichts aus der Geschichte gelernt haben, die das Lied der ewig Gestrigen singen.

kann ihnen nur zustimmen. Ich habe mich oft gefragt wie ist es möglich, dass ein Volk auf die Frage "wollt ihr den totalen Krieg" schreit "Ja". Heute weiß ich es besser es ist eine "Haltung" die von den Schreibstuben unters Volk gebracht wird und somit gewollt eine gewisse "Lenkung" erzielt. "Haltung" kann edel und gut sein muss aber nicht. Realität und Wahrheit kann bitter weh tun und wird deshalb auch gerne ignoriert oft bis zum bitteren Ende.

Susanne antalic | Do, 27. Dezember 2018 - 14:57

Danke für ihren hervorrageneden Kommentar. Leider ist es genau so, wie sie es beschreiben, am meistens habe ich gelacht, als Frau Reschke den Friedrichspreiss bekamm, wenn es der Herr Friedrichs gewusst hätte wäre er in seinem Grab rottieret. Es ist eine Schande, das man solche Preisse in Namen solchen Journalisten verleiht, die das Wort Journalist noch verdient haben. Man muss sich die Pseudojournalisten in diesen Tagen warm halten, damit sie weiter die Gehirnwäsche , genannt Haltung, verbreiten.

Mathias Trostdorf | Do, 27. Dezember 2018 - 17:37

In reply to by Susanne antalic

Ich denke, die Verleihung von Preisen gerade an politisch einseitige Medienfiguren wie Reschke, Kleber, Hayali und co zeigt nicht nur, daß Linientreue wieder belohnt wird, sondern hat auch Signalwirkung für nachwachsende Journalisten: Seht her! So müßt Ihr agieren, wenn Ihr in diesem System auch nach oben kommen wollt!

Jörg Meyer | Do, 27. Dezember 2018 - 14:57

Der Schaden an unserer Demokratie, den die Mainstreammedien derzeit anrichten, ist meiner Ansicht nach kaum zu überschätzen: Sie sind vom Fundament des informierten Meinungskampfes zu Kombattanten geworden, und zwar, um im Bild zu bleiben, zu Kombattanten mit Neutronenbombe. Wo die in Gestalt des "Rechts"-Vorwurfs hinfällt, wird der Gegner medial vernichtet, mag seine Person als stumme Hülle auch stehenbleiben. Journalismus wird zur realitätsimmunen Religion, bei der Umerziehungslager nicht mehr fern scheinen. Und die erste bis zur dritten Gewalt machen das mit.

Christa Wallau | Do, 27. Dezember 2018 - 16:11

In reply to by Jörg Meyer

Ich stimme Ihnen zu, Herr Meyer.
Meinungsfreiheit im eigentlichen Sinne und Demokratie sind in Deutschland
im Absterben begriffen, und die Hoffnung, dies könne sich bald
ins Gegenteil verkehren, wird schwächer statt stärker.

Immerhin haben wir ja jetzt eine Partei, die AfD, welche viele Dinge beim Namen nennt und selbst in politik-fernen Deutschen Skepsis hervorrufen müßte angesichts
der regierungsamtlich und medial verbreiteten Schönfärberei.
M e h r als maximal 20% aller Bundesbürger scheinen dadurch jedoch nicht
wachzurütteln zu sein. Dafür hat die neue - wie Sie richtig sagen - "realitätsimmune Religion" (eine total innerweltliche Heilslehre selbsternannter "Gutmenschen") die Köpfe und Herzen in D viel zu sehr im Griff!

Angsichts dieses Zustandes bleiben einem die guten Wünsche für das neue Jahr irgendwie im Halse stecken...

gabriele bondzio | Fr, 28. Dezember 2018 - 09:32

In reply to by Jörg Meyer

Lügenpresse ist ja nun in aller Munde, es waren aber nicht direkte Lügen. Sondern einfach das Weglassen bestimmter Details bzw. offene Parteinahme. Eine ehemalige Redakteurin des MDR, Katrin Huß, legt im Gespräch mit NuoViso die Karten offen auf den Tisch. Ein sehr informatives Video, wie sich das Ganze seit 2014 entwickelt hat.

Johannes Reichhart | Do, 27. Dezember 2018 - 15:06

In fast allen deutschen Leitmedien von den ÖR-Anstalten bis zu den Printmedien herrscht seit Jahren Gesinnungs- und Bekenntniszwang und Meinungsmache vor Meinungsfreiheit und offener Diskussion. Ich rede nicht von radikalen Randgruppen links oder rechts. Ich rede vom Mainstream. Der ist in Deutschland zu fast 100% in der Hand von selbsternannten Tugendwächtern der öffentlichen, unhinterfragten, nicht hinterfragbaren und von ihnen verordneten PC-correctness und der daraus abgeleiteten Denk-, Sprech- und Schreibgebote.

Wer nicht bedingungslos diesem intellectual dress code folgt, ist entweder ein rechter Haß- und Wutbürger, mindestens ein böser Populist, ein Fremden- oder Europafeind, oder gar ein Menschenrechtsverächter oder im Handumdrehen ein Nazi.

Die Blindheit und Dummheit mit der dieser Doktrin in fast allen Leitmedien hinterhergelaufen wird, macht fassungslos. Cicero bleibt hoffentlich die Ausnahme in der dt. Medienwüste.

genau und vorallem ein Abgehängter der Gesellschaft, der als Hase verkleidet, Hetzjagden in Chemnitz durchführt und nun von den "Guten"
Allessehern und Allesbesserwissenden, meist aus westlichen Gefilden, die Verführten wieder zum rechten Glauben zurückführen sollen. Das kann durch mehr Kultur mit neuen Deutsches Liedgut, wie mit Sahne & Fischfilet gestestet werden und sind die schwarzen Schafe immer noch nicht willig, die Freiheit des Selbstdenkens aufzugeben, na dann können diese hoffnungslosen Fälle, nur in die rechte Ecke gestellt werden mit allen Konsequenzen für das weitere gesellschaftliche Leben. Dafür gibt es ja das Institut für "Politische Schönheit"! Das zeigt nur eines, es wird Zeit, dass die Menschen die Geschichte des Ex Merkellandes DDR und deren politische Progatonisten studieren, dann können alle wissen, wie eine Diktatur funktioniert, nämlich Maul halten, mit singen und abnicken, mehr braucht es nicht, um ein guter Staatsbürger zu sein!

Jens Winkelmann | Do, 27. Dezember 2018 - 15:19

Man sollte zwischen Haltungsjournalismus und
Lügenjournalismus unterscheiden, auch wenn es einen fließenden Übergang geben kann.
Der Lügenjournalismus von Claas Relotius ist ganz klar zu verurteilen.
Ein Haltungsjournalismus wie ihn Georg Restle propagiert, ist erlaubt, hat aber in der extremen Form im öffentlich rechtlichen Rundfunk
nichts zu suchen. Letzteres ist der Grund für die Ablehnung von ARD und ZDF in Teilen der Bevölkerung.

Ich bin anderer Meinung. Journalismus bedeutet zuvörderst umfassende und wahrhaftige Information. Ohne die kann schon mal keine fundierte Meinung gebildet werden. Dann erst folgt die Analyse und der Kommentar. Wer bereits die Berichterstattung filtert, weil bestimmte (wahre!) Tatsachen vermeintlich "Wasser auf die Mühlen der Falschen" wären, der indoktriniert und hat bereits seinen Job verfehlt. Meine Meinung möchte ich mir, mit Verlaub, auf belastbarer Grundlage selbst bilden, das kann ich mindestens ebenso kompetent wie der Volkserzieher Herr Restle. Und ich möchte auch zu einer anderen Meinung kommen wie der Herr.

Haltungsjournalismus wie ihn Georg Restle propagiert, ist nur dann erlaubt, wenn er neben oder ergänzend zu objektiver Berichterstattung angeboten wird!
Und selbst dann müssen bei einer neutralen Berichterstattung unterschiedliche Haltungen - sprich Meinungen - zum Tragen kommen!
Alles andere ist der Versuch einer "politkorrekten" Manipulation unter der Annahme, den "unmündige Bürger" durch betreutes Denken auf die "richtigen" geistigen Bahnen geleiten zu können!
Letzteres braucht kein Mensch!

Enrico Stiller | Do, 27. Dezember 2018 - 15:21

Wissen Sie denn nicht, dass banale Fakten keine Nachrichten sind? Und darüber hinaus ist die Realität ein soziales Konstrukt! Fragen Sie an der Uni. Ihres Vertrauens nach (Fach Genderismus)! Wer wird denn hier in pedantischen Fakten-Korrektismus verfallen? Das ist möglicherweise in der Nähe rechten Gedankenguts! Also per definitionem falsch. Sehen Sie sich doch an, wie professionell mit Akif Pirinccis (ja, ich mag ihn auch nicht) "KZ-Passage" in seiner Pegida-Rede (s. Wikipedia) verfahren ist. So kreativ müssen Nachrichten heute sein! Pirincci meinte, dass ein CDU-Lokalpolitiker Kritiker der Merkel'schen Migrantenpolitik wohl am liebsten ins KZ stecken würde. Die Presse machte daraus: Pirincci will Flüchtlinge ins KZ stecken. So gehen Nachrichten! Unglücklicherweise haben haltungslose Richter einige Medien gezwungen, das zu korrigieren. Aber die Gerichte werden wir auch noch von der Milch der einzig frommen Denkungsart überzeugen. In der DDR hat das ja auch geklappt.

Wir sind nicht mehr weit davon entfernt, dass in Fällen ungewünschter Urteile auch die entscheidenden Richter als "rechts" verleumdet werden.

Werner Peters | Do, 27. Dezember 2018 - 15:46

Lieber Herr Strate, leider gehen Sie auch den SPIEGEL-Leuten auf den Leim, indem Sie von "Nachrichten"-Magazin sprechen. Das war der SPIEGEL nie. Investigativ- oder Enthüllungsjournalismus früher ja, wenn auch schon früher nicht immer alles so stimmte, heute nur noch story-telling Zeitschrift. Aber seit Jahrzehnten berichten alle anderen Medien ganz devot so: "Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL meldet...", so auch heute wieder die FAZ als hätte es den Märchen-Erzähler nie gegeben. Insgesamt bin ich aber ein großer Fan Ihrer Artikel, Herr Strate, Sie sind ein großer Gewinn für das Magazin Cicero. Freue mich auf Ihre Artikel.

Bernd Muhlack | Do, 27. Dezember 2018 - 16:04

Herr RA Strate, ein sehr gutes Posting, Analyse. Während der Lektüre (Zitat: "verlogene Hexenjagd" = verlogene Hetzjagd in Chemnitz, oder?) kam mir Steffen Seibert, unser Regierungssprecher, in den Sinn, einfach so. Warum wohl bzw. auch nicht?

Mit freundlichen kollegialen Grüßen und gutes neues Jahr!

Juliana Keppelen | Do, 27. Dezember 2018 - 16:08

habe darauf hin ein SWR2 Feature "Vertrauen ist gut...." -Medien und ihre Kritiker- vom 30.12.2015 heraus gesucht (habe es ausgedruckt). Da wird schon die seltsame Art der Berichterstattung und die Diskrepanz zwischen öffentlicher und veröffentliche Meinung unter die Lupe genommen.

Romuald Veselic | Do, 27. Dezember 2018 - 16:38

wenn er ein Diktiergerät/Smartphone dabei hat.
Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er die gleiche Problematik aus verschieden Winkeln beurteilt. Der weniger gute Journalist, egal welches Problem er beschreibt, er schreibt immer das Gleiche: Hier sind die Guten u. dort sind die Bösen. Und wer meine Ansichten nicht mag, ist auch böse.
Zitat Hr. Restle: „Und meinen wir wirklich, neutral und ausgewogen zu sein, wenn wir nur alle zu Wort kommen lassen, weil die Wahrheit schließlich immer in der Mitte liegt? Und wenn die Mitte immer weiter nach rechts wandert, liegt die Wahrheit eben bei den Rechten? Und wenn die Mitte verblödet, bei den Blöden?“

Was wäre diese Fragen ein wenig anders zu streamen? "Und wenn die Mitte immer weiter nach links wandert, liegt die Wahrheit eben bei den Linken? Und wenn die Mitte verblödet, bei den Blöden/Blöden-Linken?"
Meine Frage: "Woher wissen die Linken wer blöd ist oder rechts?" Sind alle Linken per se Psychoanalytiker oder Psychiater?

Georg Czerwinski | Do, 27. Dezember 2018 - 17:23

Guter Artikel über die Haltungsschreiberei, deren Ziel es ist den Leser durch verfälschte Pressemitteilungen auf Kurs zu bringen. Die Qualitätsmedien übernehmen kritiklos diesen Haltungsjournalismus, weil er im Trend der Zeit ist.
Letzen Endes liegt die Verantwortung beim Leser sich solchen Manipulationsversuchen zu entziehen und Informationen mit politisch unterschiedlichen und auch ausländischen Medien abzugleichen.

Alexander Wildenhoff | Do, 27. Dezember 2018 - 18:30

Vielen Dank, Herr Strate! Ich dachte schon, Cicero mogelt sich an einer qualifizierten Bewertung des Relotius-Falles vorbei mit dem Interview mit Ihnen hier am 22.12. zur Strafbarkeit.
Sehr gut, dass Sie & Cicero nun zur Aufarbeitung des Skandals der „IV. Gewalt“ stehen – denn genau darum geht es. Es geht um die verlogene Hexenjagd des Unterhaltungsmagazins „Spiegel“ auf ihren früheren, hochdekorierten Mitarbeiter. Diese Jagd ist ein reines Ablenkungsmanöver zur Camouflage des tieferliegenden Skandals: die sogenannte Vierte Gewalt aus privatwirtschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Medienorganisationen kommt ihrem gesellschaftlichen Auftrag nicht mehr nach. In dieser private-public-partnership-Echokammer kann ein hochbezahlter ARD-Mitarbeiter Restle unwidersprochen das Credo des Herrn Relotius verkünden: Haltungsjournalismus ist auch im ÖR besser als „neutral und ausgewogen“ zu berichten. DAS IST DER SKANDAL!
„Sagen was ist“ ist das Gegenteil von werteorientiertem Journalismus.

Wolfram Fischer | Do, 27. Dezember 2018 - 18:48

Vielen Dank für diesen Kommentar, Herr Strate! Und gleichzeitig vielen Dank an Cicero, welches diesen ermöglicht!
Genau dieser Haltungs-Journalismus ist der Grund, warum ich mittlerweile unüberschaubar große Teile der Medienwelt als eine einzige inakzeptable Zumutung an meinen Intellekt erachte! Überall soll ich zum einzig richtigen (selbstredend: links-grünen, Haupsache "bunten") Denken erzogen werden, mir meine eigene Meinung zu bilden auf Basis von Fakten wird mir in rasantem Tempo immer weiter verunmöglicht. Und wehe, einer weicht ab vom Mainstream der "Erziehungberechtigten" - die verheerenden Folgen sind immer: Verunglimpfung als Fremdenhasser, Islamophobiker, Rechter bis Nazi... in jedem Fall steht er weit außerhalb der "guten" Seite der Gesellschaft, während die Erzieher selbstredend immer unzweifelhaft auf der richtigen, auf der guten Seite der Macht sind.
Unmöglich, damit entspannt damit unzugehen, ganz schwer, nicht zu verzweifeln!

Sie haben natürlich recht, Herr Fischer, aber es ist doch bei genauerer Betrachtung absolut erschütternd, dass man bereits für das "Ermöglichen" eines solchen Beitrags, der nun weiß Gott nichts Revolutionäres enthält, dankbar sein muss.

Claudia Martin | Do, 27. Dezember 2018 - 19:12

Die Presse ist halt ganz mehrheitlich links. War schon immer so. Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Würde mal gerne wieder was Neues in Cicero lesen. Wird aber erst nach der politischen und wirtschaftlichen Implosion (Aussendruck > Innendruck) passieren. Ansonsten alles Gute im neuen Jahr.

Heinrich Niklaus | Do, 27. Dezember 2018 - 19:29

Golineh Atai: „Wir unterrichten das unter anderem unseren eigenen Volontären. Und machen uns dabei viele Gedanken, wie Themen gesetzt und Wirklichkeiten geschaffen werden.“

Man gewinnt den Eindruck, viele der heutigen Journalisten sind so sehr von der selbsterteilten Aufgabe der „Wirklichkeitserzeugung“ beseelt, dass ihnen gar nicht mehr in den Sinn kommt, sie könnten sich schwer auf dem Holzweg befinden.

Richtig, Herr Strate, Relotius war ein „Bauernopfer“!

Robert Müller | Do, 27. Dezember 2018 - 21:23

Ich habe das in einem anderen Kommentar versucht zu schreiben: Ich habe kein Problem damit das da Dinge dazu erfunden wurden. Ob da z.B. das gewisse Ortsschild stand oder nicht, ob es 2 syrische Kinder gab oder nur 1, ist doch egal. Das ändert die Geschichte nicht, macht sie nur runder, gefälliger, preiswürdiger. Für den Schreiber hat sich das ausgezahlt: Festanstellung und Preisgelder. Wohl keine unwichtigen Argumente für einen professionellen Schreiber, heutzutage. Das ganze ist wohl im politischen Kampf wichtig, wobei der Lügenpresse- Vorwurf ja eigentlich etwas anderes meint und durch diese Geschichte nicht "bewiesen" wird. Ich denke, er meint, das die Presse Teil des politischen Kampfes ist: Die Presse als Links-liberale Kampftruppe. Was so im übrigen schon immer war. Nicht zufällig war die SPD ein großer Medien-Eigentümer. Oder z.B. der Bayernkurier auf der Gegenseite.

Kerstin Mempel | Do, 27. Dezember 2018 - 22:26

Journalisten sind keine Götter, sondern Leute wie du und ich. Nicht besser. Nicht schlechter. Sind Spiegel der Gesellschaft, Antwort auf die herrschenden Verhältnisse. Wird die Sprache im Alltag aggressiver, wird sie es auch in den Medien. Und umgekehrt. Warum sollten die Journalisten netter sein als Zeitgenossen in anderen Berufen. Sie bilden ab und niemand glaubt doch wirklich, dies gelingt 100 %ig objektiv. Es findet immer eine Auswahl statt. Das ist inneren und äußeren Bedingungen geschuldet. Alte ticken anders als Junge, Frauen anders als Männer, Väter anders als Mütter, rational Denkende anders als emotional Gesteuerte. Bei Fernsehmachern wird die Sache noch vertrackter. Der Blick des Kameramannes, der Stil des Cutters kommt hinzu, ohne das sich der Leser, Hörer, Zuschauer darüber in jedem Augenblick sich dessen bewusst ist. wieviel Zeit bleibt für die Recherche. Die kostet Geld. Wieviel Zeit zum Schreiben. Viele Journalisten müssen schnell arbeiten, um die Familie zu ernähren.

Die Damen und Herren der Medienlandschaft haben eine Machtposition inne. Allerdings sind sie nie demokratisch gewählt worden.
Dass auch sie Familien zu ernähren haben, ist klar, doch nach Ihrer Argumentation ist auch jeder Bankräuber, Steuerhinterzieher, Hochstapler etc etc entschuldigt, denn er hat sicher auch "gute" Gründe für sein Tun.

Wie wollen Sie Journalisten demokratisch wählen ? Muss der einzelne Kandidat alle Parteien getreu der letzten Bundestagswahl abbilden ? Das ist absurd. Sie glauben, an Journalisten ohne Macken. Ich nicht. Damit überhöhen Sie die Medien und machen sie zu dem, was Sie an ihnen kritisieren. Journalismus ist viel vertrackter. Hat verschiedene Genres. Berichte sagen, was ist, Reportagen auch, aber aus Sicht des Autors. Er muss auswählen, komplexe Vorgänge verständlich darstellen. Das macht Arbeit, die nicht jeder hat, Freie trifft es besonders. Gut sein, schnell sein - oft ein Widerspruch. Bleibt Lügen durch Weglassen. Bei Umfragen nur Antworten nehmen, die ins Klischee passen, dem des Chefs, der Mehrheit. Stichwort Quote. Beispiel: Ein Ingenieur versucht jahrelang durch alle Instanzen den stark befahrenen Weg zum Heimatmuseum sicherer machen zu lassen. Vergeblich. Da blieb ihm nur Pegida, um Aufsehen zu erregen, sagt er. Ein Bericht über ihn - nee. Passt nicht ins Klischee.

Wolfgang Selig | Fr, 28. Dezember 2018 - 00:12

Deutsche Journalistenpreise erinnern mich inzwischen fatal an militärische Orden und Medaillen. Sie befriedigen die Eitelkeit von Spender und Empfänger, zeigen den nachwachsenden Jungen, was karrierefördernd ist und verringern die Vielfalt. Ich würde im Inland nur einen einzigen Preis verleihen: den Preis für Journalisten, deren eigene Position man nicht herauslesen kann. Egal, welche das ist. Anders sieht es m.E. bei Reporter ohne Grenzen in Diktaturen aus, da maße ich mir eine Meinung nicht an.

Michael Murmurachi | Fr, 28. Dezember 2018 - 06:37

Ein Lichtblick zum Jahresende. Herzlichen Dank an Gerhard Strate und Cicero dafür, dass Sie Meinungsmachern in vielen Printmedien und im ÖR den Spiegel vorhalten und damit aufdecken, dass die sich einst als „Sturmgeschütz der Demokratie“ Feiernden mittlerweile als „Sturmgeschütze auf die Demokratie“ betätigen.

Die Hexenjagd gegen ihn Relotius ist verlogen. Wenn Hexenjagd, dann sollte sie in den Führungsetagen und Redaktionsstuben dieser Medien stattfinden. Dafür findet sich aber niemand, dafür müssten zu viele ihre Haltung aufgeben.

Artikel, wie der von Gerhard Strate, finden nicht genug Verbreitung und wenn doch, werden die Meinungsmacher der MSM schon ihr Gegen-Narrativ verbreiten…

Jacqueline Gafner | Fr, 28. Dezember 2018 - 07:59

der augenscheinlich der festen Überzeugung ist, dem allgemeinen Publikum (sprich den Lesern, Zuhörern oder Zuschauern) "auf die Sprünge helfen" zu müssen, leidet meines Erachtens nicht nur an peinlich anmutender Selbstüberschätzung, sondern hat schlicht den Beruf verpasst. Medien sind nach meinem Verständnis nicht dazu da, die Leute zu belehren oder zu erziehen, sondern sie über das Zeitgeschehen zu informieren (was? wo? wann?), allenfalls ergänzt durch eine Erklärung zu diesem Geschehen (warum?), die als Kommentar respektive Meinung zu deklarieren ist. Dabei muss sich der Medienkonsument darauf verlassen können, dass die vermittelten Informationen korrekt sind, will heissen, weder (ganz oder teilweise) erfunden sind noch das Geschehene (bewusst) verzerrt wiedergeben. Mehr ist nicht von Nöten und auch nicht erwünscht, zumal das allgemeine Publikum nicht selten mindestens so gut ausgebildet und lebenserfahren ist wie ein Gutteil der Journalisten, die sich als "Welterklärer" gebärden.

Bernhard K. Kopp | Fr, 28. Dezember 2018 - 08:21

Ich war 'treuer Spiegel-Leser' seit den frühen 1960ern, bin dies aber seit ca. 10 Jahren deutlich weniger, weil das Magazin zu einer links-grünen Propagandapostille mutiert ist. Es ist weniger relevant geworden. Den Namen Relotius habe ich erst kürzlich zum ersten Mal gehört. Der Status eines 'preisgekrönten Starjournalisten' bestand wohl nur im juste milieu. Ich fürchte, die Leute halten sich für wichtiger als sie sind und freuen sich, in der weihnachtlichen Saure-Gurken-Zeit ordentlich etwas zu diskutieren zu haben.

Peter Foscher | Fr, 28. Dezember 2018 - 08:58

... wozu der Cicero mittlerweile verkommen ist. Hier wird immer wieder auf wirklich platte Hetze gesetzt um mehr Clicks zu machen. Das finde ich schade.

Ernst-Günther Konrad | Fr, 28. Dezember 2018 - 12:22

In reply to by Peter Foscher

Herr Forscher klären sie doch bitte uns Kommentatoren mal auf, wer mit welchem Inhalt und mit welchen Aussage gegen wen gehetzt hat? Sie müssen ja unsere Meinung nicht teilen. Nur wenn sie kritisieren, dann konkret und inhaltlich argumentieren. Fehlen ihnen diese, ist schweigen oft der bessere Weg.

Bernhard K. Kopp | Fr, 28. Dezember 2018 - 21:52

In reply to by Peter Foscher

Ihre negative Bemerkung ist einfach grob unfreundlich. Sie machen sich nicht einmal die Mühe für eine inhaltliche Begründung. Das ist nicht im Interesse der Teilnehmer hier.

Lothar Werner | Fr, 28. Dezember 2018 - 10:10

Wieder mal „nicht generalisierend“, aber dennoch:
Erhält das Wort „Lügenpresse“ jetzt eine bessere Beachtung als bisher bei der Beurteilung so mancher Publikationen ?
Es besteht die Gefahr, dass man - nach kurzer Zeit der Hype um diesen „Journalisten“ - wieder zur alten Medien-„Qualität“ zurückkehrt, denn ohne eine Reinigung „an Haupt und Gliedern“ in so manchen Redaktionen wird sich leider wohl nicht viel ändern !

Juliana Keppelen | Sa, 29. Dezember 2018 - 11:25

In reply to by Lothar Werner

sollte man vielleicht ersetzen durch das Wort "Lenkungspresse" denn offensichtlich soll ja mit der vorgegebenen Berichterstattung eine gewisse Lenkung und Meinung erzielt werden.

Wolfgang Tröbner | Fr, 28. Dezember 2018 - 10:34

Herrn Strate ist zu danken für einen glasklaren Zustandsbericht der deutschen "Qualitäts"-Medien, die -bis auf Ausnahmen wie den Cicero- mittlerweile nur noch einen jammervollen Eindruck hinterlassen. Der Fall Relotius mag das herausragende Negativ-Beispiel sein, ist aber offensichtlich keine Ausnahme. Wenn nur noch Haltung zählt, aber nicht der Wahrheitsgehalt, wie von Restle und Konsorten propagiert, darf sich niemand wundern, wenn Medien sehr selektiv mit der Wahrheit umgehen, nur um "Haltung" zu zeigen. Die Frage ist, was sich eigentlich hinter dieser ominösen Haltung verbirgt? Die "Werte" der herrschenden Politik? Das wäre allerdings bedenklich. Dann wäre nämlich die sogen. vierte Gewalt nichts weiter als die Propaganda-Maschine der Politik, die im Falle des ÖR zwangsweise von den Bürgern finanziert wird. Leider ohne irgendein Mitspracherecht. Im Falle privater Medien wie dem Spiegel haben wir Bürger zum Glück ganz andere Möglichkeiten - wir kaufen so etwas einfach nicht.

gabriele bondzio | Fr, 28. Dezember 2018 - 10:44

Diesen Satz teile ich ohne Zweifel. Das niemand sein Treiben kritisch beobachtete, liegt wohl eindeutig an der gewünschten Richtung der hergestellten Stimmungsbilder in eigener Regie. Währen sein Stimmungsbilder in die andere Richtung abgefasst gewesen, hätte man die angegebenen Quelle bis aufs i-Tüpfel geprüft bzw. nicht veröffentlicht. Im Gegensatz haben Journalisten die sich einer wirklichkeitsgetreuen, werte freien Schilderung bemühen. Sehr viele Steine in den Weg gelegt bekommen (z.b. MDR-Moderatorin Katrin Huß, viel gesehen/beliebt vom/beim Publikum). Genannte wurde aus dem Mediendienst gedrängt, weil sie sachlich und wertungsfrei Konzepte lieferte.

Nur Hamanda | Fr, 28. Dezember 2018 - 10:55

Ist es eine Haupt-Nachricht, dass ein 8-jähriger Junge in einem Krankenhaus stirbt? Man liest es selten, obwohl es auf der Welt wahrscheinlich täglich mehrfach passiert. Wenn es aber ein 8-jähriger Junge aus Guatemala ist und in einem amerikanischen Krankenhaus, dann steht es auf in vielen Medien der ersten Seite oder ist einVideo mit Bildern von Menschen, die durch Mexiko Richtung USA ziehen.
Dass der Junge gestorben ist, ist eine schlimme, tragische, für nicht Betroffene nicht nachzuvollziehende Tragödie für die Angehörigen
Aber klar ist, dass damit Meinung gemacht wird. Es wird in Verbindung gebracht mit der "Trump-Mauer". Obwohl das Kind ja ärztlich in den USA versorgt wurde und starb, ist die Botschaft, Trump ist schuld.
Ich vermute mal in Europa sind am gleichen Tag auch Kinder gestorben. Keine Meldung gelesen.
Medien machen Meinungen und Medien haben eine Gesinnung. Und wenn das Ereignis passt, wird es instrumantalisiert = kein Journalismus.
Relotius ist überall.

Christoph Kuhlmann | Fr, 28. Dezember 2018 - 10:58

Überschriften von SPON. Ob es nun erlogen oder recherchiert ist, es ist eindeutiger Gesinnungsjournalismus mit einem höchst selektiven Focus. Genau wie an der Uni. Das Resultat wird durch die Fragestellung, das Thema oder die forschungsleitenden Hypothesen vorgegeben. Wo eine kritische Frage nach den Ursachen angebracht wäre, wird in der Presse gerne mit Reportagen gearbeitet, die an das Mitgefühl der Leser appellieren, jedoch keinerlei Hintergrund vermitteln und somit an einen nicht näher explizierten ideologischen Kontext appellieren, der auch in den übrigen Artikeln nicht reflektiert wird. Emotionen statt Aufklärung. Die Vernunft bleibt auf der Strecke.

Dr. Jörg Gerke | Fr, 28. Dezember 2018 - 11:58

Einer der besten Kommentare zu Relotius, neben dem von Alexander Wendt. Vielen Dank dafür!

Franz Gailer | Fr, 28. Dezember 2018 - 18:13

Was Herr Restle da von sich gegeben hat, überrascht mich nicht. Ein Neutralitätswahn
wäre in der Tat fatal, nur ist der ÖR alles andere als von diesem Wahn bedroht. Was ihn auszeichnet ist eher eine Linkslastigkeit, die auch darauf zurückzuführen ist, dass die allermeisten
die sich für den Journalistenberuf interessieren eher in der Wolle links gefärbt sind. Ich habe keine Hoffnung, dass sich daran so schnell etwas ändert. Den Hohepriestern der Meinungspredigt von den Kanzeln eines Heutejournals oder Tagesthemen u.ä. entgehe ich indem ich die Nachrichten bei NTV oder WELT anschaue. Mich reut nur das Geld, das ich für die ÖR hinlegen muss

Andreas Frick | Fr, 28. Dezember 2018 - 18:44

Ich habe den Spiegel ab den 80ern lange gelesen und fand ihn damals schon tendenziös und manipulativ. In der Barschel-Affäre hat er auch vollkommen versagt, weil er nicht weiter recherchiert hat. Später kam nämlich die Verwicklung der SPD heraus. Barschel hat gelogen und Fehler gemacht, aber hier ging es dem Spiegel darum, einen populären CDU-Politiker abzuschießen. Das ist nicht die Aufgabe eines Nachrichtenmagazins. Warum der Autor dann den Spiegel immer noch mag, obwohl er sich noch deutlich verschlechtert hat, verstehe ich nicht. Ich habe die FAZ auch abbestellt, weil sie nur noch ein linkes Käseblättchen ist. Das hat geschmerzt, aber sie haben einfach fertig.

Christiane Bohm | Fr, 28. Dezember 2018 - 23:29

Ich hatte angefangen, seit Anfang der Siebziger den Spiegel zu lesen, weil mein damals studierender Bruder diesen las. Die kommunistische Ausrichtung war immer schon da. Aber es gab viele gute Berichte, besonders die Gerichtsreportagen, die auch das Gegenteil aussagen konnten von der Seite eins, z.B. Afrikaner in Ost Belin nachts an Haltestelle von Deutschen verprügelt. Ab Mitte der Achtziger war das Blatt für mich nicht mehr lesbar, es war zum komunistichen Hetzblatt verkommen. Trotzdem gibt es aber immer mal Spitzenberichte, so wurde ich durch einen Hinweis auf die Reportage zu den NSU Morden, damals noch Dönermorde aufmerksam. Mindestens sechs Jahre zurück.Da fiel einem auf, dass nach Intervention der türkischen Regierung die Ermittlungen gestoppt werden mussten. Man war auf die türkisch-bulgarische Wettmafia gestoßen. Später kam dann der Geheimdienst ins Spiel. Heute lese ich, wenn ich mich informieren möchte, ausländische Medien. Und zur Unterhaltung Bild,Welt und Tagesspiegel.

jean Batato | Sa, 29. Dezember 2018 - 00:10

G. Strate und der Cicero Redaktion sind für den mutigen Artkel zu danken. In diesem Zusammenhang frage ich nach den Ursprüngen einer stilisierten Geschichte eines syrischen Jungen, der durch sein Wirken gegen die syrische Regierung im Jahr 2011, erst recht den Bürgerkrieg durch die Reaktion der Regierung ausgelöst hat. Diese Geschichte wurde von einigen hiesigen syrischen Staatsangehörigen angezweifelt, die aber von vielen Medien und Printmedien weidlich ausgestrahlt wurde und mutierte zum Hauptgrund der verheerenden Auseinandersetzungen. Und bot die Gelegenheit für die Verantwortlichen hier, Politik zu Lasten der syrischen Regierung zu machen.

Dieter Zorn | Sa, 29. Dezember 2018 - 09:27

Es ust schon verstörend wie Journalisten vom Schlag eines Restle, in verantwortlicher Position sitzend, ganze Debatten und Ergebnisse der Sechziger Jahre um eine Wertfreie Wissenschaft einfach in den Wind schlagen. Das Ergebnis war: Da alles Denken vom Subjekt ausgeht, kann es keine Wertfreie Wissenschaft geben, und auch keinen wertfreien Journalismus. Da man also seine Werthaltungen (Werte, Interessen, Sponsoren...) nicht ausblenden kann, sind diese kenntlich zu machen. Damit jeder beurteilen kann, auf welcher Wertebasis ein Urteil zustande kommt. Dem entspricht im Journalismus die Trennung zwischen Nachricht und Kommentar. Wer wie Restle die Grenzen verwischt mit der Begründung man müsse Flagge zeigen für die "gute" Sache, ist entweder naiv oder will Werthaltungen verschleiern und Menschen manipulieren. Beides ist in einer solchen Position verwerflich.

Uta Pieck | Sa, 29. Dezember 2018 - 20:19

Es lebe der Gonzo - Journalismus !

Sara Buschner | So, 30. Dezember 2018 - 16:57

Inhaltlich trifft der Kollege das Problem exakt auf den Kopf. Wenn aber, wie geschehen, auch ein Regierungssprecher voreilig auf diesen Zug aufspringt bleibt kaum Hoffnung, dass sich an diesem Zustand zumindest mittelfristig etwas ändern wird. Umso wichtiger ist es, dass Beiträge dieser Art veröffentlicht werden. Danke daher für den hervorragenden Beitrag und seine Veröffentlichung.