Frances Haugen
Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen vor dem britischen Parlament / dpa

„Facebook Papers“ - Eine Scheinwelt, die krank macht

Die „Facebook Papers“, die derzeit von internationalen Medien ausgewertet werden, zeichnen ein düsteres Bild des Tech-Konzerns. Von Menschenhandel ist die Rede, von Stalking und Desinformation. Die Enthüllungen werfen aber auch Fragen auf wie die nach der Eigenverantwortung in einer digitalen Gesellschaft.

Autoreninfo

Ben Krischke ist Redakteur bei Cicero. Er studierte Journalistik und lebt in München.

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Facebook-Gründer Mark Zuckerberg saß in den vergangenen Jahren zweimal vor dem US-Kongress, um sich unangenehmen Fragen über seine Geschäftspraktiken zu stellen. Zuletzt vergangenes Jahr, Ende Juli, per Video-Call. Das zentrale Thema war, ob die einschlägigen Tech-Giganten zu viel Macht haben. Neben Zuckerberg waren auch Amazon-Gründer Jeff Bezos, Google-CEO Sundar Pichai und Tim Cook, der CEO von Apple, zugeschaltet.

Doch die Politiker wollten mehr wissen. Unter anderem, wie es Facebook mit der Löschung von Hasskommentaren hält. Mark Zuckerberg sagte damals, das Unternehmen entferne etwa 94 Prozent der Beiträge, die sich als solche identifizieren ließen. Laut der Washington Post zeigen interne Dokumente jedoch, dass nur etwa fünf Prozent aller Hasskommentare gelöscht werden. Damit blieben 95 Prozent stehen, wo sie geschrieben wurden.

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Urban Will | Fr, 29. Oktober 2021 - 09:00

entgegenzusetzen hat.
Und man muss nicht nur nach der Eigenverantwortung der „Betroffenen“ (der „user“) fragen, denn die sind meist noch zu jung, um eine ausgeprägte entwickelt zu haben.
Man muss nach der Verantwortung derjenigen fragen, die diese Welt, in der diese Jugend aufwächst, gestaltet haben.
Ich bin mir sicher, dass ein gutes Selbstbewusstsein, familiärer Rückhalt, aber auch eine gefestigte kulturelle Identität jemanden weniger anfällig für all den oberflächlichen Blödsinn macht, der durch die sozialen Medien geistert.
Der offensichtlich in Vielen wohnende Drang, sich präsentieren zu müssen, gepaart mit der „Überzeugung“, genau der zu sein, den die Welt gerade sucht, birgt halt die große Gefahr des Scheiterns, das ist eine Binsenweisheit.
Hinzu kommen die perfekten Möglichkeit des mobbings innerhalb dieser Scheinwelt.

Zensur oder Verbote werden nichts nützen.
Gefragt sind konservative Werte. Man sollte halt aufhören, diese als „rechtsradikal“ zu stigmatisieren.

möchte ich mich ausdrücklich anschließen.
Konservative Werte und Grundhaltungen, die in den Familien vermittelt werden, sind das Einzige, was als Mittel gegen eine Vereinnahmung von außen (von wem auch immer) erfolgreich eingesetzt werden kann.

Stattdessen wird Menschen wie den Ungarn, die ihre Jugend vor schädlichen Einflüssen schützen wollen, seitens der EU (besonders von D aus) der absurde Vorwurf gemacht, nicht "fortschrittlich" zu sein.
Dabei geht es um nichts weniger als den Schutz unserer Kinder u. Jugendlichen vor viel zu früher Auseinandersetzung mit Sex, Gewalt und Haß.
Vorsicht, Schamgefühl und Selbstbewußtsein müssen bei ihnen gestärkt und nicht geschwächt werden.
Und die Schulen sind n i c h t der eigentliche Ort für die jegliche "Aufklärung", sondern die Familien. Die ELTERN stehen hier in der Verantwortung. Das hat nichts mit Prüderie, sondern mit Freiheit und Lebensklugheit zu tun.
Alle, die sich dem entgegen stellen, versündigen sich an unseren Nachkommen.

Ich gehöre einer Generation an die sich nicht nur alleine zu beschäftigen wusste, sondern zum d r a u ß e n spielen auch noch reale Freunde hatte.
Wollte ich mehr als das kl. Taschengeld, dann hieß es...Junge dann such dir eine Tätigkeit (Teppiche ausklopfen, HHerAblatt austragen u. ä.). Es gab kaum Trends denen man hätte hinterherlaufen wollen. Wozu auch. Alle trugen was praktisch war, nicht was gerade IN war.

Durch diese Sozialisierung wurden wir fest u. sicher verankert in uns selbst u. unseren Familien.

Wenn ich mir aber einen Großteil der heutigen Familien ansehe, dann wird mir Angst u. Bange. Denn was da so verzogen aufwächst wird uns einmal "führen" sollen.

Da ist eine zunehmende Migration aus fremden u. uns feindlich gesonnen Religionen, nur ein Brandbeschleuniger.

Anscheinend geht es einigen hier zu gut und so richten sie das Land eben zugrunde. Analog zu dem Esel der dann aufs Eis geht...traurig, aber wahr.

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 29. Oktober 2021 - 09:16

Respekt vor Snowden ff. und doch schaue ich immer ganz genau hin, wie grob der Keil ist, ob man ein Unternehmen zerstören will oder berechtigte Kritik übt.
Von weitem sieht die Anklägerin wie eine ältere Greta Thunberg aus, wäre dann immerhin die ältere Generation.
Wichtig wären mir jedenfalls Informationen über deren Mitstreiter und Finanziers, die man dann hoffentlich auch einer genauesten Prüfung unterzieht, wenn angezeigt.
Die krankmachenden Elemente von Facebook sind aber nicht auf dem Niveau von "Das Fernsehen zerstört die Familie", "Computerspiele machen aggressiv" etc.?
Ich habe einen Riesenrespekt vor der technischen und gesellschaftlichen Intelligenz von Apple, Microsoft, Amazon und Facebook usw. und hoffe sehr, dass diese Unternehmen die an ihnen geübte Kritik produktiv umsetzen können.
Ich warte aber auch auf eine international angemessene Besteuerung dieser Konzerne und eine Finanzmarkttransaktionssteuer.
In Teilen für mich interessant Precht bei Thilo Jung "Jung & Naiv".

Karl-Heinz Weiß | Fr, 29. Oktober 2021 - 09:33

Scheinwelt, Selbstverantwortung-da braucht es keinen Blick Richtung USA. Ein sehr eindrückliches Beispiel liefert derzeit eine Partei mit angeblich christlichen Wurzeln. Derzeitiger Lerneffekt: 0.

Ernst-Günther Konrad | Fr, 29. Oktober 2021 - 11:00

"Die Geister, die ich rief, werde ich nicht mehr los." ließ Goethe seinen Zauberlehrling ausrufen. Jetzt haben wir den Salat. Die asozialen Medien haben die Kommunikationswelt übernommen und die Medien stürzen sich auf Twitter, Facebook usw., kolportieren gerne für ihre "Storys" jeden Pups irgendeines No-Names, bis zum Anschlag. Die Politik schaut zu und schafft die Voraussetzungen für das Desaster. Und Zuckerberg zündet bereits die nächste Rakete in Richtung Traumwelten.
https://www.bild.de/digital/2021/digital/facebook-heisst-jetzt-meta-zuc…
Ich kann nur dem Kommentar des Herr Will zustimmen. Solange wir über die Politik, das Elternhaus und die Bildungseinrichtungen nicht wieder konservative Werte vermitteln, in der Schule den Umgang mit dem Internet lehren, werden wir diesen Geist der Traumwelterschaffenden nicht mehr los. Aber selbst unsere Politiker sind Twitter & Co. längst erlegen und bedienen sich der Manipulation. Wahnsinn!!

Christoph Kuhlmann | Fr, 29. Oktober 2021 - 11:13

von Hasskommentaren. Morddrohungen sollten sich identifizieren und löschen lassen inklusive der User. Das funktioniert ja bei Pornos auch ganz gut. Allerdings hört man immer nur das Negative. Ich habe mir eine Blase aus abstrakter Malerei aufgebaut und dafür ist Facebook ideal. Ich bin Moderator/Administrator verschiedener Kunstforen. Man muss halt Porno und Gewalt löschen wenn es nichts mit Kunst zu tun hat wie Hengst f.. Frau etc. oder Gewaltaufnahmen aus Polizeistationen. Auch wenn letztere gut gemeint sein mögen. Man kann bei uns alles veröffentlichen, es muss halt Kunst sein. Moral limitiert aber sie allein erfüllt das Kriterium de Kunst nicht.

Gunther Freiherr von Künsberg | Fr, 29. Oktober 2021 - 13:11

Das Hauptproblem der Social Media-Foren scheint mir zu sein, dass die Foristen sich in der Anonymität verstecken können, sodass es äußerst schwierig ist Verantwortungslosigkeit zu sanktionieren. Wer für seine Beiträge ohne große Rechercheschwierigkeiten verantwortlich gemacht werden kann wird sich hüten Hasskommentare, Beleidigungen etc. ins Netz zu stellen. Gleichzeitig schränkte dies auch die Macht der Tech- Giganten erheblich ein. Es kann auch nicht sein, dass Straftäter sich hinter dem Grundrecht Meinungsfreiheit verstecken dürfen.

Das wäre ein erster wichtiger Schritt Herr von Künsberg. Wer seine wahre Identität preis geben muss, der wird sich bei nur jeder kleinen Bemerkung in den asozialen Medien gleich zweimal überlegen, ob er sich einer Strafverfolgung und ggfls. Unterlassungsklage und/oder Schadensersatz aussetzt.
Dazu müssten aber auch die Tatbestände Beleidigung und Bedrohung im Netz ergänzend eingeführt klar mit Tatbeständen versehen werden und diese keine Privat- und Antragsdelikte mehr sein, sondern Offizialdelikte. Zudem bräuchte es in diesen Fällen eine Auskunftspflicht unmittelbar an die Polizei und Staatsanwaltschaft mit Richtervorbehalt und die sofortige Rechtspflicht, solche Postings, mit Einleitung von Ermittlungen zu löschen bzw. unsichtbar zu machen bis zum Ende des Verfahrens. Auch hier im Forum schreibt hin- und wieder ein "Karl Napp", mit Sicherheit nicht der richtige Name. Auch las ich immer wieder nur einen Namen, abgekürzte Namen oder Einzelbuchstaben als Absender hier im Forum.

Detlev Bargatzky | Fr, 29. Oktober 2021 - 19:23

"Laut der Washington Post zeigen interne Dokumente jedoch, dass nur etwa fünf Prozent aller Hasskommentare gelöscht werden. Damit blieben 95 Prozent stehen, wo sie geschrieben wurden."

Wenn ich mir anschaue, was allein deutsche Medien schon als Hetze und Hassbotschaften bezeichnen und beklagen, dann habe ich so meine Zweifel, dass diese Unternehmen so etwas wie "objektive Kriterien" als Grundlage ihrer Einschätzung nutzen.

In den Jahren ab etwa 2015 gelten m.E. ungefähr alle Wortmeldungen und Artikel des Nicht-Mainstreams, die nicht die Regierungslinien in D rückhaltlos unterstützen, mindestens als "höchst verdächtig".
Im Zweifel schicken sich halt ein paar selbsternannte Fakten-Checker an, aus diesen "Verdächtigungen" halt Hetze und Hassbotschaften zu machen.

Und das gilt soweit ich das einschätzen kann z.B. auch für jeden Artikel in den US-Medien, in denen Trump erwähnt, aber nicht verächtlich gemacht wird.

Kurz und gut: Ich halte die meisten MSM einschl. ÖR für unmassgebend.

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