Europäische Kulturhauptstädte - Schon schön schlau

Seit 35 Jahren gibt es die europäischen Kulturhauptstädte. Was erzählen sie von unserem Kontinent? Und was bleibt von ihnen, wenn das Spektakel vorüber ist? Eindrücke aus Marseille, Mons und Matera

Italien, Matera: Blick auf die historische Altstadt. 2019 ist die Stadt an Italiens Peripherie Kulturhauptstadt.
2019 darf sich Matera mit dem Titel der Europäischen Kulturhauptstadt schmücken / picture alliance

Autoreninfo

Björn Hayer: Der 1987 in Mannheim geborene Autor ist promovierter Germanist und arbeitet heute als Literatur- und Theaterkritiker sowie Essayist für verschiedene deutschsprachige Zeitungen und Magazine. Er schätzt mutige Utopien und steile Thesen.

So erreichen Sie Björn Hayer:

Bjoern Hayer Portraet

Was ist Europa? Ein Erbe der Aufklärung und des Christentums? Kontinent der großen Erfinder und Denker oder nur ein Wirtschaftsraum? Wohlklingend, aber auch nicht befriedigend ist die Rede vom europäischen Esprit. Dass diesem guten Geist weder eine staatenübergreifende Agrarpolitik noch eine gemeinsame Währung gerecht werden kann, haben die Mitglieder des EU-Ministerrats früh erkannt und am 13. Juni 1985 auf Geheiß der damaligen griechischen Kulturministerin Melina Mercouri mit einem bis heute populären Programm reagiert: mit der jährlichen Ausrufung zweier Kulturhauptstädte. Bevor aber die Touristen und Kulturreisenden sich zur gekürten Pilgerstätte aufmachen, stehen langwierige Mentoringprozesse und Planungsarbeiten an. Was daraus folgt, ist ein Jahr lang Feuerwerk: Ausstellungen, Filme, Theater, Performances sowohl zu regionalen als auch europäischen Aspekten.

Doch was passiert nach der gigantischen Feier? Kann Ruhm nachhaltig sein? Und welche Vorstellungen von Europa geben die ausgezeichneten Orte her? 35 Jahre nach der Beschlussfassung, erstmals ausgerichtet 1985 in Athen, lohnt eine Zwischenbilanz zum Konzept der Kulturhauptstädte, die sich exemplarisch an drei nunmehr ehemaligen, sehr unterschiedlichen Titelträgerinnen ziehen lässt: Marseille an der Côte d’Azur (2013), Mons in der belgischen Wallonie (2015) und Matera in der Basilikata, die sich die Prämierung 2019 mit der bulgarischen Stadt Plowdiw teilte.

Cicero Plus weiterlesen

  • i
    Alle Artikel und das E-Paper lesen
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Ebenfalls gelöscht werden ad-hominem-Kommentare, die lediglich zum Ziel haben, andere Foristen zu diskreditieren. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Generell gilt: Pro Artikel ist pro Nutzer ein Kommentar und eine Replik auf einen anderen Leserkommentar erlaubt. Kommentare, die Links zu zweifelhaften Webseiten enthalten, werden nicht veröffentlicht. Um die Freischaltung kümmert sich die Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.