100 Jahre Erster Weltkrieg - Vom Kampf in den Lesepausen

Bildungskanonen, gefährliche Klassiker und stille Erneuerung: Der Erste Weltkrieg war ein Kampf der Leser. Wie die Lektüre im Schützengraben die Kampfkraft stärken sollte

Seiten aus einem Kriegstagebuch
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Christophe Fricker ist Autor, Übersetzer und Literaturwissenschaftler. Er lebt in Bremen und Bristol.

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Bitte keine Kriegsbücher an die Front schicken!“ So steht es im Dezember 1915 im Champagne-Kameraden, der Feldzeitung der 3. deutschen Armee. Die Soldaten „erleben selbst“. Man müsse ihnen vom Krieg nicht erzählen. Außerdem seien die meisten Bücher über den Krieg ohnehin „nicht geeignet, den Ruhm des deutschen Schrifttums zu erhöhen“. Kriegstreiberische Werke bezeugten gerade nicht die geistige Überlegenheit des Deutschen, auf die diese sich so gern berufen.

Auch die Truppenzeitung Der Landsturm wehrt sich: „Um Gottes willen keinen Schund. Man bedenke, dass für den Soldaten im Felde das Beste gerade gut genug ist.“ Der Geist reagiere „nur auf wirklich Wertvolles“. Willkommen seien „sachlich orientierende Flugschriften“ zu Landeskunde, Technik und Wirtschaft sowie Unterhaltungsbücher zur „Ablenkung und Erfrischung“. Auch „Witzblätter“ hätten ihre Berechtigung, wenn sie „in künstlerischer wie auch inhaltlicher Beziehung auf der Höhe“ seien und der Soldat ihre Wirkung „an sich verspürt“.

Der Erste Weltkrieg war ein Kampf der Leser. Die deutsche Feldpost transportierte insgesamt 28,7 Milliarden Sendungen: Briefe und Karten sowie Pakete, denen meist wenigstens ein kleiner schriftlicher Gruß beilag. Viele enthielten Bücher, die begierig gelesen wurden. Nicht immer war es „das Beste“. Besonders großen Anklang fanden Unterhaltungsautoren wie Kurt Aram und Walter Bloem.

Das Rote Kreuz sammelte Bücherspenden
 

Zum ersten Mal wurde im Ersten Weltkrieg die Mobilmachung total. Alles sollte dem Krieg dienen. Das heißt allerdings nicht, dass immer geschossen wurde. Im Stellungskrieg waren viele Nächte ereignislos. Was dann gelesen wurde, sollte die Kampfkraft stärken. Denn, wie ein verbreitetes Schlagwort lautete, „Volksbildung ist Volkskraft“. Deshalb gab es Feldausgaben beliebter Titel und Reihen wie die Bücherei für Schützengraben und Lazarett oder Lamms jüdische Feldbücherei für deutsche Soldaten jüdischen Glaubens.

Schützengraben-Bücherei nannte man genormte Kisten mit rund 100 Büchern, die bis an die vorderste Front getragen wurden. Fahrbare Kriegsbüchereien mit jeweils acht Kisten versorgten eine Division. Der Bibliothekar Wilhelm Sandmann machte diese Praxis mobiler Ausleihstellen nach dem Krieg fruchtbar und nahm 1929 den ersten Bibliotheksbus in Betrieb.

Das Rote Kreuz sammelte ab 1916 Bücherspenden. In sogenannten Bildungskanonen standen sie für ruhende Truppen hinter der Front bereit, getrennt nach Offiziers- und Mannschaftsbüchereien. Mitgelieferte Verleihungstabellen hielten Dienstgrad, Name und Truppenteil des Lesers fest, damit jedes Exemplar nachzuverfolgen war. Das Rote Kreuz wusste: „Bücher sind Freunde und bedeuten für unser Heer und unsere Flotte eine geistige Macht.“

Diese Meinung spiegelt sich in vielen Feldpostbriefen. Von der Westfront schreibt Christian Tramsen im November 1916: „Man hat ja zum Glück seine Bücher, sonst wäre es schrecklich so alleine.“ Einige schickt seine Familie, andere leiht er sich: „Ich habe noch immer ein Buch von Lt. Souchai, der seit der Somme-Schlacht vermisst und scheinbar tot ist. Ich werde an die Eltern schreiben, ob ich es behalten darf. ‚Mitteleuropa‘ von Friedrich Naumann; gutes polit. Buch.“

Den Erfolgsroman „Der Wetterwart“ des Schweizer Heimatautors Jakob Christoph Heer habe er „in 2 Tagen ausgelesen. Sonst lese ich kaum Romane. Gut geschrieben. Ich war nur nicht gerade in der Stimmung, nun [eine] solch furchtbar unglückliche Lebens- und Liebesgeschichte zu lesen. Es packte mich teilweise sehr.“

Bücher hellten die Stimmung auf
 

In den ersten vier Kriegsmonaten erreichten 3,2 Millionen Bücher die Soldaten über zivilgesellschaftliche Kanäle. Der Verleger Eugen Diederichs nannte die Buchsendungen an die Front „geistige Kriegsfürsorge“. Beim Reclam-Verlag gab es für 20 Mark die „geistige Futterkiste“ mit 100 Bänden aus der Universalbibliothek. Der Deutsche Fußball-Bund setzte 1915 große Mengen eines in Feldgrau gebundenen Kriegsjahrbuchs in den Frontbuchhandlungen ab.

Diese wurden vom deutschen Verkehrs- und Bahnhofsbuchhandel in Frontnähe betrieben und über die eigens gegründete Buch- und Zeitschriftenvertriebsgesellschaft bestückt. Reclam stellte entlang der Front seine schon vor dem Krieg eingesetzten Buchautomaten auf. Die Innere Mission der evangelischen Kirche und der katholische Borromäusverein gründeten Vertriebsorganisationen.

Theodore Wesley Koch, Chefeinkäufer der US-Kongressbibliothek, berichtet in seinen Memoiren von einem Lazarett an der Ostfront. Einem deutschen Soldaten und dessen Sohn habe der CVJM Charles Dickens’ „Oliver Twist“ und eine russische Grammatik übergeben. Die beiden Verwundeten studierten die Bücher, wodurch sich ihre Stimmung aufhelle. Die Gedankengänge eines auf derselben Station behandelten Berliner Professors seien angesichts von Dickens’ Weihnachtsgeschichte ebenfalls heiterer geworden.

Die Oberste Heeresleitung sah all das gern. Lesende Soldaten galten als motivierter – weniger geneigt zu desertieren oder zu revoltieren. Der Ausschuss für fahrbare Kriegsbüchereien an der Front empfahl ihnen neben Raabe, Keller und Hesse auch Wilhelm Busch und den fünfbändigen „Humoristischen Hausschatz des deutschen Volkes“. Auf der Anschaffungsliste stand – undenkbar später im Zweiten Weltkrieg – selbst Literatur aus Feindstaaten: Robinson Crusoe und Sherlock Holmes, ja sogar das erzählerische Werk von Edgar Allen Poe.

Eine Zensur gab es zwar grundsätzlich, sie wurde aber je nach Truppenteil sehr unterschiedlich gehandhabt. Sozialistische Schriftsteller und Avantgarde-Autoren blieben freilich außen vor.
Bücher waren im Heer nahezu allgegenwärtig. Paul Diekmann schreibt im Juni 1915 aus einem Schützengraben in der Nähe von Lille, dort sei „alles Sumpf und Moor“, und „Stuhl und Tisch und Kiste“ habe er nicht – nur ein Buch.

Stoßtruppführer Ernst Bischoff meldet sich aus dem weißrussischen Smorgon bei dem Jenaer Historiker Alexander Cartellieri. In der „fahrbaren Bücherei“ seines Truppenteils befinde sich „eine reichliche Auswahl von Büchern bester und bekanntester Schriftsteller bis herunter zur seichtesten Unterhaltungslektüre“.

Der Gefreite Friedrich Uhlig berichtet, die Universität Jena habe ihren Kriegsteilnehmern die „Deutsche Politik“ des Historikers Heinrich von Treitschke gesandt. Er gebe die Broschüre, um seiner „Pflicht als Akademiker“ zu genügen, den Kameraden als Alternative zu ihren „seichten Novellenheftchen“. Hans Müller schreibt aus Boureuilles, die „reiche politische Literatur, die der Krieg erzeugt oder wieder an die Oberfläche bringt, hat mein politisches Verständnis schon wesentlich gefördert“. Nach dem Dienst habe er „reichlich Zeit zum Lesen und Schreiben“.

Preisausschreiben regten zum Verfassen von Artikeln an
 

Zahlreiche Truppenteile gaben eine Zeitung heraus, in der Verlautbarungen und Huldigungen zum Geburtstag des Kaisers und der Fürsten zu lesen waren, kriegswirtschaftliche Analysen, Betrachtungen über die Befreiungskriege oder Lokalgeschichtliches über den aktuellen Truppenstandort. Und natürlich viel Gebrauchsliteratur: die humoristische Erzählung „Mutter Schanettchen, die Konsequente“ der Journalistin Leonore Niessen-Deiters etwa. Oder „Sonderbare Geschichten“ von Herbert Eulenberg.

Preisausschreiben regten Soldaten und Offiziere zum Verfassen von Artikeln an. Die meisten schrieben Gedichte. „Jeder, der mit der Leitung einer Kriegszeitung betraut worden ist, wird die Beobachtung gemacht haben, dass die Zahl der poetischen Beiträge aus dem Felde die der Prosabeiträge weit übersteigt“, schreibt der Chefredakteur der Somme-Wacht 1917. Diese Kriegszeitung der 1. Armee enthielt Tiefgründiges über das Reich und den Feind, Knittelverse über Läuse und Matsch, sentimentale Lieder über den Wald und die Fluren der Heimat. Und die Soldaten lasen es, wenn er es druckte.

Die teils in sechsstelliger Auflage erscheinenden Feldzeitungen boten auch Klassisches: Schillers „Lied von der Glocke“ und Ausschnitte aus Goethes „Hermann und Dorothea“, Texte von Eichendorff, Stifter und Freiligrath. Gedichte der antinapoleonischen Lyriker Theodor Körner („Frisch auf, mein Volk! Die Flammenzeichen rauchen“) und Ludwig Uhland („Dir möcht’ ich diese Lieder weihen, / Geliebtes deutsches Vaterland!“) oder Rudolf Alexander Schröders Reiterlied mit dem energischen Anfang: „Wir reiten von Wäldern und Schluchten verborgen, / Wir traben hinein in den dämmernden Morgen, / Deutschland, Deutschland!“ Selbst Ausschnitte aus einem Hauptwerk christlicher Theologie, Thomas von Kempens „Nachfolge Christi“, wurde den Lesern im Feld dargeboten.

Die Zeitungen dienten übrigens nicht nur der Lektüre. Eine Broschüre über die „Herstellung von Bettdecken mit alten Zeitungen als Einlage“ empfiehlt ihre Weiterverwendung zum Schutz gegen die Kälte. Der Landsturm wird, eingeschoben „zwischen Hemd und Hosenträger“, zum dämmenden Polster.

"Ein Krieg, den man mit Versen kämpft..."
 

Da das Deutsche Reich laut dem Historiker Thomas Nipperdey eine bildungsorientierte „Schulgesellschaft“ war, wurden Texte selbst im Krieg nicht nur gelesen, sondern auch auswendig gelernt und zitiert oder auf improvisierten Bühnen aufgeführt. Sie sollten den Krieg erträglich und vor allem begreiflich machen. Der kämpfende Student Sophus Lange bittet seine Angehörigen um Schillers „Wallenstein“, „denn darin ist Hindenburg, darin sind Marketender und sorglose Soldatengelage, darin sind große Haupt- und Staatsaktionen“.

Es verwundert nicht, dass der britische Offizier Arthur Conway Young an einem ganz anderen Frontabschnitt ein „Wallenstein“-Exemplar fand, als er einen Graben eroberte. Ernst Jünger, Deutschlands bedeutendster Kriegstagebuch-Autor, mehrfach verwundet und hoch ausgezeichnet, war ein belesener Deuter des Weltkriegs. Grimmelshausen, Schopenhauer und Nietzsche, aber auch Karl May, Casanova und Otto Julius Bierbaum standen auf seiner Leseliste, außerdem Leonhard Franks Abenteuer „Die Räuberbande“ und der „französische Schundroman“ namens „Le vautour de la Sierra“. Jüngers wichtigste Lektüreerfahrung war der „Rasende Roland“ des italienischen Renaissance-Dichters Ariost.

Dessen Rückblick auf das Rittertum schärfte Jüngers Blick für die neue Art der Kriegsführung in seiner eigenen Zeit. Noch in den neunziger Jahren dachte Jünger regelmäßig daran, wie er „den Ariost in der Kartentasche“ mitführte. Er zitiert in seinem Kriegstagebuch: „Ein großes Herz fühlt vor dem Tod kein Grauen, / Wann er auch kommt, wenn er nur rühmlich ist.“

Im August 1918 stößt Ernst Jünger im nordfranzösischen Artois auf englische Flugblätter. „Es war sogar ein Gedicht Schillers vom freien Britannien dabei.“ Jünger überlegt: „Ein Krieg, in dem man sich durch Verse bekämpft, wäre eine recht segensreiche Erfindung.“ Dass die deutsche Heeresleitung 30 Pfennig pro abgegebenem Flugblatt bezahlt, unterstreiche die Gefährlichkeit auch klassischer Texte.

Die Lesegewohnheiten gerade der Gebildeten änderten sich im Feld kaum. Der mit dem Dichter Stefan George befreundete junge Altphilologe Norbert von Hellingrath, der noch vor Kriegsausbruch Hölderlins Spätwerk in der Württembergischen Landesbibliothek entdeckt hatte, las weiter George.

Er schnitt sich dessen Gedichtband „Der Stern des Bundes“ auf Taschenformat zurecht. Das Buch spricht von der Notwendigkeit gesellschaftlicher Erneuerung in Zeiten von Gier, Neid, Raubbau und Apathie und hält auch einen „heiligen krieg“ für möglich. Dieser findet im Buch aber nicht statt, weil sich enge, stille Freundschaftsbünde bilden, die auf friedlichem Weg für neues Leben sorgen. Hellingrath mag das getröstet haben. Georges andere Freunde schrieben einander vom Feld aus.

Der Germanist Friedrich Gundolf schickte dem Historiker Friedrich Wolters die ersten Korrekturbögen seiner Goethe-Biografie in die Karpaten. Wolters las dort bei klirrender Kälte und brütender Hitze auch Leopold von Rankes „Serbien und die Türkei im neunzehnten Jahrhundert“. Beide erhielten Briefe von George.

Auf der anderen Seite der mazedonischen Front saß der Oxforder Gelehrte R. W. Chapman und edierte in einer Hütte aus Sandsäcken unter einem Wellblechdach James Boswells Tagebuch einer Hebridenreise von 1785. Boswell wurde vor allem durch seine Biografie Samuel Johnsons bekannt, des bedeutendsten englischen Wörterbuch-Autors. Auch dessen Tagebuch einer Schottlandreise gehörte zu den Editionsprojekten, die Chapman während seines Einsatzes auf dem Balkan unbeirrt weiterverfolgte.

Leseverhalten im Krieg wurde bisher wenig erforscht
 

In Großbritannien hatte die Schulpflicht ebenfalls breitere Bevölkerungsschichten zu Lesern gemacht. Neben Joseph Conrad war Thomas Hardy besonders populär. Der Lyriker Siegfried Sassoon war bei der Lektüre so bewegt, dass er gestand: „Ich wollte nicht sterben, ohne Hardys ‚Die Heimkehr‘ fertig gelesen zu haben.“

Insgesamt ist das Lesen im Krieg viel weniger erforscht als das Schreiben aus dem Krieg oder über den Krieg. Wichtige Anstöße gaben jüngst die Ausstellung „August 1914: Literatur und Krieg“ im Deutschen Literaturarchiv Marbach oder die „Reading Experience Database“ der britischen Open University.

Ein Klassiker ist „The Great War and Modern Memory“, das leider nicht ins Deutsche übersetzte Buch des Historikers Paul Fussell von 1975. Fussell schreibt, dass der Literatur in Großbritannien nie zuvor und nie wieder von einer breiten Öffentlichkeit so viel Respekt entgegengebracht worden sei wie im Ersten Weltkrieg. Der Grund: In den zehner Jahren sei der klassisch-humanistische Glaube an die Kraft der Literatur noch intakt gewesen, und dieser habe sich über das neue demokratische Ideal der Massenbildung verbreitet.

Daher seien die schriftlichen Kriegszeugnisse voller literarischer Zitate. Kämpfende Dichter, Journalisten und einfache, kaum gebildete Soldaten flochten Anspielungen auf bekannte und unbekannte Texte in ihre Berichte ein. Fussell zufolge „beherrschte“ das „Oxford Book of English Verse“ gar den Ersten Weltkrieg. Die darin versammelten Gedichte hätten die Kriegswahrnehmung britischer Soldaten und Offiziere geprägt. Selbst neue Soldatenlieder bezeugten die freimütige, produktive Auseinandersetzung mit literarischen Werken.

Eine andere wichtige Anthologie las der Sanitäter Vero Garratt: „Wenn es Abend wurde, suchte ich in der Abgeschiedenheit einer leerstehenden Hütte bei Kerzenlicht die poetischen Werke, die mir Trost boten, im ‚Treasury of English Poetry‘ des Palgrave-Verlags auf.“ Je zerlesener sie wurde, umso mehr erwies sie sich als Segen.

Kritik am rosigen Bild des Kampfes

 

Kanonische Werke sollten die eigene Situation erhellen. Nur manchmal hatte es nicht den gewünschten Effekt. In den Anthologien stand auch Düsteres. Der junge Offizier Edwin Campion Vaughan berichtet, er habe sein Buch ausgerechnet bei dem schmerzvollen Abschiedsgedicht „Barbara“ von Alexander Smith aufgeschlagen: „Lass ab, lass ab, lass ab / Du kehrst nie mehr zurück.“

Der Bildungshunger der Soldaten hatte natürlich Grenzen. Fussell erkennt das kaum an, deshalb ist sein Buch umstritten. Er bezieht fast jede soldatische Äußerung auf die klassische Literatur und berücksichtigt zu selten, dass viele Kriegsheimkehrer kulturelle Traditionen und deren oft rosiges Bild des Kampfes kritisierten.

Auch aus praktischen Gründen durfte die Lesefreude der Truppen nicht zu groß werden. Sonst würde ein Soldat so nutzlos wie der fiktive Privatdozent Dr. phil. T. A. Meyer in einer Satire der Somme-Wacht. Meyer war „ein außerordentlich gewissenhafter und gründlicher Mensch, wie sich das auch für einen Philologen gehört, der noch aus der Stellung des I-Punktes tiefsinnige Schlüsse ziehen kann. Sonst war Herr Meyer aber ganz manierlich, harmlos und gesund.“ 1914 wollte er sich freiwillig melden, sich aber zuvor „erst geistig für den neuen Beruf eines Feldgrauen vorbereiten“.

Er bestellte sich, so geht die Fabel, alle Bücher, auf denen „Unentbehrlich für jeden Soldaten“ oder „Geistiges Gewaffen für unsere Krieger“ stand und las lange und viel. Als er sich bereit fühlte und zum Bezirkskommando ging, hörte er: Der Krieg ist schon seit einem halben Jahr vorbei. Tatsächlich gekämpft haben ihn die Soldaten und Offiziere im Feld. Nur böse Zungen würden behaupten: in ihren Lesepausen.

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