Wir können nicht anders: Kontingenz muss durch Kausalität erklärt werden

En passant - Ist die Weltgeschichte einfach nur irre?

Wir haben ein tiefes Bedürfnis nach Kausalketten und glauben an die Macht der Ursachen. Das macht unsere Zeit auch so naiv. Denn das Absurde kommt unerwartet und versteckt sich oft im Banalen.

Autoreninfo

Sophie Dannenberg, geboren 1971, ist Schriftstellerin und lebt in Berlin. Ihr Debütroman „Das bleiche Herz der Revolution“ setzt sich kritisch mit den 68ern auseinander. Zuletzt erschien ihr Buch „Teufelsberg“

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Neulich trottete ich so die Straße lang, morgens gegen acht, es regnete. Schräg neben mir ging eine junge Frau. Auf einmal kam von hinten ein Radfahrer angebrettert, zog eine scharfe Kurve vom Radweg auf den Bürgersteig, drehte sich dabei kurz um und spuckte ihr ins Gesicht. Dann raste er davon. Die junge Frau war außer sich. „Was ist das denn?“, schrie sie immer wieder, „ich bin doch hier einfach nur langgegangen!“ 

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dieter schimanek | Do., 5. März 2020 - 07:13

Die Ursachen stehen meist nicht im Fokus, da man sonst oft Fehler einräumen müßte, die man lieber vermeidet. Wer sagt denn das der Radfahrer die Frau nicht kannte? Die unbefriedigende Situation in der wir uns befinden, hat ebenfalls Ursachen über die nicht gerne gesprochen wird. Statt Ursachen zu benennen sucht man einen Sündenbock. In dem geschilderten Fall den Radfahrer.