En passant - Mein Hausmeister, das Nichtwissen und die Macht

In ihrer Kolumne schreibt Sophie Dannenberg über beiläufige Entdeckungen. Diesmal: Warum in Zeiten, in denen Google alles und jeden ausschnüffelt, Nichtwissen die wahre Macht und Freiheit ist

Google ist kein Organ der Aufklärung, sagt Sophie Dannenberg

Autoreninfo

Sophie Dannenberg, geboren 1971, ist Schriftstellerin und lebt in Berlin. Ihr Debütroman „Das bleiche Herz der Revolution“ setzt sich kritisch mit den 68ern auseinander. Zuletzt erschien ihr Buch „Teufelsberg“

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Einmal fragte ich einen bekannten Sachbuchautoren, der für jedes seiner Bücher einen Shitstorm kassiert, aber auch viel Geld, wie er diese Angriffe eigentlich aushält. Geld hilft ja nicht immer. Er antwortete, dass er sich nicht googelt. Niemals. Die Zeitungen liest vorher seine Frau und sortiert die entsprechenden Seiten aus. Sie stand bei dem Gespräch neben ihm und machte einen eher erschöpften Eindruck. Ich konnte mir schlecht vorstellen, wie es jemand in einer solchen Situation aushält, sich selbst nie zu googeln.

Das muss doch eigentlich so ähnlich sein wie bei einer Diät. Schließlich stürmt man doch zum Kühlschrank und zieht sich alles rein, was einem nicht guttut. Genau so stürmt man irgendwann zur Suchmaschine. Wissen ist ja Macht, denken wir seit Francis Bacon. Ich habe mich selbst schon lange nicht mehr gegoogelt. Aber soweit ich weiß, steht über mich nichts Besonderes im Netz, auch nichts Gemeines. Trotzdem bleibt mir ein Unbehagen, denn eines Tages könnte es ja richtig losgehen.

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Ernst-Günther Konrad | Mi, 10. April 2019 - 11:00

liebe Frau Dannenberg. Es gibt das Sprichwort: Wissen ist macht, nichts wissen macht auch nichts. Es steckt viel Wahrheit, je nach Betrachtungsweise in diesem Sprichwort. Das Problem ist nur, das der von ihnen beschriebene Hausmeister sich so kaum noch existiert. Er braucht es auch nicht. Wir selber haben in den sozialen Netzwerken die Hausmeisterrolle übernommen. Wir posten alles über uns und andere und merken dabei gar nicht, wie nackt wir uns machen. Man muss nicht mehr schnüffeln, heimlich hinter Gardinen nackte Mädchen beobachten, Müll durfwühlen usw. Die sozialen Netzwerke von uns selbst angefüttert, erfüllen alle Anorderungen die Neugier der Mitmenschen zu stillen. Dem kann man sich nur insoweit entziehen, in dem man bestimmte Medien in von mir festgelegten Rahmen den Rücken kehrt. Wenn Sie jemand blöd findet, soll er es Ihnen persönlich sagen. Ins Netz stellen ist feige und hinterhältig. Sagt vieles über diesen Menschen aus. Bester Schutz hier - Nichtwissen.

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