Schauspieler Dieter Hallervorden
„Endlich kann ich einmal andere Farben und Facetten von mir zeigen“ / picture alliance

Dieter Hallervorden - „Ruhestand ist für mich ein Schimpfwort“

Heute läuft die Komödie „Ostfriesisch für Anfänger“ in unseren Kinos an. Hauptdarsteller ist die Comedy-Legende Dieter Hallervorden. Im Interview spricht er über das Alter, die Flüchtlingspolitik Angela Merkels und den Alltag als Promi

Autoreninfo

Dieter Oßwald studierte Empirische Kulturwissenschaft und schreibt als freier Journalist über Filme, Stars und Festivals. Seit einem Vierteljahrhundert besucht er Berlinale, Cannes und Co. Die lustigsten Interviews führte er mit Loriot, Wim Wenders und der Witwe von Stanley Kubrick.

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Bekannt wurde Dieter Hallervorden Mitte der siebziger Jahre als Ulknudel Didi in der Fernseh-Serie „Nonstop Nonsens“. Mit einem halben Dutzend „Didi“-Filmen brachte er den Slapstick erfolgreich auf die Leinwand. Doch Hallervorden kann nicht nur den Kasper, als politischer Kabarettist stand er auf der Bühne der „Wühlmäuse“ und machte die „Spottschau“ bei Sat1. Seine schauspielerischen Qualitäten stellte er mit abgründigen Rollen in „Der Springteufel“ und dem „Millionenspiel“ unter Beweis. Als Charakterdarsteller präsentierte sich die Comedy-Legende in „Sein letztes Rennen“, wofür er den Deutschen Filmpreis erhielt. Zum großen Coup geriet die Tragikomödie „Honig im Kopf“ von und mit Til Schweiger. Der dreht demnächst das Hollywood-Remake des Films, in dem Michael Douglas die Rolle des dementen Rentners übernehmen wird. Hallervorden gibt derweil in „Ostfriesisch für Anfänger“ den störrischen Provinzler, der sich nur langsam mit einer Gruppe Flüchtlingen anfreundet.

Herr Hallervorden, dem Alzheimer-Patienten folgt hier nun der Ostfriese – haben Sie auf Ihre alten Tage Gefallen daran gefunden, sich neu zu erfinden? Gerade weil Sie früher gerne in die Ulknudel-Schublade gesteckt wurden?
Hallervorden: Das haben Sie eigentlich ganz gut erkannt! Mir ist es schon wichtig, dass ich einmal andere Farben und Facetten von mir zeigen kann. Hinzu kam, dass mich dieses Drehbuch sehr überzeugt hat, weil es sehr gut in unsere aktuellen Zeiten der Völkerwanderungen passt.  

Endlich eine Komödie zum Thema Flüchtlinge?
Ja, aber nicht nur. Es geht in „Ostfriesisch für Anfänger“ nicht einfach nur um Flüchtlinge. Sondern es geht um innere Werte, um Freundschaft sowie die Möglichkeit, auch in höherem Alter zu neuen Einsichten gelangen zu können und alte Denkweisen, etwa die Angst vor allem Fremden, neu zu überprüfen.

Wie beurteilen Sie das Handeln der Kanzlerin?
Ich gehöre zu denen, die diese Willkommensgeste von Angela Merkel sehr hoch geschätzt haben. Das ist ein Bild von Deutschland, was sich deutlich von dem unterscheidet, wofür wir noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg in aller Welt standen.

Wie Jan Böhmermann haben Sie mit einem Satiresong gegen türkischen Staatspräsidenten Erdogan protestiert. Ist das die Rückkehr zu Ihren Kabarett-Zeiten?
Durch meine Theatertätigkeit war ich lange Zeit aus dem Satirebereich weg. Jetzt wollte ich mich mal wieder zurückmelden, um zu zeigen, dass diese Leidenschaft nach wie vor besteht. Wobei ich ja nicht nur ein Lied über Erdogan gemacht habe, sondern auch über VW oder über meinen achtzigsten Geburtstag. Es macht mir Spaß, damit Flagge zu zeigen

Die meisten Menschen sind mit 80 im Ruhestand – ist Aufhören für Sie kein Thema?
Mein Beruf ist ja aus einer gewissen Leidenschaft heraus entstanden. Und Leidenschaften lassen sich nicht einfach ausschalten. Mir bereitet die Arbeit noch großes Vergnügen. Solange mich die Beine noch alleine auf die Bühne tragen, der Kopf noch mitmacht und die Zuschauer mich sehen wollen, werde ich nicht aufhören. Ruhestand ist für mich eher ein Schimpfwort. Ich bevorzuge den Unruhestand.

Was ist für Sie die wichtigste Qualität eines Schauspielers?
Wichtig ist eine professionelle Einstellung. Das Publikum hat bezahlt, da ist man verpflichtet, eine gute Leistung abzuliefern, ganz egal, wie die eigene Stimmungslage momentan auch sein mag. Ganz entscheidend ist zudem der Fleiß der ist die Grundvoraussetzung, um in diesem Beruf wirklich Erfolg zu haben.  

Sie sprechen in „Ostfriesich für Anfänger“ fließend Plattdeutsch, wie fleißig mussten Sie den Dialekt erlernen?
Das Plattdeutsch war schon eine ziemliche Herausforderung, aber die wollte ich einfach gerne meistern. Nach zehn Tagen intensiven Paukens mit einer Lehrerin hatte ich diesen Dialekt der Ostfriesen dann schließlich recht gut im Griff. 

Sie haben schon grandiose Psychopathen gespielt, ob in „Der Springteufel“ oder dem „Millionenspiel“. Trauen Sie sich jede Rolle zu?
Dazu müsste ich das Drehbuch kennen. Wenn das in der Gänze gut ausgedacht und geschrieben ist, dann würde ich auch grenzwertige Figuren übernehmen. Wenn mir eine Geschichte gut gefällt, hätte ich auch überhaupt keine Probleme, eine kleine Rolle zu spielen.

Wie kommt man als Komiker im Alltag zurecht? Wurden Sie beim Elternabend überhaupt ernst genommen?
Das hängt ein bisschen davon ab, wie die Menschen erzogen sind und welche Sensibilität sie haben. In der Regel war es so, dass ich beim ersten Mal schon beäugt wurde. Aber als ich dann meine Fragen gestellt habe, war denen schnell klar: Das ist ein Mensch wie du und ich. Die Prominenz wurde beim Elternabend nie zum Problem.

Und wenn Sie im Supermarkt einkaufen? Kann man ausblenden, dass ständig über einen getuschelt wird?
Die Menschen begegnen mir meist mit einem gewissen Respekt. Mit Lob und Anerkennung. Wenn ich freundlich angesprochen werde, fällt es mir auch leicht, freundlich zurück zu grüßen.

Gibt es eine Szene, auf die Sie in Ihrer Karriere am meisten stolz sind?
Ganz gut gelungen ist mir die Szene aus „Honig im Kopf“, in der ich merke, dass mein Kopf es nicht mehr hergibt, jenen Brief zu schreiben, den ich meiner Enkelin schreiben wollte. Das hätte ich vielleicht ein bisschen anders geschnitten, aber es hat anscheinend ja auch so gereicht.

Mit welchen Gefühlen erleben Sie es, dass im US-Remake von Honig im Kopf nun Michael Douglas Ihre Rolle spielen wird?
Michael Douglas hat den Film gesehen und mir einen schönen Gruß ausrichten lassen. Er fand die Darstellung sehr gut. Ich kann Til Schweiger für sein Remake jetzt nur die Daumen drücken. Für ihn bedeutet das einen riesigen Sprung und ich hoffe, dass er in Amerika damit eine große Anerkennung findet.  

Wenn Sie im Fernsehen zufällig auf eine Wiederholung Ihrer alten Filme stoßen, schalten Sie weg oder bleiben Sie dran?
Ehrlich gesagt, sehe ich mich jetzt nicht so gerne. Ich versuche meine Arbeit so gut wie möglich zu machen. Wenn ein Film fertig ist und die Premiere gelaufen, dann ist das für mich erledigt. Mehr als einmal muss ich mir einen Film nicht anschauen. Mich selbst zu beweihräuchern, das liegt mir nicht besonders.

Sie sind Besitzer einer eigenen Insel vor der französischen Küste. Wie verbringen Sie dort die Zeit?
Ich bin leidenschaftlicher Hobby-Gärtner und kann mit dieser Arbeit am besten entspannen und meine Batterien wieder aufladen. Auf der Insel lege ich stundenlang neue Beete an oder kümmere mich um die Blumen es wird also nie langweilig.

Petra Wilhelmi | Do., 27. Oktober 2016 - 20:12

Nervig, nervig, nervig ... Nun werden wir mit 2 Komödien bestraft, die uns nun nachdrücklich klar machen sollen, dass wir sowas von tolle geschenkte Menschen bekommen haben, die total zu uns gehören, unsere Gesetze achten und uns auch ganz lieb haben. Wer geht denn bei solchen Müll ins Kino? Sicherlich hat man unsere Steuergelder dabei verbraten. Tagtäglich bekommt man das Thema in jeder Sendung, in jedem Bild auf's Butterbrot geschmiert. Ich komme mir vor wie auf der Titanic, als in der 1. Klasse die Kapelle spielte und die feinen Herrschaften tanzten und in der Auswandererklasse schon der Kampf ums Überleben stattfand, weil die Titanic anfing zu sinken. Leider hat es den feinen Herrschaften nichts genützt, auch sie ertranken.

Liebe Frau Wilhelmi,
Sie sprechen mir aus der Seele, ich fühle mich mittlerweile traumarisiert. Den Menschen in diesem Land wird das Gehirn zugekleistert. Da darf der deutsche Film mit "deutschen Lieblingsschauspielern" natürlich nicht fehlen. So muss es auch in der DDR gewesen sein - bis zum Untergang!

Günter Schaumburg | Do., 27. Oktober 2016 - 20:34

Lieber Herr Hallervorden,
Worte sind Schall und Rauch. An ihren Tater aber
sollt Ihr sie messen. Sie besitzen eine Insel. Da liegt es doch nahe, dass Sie den bedauerswerten
Flüchtlingen angemessen Quartier böten und so
nebenbei ihnen auch noch das Gärtnern bei-
brächten. Was wäre das für ein Zeichen für alle,
die dem Ganzen "Wir schaffen das" noch immer
skeptisch gegenüber stehen. Ich würde mich
gern als Lehrer für Deutsch und manch anderes
Lernenswerte zur Verfügung stellen. Kostenlos.
Wann fangen wir an?

Eberhard Mälzer | Do., 27. Oktober 2016 - 21:46

Offenbar ist jetzt genug Produktionszeit vergangen, dass in Filmen und Fernsehserien die Meinungsknete, die Informationsmedien seit Beginn der Merkelschen Migrationskrise betreiben, im Unterhaltungssektor nahtlos weitergehen kann:

Nur der aufgeklärte, sich dem Fremden voll und ganz öffnende Deutsche ist ein guter Deutscher (die anderen sind bekanntlich Pack, Pöbel, sozial Abgehängte und überhaupt Dunkeldeutsche).

Das ganze wird aufbereitet als Entwicklungshandlung, wo der verbitterte Dödel zum weltoffenen Gutmenschen mutiert.

Hallervorden wird das sicher niveauvoller und witziger, vielleicht auch mit etwas mehr Tiefe, bringen, als die vielen seichten Filmchen und Vorabendserien, die uns demnächst das Gutsein einblasen (der BR z. B. hat eine entsprechende Serie in der Pipeline); der Plot ist dennoch so vorhersehbar, wie dass Coyote in jedem Road Runner-Filmchen über die Klippe geht.

Haben da eigentlich die "Öffentlich-Rechtlichen" mitfinanziert?

Lieber Herr Mälzer,

jetzt mach ich es doch mal wieder und antworte auf Kommentare wie den Ihren (obwohl das eigentlich sinnlos ist). Und schon nach den ersten Sätzen kann ich mein "Bullshit-Bingo-Spiel" beenden, da Sie, oh welch Wunder über "Gutmenschen", "Informationsmedien", "Meinungsknete", " Merklichen Migrationskrise". Und ich frage mich ernsthaft wie "wir" die Mehrheit der Menschen in diesem Land, Leute wie Sie, jemals wieder in unserer Gesellschaft integrieren sollen?! Manchmal verfällt man da ja in den Modus ihresgleichen und möchte eine Ausweisung Ihresgleichen fordern. Aber, wohin? Wer nimmt Leute wie Sie auf? Vielleicht Ungarn? Eine schöne "gelenkte" Demokratie. Schöne einheitliche Medien (keine störende Lügenpresse) und jegliche Opposition wird von staatlicher Seite Mundtot gemacht. Fast so gut wie in Russland. Das wäre sicherlich auch noch ein Land Ihrer Wahl. Warum wandern Sie nicht dahin aus. Und lassen "uns" also 80% des "Volkes" in Ruhe! Ich bin´s leid!

Sie gestatten, dass ich da Zweifel habe. Sie werden Ihre Gründe haben, weshalb Sie es so toll finden mit der Bereicherung. Es gibt aber auch Leute, die das anders sehen, die rechnen können und auch sonst erkennen, was das alles mit sich bringt - oder die es schlicht nicht wollen, weshalb auch immer. Gründe gibt es einige, nicht zuletzt das Gefühl, schamlos ausgenutzt zu werden. Die wirklich Armen, so meine Überzeugung, befinden sich noch in den Heimatländern; hierher kommen andere. Sehen Sie unser Land als Retter der Welt? Muss man die Bevölkerung dazu nicht wenigstens befragen? Nein, Sie kennen die Antwort: 80% wollen das. Zu der Aufzählung der Verantwortlichen rechne ich noch all die freiwilligen Helfer und die Schiffe, die alle "retten". Ich weiß, es ist alles gewollt; aber bitte, lassen Sie auch anderen ihre Meinung. Beschimpfungen, Angriffe wie die Ihren prallen an mir ab.

Gerd Taddicken | Fr., 28. Oktober 2016 - 18:11

Kommentatoren vor mir (Frau Wilhelmi, Herr Schaumburg und Herr Mälzer)!

Da mir momentan die passenden Worte fehlen, um das auszudrücken was ich meine, schließe ich mich Ihren Aussagen an.

Es ist alles erfasst, um aufzuzeigen, was bunte Gutmenschenpolitiker einschließlich der gleichgeschalteten Kartellmedien uns tag für tag ,um die Ohren' hauen.

In Bezug auf die ÖR möchte ich bei der Aktion »5 Euro RFB ,Ex-GEZ' monatlich sind genug!« mitmachen.

Mit freundlichen Grüßen

Fr., 28. Okt. 2016, gg. 18:13 h (TPJÖÖ)

+++

Olaf Walter | Fr., 11. November 2016 - 15:45

Es ist schon grenzwertig. Wenn ich hier die
Mehrzahl der bisherigen Kommentare zu dem mit D. H. geführten Interviews aufgrund des Kinoanlaufs der Komödie „Ostfr. f. Anfänger“ lese erlebe ich so 'Wiedererlebnisse'. Unweigerlich muss ich an John Lennons aber noch viel mehr an Charlie Chaplins USA-Schwierigkeiten denken.

Unglaublich. Hier wird der Vorgang nur auf den Kopf gestellt, will sagen, damals gingen die Schwierigkeiten für die anerkannten Künstler vom Staat, den Regierungsstellen aus, heute aus dem Volk. Gegen Chaplin und viele Andere wurden seitens des republik. US-Senators McCarthy i.d. 1950er Jahren eine regelrechte Hexenjagd wegen Unterwanderung (hier kommunist.) betrieben. Beide leben nicht mehr. Aber C. C. war, ist u. bleibt Charlie Chaplin. Eine Lichtgestalt des Humors.

McCarthy ist Morast. Ist Schmodder. Das Gute: Aus Morast und Schmodder kann eine Blume erwachsen, erblühen, Freude erzeugen und dafür steht Dieter Hallervorden allemal.

Olaf Walter (55), Tuttlingen

Yvonne Walden | So., 13. November 2016 - 10:51

Herr Hallervorden hat gut Reden. Er mußte keine vierzig Jahre mallochen, um am Ende von einer kargen Altersversorgung leben zu müssen.
Er stand allem Anschein nach immer auf der Sonnenseite des Lebens, was ja schon sein Vermögen (Insel mit Schloß in Frankreich) beweist.
Er war und ist ein begnadeter Komödiant, dessen Lebenslauf mit dem der "Normalen Menschen" kaum vergleichbar ist.
Jetzt, wo er alles erreicht hat, was er erreichen konnte, sollte er sich auch einmal als Gutmensch zeigen, der mit seinen Vermögenswerten die Not Anderer lindern hilft.
Dies würde ihm weitere Achtung und vor allem Anerkennung bringen, nach der Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, trachten.

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