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Extreme, die sich berühren / picture alliance / PYMCA/Photoshot | BENDIXSEN METTE

Umgang mit Geburt und Tod - Seht, der Mensch!

Kein Feiertag erinnert so sehr an die Grenzen unseres Daseins wie Karfreitag. Doch während wir des Sterbens und des Neubeginns gedenken, halten wir Geburt und Tod im Alltag eher unter Verschluss. Dabei beweist sich die menschliche Würde gerade an den Extrempunkten des Lebens.

Autoreninfo

Pat Christ hat Kulturgeschichte an der Universität Würzburg studiert. Seit 1990 arbeitet sie als freischaffende Foto- und Textjournalistin.

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Wie geht es Menschen am Anfang des Lebens, wie geht es ihnen dann, wenn Pflege nötig ist, wenn der Tod naht? Eine pauschale Antwort ist sicherlich nicht möglich. Taucht man in die Thematik ein, zeigt sich allerdings: Sowohl am Anfang als auch am Ende des Lebens wird die Menschenwürde nicht selten mit Füßen getreten. Das betrifft Gebärende. Pflegebedürftige. Sterbende. Und hat zu tun mit Ressourcenmangel. Renditedenken. Vor allem aber: mit Wegsehen.

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IngoFrank | Fr., 3. April 2026 - 09:14

Zur Geburt
Es werden sich statt Kindern Hunde „gehalten“. Ich habe mein ganze Leben mehr oder weniger in meinem Geburtsort im Thüringer Land verbracht. Meine Schulkameraden hatten im. Elternhaus kaum Hunde außer einem dessen Vater Schäfer war. Aber Kinder ? Ich wurde mit 40 ! Kindern eingeschult Einmalig wurde die Klasse geteilt. Von den Schulanfängern waren gerade einmal 3 ! Kinder die keine weiteren Geschwister hatten ….. Gewohnt wurde i.d. R im eigenem Haus oft mit den Großeltern im Familienverbund. Einer kümmerte sich um den anderen und übernahm Verantwortung.
Und heute ? Keine Kinder, weil mit Kindern das Armutsrisiko bedeutend höher ist als ohne. Schon allein die Kosten einer Ausbildung od. Studiums …..,
Und der Tod, genau so unwürdig wie das Leben. Ich habe meine Mutter gepflegt fast 12 Jahre. 3 bis 4 x am Tag brauchte sie meine Hilfe um nach einem Krankenhausaufenthalt zurückzukommen und nichts mehr ging.
I.ü. Sprach mich die Stationsschwester im Hufelandklinikum an:

IngoFrank | Fr., 3. April 2026 - 09:27

Antwort auf von IngoFrank

….. sprach mich an: „Sie sind doch Rentner, können Sie ihre Mutter nicht wenigstens früh & abends füttern“
Da meine Mutter Insulin nach den Mahlzeiten gespritzt bekam, konnte ich beobachten wie eine „ausländische Fachkraft“ ihr das falsche Insulin spritzen wollte. Auf Nachfrage nur ….“ach Scheiße“ und kramte aus den Spritzen im Körbchen die richtige Insulinspritze mit dem Namen meiner Mutter hervor …..
Und das alles im teuersten Gesundheitswesen der Welt.
Nein, so unwürdig behandelt von der Gesellschaft will ich jedenfalls nicht enden und kann nur hoffen, das ich zu dem Ende hin noch bei klarem Verstand bin.
Allen ein frohes Osterfest mit besten Grüßen a d Erfurter Republik

Jens Böhme | Fr., 3. April 2026 - 09:50

Antwort auf von IngoFrank

Meine Mutter wurde zunehmend dement. Das merkte sie. Sie sagte, sie hat ihr Leben gelebt. Mit 89 Jahren glaubte ich ihr das auch. Sie wartete Monate lang auf den Tod, Tag für Tag. Sie wollte im Schlaf sterben. Dann Schlaganfall, Klinik, Reha (!?). Im Pflegeheim stellte sie Nahrungsaufnahme ein, Morphium und endlich Erlösung. Seit einigen Tagen großer Medien- und Rettungsrummel um einen Wal, der sterben möchte. Ich glaube, der Westen ist zivilisatorisch völlig abnorm.

Chris Groll | Fr., 3. April 2026 - 09:30

Nelson Mandela, von linken Atheisten bis zu den Mitläufern des Synodalen Irrwegs gern zum „Heiligen“ erhoben, sagte einst:

"Die Humanität einer Zivilisation erkenne man am Umgang mit werdendem und sterbendem Leben".

Nach diesem Maßstab kann sich das heutige christlich-jüdische Abendland nicht mehr human und zivilisiert nennen. Gottlosigkeit führt zur Wertlosigkeit.

Am Schlimmsten empfinde ich, daß die christlichen Kirchen, die der Seelsorge und es Tröstens verpflichtet sind, heute nur noch eine linkswoke Organisation sind. Aber auch sie werden einmal vor ihrem Richter stehen gerichtet werden.
Jes. 5.21
"Weh denen, die in ihren eigenen Augen weise sind und sich selbst für klug halten."

Jens Böhme | Fr., 3. April 2026 - 09:40

Der "Kristeller-Handgriff" ist nur nach Einverständnis der Gebärenden erlaubt. Ohne die Erlaubnis der Gebärenden ist es Körperverletzung und eine Straftat, sofern die Gebärende ansprechbar ist.

Gerhard Fiedler | Fr., 3. April 2026 - 15:56

Ja, mehr oder wenig würdelos enden wir alle! Und richtig, in zu vielen Pflegeheimen geht es ähnlich zu wie in Schliersee. Doch auch mit noch so viel Geld und Pflegepersonal lösen wir das Problem nicht. Denn Liebe ist nicht käuflich. Sie ist da oder nicht, auch im trauten Familienkreis. So ehrlich sollten wir schon sein und den erhobenen Zeigefinger zurückziehen. Dieses Thema schweigen wir besser tot.
Als Vater von Kindern fragt man sich da, ob es verantwortungsvoll war, Menschen in diese Welt zu setzen. Auch ist es ein Skandal, wenn Deutschland Milliarden für eine fremde Ukraine, für eine zweifelhafte Klimapolitik, für die Aufnahme unzähliger Migranten hat, für die Pflege seiner Alten aber nichts. Zugleich wird Suizid und Sterbehilfe schwer gemacht, der Kriegsdienst aber attraktiv.

Das „würdelose“ ist die eine Sache, wenn man aber das nicht will und selbstbestimmt seinem Leben ein Ende setzten will kostet es noch jede Menge Geld. Von Beratung und Begleitung uns sonstigen Pippifax. Ich kann mir nicht vorstellen das die Todespille Tausende Euro kostet. Das janze Bamburium darum, das ist das Teure und vor allem würdelos !
Dabei sollte sich doch Klingbeil & Konsorten überlegen, das selbstbestimmte Sterben zu vereinfachen, was da an Renten & Pensionen inkl.der Pflegekosten die gespart werden Können……Die ganze Diskussion ums Sterben Halte ich für scheinheilig und geht an der Realität vorbei. Allen voran die beiden Kirchen, die sich statt um den Glauben, den Mensch zu kümmern, sich lieber mit links grünen woknes befassen.👎
MfG a d Erfurter Republik
Das ist kein Sarkasmus, das ist mein voller Ernst !

Der Artikel von Frau Christ lenkt - auch in seinem berechtigten Zorn - ein wenig von noch tiefer liegenden Problemen ab. Die heutige, kapitalistische Arbeitswelt und der heutige, ziemlich ineffiziente Staat können den Moral-Verlust und die wachsende Sinnleere bei uns, den heutigen Individuen, nicht wirklich kompensieren:

"Doch auch mit noch so viel Geld und Pflegepersonal lösen wir das Problem nicht. Denn Liebe ist nicht käuflich. Sie ist da oder nicht, auch im trauten Familienkreis. So ehrlich sollten wir schon sein und den erhobenen Zeigefinger zurückziehen."

Pflichtgefühl und Zuverlässigkeit, die wir heute an vielen Stellen vermissen, beruhen ebenfalls auf einer positiven Einstellung (=Liebe) zu den Mitmenschen.

Wolfgang Z. Keller | Fr., 3. April 2026 - 18:31

... in Ihrem letzten Absatz schreiben Sie fürwahr Nachdenkenswertes!
Nur darüber, wie meine Kinder (m/w, beide um die 50) in ihrem weiteren Leben zurecht kommen werden, mache ich mir keine Gedanken, weil da mein Sohn sagt: "Papa, das sind Ü-Gedanken!" Damit meint er - salopp gesprochen - über ungelegte Eier ist es müßig, nachzudenken. Denn, wie mal jemand Kluges bonmotete: "Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!" (Beispiel Mauerfall, 1. Trumpwahl, Ukrainekriegsbeginn, Ahrtal usw.)
Aber von den hunderten Milliarden nicht in größerem Ausmaß denen im finalen Lebensabschnitt mehr zukommen zu lassen, die die letzten 70 Jahre D aufgebaut und reich gemacht haben, das ist - auch mit Ihrem letzten Satz - schon ein ganz dicker Hund und verlangt, wie die Autorin schreibt, eigentlich nach Rebellion - UND nach Liebe in jedem konkreten Fall.
Aber - ohne Christ zu sein - der Karfreitag ist mittlerweile häufig zum Car-Freitag geworden, wo´s aufgeht in den Osterurlaub, koste es, was es wolle!