Die teuersten Frauen der Welt

Drei Frauenbildnisse werden im Mai in New York versteigert – zu atemberaubenden Preisen. Eine besondere Geschichte verbindet den legendären Kunstsammler Heinz Berggruen mit einem dieser Gemälde, Picassos „Dora Maar au Chat“.

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Das Bild „Dora Maar au Chat“ gehört sicherlich zu Picassos stärksten Werken. Seltsam, dass die Katze auf der Stuhllehne hockt, Dora Maar hatte nie Katzen. Ich kannte sie gut, sie war nicht nur Fotografin, sondern auch Malerin, und ich habe ihre Bilder in meiner Pariser Zeit als Kunsthändler ausgestellt. Dora Maar ist auf Picassos Bildern meist die „Weinende Frau“. Hier lächelt sie. Die Beziehung der beiden war stürmisch, für Dora Maar war sie äußerst zerstörerisch. Picasso hatte eine bestimmte Art, die Frauen kaputtzumachen. Françoise Gilot war die einzige seiner Geliebten, die die Stärke besaß, sich von ihm zu lösen, bevor die Picasso-Flamme sie verschlang. Mit dem Bild „Dora Maar au Chat“ verknüpft mich eine spannende Geschichte. Ich hatte es Anfang der sechziger Jahre in Paris an Sammler aus Chicago verkauft, für 100000 Dollar. Das war damals eine enorme Summe, und für mich als jungen Kunsthändler ohnehin. Von den Käufern habe ich nie wieder etwas gehört, bis man mir vor kurzem eine Kopie jener Rechnung über 100000 Dollar schickte: Die Erben der Sammler hatten sie im Nachlass gefunden, und die Leute von Sotheby’s traten in Kontakt zu mir, um sich die Echtheit des Bildes bestätigen zu lassen – denn seltsamerweise taucht es nicht im großen Picasso-Werkverzeichnis von Christian Zervos auf. Ich wusste, warum: Nachdem die Sammler aus Chicago es gekauft hatten, wurde es nie wieder ausgestellt und war quasi verschwunden. So war es dem Verfasser des Werkverzeichnisses entgangen, und es gab keinerlei Abbildung. Nicht zuletzt durch die Rechnung konnte ich nun bezeugen, dass es sich um ein authentisches Bild von Picasso handelt. Kennen gelernt hatte ich Picasso 1949 in Paris durch Tristan Tzara, einen der Mitbegründer des Dadaismus. Tzara hatte einen Gedichtband geschrieben, den er bei mir ausstellen wollte, und Picasso hatte ein paar Lithografien zu dem Band gemacht, nichts Besonderes, für Tzara jedoch war das natürlich sehr wichtig. So gingen wir gemeinsam zu Picasso, um das Okay für die Ausstellung zu bekommen. Mein erster Eindruck: Picasso war eine herrliche Erscheinung, dominant, großartig, ein Gott, ein Genie. Und er besaß eine ungeheure Schalkhaftigkeit. Es war die Zeit der großen Wirtschaftskrisen in Frankreich, als Picasso eines Abends im Restaurant sagte: „Mich sollte man zum Finanzminister machen!“ Wir fragten erstaunt, warum. „Ich kann alles verdoppeln“, antwortete er und ließ sich einen 500-Franc-Schein geben. Darauf war ein kleiner Kreis ausgespart, in den Picasso eine winzig kleine Corrida zeichnete und erklärte: „Nun ist der Schein nicht mehr 500 Francs wert, sondern 1000.“ Er hatte Recht: Ich kaufte ihm den Schein für 1000 Francs ab. Am nächsten Abend war ich bei Freunden und zeigte ihnen den Schein mit dem Hinweis: „Wer will, kann ihn für 2000 Francs haben.“ Man kaufte ihn mir auf der Stelle ab – und ich lud meine Freunde zum Essen ein. Fünfzig Millionen Dollar hat Sotheby’s den Besitzern des Bildes „Dora Maar au Chat“ als Garantiesumme genannt, bei der Auktion könnten es aber leicht auch sechzig, siebzig oder sogar achtzig Millionen werden. Der amerikanische Kunstmarkt ist verrückt, selbst Fotografien werden neuerdings für eine Million Dollar und mehr gehandelt. Die Bieter bei solchen Auktionen bleiben zunehmend anonym, sie wollen sich schützen und bestehen auf Diskretion. Übrigens: Ich selbst habe kürzlich ein Bild von Picasso gekauft und dabei die Kleinigkeit von vierzehn Millionen Dollar ausgegeben. Bei solch einer Auktion hat man natürlich eine Gänsehaut, man möchte das Bild unbedingt bekommen und gibt am Ende mehr aus, als man ursprünglich wollte. Aber ich habe es nicht bedauert. Jetzt versuche ich, den Preis schnell zu vergessen. Damit meine Freude an dem Bild nicht getrübt wird.

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