Dariusz Oko in der polnischen Sendung W-Punkt / Screenshot

Schwulenhass in der polnischen Kirche - Volksverhetzung oder Meinungsfreiheit?

In Polen sorgt ein vom Kölner Amtsgericht erhobener Strafbefehl gegen den Krakauer Theologen Dariusz Oko für Schlagzeilen. Wegen eines Textes über eine angebliche „Homolobby“ in der katholischen Kirche wird ihm Volksverhetzung vorgeworfen. Der Streit belastet das ohnehin gespannte deutsch-polnische Verhältnis.

Autoreninfo

Thomas Dudek kam 1975 im polnischen Zabrze zur Welt, wuchs jedoch in Duisburg auf. Seit seinem Studium der Geschichts­­wissen­schaft, Politik und Slawistik und einer kurzen Tätigkeit am Deutschen Polen-Institut arbei­tet er als Journalist.

So erreichen Sie Thomas Dudek:

Wenn es um das deutsch-polnische Verhältnis geht, dann scheint sich dieses in den vergangenen Jahrzehnten nicht zum Besseren gewandelt zu haben. Zumindest bekommt man diesen Eindruck, wenn man die regierungsnahen Medien in Polen verfolgt. In deren Darstellung sind die Deutschen die ewigen Bösen und die Polen immer ihre Opfer.

Seit der vergangenen Woche haben die nationalkonservativen Journalisten nun ausgerechnet auch noch mit einem Geistlichen einen neuen Helden und Märtyrer, was dieses Narrativ betrifft: Den an der Krakauer Päpstlichen Universität Johannes Paul II. lehrenden Theologen Dariusz Oko. „Die Deutschen stecken mich in ein Gefängnis? Mein Opa und meine Oma retteten Juden, haben dies mit ihrem Leben riskiert, obwohl es die Deutschen verboten haben, Juden zu retten. Ähnlich entschlossen bin ich, obwohl es mir die Deutschen verbieten, Priesterseminaristen vor Homocliquen zu retten“, sagte der Geistliche in einem Gespräch mit dem staatlichen Fernsehsender TVP

Medienpräsenz wegen Strafbefehl in Köln

Dies war nur eines von vielen Interviews, die der Priester in der vergangenen Woche gab. Diese Woche ziert er gar die aktuellen Cover der zwei wichtigsten nationalkonservativen Wochenmagazine des Landes. „Verurteilt wegen der Wahrheit“,  heißt es auf der Titelseite von Sieci, auf welcher ein Pseudo-Häftlingsfoto des Geistlichen zu sehen ist, der in der Hand eine reinretuschierte Heilige Schrift hält. „Zensur. So funktioniert der deutsche Knebel“, titelt wiederum Do Rzeczy

Auslöser für den Medienrummel ist eine Entscheidung des Kölner Amtsgerichts. Am 6. Juli verhängte dieses einen Strafbefehl gegen den polnischen Geistlichen wegen Volksverhetzung und gab damit der Kölner Staatsanwaltschaft Recht. Demnach soll Oko eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 40 Euro zahlen. Neben den insgesamt 4.800 Euro kommen noch die Verfahrenskosten hinzu.

Cicero Plus weiterlesen

  • i
    Alle Artikel und das E-Paper lesen
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
Karsten Paulsen | Sa, 7. August 2021 - 09:32

Jede Art von meinungeinschränkender Gesetztgebung sollte gestrichen werden. Gut gemeint entsteht am Ende nur die Handhabe für immer weitere Meinungseinschränkungen. Und nein ich teile die Ansichten dieses Geistlichen überhaupt nicht.

Karl-Heinz Weiß | Sa, 7. August 2021 - 10:00

Sehr aufschlussreich, wie wenig gefestigt die deutsch-polnischen Beziehungen sind-trotz 16 Jahren Merkel mit Wahlkreis in MV. Die Veröffentlichung eines solchen Artikels in einer theologischen Fachzeitschrift sehe ich als gezielte Provokation, auch gegen den Nach-Nachfolger von Johannes Paul II. Interessant wären Hintergründe über den Verein, der offenbar mit dieser Zeitschrift kirchenpolitische Ziele verfolgt. Köln ist in diesem Bereich nicht gänzlich unbelastet.

Hubert Sieweke | Mo, 9. August 2021 - 00:46

In reply to by Karl-Heinz Weiß

nicht Gleiches vermutet und öffentlich gemacht? US Bischöfe haben es deutlich erläutert. Die Kurie ist sicher nicht der Hort der Enthaltsamkeit. Warum die Aufregung?

Ernst-Günther Konrad | Sa, 7. August 2021 - 12:10

Jeder mag nach seiner Vorstellung leben, solange er nicht gegen Gesetze verstößt, sich gar an Kindern, Hilflosen oder Tieren vergreift. Was da stattfindet ist ein Machtkampf innerhalb des Klerus, wobei das Thema Homosexualität nur der Aufhänger ist, so wie bei uns die Klimadiskussion. Tatsächlich geht es um Macht und Diktat. Und diejenigen, die am lautesten schreien, leben häufig ihre eigene Homosexualität im Geheimen aus und wollen lediglich als Moralapostel auftreten. Das im erzkatholischen Polen die Menschen der Kirche noch eng verbunden sind, ist grundsätzlich in Ordnung. Was die kirchliche Sexualmoral aber anbetrifft, sind sie alle Heuchler. Warum das Ganze hier in DE gerichtlich überprüft wurde, erschließt sich mir nicht. Sollte er hier leben, dann ja, dann muss er sich seiner Strafe beugen. Ob dieser Strafbefehl allerdings Rechtskraft erlangt, wage ich zu bezweifeln. Da werden mit Sicherheit wieder die Instanzen durchgeklagt werden.

Christa Wallau | Sa, 7. August 2021 - 12:41

sich dezidiert über innerkirchliche Verhältnisse u. Differenzen äußern, obwohl sie keine Ahnung von deren Komplexität haben können, weil sie nicht gläubig sind, z. T. nie zur Kirche gehört haben u. daher nicht über entspr. Sachkenntnis u. Authentizität verfügen.
Was Homosexualität in der kath. Kirche angeht, so bin ich der Meinung, daß beide Seiten - wie sie beschrieben werden - teils recht u. teils unrecht haben. Daß es homosexuelle Netzwerke innerhalb des Klerus, besonders auch im Vatikan, gegeben hat bzw. noch gibt, bestreitet ernsthaft niemand mehr; und daß Priester, die sich um Einhaltung der sexuellen Abstinenz redlich bemüht haben, diesen einflußreichen, mafiösen Zirkeln das Handwerk legen wollen, vertehe ich gut.
Andererseits muß der Umgang mit Homosexualität wirkl. neu durchdacht u. auf eine für alle Gläubigen akzeptable Grundlage gestellt werden, wozu unabdingbar ein verständnisvoller, ehrlicher Umgang miteinander u. strikte Orientierung an d. Kernaussagen d. Bibel gehören.

Rob Schuberth | Sa, 7. August 2021 - 14:57

...und damit meine ich die Kirchen.

Religionen sind der maßgebliche Treiber für Kriege.
Gleich hinter denen um Rohstoffe (Öl, Gas etc.).

M. E. hat sich die Kirche, also alle christl. Religionen, schon viel zu weit von den Menschen entfernt.
Da gibt es kaum noch eine Chance auf Reformen.
Zumal die Kirche selbst ja von - echten - Reformen gar nichts hält.

Bernd Muhlack | Sa, 7. August 2021 - 17:07

Wislaw N. ist einer meiner Nachbarn, kurz vor der Rente; er stammt aus Krakau, eine sehr schöne Stadt, ich war einmal dort.

Würde ich diesen Artikel ausdrucken u ihm zur Lektüre vorlegen würde er letztlich seine Lesebrille abnehmen, lächeln u sagen:
"Bernd, was soll ich damit, wen interessiert das?"
Ich würde ebenfalls lächeln u ihm Recht geben!

Ich denke, dass das AG Köln täglich Dutzende Strafbefehle auswirft - dies ist einer von vielen.
Das ist ein Fließbandverfahren!
Keine Verhandlung - pipapo - Unterschrift.

Und wieder einmal ein Artikel ob einer unserer Minderheiten.
Man muss doch nun wirklich nicht jede Bagatelle breit treten, oder?

Noch 6 Wochen bis zur BT-Wahl.
Diese "Sommerloch-Themen" (sorry Herr Dudek) werden ersatzlos von der Berichterstattung verschwinden!

In der Tat ist Krakau mMn sehr schön.
Wir (LK Geschichte) waren in 1980 auf Polen-Fahrt.
Auschwitz (Oświecim) war auch dabei - horrible.

6 MIO! - 6.000.000!
auch "Andersartige"...
Herr Dudek: a never ending story!

Fritz Elvers | Sa, 7. August 2021 - 18:53

liegt es eigentlich nahe, dass er selber verkappt schwul ist.

Wieso jedoch ein polnischer Staatsbürger vor einem deutschen Gericht verklagt werden kann, ist mir jedenfalls nicht klar. Herr Muhlack, bitte übernehmen Sie!