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Schulsportplatz / picture alliance / KNA | Harald Oppitz

Deutscher Sportsgeist - Ohne Wettbewerb keine Sieger

Lange konnte man darauf vertrauen, dass wenigstens im Fußball noch der Wille zur Bestleistung existiert. Nach dem dritten WM-Debakel in Folge scheint auch das passé. Dieser Mangel an Siegeswillen passt zur Einstellung von Eltern und Schülern im ganzen Land.

Autoreninfo

Miriam Stiehler leitet eine private Vorschule sowie eine Praxis für Förderdiagnostik und Erziehungsberatung. Sie studierte Sonderpädagogik und promovierte in heilpädagogischer Psychologie. Workshops mit ihr sowie Fachtexte und Lernmaterial finden Sie auf www.WissenSchaffer.de. Zuletzt erschienen von ihrem Alter Ego Milka Sternheim: „Bonjour, Lockdown“, ein Band stimmungsaufhellender Anekdoten über die kleinen Abenteuer des Alltags in Südfrankreich.

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Vor zehn Jahren schrieb ich einen Artikel mit dem Titel „Meisterschaft ist nur noch im Fußball relevant“. Er handelte davon, dass wir an Schüler, Azubis und Studenten kaum noch den Anspruch stellen, das Gelernte meisterhaft zu beherrschen. Diese Woche zeigte uns eine verwöhnte, hedonistische und entsprechend lahmarschige Nationalmannschaft, dass inzwischen auch im Fußball Anstrengung für die Meisterschaft nichts mehr zählt. Konnte man vor zehn Jahren noch darauf vertrauen, dass wenigstens im Fußball noch der Wille zur Bestleistung existierte, ist nun wohl auch das passé. Das passt emblematisch zur Einstellung von Eltern und Schülern im ganzen Land.

Der häufigste Satz, den man in Deutschland von Eltern hört? „Zu viel Druck ist schlecht für mein Kind.“ Diese sentimentale und realitätsferne Floskel ist eine Art Erkennungsmerkmal von Leuten, die sich für modern und kinderlieb halten. Sprechen Sie sie auf dem Sommerfest der Grundschule aus, und Sie gehören dazu. Wozu? Zu einer einflussreichen Gruppe von Eltern, die sich unnötig viele Sorgen um ihre Kinder macht und ihnen letztlich schadet, weil sie die Kurzen in Watte packt. 

Dem würden diese Eltern natürlich sofort widersprechen: „Mein Kind soll auch lernen, auf einen Baum zu klettern, Bewegung ist wichtig!“ Doch wenn man nachfragt, lautet die Fortsetzung: „Also nur, wenn es Lust dazu hat. Und unten sollte eine Matte liegen. Hypoallergenes Insektenspray ist natürlich unabdingbar, und danach gründlich nach Zecken absuchen. Aber generell ist Bewegung wichtig. Nur eben ohne Wettbewerb. Damit jeder sich gut fühlt.“

Was für viele Eltern skandalös klingt

Wer so denkt, tut das meist aus einem gut gemeinten Schutzreflex heraus, nicht aus bösem Willen. Viele Eltern wollen ihre Kinder vor Schmerzen bewahren. Nur ist die Wahrnehmung von Schmerz und Unannehmlichkeiten mittlerweile so verschoben, dass folgender Satz für viele Eltern skandalös klingt: Es ist falsch, Kindern grundsätzlich Schmerz und Unannehmlichkeiten zu ersparen. Unsere Hauptaufgabe ist es, ihnen beizubringen, wie man damit umgeht und bis zu welcher Grenze man beides aushält – nicht, Schmerz aus ihrem Leben grundsätzlich fernzuhalten. 

Kurz: Ein guter Erzieher erspart Kindern nicht alle negativen Erlebnisse, sondern bringt ihnen bei, damit umzugehen. Denn eines haben wir in unserer gepamperten Komfortzone offenbar vergessen: Unlust – verursacht durch den Verzicht auf die Befriedigung von Antrieben –, körperliche Entbehrung, manchmal auch Schmerz sind nicht optional. Sie sind notwendig. Wer ein Ziel verfolgt, kann nicht all das andere tun, worauf er gerade ebenfalls Lust hätte. Diese notwendige Selbstbeherrschung ist mit Unlust verbunden. Wer für eine Prüfung paukt, hat auch mal weniger Zeit zum Schlafen oder Entspannen. Und wer körperlich trainiert, dem tut das eine oder andere weh. Das ist nicht schlimm. Es ist normal. Und es ist die Voraussetzung für Leistungen, auf die man hinterher besonders stolz sein darf, denn man weiß, was man sich erarbeitet hat.

Eltern, die am Berg umkehren, sobald das Kind jammert: „Mir tun aber die Füße weh!“, berauben es einer wesentlichen Erfahrung. Lehrer, die erlauben, dass 28 Schüler permanent an 28 Trinkflaschen nuckeln, weil es angeblich eine Zumutung sei, nur zwischen den Unterrichtsstunden zu trinken, erzeugen Schüler, die am Wandertag selbstverständlich eine Radtour von 20 km Strecke als unzumutbar ablehnen. Psychiater, die aus Gefälligkeit Legasthenie-Gutachten erstellen, damit das arme Kind keine schlechten Noten mehr für seine grauenhafte Rechtschreibung bekommt, entbinden Kind, Eltern und Schule von der Pflicht, diese Bildungsaufgabe sachgemäß und fleißig zu bewältigen.

Vereinbarkeit von Spitzensport und Familie

Meine größte Hoffnung sind momentan die Jungs. Nicht die „modernen Männer“ aus der Nationalmannschaft, die sich unter Druck setzen lassen, ihren Frauen die Vereinbarkeit von Spitzensport und Familie zu beweisen, indem Kind und Kegel nach Amerika gekarrt werden und das Training für Familienausflüge unterbrochen wird. Wer weiß, vielleicht musste der eine oder andere sogar für das Familienbett mit ein bis zwei Kindern im King-Size-Bett zur Verfügung stehen, weil Mama es nicht schafft, die Kids allein zu Bett zu bringen. Alles, um nicht als strukturell toxisch zu gelten – man muss fairerweise sagen, das ist für Männer heute nicht einfach. Wer Witze über dieses Vorurteil macht wie Dieter Nuhr, dem wird das Wort im Mund herumgedreht, als wäre er ein Freund des gepflegten Frauenmords. Es sind schlimme Zeiten.

Aber meine Hoffnung sind andere Jungs. Echte Jungs. Jungs, die sich begeistern für Leute wie David Goggins, der eine schwere Kindheit mit seinem wahnwitzigen Fitnessprogramm vielleicht überkompensiert, aber von dem man definitiv lernen kann, sich an den eigenen Haaren aus dem Dreck zu ziehen. Jungs, die Fans sind von Leuten wie Ada Saatci und 50 oder 100 Kilometer laufen, ungeachtet der Schmerzen, nur um sich zu beweisen, wie viel sie aushalten können. Jungs, die im Marathon eine Bestzeit laufen und an der Ziellinie stehen bleiben, damit der beste Kumpel gleichzeitig mit ihnen ankommt. Jungs, die Bestleistungen in der Schule erbringen, obwohl ihnen Vorbilder und Führungspersönlichkeiten fehlen, weil 80 Prozent der Lehrkräfte weiblich sind. Jungs, die sich durchbeißen, obwohl schon im Kindergarten der Umstand, männlich zu sein, als Problem betrachtet wird und obwohl der Schulunterricht mehr und mehr auf Mädchen zugeschnitten ist, die man aktiv fördert, während man von Jungs nichts Gutes mehr erwartet.

Ich weiß nicht, wie viele von diesen Jungs es gibt. Aber es gibt sie. Es gibt sie bei der Jugendfeuerwehr, es gibt sie bei den Scouts, es gibt sie in Sportvereinen und Tanzschulen, es gibt sie bei den Verleihungen von Chemiepreisen und Ehrungen der besten Abiturienten. Sie sind überall. Wir müssen sie stärken, denn eines muss klar sein: Wer harten und fairen Wettbewerb abschafft, bewirkt nicht nur, dass es keine Verlierer mehr gibt. Ohne Wettbewerb gibt es auch keine Sieger.

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Hanno Woitek | Do., 2. Juli 2026 - 16:17

unseren Weg durch die Dekadenz in die Bedeutungslosigkeit nicht beschreiben.
Wurde nur vergessen zu schreiben wer ihm voran, wegweisend, schreitet: Bündnis 90/Die Grünen und Die Linken.

Rainer Mrochen | Do., 2. Juli 2026 - 17:59

>>lahmarschige Nationalmannschaft<<. Es ist notwendig so zu formulieren um die Situation kurz und knapp auf den Punkt zu bringen. Manchmal ist es einfach notwendig sich verbal abzureagieren. Danke, weil sie in der Sache zu 100% richtig liegen !

Jens Böhme | Do., 2. Juli 2026 - 19:06

Nichtregelbare Energiezufuhr über WInd und Sonne ist kein Erfolg, sondern ein Minusgeschäft und stromausfalllastig.