Die Deutsche Bahn entschuldigt sich mittlerweile sogar für Verspätungen, die es gar nicht gab / dpa

Der Flaneur - Flexible Pünktlichkeit

Es ist eine peinliche Situation, zu spät zu kommen. Doch glücklicherweise kann das Handy hier größtenteils Abhilfe schaffen, wie unser Flaneur beobachtet hat.

Stefan aus dem Siepen

Autoreninfo

Stefan aus dem Siepen ist Diplomat und Schriftsteller. Von ihm erschien zuletzt im Verlag zu Klampen „Wie man schlecht schreibt. Die Kunst des stilistischen Missgriffs“. (Foto: © Susanne Schleyer / autorenarchiv.de)

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Das Handy macht frei. Zum Beispiel erlöst es uns von dem Zwang zur Pünktlichkeit, der bisher so erbarmungslos auf uns allen lastete. Wer sich mit einem anderen verabredet, ist nicht mehr gezwungen, zur vereinbarten Zeit zu erscheinen; stattdessen kann er auch kurz vorher eine SMS schicken: „Bin noch in einer Besprechung, stecke im Stau fest, habe die U-Bahn verpasst – komme eine Viertelstunde später.“ Es genügt, Bescheid zu sagen, schon ist die Unpünktlichkeit wie weggezaubert; der andere kann sich, während er wartet, auf sinnvolle Weise beschäftigen, was ihm, zumal mithilfe des Handys, gelingen wird. Der Unpünktliche seinerseits darf sich entspannen, muss nicht mehr, wie früher, alles daransetzen, die Hindernisse auf seinem Weg vorauszusehen und auszuschalten. „Melden macht frei“ ist ein Spruch beim Militär. Er hält nun endlich auch ins zivile Leben Einzug.

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Uli | Do., 21. September 2023 - 16:44

Mit einem Handy seine Unzuverlässigkeit entschuldigen zu wollen, ist unhöflich. Man kommt nicht zu spät Punkt