Stefan aus dem Siepen (illustriert).
Stefan aus dem Siepen / Illustration: Sören Kunz

Der Flaneur - Der Rest ist für Sie!

Seit das Trinkgeld meist per Karte gegeben wird, ist der Vorgang liebloser und abstrakter geworden. Zwischen Gast und Kellner findet nur noch eine Kontobewegung statt. Vier Geschichten über eine Geste, die von Würde erzählt: von Hitlers Paris-Besuch bis zum letzten Zeitungsverkäufer.

Stefan aus dem Siepen

Autoreninfo

Stefan aus dem Siepen ist Diplomat und Schriftsteller. Von ihm erschien zuletzt im Verlag zu Klampen „Wie man schlecht schreibt. Die Kunst des stilistischen Missgriffs“. (Foto: © Susanne Schleyer / autorenarchiv.de)

So erreichen Sie Stefan aus dem Siepen:

Seit das Trinkgeld nur noch selten in bar gegeben wird, fast immer per Karte, ist der Vorgang liebloser und abstrakter geworden. Die mit einem kleinen Nicken auf den Tisch gelegte Münze oder das freundlich-gönnerhafte „Der Rest ist für Sie!“ – ein überwundener Brauch. Zwischen Gast und Kellner findet nur noch eine Art Kontobewegung statt. Meist gibt der Kartenapparat unaufgefordert drei Trinkgeldvarianten vor: wenig – mittel – viel. Auch das eine Versachlichung und Rationalisierung. Geizige wissen: Selbst der niedrige Betrag ist keineswegs so niedrig wie gewünscht. Protzige finden auch den höchsten Betrag noch mager. Wer brav ist und nichts falsch machen will, entscheidet sich für die Mitte.

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Ingo Frank | Do., 13. August 2026 - 16:57

Das Trinkgeld in Gaststätten war Gang & Gäbe und nicht nur da ….
Beim Frisör oder anderen Dienstleistungen wie Kosmetik, Fußpflege u.ä. waren 5 Ostmark die Norm und stellte ein wichtiges unversteuertes Standbein als Zuverdienst dar
Ich habe i.ü. 20 Jahre in einer Unterhaltungsband musiziert. Auch da gab es nach Abrechnung regelmäßig Trinkgeld wenn der Veranstalter mit den Eintrittsgeldern ein + erzielte.
Trinkgeld war auch ein Resultat der Mangelwirtschaft wo es durchaus auch mit „blauen Fliesen“ (Bezeichnung für den 100 DM Schein) bei absoluter „Bückware“ zu Einsatz kam wie z.B. eine 10 Jährig alte PWW Trabant Anmeldung…….
MfG a d Erfurter Republik

muss man sich den Kaffee an der Theke bestellen, entgegennehmen und selbst an den Tisch tragen. Aber den Kaffee dort bekommst du erst, wenn du das Rückgeld bekommst und gesagt hast, wieviel du wirklich zurückhaben willst von den 2,50. Zu dreist.

Hintergrundmusik, Omasofa-Wohnzimmer-Stimmung. Aber an der Theke kostet der Café mindestens 10 % mehr als ausgeschrieben, sonst gibt's Einwandbehandlung: "Hier geben alle min. 10 % Trinkgeld" oder Hassblick von Betreiberin, obwohl sie dir den nicht an den Tisch bringen.

Rainer Mrochen | Do., 13. August 2026 - 17:40

Das Personal ist knapp, die Gästeschar ist durchaus üppig und nicht nur einmalig üppig. Es ist durchaus möglich, bei stetigem Aufenthalt am gleichen Ort, ein ordentliches Verhältnis aufzubauen. (Personal/Gast). Dazu gehört nicht nur ein respektzeugendes Trinkgeld sondern auch eine persönliche Wertschätzung in Form der Ansprache. Mir ist mit solchem Handeln niemals Unfreundlichkeit begegnet. Heuchelei liegt immer drin ist aber durchschaubar (beiderseits). Man sagt zwar das offen und ehrlich manchmal gefährlich sei. Doch im Verhältnis Service- Kunde überwiegt mMn. die positive Ansage gepaart mit unterstützendem "Bakschisch". Jedenfalls die großzügige Ablehnung habe ich noch nicht erlebt. Es sind eben weder Gäste noch Personal gleich. Wäre ja auch noch schöner. Merke; jedem sein Pläsierchen am richtigen Örtchen unter den gegebenen Umständen. Schöner Text Herr aus dem Siepen.