Stefan aus dem Siepen vor einer Reihe Mülltonnen.
Autor Siepen reflektiert mit Humor über das Müll-Fiasko unserer Zeit / Illustration: Sören Kunz / Canva

Der Flaneur - Der Müll der Diplomaten

Vom Elend bei Beckett bis zum deutschen Mülltrennungswahn: Das Tischabfalleimer-Fiasko zeigt, wie sich unser Blick auf Abfall gewandelt hat – zwischen Kultur, Diplomatie und dem ewigen Versuch, Ordnung ins Chaos zu bringen.

Stefan aus dem Siepen

Autoreninfo

Stefan aus dem Siepen ist Diplomat und Schriftsteller. Von ihm erschien zuletzt im Verlag zu Klampen „Wie man schlecht schreibt. Die Kunst des stilistischen Missgriffs“. (Foto: © Susanne Schleyer / autorenarchiv.de)

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Samuel Beckett ließ sich gern neben Mülltonnen fotografieren. Auch in seinen Theaterstücken spielen diese eine wichtige Rolle: In „Endspiel“ hausen die Hauptfiguren Nell und Nagg in blechernen Abfalleimern; damit ist der Zuschauer sofort im Bilde, dass es um das Elend der menschlichen Existenz, die Absurdität des Seins oder etwas Ähnliches geht. Jeder Zuschauer? Beim Publikum unserer Tage kann es zu Missverständnissen kommen. 70 Jahre nach der Uraufführung von „Endspiel“ hat sich das Image der Mülltonnen verbessert. Müll ist ein wertvoller Rohstoff geworden, die Tonnen kleiden sich in vier bis fünf verschiedene Farben, und manche nennen den Müllmann liebevoll „Entsorger“. Merke: Auch bedeutende Literatur altert.

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