- Der Müll der Diplomaten
Vom Elend bei Beckett bis zum deutschen Mülltrennungswahn: Das Tischabfalleimer-Fiasko zeigt, wie sich unser Blick auf Abfall gewandelt hat – zwischen Kultur, Diplomatie und dem ewigen Versuch, Ordnung ins Chaos zu bringen.
Samuel Beckett ließ sich gern neben Mülltonnen fotografieren. Auch in seinen Theaterstücken spielen diese eine wichtige Rolle: In „Endspiel“ hausen die Hauptfiguren Nell und Nagg in blechernen Abfalleimern; damit ist der Zuschauer sofort im Bilde, dass es um das Elend der menschlichen Existenz, die Absurdität des Seins oder etwas Ähnliches geht. Jeder Zuschauer? Beim Publikum unserer Tage kann es zu Missverständnissen kommen. 70 Jahre nach der Uraufführung von „Endspiel“ hat sich das Image der Mülltonnen verbessert. Müll ist ein wertvoller Rohstoff geworden, die Tonnen kleiden sich in vier bis fünf verschiedene Farben, und manche nennen den Müllmann liebevoll „Entsorger“. Merke: Auch bedeutende Literatur altert.
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