Stefan aus dem Siepen
Stefan aus dem Siepen ist: Der Flaneur / Illustration: Sören Kunz / Canva

Der Flaneur - Das gibt’s auch als App

Wandern galt einst als Rückzug aus der Zivilisation – heute ist selbst die entlegenste Hütte per WLAN vernetzt. Der moderne Wanderer kommt mit App, E-Bike und Kopfhörern, stets online, stets vermessen. Was bleibt von der Einsamkeit der Berge?

Stefan aus dem Siepen

Autoreninfo

Stefan aus dem Siepen ist Diplomat und Schriftsteller. Von ihm erschien zuletzt im Verlag zu Klampen „Wie man schlecht schreibt. Die Kunst des stilistischen Missgriffs“. (Foto: © Susanne Schleyer / autorenarchiv.de)

So erreichen Sie Stefan aus dem Siepen:

Nietzsche zog sich in die Einsamkeit der Schweizer Berge zurück, um spazieren zu gehen und nachzudenken. Besonders im graubündischen Sils Maria fühlte er sich auf heilsame Art von der Welt abgeschnitten, „6000 Fuß jenseits von Mensch und Zeit“. Eine schöne Wendung; allerdings war sie wohl damals schon leicht überdehnt, und heute ist sie ganz und gar unpassend. Die Schweiz hat flächendeckend bis auf 3000 Meter Höhe das WLAN eingeführt. Selbst auf den entlegensten Hütten ziehen die Wanderer das Telefon aus dem Rucksack, um ihr Erlebnis „jenseits von Mensch und Zeit“ in Echtzeit zu teilen. Niemand ist so zivilisationsmüde, auf dieses Kernelement der Zivilisation zu verzichten. Sils Maria kann ohne Schnee auskommen, doch nicht ohne Internet.

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