Johann König
Während #MeToo hat die Lust an der schnellen Nummer den Blick auf die Abschlussrechnung vernebelt / Illustration: Marie Wolf

Der Fall Johann König - In dubio pro rosa

Ein Berliner Galerist soll angeblich Frauen belästigt haben. Das hat vor einigen Jahren die Wochenzeitung „Die Zeit“ behauptet. Ein spannendes, brisantes Lehrstück über Macht, Moral, öffentliche Empörung – und die Abgründe journalistischen Missbrauchs.

Ralf Hanselle / Antje Berghäuser

Autoreninfo

Ralf Hanselle ist stellvertretender Chefredakteur von Cicero. Im Verlag zu Klampen erschien von ihm zuletzt das Buch „Homo digitalis. Obdachlose im Cyberspace“.

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Diese Welt wirkt, als wäre sie geradewegs aus dem Rahmen herausgefallen. Wie ein großes Tohuwabohu. Muschelrosa, orange­stichig, zuweilen perlmuttfarben liegt sie da. An den kalten Betonwänden, die das Architekturbüro Brandlhuber einst in einen trostlosen Himmel über einer Kreuzberger Neubaulandschaft hochgezogen hat, hängen rahmenlose Gemälde. Darauf: ein Chaos aus Kringeln, Kreisen, zuweilen Augen. Neugierig, fast schon paranoid, starren die aus dem gewaltigen Krickelkrakel heraus und überwachen eine vor ihnen liegende Landschaft aus flauschigen Häschen und plüschigen Stofffigurationen. Alles ist hier schrill und irgendwie quietschig: „Scenery in the Process of Being Formed“, so der Titel dieses großen Gewusels, das die japanische Künstlerin ­Ayako Rokkaku in den Ausstellungsräumen des Berliner Galeristen Johann König hineinmontiert hat. Als hätte sich ein rosa Einhorn in einem noblen Betontempel erbrochen, wirkt dieses plüschige Tohuwabohu vor den Füßen der Galeriemitarbeiter.

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Walter Buehler | Fr., 13. März 2026 - 17:12

... Lump*innen (m/w/d),

anscheinend auch unter Journalist*innen und Künstler*innen.

Ihre journalistischen oder künstlerischen Kompetenzen reichen offenbar nicht immer aus, um sie mit ehrlicher Arbeit zu ernähren.

Neben dem männlichen Relotius geistern heute offenbar auch weibliche Gespenster durch die schicken Redaktionsstuben beim ÖRR, bei der Zeit, beim Spiegel und bei der SZ.

Sei's drum. Eigentlich ist das ja keine Überraschung.

Oder hat Claas-Hendrik Relotius inzwischen vielleicht die modische Metamorphose in eine Carolina Relotia-Würfel hinter sich gebracht?

Man weiß es nicht - Datenschutz?!!

C. Schnörr | Sa., 14. März 2026 - 20:26

… ist mal wieder Anlaß festzustellen, dass mein Abbonnement des CMs, das diese Auswüchse der „Qualitätsmedien“ an den Tag bringt, gut angelegt ist. Über die ZEIT, die dem Relotiusblatt nacheifert, möchte ich mich nicht auslassen. Bis auf den Eindruck, dass mich der Chefredakteur, Herr di Lorenzo, der nach 2015 und eklatantem journalistischem Fehlverhalten der ZEIT öffentlich Abbitte geleistet und Besserung gelobt hat, an den aktuellen Lügenkanzler erinnert: viel Versprechen und rein gar nichts halten - offenbar auch nur eine Marionette von woke-grün-roten Ideologen.

Angelika Sehnert | So., 15. März 2026 - 06:49

Was muss in einem Menschen vorgehen, dass er so gezielt, so unbarmherzig einen Mitmenschen vernichten will? Sozial, psychisch und finanziell, also vollständig.
Was geht in der Chefredaktion eines einstigen Flagschiffs des deutschen Journalismus vor, dass man eine von Anfang an derart dünne Geschichte veröffentlicht? Die Konsequenz für Herrn König war doch klar: Vernichtung seiner Existenz.
Wundern sich Jüngere tatsächlich, dass man sich angesichts eines so umfassenden Niedergangs, der mittlerweile alle Bereiche der Gesellschaft erfasst hat, in die ZEIT-Zeit von Gräfin Dönhöff, Helmut Schmidt und Theo Sommer zurückwünscht?