Schwarze Madonna
Schwarze Madonna der Wallfahrtskirche Mariastein in Tirol / picture alliance / imageBROKER | Norbert Eisele-Hein

Dekolonialisiertes Weihnachten - Selige Einfalt, unheilige Politik

Gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur lädt eine Berliner Gemeinde zu einer Führung. Motto: „Decolonizing Christmas – Zwischen Tradition, Religion und Rassismus – Weihnachten neu denken!“ Die intellektuelle Einfalt der Veranstaltung ist beachtlich, ihre politische Unterstützung eine Farce.

Alexander Grau

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. In Kürze erscheint von ihm „Die Zukunft des Protestantismus“ bei Claudius.

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Was für eine Aufregung: Die Gemeinde der Friedenskirche in Berlin-Charlottenburg lädt unter dem Titel „Decolonizing Christmas“ zu „interreligiösen und rassismuskritischen Führungen“ durch ihren Weihnachtsgarten – und die Wellen schlagen hoch.

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Christa Wallau | Sa., 13. Dezember 2025 - 12:26

mit wohlfeilem Gutmenschentum feiern in Deutschland täglich fröhliche Urstände!

Politik und Medien gehen dabei seit langem mit den besten Beispielen voran.
Merkels "Wir schaffen das!" und die gesamte ekstatische "Willkommenskultur" waren die besten Beweise für blühende Unvernunft.

Ich wundere mich inzwischen über gar nichts mehr.

Jens Böhme | Sa., 13. Dezember 2025 - 17:06

Der vermutlich historische Jesus war auf jeden Fall People of Colour, da levantinischer Jude. Das heisst nicht, dass die Darstellung Gottessohn korrekt sein muss. Buddhismus und Islam haben keine solchen Problem-Weihnachtsgartenführungen.

Markus Michaelis | Sa., 13. Dezember 2025 - 17:58

Die Diskussionen wogen hoch, weil es um die ganze Gesellschaft geht und so sind "solche" Ausstellungen im Regelfall auch gemeint.

"Decolonizing Christmas" ist dabei keine akademische Übung zum Perspektivwechsel. Ich könnte etwa einen Vortrag über Verletzungen der Menschenwürde durch die Menschenrechte halten, dazu gäbe es auch einiges zu sagen, aber es ist erstmal kein zentrales Anliegen der Gesellschaft. Es wäre eine akademische Übung zum Perspektivwechsel. So sind aber Dinge wie "decol. Christmas" oft/meist nicht gemeint. Es besteht der Anspruch höhere Wahrheiten für alle Menschen zu erzählen.

Man stelle sich jetzt vor, dass man in einer Moschee eine Ausstellung über mittelalterliche Zumutungen des Islam/irgendeines Festes organisierte oder in einem Roma-Kulturhaus über Zumutungen fahrender Völker für Sesshafte. Alles akademisch interessant, immer in Aspekten auch "richtig", aber gesellschaftlich heikel. Klar, dass über Decol.Christmas auch diskutiert wird.

Walter Buehler | Sa., 13. Dezember 2025 - 18:53

... von Nazareth sein kurzes Leben lang in einer römischen Kolonie. Von Kaiser Augustus bis zu Pontius Pilatus lebte er unter römischer Kolonialverwaltung.

Verurteilt und hingerichtet wurde er aber nicht von der Kolonialmacht, sondern von seinem eigenen Volk.

Er gehört deshalb sicher nicht zur langen Liste der (mehr oder weniger gewalttätigen) Anführer von gewaltsamen Aufständen irgendeiner "Ethnie" gegen irgendeine Kolonialmacht.

Das werden sicher auch die frommen Berliner Baptisten wissen und auch den islamischen Theologen der HU ins Gedächtnis gerufen haben.

In den langen Jahrhunderten hat es in Europa, in Vorderasien, Arabien usw. immer Sklaverei gegeben. Das wissen sicher auch die Muslime, die an dieser Veranstaltung im interreligiösen Dialog mitgewirkt haben.

Jesus hat betont, dass Sklave und Sklavenhalter vor Gott gleich sind, aber er hat nie zu einer politischen Revolution aufgerufen.
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Der biologische Rassismus ist dagegen eine Erfindung Europas aus dem 19. Jahrhundert.

"Verurteilt und hingerichtet wurde er aber nicht von der Kolonialmacht, sondern von seinem eigenen Volk." - Das Neue Testament ist eine Rechtfertigung, dass der neue Glauben besser sei, als jüdischer Glaube, sowie die römische Herrschaft. Die Urchristen haben keine eigenen Makel aufgeschrieben. Im Römischen Reich duldeten die Urchristen keinen anderen Glauben neben sich und schotteten sich ab (ähnlich den heutigen Amish). Deshalb wurden sie immer wieder verfolgt und für irgendwas verantwortlich gemacht, weil kaum sich in die Gesellschaft einbringend. Dass Häretiker/Ketzer des jüdischen Glaubens, wie Jesus, sterben mussten, ist nichts Ungewöhnliches gewesen.

Angelika Sehnert | So., 14. Dezember 2025 - 09:08

Sagte Einstein. Gerade in Berlin werden tagtäglich hierfür Belege geliefert. Dabei handelt es sich meist um die bösartige Variante der Dummheit, einer Dummheit, die nichts verstehen will, nichts können will,nichts wissen will. Es ist der entfesselte postkoloniale Furor der Dummen, der sich hier mit Hilfe von Steuergeld feiert.
Jetzt hat es also sogar Jesus von Nazareth und seine Bildnisse, die sich die Menschen seit Jahrhunderten von ihm machen, erwischt. Bildnisse, die zum besten und kostbarsten gehören, was die europäische Kunstgeschichte zu bieten hat und die Ausdruck einer tiefen Frömmigkeit waren und für viele Gläubige noch sind. Diese Frömmigkeit hat auch außerhalb Europas ihren bildlichen Ausdruck gefunden, wie der Autor treffend bemerkt. Mit Kolonialismus hat das nichts, aber auch rein gar nichts zu tun, es ist im Gegenteil Ausdruck der universellen christlichen Botschaft.
Übrigens: muss der schwarze König Caspar auch „dekolonialisiert“ werden? Dummheit ist eben grenzenlos.

Zitat:
"Übrigens: muss der schwarze König Caspar auch „dekolonialisiert“ werden?"
Das kann nur in der Sendung mit Anna Planken geklärt werden.
Da haben sie eine Farbpalette, die sie schwarzen Leuten ans Gesicht halten.

Karl-Heinz Weiß | So., 14. Dezember 2025 - 13:47

Der Hinweis des Autors, dass es sich um eine Initiative einer Baptistengemeinde handelt, ist wichtig. Die Gründer dieser Religionsgemeinschaft waren Kolonisatoren mit den bekannten Folgen für die amerikanische Urbevölkerung. Mit der Vermutung einer Projektion zur eigenen moralischen Entlastung dürfte man auf bei Anwendung weihnachtlicher Milde nicht ganz falsch liegen.

Michael Marx | So., 14. Dezember 2025 - 19:36

Es geht schon damit los, daß man offenbar in Berlin nicht einmal mehr deutsch reden/schreiben kann - ein Thema sollte wenigstens in der Landessprache formuliert sein (auch wenn das offenbar heutzutage nicht mehr modern genug ist - oder können das die Herrschaften nicht mehr?).

Allerdings hat Herr Buehler nicht recht: Todesurteile ( e.g. gegen Jesus von Nazareth) durfte nur die Besatzungsmacht aussprechen, nur deshalb kam die Angelegenheit überhaupt zu Pontius Pilatus; daß er bei der festtagsüblichen Amnestie dem Volke die Auswahl überließ, "das Volk" wählen durfte, wer freigelassen werden sollte, ändert nichts an den Zuständigkeiten und Machtverhältnissen.
Und die Aufforderung: "Gebt dem Kaiser ZURÜCK (apodote im Griech.), was des Kaisers ist", kann man durchaus als Aufforderung zumindest zum Widerstand verstehen . . .

Gisela Zabka | Mo., 15. Dezember 2025 - 02:43

Zu fragen wäre vor allem, warum Hendrik Kissel, der Pfarrer der Baptistengemeinde, die Veranstaltung überhaupt genehmigte, die, so ist zu vermuten, allein sein Küster Bastian Schmidt zu verantworten hat. Schmidt, Student der ev. Theologie und queerer Aktivist, war es auch, der, begleitet von einer Muslimin (mit Kopftuch!), durch den Weihnachtsgarten der Friedenskirche führte und dort allerlei dummes Zeug erzählte. Details können im „Welt“-Artikel „Wo Weihnachten ,dekolonisiert‘ werden soll“ nachgelesen werden, nur soviel: Wo steht in der Weihnachtsgeschichte „da kommt ihr nicht rein“ (Schmidt), soll heißen: in der Herberge seid ihr unerwünscht (wie Flüchtlinge heute?). Wo steht, dass der Evangelist Matthäus den Drei Weisen aus dem Morgenland „mit Argwohn“ begegnete, so dass Schmidt ihm „rassistische Xenophobie“ unterstellen kann. – Die geplante zweite „Decolonize Christmas“-Veranstaltung wurde immerhin abgesagt, nicht nur Berlins Bürgermeister Wegner dürfte da interveniert haben.