Farbe bekennen um jeden Preis? / dpa

Debatten über den Ukraine-Krieg - Pardon, ich weiß es einfach nicht

Seit über zwei Monaten wird in der Ukraine gekämpft. Mit jedem Kriegstag dort scheint hier in Deutschland die öffentliche Erwartungshaltung zu steigen, als Bürger nicht nur solidarisch mit der Ukraine zu sein, sondern auch bei besonders kontroversen Themen klar Position zu beziehen. Wer zweifelt, findet sich deshalb zunehmend allein auf weiter Flur wieder. Dabei kann niemand mit letzter Sicherheit sagen, welche Maßnahmen welche Folgen für den Kriegsverlauf haben werden.

Autoreninfo

Ben Krischke ist Redakteur bei Cicero. Er studierte Journalistik und lebt in München.

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Während ich diese Zeilen schreibe, knallt und scheppert es in naher Ferne. Mal leiser, mal lauter. Und mir wird bewusst, dass ich angesichts des russischen Überfalls auf die Ukraine wohl verdammtes Glück hatte, dass mein Zuhause derzeit nicht rund 2000 Kilometer weiter östlich in, sagen wir, Mariupol liegt, sondern in München. Der Grund, warum es in meinem Viertel knallt und scheppert, sind nicht rollende Panzer und einschlagende Raketen, sondern das hiesige Gymnasium, das derzeit teilweise abgerissen und modernisiert wird. Die Bauarbeiten hier und die Putin’sche Invasion dort haben etwa zur gleichen Zeit begonnen. 

Ich kann verstehen, wenn Sie diese Einleitung vielleicht ein bisschen pietätlos finden. An manchen Tagen finde ich mich selbst pietätlos. Dann nämlich, wenn ich morgens seelenruhig auf der Terrasse sitze und die jungen Eichhörnchen beobachte, wie sie sich entlang der großen Kastanie jagen, und ich dann trotzdem ein bisschen sauer werde, weil das Knallen und Scheppern mein kleines Stadtidyll trüben – während gleichzeitig, gar nicht so weit weg von hier, Menschen sterben oder ihre in Schutt und Asche gelegten Dörfer und Städte verlassen müssen.

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Dominik Roth | Mo, 2. Mai 2022 - 19:37

um das abzuwenden müssen wir tausende Ermordete, Gefolterte und Vergewaltigte in Kauf nehmen?
Wie soll man sich angesichts dieses Dilemmas eine eindeutige Meinung bilden? Unmöglich.

Dr.Andreas Oltmann | Mo, 2. Mai 2022 - 19:55

Vielen Dank für diesen offenen Brief, Herr Krischke, und das Eingeständnis, zwischen den Stühlen zu sitzen. Ich bin überzeugt, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung sich nicht über die letzten Konsequenzen einer direkten Einmischung im Klaren ist. Und dafür auch mit eigenem Blut zu bezahlen.
Ich bin froh, dass auch Sie hin- und hergerissen sind und die Größe haben, dies frei zuzugeben. Und nicht alles so einfach zu machen, wie es in den ÖRMedien leider überwiegend dargestellt wird. Weil die Zukunft kennt niemand.
Und, wie Sie so recht schreiben, welches ist das Ziel dieses Krieges und wie kommen wir dahin?

Ernst-Günther Konrad | Di, 3. Mai 2022 - 08:25

In reply to by Dr.Andreas Oltmann

Ich wollte ähnliches schreiben Herr Dr. Oltmann, kann mir das aber sparen und Ihnen zustimmen. Ich schrieb schon zu Beginn des Krieges, dass es pro und contra gibt, die für und gegen Waffenlieferungen sprechen. Es ist bedauerlich, wenn Foristen auch hier, sich persönlich angehen, weil der eine pro und der andere contra argumentiert. Mir geht es nämlich exakt so wie Herrn Krischke, dem ich meinen größten Respekt für diesen ehrlichen Artikel bezeugen möchte.
Ich mag mich auch derzeit gar nicht mehr - wie Chris Groll - an den unmittelbaren Kriegsdebatten beteiligen. So sehr ich Scholz, ob seiner fmp kriminellen Machenschaften in Hamburg, verachte und die Ampel ablehne, so halte ich mich in dieser Frage mit Kritik an der Regierung zurück. Warum? Ich weiß es nicht und die wissen es nicht. Ich kann mich raushalten, die Regierung muss entscheiden, ob und wie sie agiert. Und ja, weil eben dieser Krieg und seine Folgen nicht wirklich abschätzbar sind, sitze ich auch zwischen den Stühlen.

Urban Will | Di, 3. Mai 2022 - 11:24

In reply to by Dr.Andreas Oltmann

Herr Dr. Oltmann. Das „Hin- und Hergerissensein“ ist das Privileg der Denkenden, die außerhalb der Entscheidungskette stehen. Und es ist sicherlich auch gut und förderlich bei Themen, die nicht mit Waffen ausgefochten werden, die nicht in letzter Konsequenz zur Vernichtung dieses Planeten führen können.
Aber es ist ein Katastrophe bei dem Thema Ukraine – Krieg.
Man hat derzeit das Gefühl, auch die hohe Politik ist „hin- und hergerissen“.
Zwischen Kriegstreiberei und falschen Vorstellungen.
Es fehlen die Leute mit Verstand und klarem Blick nach vorne. So aber wird hin- und her moralisiert, was alles nicht sein darf, anstatt ein klares Ziel zu formulieren.
Sei es Baerbock bei Will, sei es Scholz gestern bei „Was nun?“. Man redet zwar, dass Putin all das nicht dürfe und aus d Ukraine weg müsse, etc., hat aber offensichtlich keine Vorstellung davon, was man da fordert.
Man gibt vor, dies sei auf d Schlachtfeld zu erreichen.
Ohne auch nur ansatzweise zu verstehen, was das bedeuten kann.

Christoph Kuhlmann | Mo, 2. Mai 2022 - 20:01

Schöne Grüße aus Ostwestfalen. Bekanntlicherweise hat die gesamtdeutsche Unterstützung gegen die ungarischen Einfälle in Bayern vor 1100 Jahren zur Gründung des Deutschen Reiches geführt. Heinrich der Vogler. Sie wissen schon. (hoffentlich) Bayern weiß nicht was es will. Einerseits will es die Nachkriegsindustrie aus Ostdeutschland behalten und andererseits keine Windkraftanlagen. Dafür lieber AKW, für die ein Marschflugkörper reicht und verstrahlt ist das schöne Land der Bajuwaren. Letzt im Ernst, keine Oberlandleitungen, keine Windkraft, die Wasserkraft wird auch con der Bürokratie behindert. Gas wird teuer. Da bleibt nur Tourismus. Davon wollt ihr doch nicht wirklich leben, oder doch? Die CSU fordert ja schon mal Mittel aus dem Länderfinanzausgleich. Ihr müsst das pragmatisch sehen. AKW ist für Dumme, die glauben, dass man in Europa irgendetwas für 50 000 - 100 000 Jahre sicher lagern kann. Industrie braucht Strom ind nur in der Autarkie liegt Sicherheit. Lasst euch was einfallen!

Christa Wallau | Mo, 2. Mai 2022 - 20:10

Ja, das ist es.
Und Sie haben auch in folgendem recht, lieber Herr Krischke:
"Langfristige Perspektiven kommen mir in der öffentlichen Debatte deutlich zu kurz."
An jedem einzelnen Tag muß neu abgewogen werden, was sich aus diesem furchtbaren Krieg und dem Dilemma, in dem sich die Ukraine befindet, alles entwickeln kann: an Positivem für dieses Land u. ganz Europa, aber auch an Negativem. Es gilt unbedingt zu vermeiden, die Linie zu überschreiten, hinter der es kein Zurück mehr zu einem Waffenstillstand, sondern nur noch den Weg zum brutalen Sieg einer Seite gibt - wahrscheinlich unter Einsatz v. Atom- oder chemischen Waffen.
Gnade uns Gott, wenn dies geschieht!
Ich vermisse eine organisierte Friedensmission der EU! Wo bleiben konstruktive Vorschläge als Bedingungen für einen Waffenstillstand?
N i c h t s hört und sieht man davon!
Warum schlagen z. B. die USA nicht einen teilweisen Abzug von Raketen u. Truppen direkt an der Grenze zu Rußland vor, um Putin zum Einlenken zu bewegen?

"Warum schlagen z. B. die USA nicht einen teilweisen Abzug von Raketen u. Truppen direkt an der Grenze zu Rußland vor...?"

Möglicherweise weil es weder Raketen noch Truppen direkt an der Grenze zu Russland gibt; es sei denn, Sie betrachten Belarus, die Ukraine und Transnistrien bereits als Teil der russischen Föderation - was nicht auszuschließen ist bei Ihnen.
Ein anderer Grund könnte sein, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und eingesehen hat, dass Beschwichtigungspolitik gegenüber dem Regime in Moskau nicht funktioniert.
Grundsätzlich ist es fraglich, wie Verhandlungen ablaufen sollen mit jemandem wie Lawrow, der bestreitet, dass Russland die Ukraine überhaupt angegriffen hat und der behauptet, Hitler habe möglicherweise "jüdisches Blut" in seinen Adern gehabt.
Die AfD schickt doch jedes Jahr eine Delegation von MdBs zum russischen Außenminister. Vielleicht können die mal nachfragen, wie man auf sowas kommt. Oder "überwachen" die nur "Wahlen" in eroberten Gebieten?

Da Ihrer Ansicht nach mit der russischen Regierung absolut nicht mehr zu reden ist, gibt es also nur noch den "totalen" Krieg bis zum glorreichen Sieg über diese
Bestien, Lügner und Betrüger. Koste es, was es wolle!
Man hat ja aus der Vergangenheit gelernt.
Ach, so, ja. Ich vergaß.

Ich bin der festen Überzeugung, daß die Deutschen 1945 (Flüchtlinge, Vertriebene, Kriegsversehrte, Ausgebombte, Hungernde, die zu Millionen ihre
Männer, Söhne und Väter verloren hatten...) noch etwas ganz anderes aus ihrer unmittelbaren Vergangenheit gelernt hatten:
Daß Krieg das Fürchterlichste ist, was Menschen zustoßen kann!
Und sie kannten bei Kriegsende im Mai 1945 nicht einmal die verheerenden Wirkungen von Atombomben...

mal ihren Einfluss geltend machen. So oft, wie die AfD dort war, muss der doch signifikant sein. Oder hat sich die AfD in Russland immer nur Instruktionen abgeholt, oder sich des Wohlwollens des Herrn Putins versichert?

Man/frau kann ja gerne glauben, Herr Putin wäre in Verhandlungen noch irgendwie zugänglich. Aber irgendwann ist es dann auch genug mit der Weltfremdheit, selbst wenn man AfD heisst.

Ein Narr, wer glaubt, Putin wäre in Verhandlungen von seinen Maximalforderungen abzubringen. Und die werden wahrscheinlich mindestens die sofortige, bedingungslose Kapitulation der Ukraine beinhalten, und entsprechende Strafen/ Folgen für die Regierung Selensky und deren Unterstützer. Darüber hinaus wird Putin Mitsprache in den inneren Angelegenheiten anderer ehemaliger Sowjetrepubliken (Balten usw) wie auch neutraler Staaten (Schweden, Finnland) einfordern. Warum sollte er gegenüber jenen, die sich ihm vor die Füße werfen, Kompromisse machen?

Na ja, weltfremd eben...

Über einen Zeitraum von mehreren Wochen sind zu Beginn des Jahres westliche Spitzenpolitiker mehrfach nach Moskau gereist - um sich dort nach Strich und Faden belügen zu lassen.
Putin hat der Ukraine die Staatlichkeit abgesprochen, das Land überfallen und ist dabei, es zu zerstückeln. Dabei werden systematisch Kriegsverbrechen begangen und dafür verantwortliche Brigaden "für besondere Verdienste" ausgezeichnet.
Russland schafft militärisch Fakten und räumt nicht einmal ein, dass es die Ukraine angegriffen hat. Und Lawrow vermutet "jüdisches Blut" in Hitlers Adern, um das Narrativ von der "Entnazifizierung" zu retten!
Ich weiß wirklich nicht, in welcher Parallelwelt man leben muss, um auf dieser Grundlage von konstruktiven Verhandlungen zu fantasieren. Stattdessen träumen AfD-Strategen vom Abzug amerikanischer Truppen (auch aus Deutschland, wie ich vermute) und stehen schon bereit als "Wahlbeobachter" für Luhansk, Donezk, Mariupol und Cherson.
Kann man sich nicht ausdenken...

wie Verhandlungen ablaufen sollen...

Da sie ja auch ab und an NachDenkSeiten lesen, darf ich ihnen den Artikel: "Putins Nuklearwarnung ist KEINE leere Drohung", werter Herr Hügle. Ganz besonders an`s Herz legen.

In dem Artikel wird ein Memo an Biden von altgediente US-Geheimdienstoffizieren (u.a. Fulton Armstrong, William Binney, Richard H. Black usw.) alle zwar a.D. ...aber während der kubanischen Raketenkrise Geheimdienstanalysten. Und sehen in der Ukraine eine direkte Parallele.

Sie fordern die volle Aufmerksamkeit von Biden, bezüglich des Einsatzes von Atomwaffen, seitens Putin. Und warum sie diese nicht für eine leere Drohung halten.

und endet: “Es wäre gut für Sie, wenn Sie die Diskussion über den Kreis der Berater hinaus ausdehnen würden, die eindeutig auf einen Krieg aus sind, für den wir keinen zwingenden Grund sehen und von dem wir glauben, dass die unbeabsichtigten Folgen wahrscheinlich katastrophal sein werden.”

Hier liegt ein Missverständnis vor: Ich lese die "Nachdenkseiten" NICHT und hatte Ihnen bereits erklärt, warum.
Es steht Ihnen selbstverständlich frei, diese Texte ernstzunehmen. Hinsichtlich des von Ihnen empfohlenen Artikels würde ich Ihnen allerdings nahelegen, sich näher über den Autor (Albrecht Müller) bzw. insbesondere die "Veteran Intelligence Professionals for Sanity" zu informieren, die dieses "Memorandum" verfasst haben. So etwas hilft, Standpunkte einzuordnen. Das verhält sich hier ähnlich wie mit dem wegen Verleumdung verurteilten französischen Journalisten, mit dessen Tweet (!) Sie belegen wollten, dass amerikanische Spezialeinheiten an Kampfhandlungen in der Ukraine beteiligt sind.
Zu Ihrem Zitat: Biden hat ausgeschlossen, dass die USA direkt in den Krieg in der Ukraine eingreifen. Alles andere sind Wahnvorstellungen von Leuten, die diesen Unsinn entweder wirklich glauben oder dafür bezahlt werden, dass sie so tun, als ob.

Urban Will | Mo, 2. Mai 2022 - 20:25

ist, sollte man vorsichtig sein mit seinen Formulierungen. Die USA können obiges, sie haben die Macht, die Mittel und v.a. das Militär dazu. Auch Russland sah sich in der Lage, seine Ziele eiskalt verfolgen zu können und auch trotz des enormen, von ihm wohl völlig unterschätzten Widerstandes, scheint es nicht gewillt, von seinen Zielen abzuweichen, auch wenn diese ab und an neu formuliert werden.
Die völlige Eroberung d Ukr. gehörte m.M. nach nie dazu, ist aber egal, da wohl abgeschrieben. Nun geht es um den Osten u d Krim.
Nun schwurbelt man in Europa das nach, was die USA vorgeben. Russland muss nicht nur komplett raus aus d Ukr, sondern muss auf lange Zeit auch militärisch geschwächt werden. So richtig verstehen unsere Oberen wohl nicht, was das bedeutet.
Man sollte es aber genau verstanden haben, bevor man anfängt, mit Waffenlieferungen diesen Krieg zu verlängern, der v d USA aus mit genau diesem Ziel gesteuert wird.
D ist nun Kriegspartei. Fragt sich nur, wann es das kapiert.

Im Übrigen - haben wir vergessen, wie oft Putin in den vergangenen Jahren seine berechtigten Forderungen für die Sicherheit Russlands erklärt und Kooperation mit dem Westen angeboten hat? Inzwischen hat sich die Ukraine vom Westen als ernste Bedrohung für Russland aufbauen lassen. Diese Vorgeschichte haben wir vollkommen aus dem Blick gelassen und reden nur noch von vermeintlich imperialen Absichten Putins.

Torsten Homeyer | Mo, 2. Mai 2022 - 20:52

Sie sprechen mir aus der Seele.

Gerhard Fiedler | Mo, 2. Mai 2022 - 21:24

Sie wissen es nicht, hoffen aber, dass die Bundesregierung die richtigen Entscheidungen trifft. Wie soll diese es besser wissen? Warum trauen Sie der Regierung mehr zu als ihrer eigenen gewissenhaften Einschätzung? Schon Ihre Ehrlichkeit verdient Respekt, die man bei unseren Volksvetretern vergeblich sucht. Meine Position ist diese. Man kann persönlich für miltärische Solidarität sein. Dass aber unsere Regierung diesem fremden Land militärisch beizustehen hat, wenn es für unser Land mit enormen Risiken militärischer und wirtschaftlicher Art verbunden ist, sehe ich nicht. Darf unsere Regierung überhaupt so handeln, wie sie es derzeit tut? Ist es verfassungskonform? Ist sie nicht zuallererst verpflichtet, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden? Wurde sie von den Deutschen oder oder den Ukrainern gewählt? Und wenn man der Ukraine so helfen wollte, wäre man dann nicht auch verpflichtet, allen anderen in Not geratenen Völkern der Welt auf diese Weise beizustehen? Wollen und können wir das?

Schaden vom deutschen Volk abzuwenden?"

Die Frage stelle ich mir auch, wenn ich die Schlagzeilen lese:

-Regierung bereitet sich auch auf Atomwaffen-Szenario vor (ET)
Baerbock: „Eine Atommacht führt vor unserer Haustür einen Angriffskrieg, schon deshalb ist es unsere Verantwortung als Regierung, auch die schlimmsten Szenarien ernst zu nehmen."

Ich wüsste ja mal gern, wie die Fau sich auf ein Atomwaffen-Szenario vorbereitet bzw. die Bevölkerung von DE.
Vielleicht sucht sie ja nach geeigneten Schutzräumen für die Regierung.

Tomas Poth | Mo, 2. Mai 2022 - 21:57

Hr. Krischke, aber Sie sind nicht allein mit ihren Zweifeln!
Wenn man den Ausführungen des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages zum Völkerrecht folgt, dann sind wir bereits Kriegspartei!
Wer bringt den US-Amerikanern bei, daß wir eine multipolare Machtverteilung auf der Welt brauchen und nicht die vorherrschende Machtstellung der USA.
Hier sehe ich auch eine Aufgabe der europäischen Kleinstaaten, ein eigenes, US unabhängiges Konzept zu verfolgen, um sich nicht einer Großmacht auszuliefern!
Es ist nicht nur ungesund auf einen Lieferanten für Energie und Rohstoffe zu setzen, sondern gleichfalls falsch die eigene Sicherheit in die Hände einer Großmacht zu legen!
Deutschland, werde endlich erwachsen und selbstständig!

Jochen Röschmann | Mo, 2. Mai 2022 - 22:01

Lieber Herr Krischke, Ihr Text klingt wie aus dem Herzen geschrieben, und stellt m. E. einen sehr wichtigen Beitrag im Diskurs dar!
Nebenbei bemerkt würde ich meine Position momentan in etwa mit „50 Prozent unbestimmt, 35 Prozent pro Waffenlieferungen und 15 Prozent komplett die Füße still halten“ (abgesehen von den üblichen Solidaritätsbekundungen natürlich, und dass ich einen Gas-Boykott aus existenziellen Gründen für inakzeptabel halte)
Zu Ihrem Satz:
„Verstörend finde ich gleichwohl, mit welcher Nonchalance die in diesem Offenen Brief formulierten Befürchtungen beiseite gewischt werden, als handle es sich um die Hirngespinste irgendeiner Hare-Krishna-Sekte.“
möchte ich allerdings kritisch anmerken, dass ich die Verlautbarungen der 28 Unterzeichner eben aus genanntem Grund nicht ablehne, denn sie könnten halt so gesehen Recht behalten, aber wegen des moralischen Totalitarismus, der aus dem offenen Brief heraustrieft, und der in ihm implizierten Alternativlosigkeit.

Brigitte Miller | Di, 3. Mai 2022 - 08:07

für diesen Text, denn mir geht es ebenso. Je mehr ich mich informiere , desto sicherer wird nur eines: ich kann mir keine Meinung bilden, ich weiss es nicht.

Gerhard Lenz | Di, 3. Mai 2022 - 08:29

dass die Menschen bei uns einerseits eine sehr klare Meinung haben. Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass die große Mehrheit der Deutschen Putin für einen gefährlichen, unzuverlässigen Kriegsverbrecher hält - zu vernachlässigende Unbelehrbare im Umfeld von AfD und Linken ausgenommen.

Solidarität ist eine feine Sache, am liebsten, wenn sie keine Risiken beinhaltet. Und da fängt das Problem an. Mit Begeisterung würde man zweifellos lieber heute als morgen Putin und seine Clique zum Teufel jagen.
Aber durch Wunschdenken allein wird Putin nicht seinen Hut nehmen. Im Gegenteil: Putin droht. Und das - verständlicherweise - macht Angst. Dazu kommt die Furcht vor erheblichen Wohlstandsverlusten. Und schon ist ein Teil der Deutschen arg unentschlossen, ja zurückhaltend, wie weit die Solidarität mit der Ukraine gehen sollte.
Denn am Ende ist einem das eigene Hemd doch am nächsten. Und dass ein Durchgeknallter die Welt in Brand setzen kann, das wissen wir Deutsche besonders gut.

... das wissen wir Deutsche besonders gut."
Ihr Wort in "Gottes Ohr" ... und genau deshalb machen sich auch so viele Sorgen und pfeifen Scholz, Merz, Baerbock & Co aus.
Und nicht zu vergessen: Der damalige "Durchgeknallte" war zwar kurz davor, besaß aber keine A-Waffen ... die setzten (bisher einmalig) kurz danach die USA zweifach ein und leisteten sich jeweils ein Massaker unter der Zivilbevölkerung. Wie gestört doch SÄMTLICHE Großmächte agieren...

Romuald Veselic | Di, 3. Mai 2022 - 10:25

Sorry, ich bekam einen Lachanfall, als der Mann vor der Kamera behauptete, Adolf H war auch ein Jude! Konnten danach die dt. Faschofaschisten u. Nazidreckspack überhaupt noch schlafen? Wenn Lawrow verzählt, dass Juden an sich, auch Antisemiten sind?
Was würde mit mir passieren, wenn ich so etwas laut am Marienplatz behaupten würde?

Der ganze Kreml-Mob sind gefährliche Menschen! Es sind mordende Spießgesellen, die brandschatzen, vergewaltigen, plündern u. stehlen, indem sie ein friedliches Land überfallen, um es vorsätzlich zerstören u. existenziell beseitigen wollen.

Kapieren die Dt. nicht, dass man Krokodile nicht zu Vegetariern umfunktionieren/umerziehen kann?!

Es sind Misanthropen u. Verbrecher der übelsten Sorte. Von Russen befreit zu sein, ist der direkte Weg zu Unterjochung, Unfreiheit u. Gesetzlosigkeit.

PS Ich muss dennoch zugeben, dass die russische Befreiung von IS, die bessere Alternative ist. Da trinke ich lieber Wodka in der Runde, als Chai aus dem Schnapsglas. 😖

Da hat er sich natürlich auf ein vermintes Feld begeben der Lawrow und sich einen Tort geleistet.
Aber es sollte nicht unerwähnt bleiben, wie ich es aus meiner Familie überliefert bekommen habe:
Adolf H. aus Braunau als auch Dr. Joseph G. aus Rheydt (der mit dem Pferdefuß, wie damals gespöttelt wurde) sollen nicht in der lage gewesen sein den damals geforderten Ariernachweis zu erbringen!
Was nachweisbar dran ist müssen Historiker klären.

Gerhard Fiedler | Di, 3. Mai 2022 - 13:30

Stimmt, aber ändert nichts daran, sich als Regierung entscheiden zu müssen. Das kann „falsch“ oder „richtig“ sein. Man weiß es später besser. Als Bundeskanzler würde mir eine Entscheidung zur Ukraine nicht schwerfallen. Sanktionen und Waffenlieferungen hätten meine Zustimmung nicht gefunden, egal der Entrüstung anderer. Dem eigenen Volk zuerst würde ich mich verpflichtet fühlen, nicht anderen Völkern, der EU oder den USA. Realitäten und Interessen anderer zu beachten, hätten meine Politik bestimmt, nicht Solidaritätsgefasel.
Schon 1989 sahen meine Vorstellungen so aus: Die Wiedervereinigung hätte für D Konsequenzen haben müssen. Nicht nur russische, auch US-Truppen hätten D verlassen müssen. Der Rede Putins im BT hätten Taten folgen müssen, unabhängig des Widerstands der USA dazu. Die Nato hätte aufgelöst gehört. Die Schaffung einer (friedensstiftenden?) EU und die Einführung des Euro hätten nicht erfolgen dürfen. Die Weichen so gestellt, hätten uns derzeit den Ukrainekrieg erspart.

Walter Bühler | Di, 3. Mai 2022 - 22:00

Ja, Herr Krischke, wir Untertanen können nur hoffen, dass unsere "Obrigkeit" die richtigen Entscheidungen getroffen hat und künftig treffen wird. Oder ganz kurz: für uns gilt unverändert der Satz: "mitgefangen, mitgehangen", und daher müssen wir hoffen, dass Gott unserer Obrigkeit nicht nur das Amt, sondern auch ein wenig Verstand hat zukommen lassen.

Auch wenn unsere Obrigkeiten nicht mehr Karl der Große, Ludwig der XIV. oder Queen Victoria heißen: an der Wahrheit des Satzes hat sich - entgegen vieler Hoffnungen - in der Demokratie nichts grundsätzlich geändert.

Klugheit, Weisheit oder Dummheit unserer Obrigkeit entscheiden tatsächlich über unser Schicksal. Das ist schon ein wenig zum Fürchten. Unser leben hängt von einer Lotterie ab.

Walter Bühler | Mi, 4. Mai 2022 - 11:15

Ich finde das Bild sehr gut gewählt.

Es zeigt, wie ästhetisch geprägte junge Menschen manchmal heute Politik interpretieren und betreiben. Ist das nicht der Weg des staatlich geförderten "Zentrums für politische Schönheit"?

Auf deren Website wird die Strategie so erklärt:

"Politischer Widerstand im 21. Jahrhundert: Die Macht der Geschichte als Waffe

Das Zentrum für Politische Schönheit ist der radikale Flügel des Humanismus: eine Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit, politischer Poesie und menschlicher Großgesinntheit. Wir verschmelzen die Macht der Phantasie mit der Macht der Geschichte."

Eine Sturmtruppe von edlen, gestylten Menschen führen professionell organisierte Aktionen durch.

Der Begriff "Sturmtruppe" hat aber in Lichtenstein, in der Schweiz und auch in Deutschland gewiss keine Konnotation mit Schönheit, Moral, Moral, Humanismus, Passt besser zu Ernst Jünger oder eben zu Melnyk.