Jens Spahn
CDU-Politiker Jens Spahn im Bundestag / picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH

Debatte über Leihmutterschaft - Es gibt kein Recht auf Glück

Der Fall Jens Spahn samt Leihmutterschaft ist ein Symbol: Wir haben es mit einer Gesellschaft zu tun, in der das Unabänderliche kaum mehr hingenommen wird – und eine kindische „Ich will aber …“-Haltung dominiert. Es gibt jedoch kein Recht auf Glück.

Alexander Grau

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Zuletzt erschien von ihm „Die Zukunft des Protestantismus“ bei Claudius.

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Triebverzicht, so stellte sich das einmal Sigmund Freud vor, ist die Basis der Kultur. Denn nur, wenn wir uns einschränken, wenn wir nicht unseren Instinkten folgen, ist ein friedliches Zusammenleben möglich. Das effizienteste Mittel der Triebkontrolle ist Kultur. Sie gibt vor, wie wir uns zu verhalten haben, welche Normen gelten, welche Regeln und Gepflogenheiten. Die Idee, persönliche Bedürfnisse kulturellen Normen unterzuordnen, hat in den letzten 100 Jahren deutlich abgenommen. Der Fall Jens Spahn ist dafür nur ein Beispiel unter vielen – aber ein besonders bezeichnendes. 

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Maria Arenz | Do., 23. Juli 2026 - 15:27

an was mich die Causa Spahn erinnert. An das Märchen vom Rumpelstilzchen. Das ist der Zwerg, der der Müllerstochter half, Stroh zu Gold zu spinnen und dafür ihr erstes Kind haben wollte. Man erinnert sich: "Ach wie gut, daß nieman weiß...."Auf Spahn angepasst, würde der Vers lauten müssen: "Heute lüg ich, morgen trick's ich, übermorgen hole ich mir der Amerikanerin ihr Kind, ach wie gut das jeder weiß, daß ich eh auf Regeln sch...". Im Ernst- wer für Leihmutterschft ist, hat das bei schuldrechtlichen Verträgen immer mitzudenkenkende Problemfeld der Leistungsstörungen mitzudenken. Die Konstellationen, die sich mir dabei aufdrängen sind nur schrecklich. In den USA müssen sich die Leihmütter z.B. verpflichten, das Kind auf Wunsch der Väter abzutreiben, wenn es behindert ist. Was ist, wenn die Väter sich während der Schwangerschaft trennen und das Kind nicht mehr wollen? Was, wenn die Mutter es behalten will und das Kind dann Unterhalt vom Papi haben will? Alles schon dagewesen.

Alles ist käuflich. Es kommt nur auf die Summe an. Moral? Unpassend. Ja, Herr Spahn dachte sich: Ich bin der Spahn, ich darf das. Was schert mich die Kindsmutter. Die kriegt ja Geld - also ist alles abgegolten. Dass ein Kind ein Recht auf die leibliche Mutter und auf den leiblichen Vater hat - wie jedes Lebewesen auf unserem Planeten. Geschenkt. Freilich gibt es biologische Gründe, die man akzeptieren muss und in solchen Fällen sind Leihmütter evtl. gerechtfertigt. Aber wenn es darum geht, dass menschliche Eitelkeiten im Spiel sind, dann muss es abgelehnt werden. Warum macht der Spahn einer Frau nicht direkt ein Kind und adoptiert es dann? Wenn er schon mit einem Mann zusammenleben muss - dann muss man akzeptieren, dass man keine leiblichen Kinder haben kann. Will Herr Spahn Gott spielen? Verdammt, was sind das für Menschen. Und Politiker sollten Vorbilder sein. Ist Spahn ein Vorbild? Wie weit kann man sich verirren. Was ist das für eine Welt, für die ein Herr Spahn steht? Igitt. Igitt

Walter Bühler | Do., 23. Juli 2026 - 17:10

1. Dass die 60er-70er Jahre des 20. Jahrhunderts einen Einschnitt für uns (=für die damals wie heute in Westeuropa und in den USA lebenden Menschen) bedeutet haben, dem kann ich "cum grano salis" noch zustimmen.

Aber ist es nicht zu naiv, diese Jahre zu einer Art "Achsenzeit" der Geschichte der Menschheit insgesamt hochzustilisieren?

2. Kein Zweifel: Ohne Heterosexualität hätte es niemals Menschen gegeben, auch keine homosexuellen. Selbst wenn man glauben sollte, dass eines Tages gentechnische Fabriken Kinder am Fließband produzieren könnten und damit heterosexuelle Menschen überflüssig machen würden, müssten die Planer und die Eigentümer solcher Fabriken selbst noch Kinder von heterosexuellen Vätern und Müttern gewesen sein.

Und bei längerem Stromausfall ...
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Nix für ungut.

Herr Grau schreibt ziemlich eingängig und lapidar: "Die Massen-Emanzipation, die sich ab den 1970er Jahren ereignete, steht in direkter Kontinuität zur Aufklärung."

Es ist zweifellos richtig: Genau so sehen es die damals beteiligten Protagonisten.

Aber haben diese öffentlichkeitswirksamen "Protagonisten" auch tatsächlich gesehen, was Aufklärung wirklich ist?

Das glaube ich nicht mehr.

Der Satz müsste meines privaten Erachtens also eigentlich lauten:
"Die Massen-Emanzipation, die sich ab den 1970er Jahren ereignete, läutet den bevorstehenden Untergang der europäischen Aufklärung ein."

Die Re-Barbarisierung hat damit begonnen.
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Nix für ungut.

Alexander J. Schabries | Do., 23. Juli 2026 - 17:43

"Die Fähigkeit der erwachsenen Psyche zu Demut, Bescheidenheit und Hinnahme des Unabänderlichen geht zunehmend verloren gegenüber der kindischen Haltung „Ich will aber …“. Das ist nicht nur unreif, sondern untergräbt die Grundlagen jeder funktionierenden Gesellschaft." Die Erziehung junger Menschen in unserer westlichen Welt seit über sechzig Jahren, zeigt ihre Früchte. Weg von Realitätsbezogenheit und verantwortungsbewusstem Handeln, hin zu träumerisch egomanen Ansichten unserer Zeitgenossen. Jedem das Recht aufs eigene Bullerbü. Zum Kotzen!

... von Herrn Grau, und Sie weisen völlig zu recht auf den fatalen Zusammenhang mit der "reformierten" Bildung in unserer Gesellschaft hin.

Aber man sollte die Hoffnung nicht aufgeben: In den nächsten Generationen kann sich das wieder ins Positive wenden, und dazu muss man die nächste Generation ermutigen. Pauschalurteile sind da nur bei wenigen zielführend, würde ich sagen, auch wenn sie nicht unrealistisch sind.

vielen Dank für Ihre Antwort. Nach meinem Erlebten in Nordamerika und Europa sind die Tugenden, die die beispiellose Entwicklung der westlichen Zivilisation seit dem achtzehnten Jahrhundert gefördert, ja erst ermöglicht haben, in den letzten siebzig Jahren fast – und hier liegt vielleicht Ihre Hoffnung, zur Gänze zerstört worden. Das „Streben nach Glück“ fand ich fast ausschließlich bei Menschen aus dem ostasiatischen Raum und jungen Kollegen der ersten Folgegeneration der Aussiedler aus Osteuropa und Russland. Also bei denen, die noch eine traditionelle Erziehung genossen haben und „hungrig“ sind. Die Majorität der „anderen“ duckt sich weg und hat sich den Märchenerzählern und Rattenfängern der überwiegend links geprägten Pseudokultur ergeben, wiegt sich in den „(as)-sozialen Hängematten und dämmert ihrem Untergang entgegen.

@Alexander J. Schabries, in den von Ihnen zutreffend erwähnten Gesellschaften ist das "Streben nach Glück " ausgeprägt - für die nächste Generation! Das ist der wesentliche Unterschied. "Selbstbespiegelung ", hauptsächlich in den asozialen Medien, gilt als Lebenszweck. Spengler hat in " Der Untergang des Abendlands" den Niedergang von acht Hochkulturen beschrieben, und stets war die Abkehr vom "sozialen Kitt" die wesentliche Ursache.

Angelika Sehnert | Do., 23. Juli 2026 - 20:01

Sind Vorschriften und Gebote tatsächlich ein enges Korsett oder nicht vielmehr die Basis eines gedeihlichen sozialen Zusammenlebens? Natürlich ändern sich Vorstellungen darüber. Das ist in Ordnung, aber unsere Zeit leidet daran, dass einige glauben, Gebote, Regeln, ja sogar Gesetze gelten für sie gar nicht. Weil sie ihren persönlichen Bedürfnissen im Weg stehen. Das fängt bei einer Ministerin an, die mit ihrem Bike durch die Rettungsgasse drängelt und sogar irgendwie stolz darauf war, weil sie wohl meinte so was sei „cool“ und hört bei Drogenbeauftragten und Fraktionsvorsitzenden auf, die sich für sehr viel Geld, das ihnen übrigens der Steuerzahler gezahlt hat, in den USA ein Kind verschaffen. Wenn es dazu Politiker sind, die eine hervorgehobene Stellung haben, die derart handeln, ist höchst bedenklich.
Beipflichten möchte ich dem Gedanken, dass dieses weitverbreitete „ich will aber“ eine infantile Regression darstellt. Mit dem Streben nach Glück hat das rein nichts zu tun.

Regeln und Verbote können ein enges Korsett werden, wenn man sie, wie bei uns, ins Uferlose erweitert, nach dem Motto: alles ist verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. Ansonsten stimme ich Ihnen voll zu.

Walter Wissenbach | Do., 23. Juli 2026 - 21:23

Ein ganz wundervoller Artikel, der die immer ver-rückter gewordenen Dinge wieder zurechtrückt.
Sie werden reichlich Widerspruch erleben für die Überschrift.

Es ist wahr: Das von Thomas Jefferson vor genau 250 Jahren proklamierte unveräußerliche Recht, nach Glück zu streben wurde von der Sozialdemokratie uminterpretiert.
Die klassische sozialdemokratische Antwort lautete und lautet: Dann muss die Gesellschaft allen Chancenlosen helfen, bei jedem Streben nach jeder noch so individuellen Art von Glück erfolgreich zu sein.

"Die Unterstützung zum gelungenen Lebensentwurf wurde einklagbar. Aus dem Recht, nach Glück zu streben, wurde das Recht auf Glück."

Das klingt ja auch verführerisch. Das klingt gut und richtig. Aber das ist in Wahrheit bloß kindisch.

„So kommt eine Gesellschaft auf die Idee, es gäbe so etwas wie das Recht eines homosexuellen Paares auf ein Kind. Das Problem ist nur: Es gibt überhaupt kein Recht auf ein Kind. Weder für Hetero- noch für Homosexuelle.“ Bravo.

Herr Koester, alle Frauen können, sofern sie im gebärfähigen Alter und gesund sind, jederzeit Kinder bekommen. Auch wenn sie lesbisch sind.
Das ist nicht "unfair". Warum fragen Sie?

Sabine Lehmann | Fr., 24. Juli 2026 - 00:46

Sicher kein „Recht“ im juristischen Sinne, aber das Streben nach Glück, diesen unbedingten Wunsch darf man keinem Menschenkind absprechen, werter Herr Grau, auch nicht Politikern. Insofern dürfte in Ihrer Wortwahl eine gewisse Härte liegen….. absichtlich oder zufällig, das vermag ich nicht zu beurteilen.
Worüber man hingegen diskutieren kann, ist der Weg dorthin, und wieviel man opfert oder besser gesagt, welches Ungemach man für Andere in Kauf nimmt, um dieses Ziel zu erreichen. Im vorliegenden Fall ist es sicher wenig integer, seine Glaubwürdigkeit in der Sache zur Disposition zu stellen, indem Herr Spahn als Privatmensch eine völlig andere Agenda zu vertreten scheint als der Politiker Spahn. Das geht gar nicht und bedarf einer Erklärung bzw. Rechtfertigung.
Und in der Thematik Leihmutterschaft grundsätzlich liegt m.E. immer etwas zutiefst Unmenschliches, und zwar für alle Beteiligten, selbstredend auch für das Kind, traumatische Bewältigungen während des Heranwachsens inklusive.

und weil in der sogenannten Leihmutterschaft etwas zu tiefst Unmenschliches liegt, müsste für diese Dienstleistung eine adequate Bezeichnung gefunden werden, denn diese Dienstleistung hat mit einer Mutterschaft rein gar nichts zu tun, vielmehr ist es von Anfang an ein rein geschäftliches Unterfangen, am deren Ende ein Kind geliefert wird!
Mir wird beireits bei schreiben dieser Zeilen ganz unwohll, von wegen Leihmütter!

Dr. Michael Bauer | Fr., 24. Juli 2026 - 07:55

Aus: „Jeder sei seines Glückes Schmied“ wurde: „Jeder sei seines Glückes Anwalt“.