Anne Frank auf zwei Schwarz-Weiß-Fotografien, Museumsumgebung
Ausstellungsraum im Anne-Frank-Haus in Amsterdam / picture alliance / DPR | DPR

Das Tagebuch der Anne Frank - Das Urteil einer Tochter

In Anne Franks Tagebuch liest die Welt von Verfolgung, Angst und Hoffnung im Versteck. Weniger beachtet wird eine andere Geschichte, die zwischen den Zeilen steht: die schwierige Beziehung eines jungen Mädchens zur eigenen Mutter. Doch was begegnet uns in diesen Zeilen eigentlich?

Lisa Davidson

Autoreninfo

Lisa Davidson ist Journalistin, freie Autorin und Podcast-Host. Sie lebt in der Nähe von Austin, Texas. 

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Amsterdam, Winter 1944. Hinter zugezogenen Vorhängen im Hinterhaus sitzt ein Mädchen an einem kleinen Tisch und schreibt in ein kariertes Heft. Draußen herrscht Krieg, im Haus ist es still. In einer Zeile hält sie einen Gedanken fest, so klar wie grausam: Sie notiert, sie könne ihre Mutter nicht lieben. Jahrzehnte später werden Millionen Menschen diesen Gedanken lesen. 

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Markus Michaelis | Do., 9. April 2026 - 14:05

und (fast) nie nur richtig/falsch, wahr/unwahr, gut/schlecht. Es gibt zuviele Facetten, Widersprüche und der Mensch ist prinzipiell nicht so vorgegeben, dass es DAS EINE Wahre gäbe. Ich finde es gut, sich das immer wieder an Beispielen klarzumachen.

Alles rund um die Nazis hat dafür eine besondere Note. Die Nazis waren so grotten-mies, dass man versucht ist, sie zum absolut Bösen zu erklären und sich dann vollständig an ihnen zu orientieren: für sich selber, die Gesellschaft, die Menschheit, in allen Lagen. Immer das Gegenteil.

So göttlich waren allerdings die Nazis nicht, damit überhöht man sie unrealistisch. Sie waren einfach nur grotten-mies, aber nicht göttlich. Das schwierige und nie fertige Nachdenken über sich, die Gesellschaft und den Menschen bleibt einem auch mit Nazis nicht erspart. Wie Dinge zu sehen sind, bleibt meist offen. Die meisten Dinge sind nicht so klar grotten-mies wie die Nazis und auch nicht nur gut oder richtig. Beispiele gehen immer in viele Richtungen.

Jens Böhme | Do., 9. April 2026 - 18:17

Ein Tagebuch zu schreiben ist erst einmal ein Partner, der nicht widerspricht, alles Geschriebene erduldet und weise schützt. Ab Anfang 1944 könnte eine weitere Intention der Tagebuchschreiberin hinzugekommen zu sein, um das Tagebuch zu veröffentlichen. Grundsätzlich sind Tagebuchseiten, die mit der Absicht geschrieben, mal veröffentlicht zu werden, weniger wertvoll, als richtige Tagebücher, die Freund/-in sind.

Wolfgang Z. Keller | Do., 9. April 2026 - 22:55

Antwort auf von Jens Böhme

... was Frau Davidson geschrieben hat, lese ich so, dass Anne Frank ihr Tagebuch nach dem Krieg als Grundlage für ein Buch nutzen wollte, und nicht, dass sie selbst das Tagebuch veröffentlichen wollte.
Somit wäre für mich die Gesamtausgabe ein absolut autentisches Tagebuch in der von Ihnen verständlicher Weise bevorzugten Art einer Freundin.