Rissige Mauer
Risse in der Gesellschaft / Foto: picture alliance

Das politische Buch - Anke Rehlinger liest „Verbinden statt spalten“

Wokeness, Gendern, Pandemie, Krieg: Bei allem sind wir uneins. Gilda Sahebi entschlüsselt in ihrem neuen Buch, warum Debatten immer giftiger werden. Sie nennt es „affektive Polarisierung“. Und sie zeigt, warum Versöhnung dennoch möglich bleibt, wenn wir Zeit und Mut investieren.

Autoreninfo

Anke Rehlinger ist Ministerpräsidentin des Saarlands.

So erreichen Sie Anke Rehlinger:

Natürlich: Johannes Rau! Mit Gilda Sahebis Buchtitel assoziiere ich sofort jenes Leitmotiv, unter das er als SPD-Kanzlerkandidat 1987 seine Kampagne stellte: „Versöhnen statt spalten“. Und auch später als Bundespräsident blieb er dem treu: „Demokratie lebt vom geregelten Konflikt und von der Bereitschaft zum Konsens. Konflikt und Konsens gehören zusammen“, sagte er 2003. Ein Satz, der heute nicht weniger zählt, aber noch weniger selbstverständlich ist.

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Markus Michaelis | Mi., 8. Juli 2026 - 17:19

Es sind nicht nur Algorithmen oder fiese Böslinge. Auch die Mitte hat zB Werteorientierung über alles gestellt. Gegenüber Menschen, die nicht mitgehen wollten, wurde es quasi als Pflicht angesehen nicht Empathie sondern klare Kante zu zeigen. Es gibt auch genügend extreme Beispiele, wo es gar keine Frager mehr sein kann, dass die Kante eher hart und nicht empathisch sein muss. Einfach nur von fehlender Empathie zu reden, ist mir daher zu dünn: das reduziert wieder auf die guten, echten Menschen und die bösen, unempathischen.

Gesellschaften, Volk, Nation, Staat, Werte, Verfassung, Menschenrechte ist kein klar vorhandener Naturzustand, sondern etwas, auf dass sich Menschen in einem Gestrüpp von Strömungen und Widersprüchen einigen (gewöhnen). Daran wird immer auch gezerrt, durch EU, Migration, Globalisierung noch mehr. Es war auch die Mitte, die in diesem Gestrüpp universelle Wahrheiten durchsetzen wollte, nicht sich empathisch miteinander für Wege und Abgrenzungen entscheiden.

Jens Böhme | Mi., 8. Juli 2026 - 20:16

Immer noch gehen über 70 Prozent zur Bundestagswahl. Immer noch würfelt man danach eine Regierungskoalition aus, die keine Millionen Menschen derart auf die Palme bringt, dass sie an Wochenenden dagegen demonstrieren. Demokratie ist ein zu schweres, nicht zu händelndes Gesellschaftssystem. Die Entscheidungen treffen trotz Wahlergebnis fast alle, das dauert ewig, bis man einen Konsens findet. Das schlaucht, stumpft ab und schön langsam bewegt sich die politische Mitte (und Gesellschaft) in Richtung der politischen Ränder, um schneller Entscheidungen durchsetzen zu können.

Walter Bühler | Mi., 8. Juli 2026 - 20:55

Die SPD-Funktionärin Rehlinger (MP Saar) lobt ihre Genossin Gilda Sahebi, eine Journalistin in taz und im ÖRR. Na ja.

Von ihrer SPD-Position aus (die sie witzigerweise als "politische Mitte" bezeichnen) bejammern die beiden Damen den öffentlichen Diskurs in der Gesellschaft:

"Es geht nicht um die Lösung eines Problems und erst recht nicht darum, einer schweigenden angeblichen Mehrheit Gehör zu verschaffen, sondern um die ... Ereigniskette von Empörung, Gegenempörung, Abwertung und einer sich dadurch stetig steigernden Zuspitzung. Es geht um eine möglichst giftige Debatte," die von "Eskalatoren" produziert wird.

In Wahrheit eskalieren SPD-Funktionäre seit Sarrazin am giftigsten diese giftige Debattenkultur und die Spaltung. Alles, was nicht ihrer links-queeren Ideologie entspricht, wird als "faschistisch" und "spalterisch" diffamiert.

Diese EIGENE Eskalation hat - neben der notorischen Unfähigkeit der SPD-Politiker -zu den heutigen SPD- und AfD-Wahlergebnissen geführt.

Walter Bühler | Mi., 8. Juli 2026 - 21:36

Liebe Frau Rehlinger, ich würde gerne wissen, welche Firma oder welches Amt (Agentur, NGO, ...) diese Veranstaltung organisiert hat und wie hoch sie entlohnt worden ist.

Ich persönlich vermute, es handelt sich um die berühmte Berliner Spezialfirma Nexus?
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"Nexus erforscht, wie eine aktive Bürgerschaft und die Beteiligung unterschiedlicher Akteure die gesellschaftliche Entwicklung zum Wohle aller verändern kann. Dafür realisieren wir anwendungsorientierte und praxisnahe Forschungsvorhaben."
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Ich habe das Gefühl, dass Nexus die Privatisierung der Demokratie zum Geschäftsmodell gemacht hat. Sie produzieren für Projekte, die in parlamentarischen Gremien durchgesetzt worden sind, scheindemokratische Legitimationen durch Bürgerräte.
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Auch in Russland haben die Bolschewisten eine Räterepublik installiert, um sich lästige demokratische Abstimmungen zu ersparen.

Nimmt man in Merzig die Zweitstimmen der BT-Wahl 2025, dann müssten bei "zufälliger Auswahl" ungefähr neun Nichtwähler und 41 Wähler, nämlich 8 SPD, 11 CDU, 2 FDP, 9 AfD, 3 Linke, 3 BSW und 3 Grüne vertreten gewesen sein. Auf jeden Fall müssten nur acht Anhänger der SPD und neun Anhänger der AfD im gleichen Raum anwesend gewesen sein.

Liebe Frau Rehlinger, gesetzt den Fall, die Auswahl der Bürger wäre wirklich - wie Sie behaupten - nach Zufall erfolgt. Wenn dann nach Ihrem Zeugnis bei der Veranstaltung "das gute, wertschätzende, gesellschaftliche Gespräch möglich" gewesen ist, dann muss das doch auch für die 9 Wähler der AfD gelten.

Wenn das so seein sollte - warum klammern sich die Funktionäre der SPD so stur an die Brandmauer? Warum diffamieren sie die AfD-Wähler als Faschisten und als amoralische Rabauken?

Das kann niemand in Deutschland verstehen, zumal wir eben nicht in einer Rätedemokratie, sondern in einer parlamentarischen Demokratie mit geheimen Wahlen leben.

Gisela Hachenberg | Mi., 8. Juli 2026 - 23:04

Als ich noch Talkshows angesehen habe in den ÖRR, wurde diese Sahebi öfters „präsentiert“. Ich fand diese Frau und ihre Argumentation völlig überheblich. Sie ist eine Spalterin und polarisiert mit ihrer Meinung. Die Deutschen sind schuld an der fehlenden Integration der Migranten, usw. Sie sind an allem schuld. Wie kann man diese Frau und ihr Buch so hypen??! Typisch SPD.
Bin „von den Socken“, um es salopp auszudrücken. 🥺🥺

Markus Michaelis | Mi., 8. Juli 2026 - 23:17

Ich habe keine Ahnung, wie Elon Musk das meint, Frau Rehlinger stimme ich dazu insofern erstmal zu, dass man nicht eskalieren sollte. Mit ist das aber ansonsten zu wenig nachdenklich: Menschen haben viele Eigenschaften, keine davon ist widerspruchsfrei und alleinstehend, auch Empathie nicht. Menschen sind erschüttert über fehlende Empathie mit Gaza, Israel, Darfur, Uyguren, Jemen, hungernden Bevölkerungen und vielem anderen. Wer im einen Konflikt mehr auf der einen seit steht, steht im anderen mehr auf der anderen Seite. Es gibt aber nicht nur die direkten großen Konflikte. Empathie-erschüttert sind Menschen wegen Klima, dass man nicht empathisch mit Menschen ist, die ihr zuhause verlieren, mit Werksschließungen, aber auch gegen so erfolgreiche Firmen, dass sie andere Weltteile "plattperformen". Empathisch betroffen sind wir in verschiedensten, gegenläufigen identitären Fragen. Wir fordern Empathie mit der Ukraine, aber der Großteil Asiens und Afrikas sind sind richtig gefolgt.

Markus Michaelis | Mi., 8. Juli 2026 - 23:23

Sind das jetzt alles Menschenfeinde? Gerade empathisch sehr betroffene Menschen haben in Konflikten auch Dinge angeheizt - man hält es kaum aus, dass andere nur ruhig zuhören, wo es um Leiden geht, oder auch nur Ungerechtigkeiten durch Patriarchat oder Alltagsrassismus oder tausend andere Dinge.

Ja, Empathie ist eine wichtige menschliche Eigenschaft, aber gerade deswegen kann sie, wie Gerechtigkeit und andere große Gefühle, Konflikte auch anheizen. Genauso wie Demokratie, Menschenrechte, Verfassung und andere abstrakte Begriffe sind auch menschliche Eigenschaften wie Wut, Empathie, Gerechtigkeitssinn etc. nie nur simpel gut oder schlecht.

Ich glaube, dass unsere Gesellschaft (und auch die SPD) das oft zu simpel gesehen hat. Wir haben echte Gegensätze und offene Fragen, die sich nicht einfach dadurch lösen, dass man die unempathischen Menschen ausbremst. Zu simpel Empathie herausstellen, sagt dann auch nur wieder "Wir sind gut, die sind böse".

Manfred Vogt | Do., 9. Juli 2026 - 14:42

Geht man mit dem Musk-Zitat ('Die fundamentale Schwäche der westlichen Zivilisation ist die Empathie.') im Internet auf die Suche, ist der erste Treffer die Seite einer Unternehmensberatung. Dort folgt auf das Zitat der Musk-Äußerung dieser Zusatz: 'Musk ergänzte diesen Satz mit der Aussage, dass er grundsätzlich an Empathie glaube und man sich um andere kümmern solle, aber dass sie als gesellschaftlicher Mechanismus ausgenutzt werde.'
Also Vorsicht mit selektiven bzw. unvollständigen Zitaten.