Entführung von Maduro
Ankunft von Maduro in New York / picture alliance / abaca | Guerin Charles/ABACA

Ist die Entführung von Diktatoren erlaubt? - Erdöl und Tyrannenmord

„Zu Dionys dem Tyrannen schlich Damon, den Dolch im Gewande ...“ Die Frage, ob es legitim sei, sich eines Diktators mit Gewalt zu entledigen, beschäftigt die Menschheit seit jeher. Die Antwort ist nicht leicht. Auch nicht für den Autor unserer Ethikkolumne.

Gregor Thüsing

Autoreninfo

Prof. Dr. Gregor Thüsing ist Direktor des Instituts für Arbeitsrecht und Recht der sozialen Sicherheit der Universität Bonn. Er ist Autor zahlreicher Fachpublikationen, vielfacher Sachverständiger im Deutschen Bundestag und wurde 2024 in den Deutschen Ethikrat berufen.

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Es war die Schlagzeile der vorletzten Woche: Die USA greifen Venezuela an und nehmen den Präsidenten gefangen. Die ersten Stellungnahmen schwanken zwischen Empörung mit dem Hinweis auf eine augenscheinliche Verletzung des Völkerrechts, andere betonen, dass es sich hier um einen der übelsten und korruptesten Diktatoren handelt, von dem es gut ist, dass sein Volk ihn nicht mehr ertragen muss. Maduro war wohl dann doch kein Präsident, dem allzu viele nachtrauern werden.

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Enka Hein | So., 18. Januar 2026 - 09:40

...die Mitglieder haben doch für die Abschaltung der Atomkraftwerke unter Merkel gestimmt.
Die Entscheidung trafen Leute die von keiner Sachkenntnis getrübt waren und nur ideologisch linksgrün unterwegs waren.
Genauso jetzt mit Maduro. Ein Verbrecher, ein Terrorist. Der lacht über Ethik, wenn er überhaupt weiß was es ist.
Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.
Es gibt zu wenig Trumps in demokratischen Staaten.
Ähnliche Diskussion mit ausländischen Straftätern hier im Land. Straffällige müssen zurück in ihre Heimat, egal was da gerade los ist. Mir auch egal was da mit denen passiert. Hauptsache sie wütend nicht mehr in D.
Was Maduro betrifft, wurde alles richtig gemacht.

Jens Böhme | So., 18. Januar 2026 - 09:52

Statt historische Fälle zu dokumentieren, Wischiwaschi. Die theorielastigen Zitate aus vergangenen Jahrhunderten sind nur Brainstorm. Historische Tyrannenbeseitigungen geschehen immer aus dem Inneren. Das aktive Recht spielte keine Rolle. Wenn man obsiegte war es Befreiung oder Revolution, also was Gutes. Trump ist noch ein harmloser Weltpolizist. Sein Nachfolger, J.D.Vance ist der viel Gefährliche.

Brigitte Miller | Mo., 19. Januar 2026 - 08:04

Antwort auf von Jens Böhme

"Sein Nachfolger, J.D.Vance ist der viel Gefährliche" Warum , Herr Böhme?

Ellen wolff | So., 18. Januar 2026 - 11:03

Vielleicht ist ja das Völkerrecht fehlerhaft und muss geändert werden? Ein Völkerrecht, dass einen Diktator schützt, der sein Volk unterdrückt, ausbeutet und verachtet, ist kein Völkerrecht sondern ein Diktatorenrecht. Ein gesunder Menschenverstand könnte manchmal helfen. Und ja, es kann sein, das die USA den Diktator nur gefangen hat, um selbst das Volk der Venezulaner auszubeuten, dass wäre dann auch nicht in Sinne des Schutzes des Volkes vor der Tyranei.

Karl-Heinz Weiß | So., 18. Januar 2026 - 11:33

Eine differenzierte Betrachtungsweise, anders als seinerzeit Ciceros Argumentation. Die UNO wurde geschaffen, um rational getroffene politische Entscheidungen durchzusetzen und ist damit auf ganzer Linie gescheitert. Aktuell bestimmen drei Personen die Weltpolitik. Alles andere ist "Beiwerk". Das erscheint mir als die eigentliche "Zeitenwende".

Thomas Veit | So., 18. Januar 2026 - 19:05

Jedes Volk darf seine eigenen Tyrannen und Diktatoren entmachtet..., und je nach Tätigkeitsprofil' des entmachteten ihn auch dahinmeucheln o.ä. ...

Fremde Volker dürfen das mit anderen (vermeintlichen) Tyrannen und Diktatod*innen NICHT!! Vielleicht liebt ja das betroffene Volk bzw. eine Mehrheit seinen Tyrannen oder Diktator sogar auch...? Wäre ja auch denkbar... ... - oder?

Auf jeden Fall dürfen fremde Tyrannen/Diktatoren oder Autokratien NICHT! 'HELFEN', wenn sie direkte wirtschaftliche Vorteile daraus ziehen (könnten) oder das beabsichtigen. Punkt!

So isses... 😉

Johannes Renz | So., 18. Januar 2026 - 19:40

Trotz der Ausführungen von Paulus in Römer 13 waren Usurpatoren und der Beseitigung im christlichen Byzanz trotz eines etablierten "Gottesgnadentums" (die byzantinischen Kaiser hatten u. a. den Titel "den Aposteln gleich" geführt) übrigens kaum seltener als im heidnischen Rom. Im westlichen Europa dagegen war der Status des Gottesgnadentums der Könige und Kaiser deutlich gefestigter und es gab kaum Usurpationen oder Königsmorde. Der byzantische Usurpator Phokas etwa (602-610) wurde sogar explizit von Papst Gregor dem Großen (der einen erbitterten Streit mit seinem Vorgänger Maurikios austrug) und seinen Nachfolgern gut geheißen - vielleicht der erste große "Sündenfall" des frühmittelalterlichen Papsttums. Die spätere Beseitigung des Phokas durch seinen Nachfolger Herakleios (der dadurch ebenso zum Usurpator wurde) hatte übrigens (neben Tyrannei im Innern) auch Gründe, die vom Autor nicht genannt wurden: Byzanz war außenpolitisch durch die Perser hochgradig in seiner Existenz bedroht.

Johannes Renz | So., 18. Januar 2026 - 19:43

Im 17. Jahrhundert war es dann soweit, dass die Beseitigung der Herrschaft von König Charles I. von England durch den Puritaner Oliver Cromwell sogar explizit christlich begründet wurde. Nach Cromwells Ansicht hatte Charles I. das Gottesgnadentum missbraucht und hatte von daher den Tod verdient.

Bernhard Kaiser | Mo., 19. Januar 2026 - 03:51

... der gesamte Artikel erübrigen sich, da die USA (und andere Staaten übrigens auch) sich schlichtweg noch nie an das sogenannte Völkerrecht gehalten haben, was Trump im Falle von Venezuela ja auch eindeutig geäußert hat: "I don't care about international law, the only thing that might stop me, is my own moral" ...

Bernhard Kaiser | Mo., 19. Januar 2026 - 03:53

... als ich das Bild von Thüsing gesehen hab, dachte schon, der woke Harpe Kerkeling schreibt jetzt für CICERO ... ;)