Coronakrise - „Die Welt ist in ein Entwicklerbad gefallen“

Politische Niedertracht und die Kreativität beim Grotesken: Der Kulturwissenschaftler Joseph Vogl spricht über die Coronakrise als Lackmustest unserer Gesellschaften und warnt: Die Bundesregierung werde durch ihr Handeln während der Pandemie einen wesentlichen Anteil am Zerfall Europas gehabt haben.

„Man spaziert mit geschärften Sinnen durch die Gegend“ / dpa

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Elke Buhr ist Chefredakteurin des Monopol Magazins

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Elke Buhr

Der Kulturwissenschaftler Josef Vogl über die Coronakrise als Lackmustest unserer Gesellschaften
Josef Vogl ist Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaftler und Philosoph und lehrt an der Humboldt-Universität in Berlin. Der Foucault-Experte beschäftigt sich unter anderem mit den Zusammenhängen von Politik und Ökonomie.  Eine seiner einflussreichsten Veröffentlichungen ist die 2010 erschienene Studie „Das Gespenst des Kapitals“, in der er die irrationalen Strukturen der modernen Finanzmärkte freilegt. 

Herr Vogl, die Corona-Krise hat unser aller Leben auf den Kopf gestellt. Haben Sie sich an die neue Realität im Zeichen des Lockdown bereits gewöhnt?
Dagegen wehre ich mich. Wie soll man sich an Pandemien und Massensterben gewöhnen? Zudem wird man ja von Nachrichten und täglich neuen Überraschungen gehetzt.

Wovon sind Sie überrascht?
Zum Beispiel von der Buntheit menschlicher Intelligenz in der Produktion des Grotesken. Denken Sie an die neuen Passionen für Toilettenpapier, dann für Hefe, dann für Mehl, an die Schlangen vor Waffengeschäften in den USA, an Evangelikale und die Anrufung des Gotteszorns, an Geschlechtertrennung beim Einkaufen. Man könnte auch an US-Senatoren denken, die schnell Aktienpakete verkaufen, um dann die Seuche zu leugnen. Oder an Exemplare wie Serbiens Präsident, der zur Vorbeugung gegen das Virus Schnapstrinken empfahl, oder an den turkmenischen Präsidenten, einen dichtenden Zahnarzt, der das öffentliche Aussprechen des Wortes Corona verbieten will.

Und weiter? 
Jede so genannte Krise erzeugt Deutungsnötigung und Deutungsnot. So gibt es jetzt eine hektische diskursive Produktivität quer über die intellektuellen und publizistischen Branchen hinweg. Man kämpft um hermeneutische Vorsprünge, sieht seine lange Zeit ausgefeilten Positionen und Wahrheiten in der Katastrophe bestätigt. Alles wird von allen gesagt und dann noch einmal wiederholt, überboten und variiert.

Sie sind kein Mediziner, sondern Kulturwissenschaftler. Was ist aus Ihrer Sicht an dem Virus besonders interessant? 
Ein Virologe hat Covid-19, wahrscheinlich leicht zynisch, Ebola der Reichen genannt. Und tatsächlich scheinen die Übertragungswege ja zunächst durch Geschäftsreisen, durch Ski- und Kreuzfahrer, durch Wohlstandstourismus überhaupt gebahnt worden zu sein. Mittelstandsinfektionen. Geschäfts- und Industriezentren, wohlhabende Enklaven, manche Touristenparadiese waren zuerst wohl am meisten betroffen, Norditalien, Tirol, Bayern, Baden-Württemberg ...

Einerseits sagt man, das Virus behandelt alle gleich. Andererseits tritt die Ungleichheit erst recht zu Tage, wenn sich manche Leute 10-Zehn-Zimmer-Villen zurückziehen können und andere eben nicht. 
Ja, ökonomische Ungleichheit, Vermögensverteilung, Einkommensdifferenzen werden nicht nur über die Erträglichkeit von Ausnahmesituationen, sondern über Leben und Tod entscheiden. Das Gesundheitssystem ist zu einem Lackmustest für Marktlogiken geworden, die sich dann eben im Wettbewerb der Schwerkranken um Intensivbetten und Restlebenszeiten fortsetzen. Noch im letzten Jahr hat die Bertelsmann Stiftung die Schließung von 600 Krankenhäusern in Deutschland empfohlen, aus Kosten- und Effizienzgründen. Und jetzt diskutieren Medizinethiker über Triage, über den Umgang mit „begrenzten Ressourcen“, über die „Erfolgsaussichten“ dieser oder jener Patienten oder die „Zuteilung“ knapper medizinischer Hilfe. Allenfalls ist man ein wenig zerknirscht über die marktkonforme Unterversorgung des Gesundheitssystems, über Betten- und Personalabbau, über den Gesundheitsmarkt, über die privatwirtschaftliche Konkurrenz zwischen den Krankenhäusern. Die kapitalistische Marktökonomie kennt kein Erbarmen.

Sie haben ja viel aus der Sicht des Diskurstheoretikers über Ökonomie geschrieben. Welcher Diskurs herrscht denn nun vor im Moment? Die Politiker sagen ja immer, Gesundheit geht jetzt vor. 
Das ist in der allgemeinen Kakophonie schwer zu sagen. Aber der amerikanische Ökonom Milton Friedman hatte einmal bemerkt, Krisen böten die gute Gelegenheit zur Realisierung des politisch Unbequemen. Das hat bereits jetzt, hier und dort, zu einer Eskalation politischer Niedertracht geführt: Machtsicherung, Ausdehnung von Notstandsmaßnahmen, Zerstörung des Rechtstaats wie in Ungarn, Polen oder Israel. Nicht weniger bemerkenswert ist das Pochen auf ökonomische Hegemonie. Beim Treffen europäischer Finanzminister hat der niederländische Kollege Wopke Hoekstra, vormals Unternehmensberater,  verlangt, man müsse jetzt die Konten der Südländer überprüfen und ansehen, ob diese in den vergangenen Jahren auch rabiat genug an öffentlichen Mitteln eingespart hätten. Auch wenn das schnell als Widerwärtigkeit identifiziert werden konnte, folgen solche Verlautbarungen doch den Bahnen eingeübter finanzökonomischer Dogmatik. Noch die jüngste Debatte um Corona- oder Eurobonds ist – insbesondere in Deutschland – ein Musterbeispiel dafür, wie man in ideologischer Verhärtung den Ernst der Lage verkennt.

Ein Politiker wie Horst Seehofer hat sehr entschieden betont, dass im Zweifel die Gesundheit Vorrang hat vor der Ökonomie. Ist das vorgeschoben?
Das glaube ich nicht. Aber natürlich kann die Politik nicht verbergen, dass sie sich mit der Frage nach gesundheitspolitischen Prioritäten in einem Spannungsfeld zwischen verschiedenen Optionen oder Polen bewegt, die den Charakter ihrer Entscheidungsprozesse diktieren: einerseits in der Spannung zwischen Gemeinwohl und Partikularinteressen; und andererseits in der Spannung zwischen außerordentlichen Maßnahmen und demokratischer Rechtstaatlichkeit. Dieses Viereck – bestehend aus Gemeinwohl, Einzelinteressen, Ausnahmeregeln und rechtstaatlichen Garantieren – macht zwangläufig jede Entscheidungsprozedur zu einem prekären Balanceakt.

Ist das jetzt der Moment, wo bestimmte Staaten und Regierungen sich zu erkennen geben?
Ja. Die Welt ist in ein Entwicklerbad gefallen, und es wird noch ein wenig dauern, bis man genau sehen kann, welche Kontraste und Konturen sich für diese oder jene Staaten und Regierungen herausprägen werden, schreckliche oder hoffnungsvolle Bilder.

Wie finden Sie, dass Deutschland dabei dasteht? 
Als Glücksfall einer reichen Volkswirtschaft, die auf sozialstaatliche Restposten, auf hohe Kreditwürdigkeit sowie auf Routinen in parteiübergreifender Kompromissbildung zurückgreifen kann. Nicht der schlechteste Standort für einen Krankheitsfall im Augenblick. Die Schattenseite: eine erbärmliche Europapolitik. In Italien kam erste ärztliche Hilfe aus Kuba, Deutschland verhängte vorübergehend ein Exportverbot für medizinische Hilfsmittel nach Italien, China und Russland sprangen öffentlichkeitswirksam ein. In den Mahn- und Mutreden der Kanzlerin wurde Europa sechs Wochen nach dem italienischen Lockdown zum ersten Mal erwähnt, auf die gegenwärtige Durchsetzung diktatorischer Regimes innerhalb der EU schaut man „mit Besorgnis“, und die deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik wird sich sich als Treibsatz für europäische Zentrifugalkräfte erweisen. Bis hin zur Ablehnung von Eurobonds hat Deutschland bislang alles dafür getan, den hämischen Satz Matteo Salvinis zu verwirklichen: „Europa ist tot, gestorben zwischen Berlin und Brüssel.“ Die gegenwärtige Bundesregierung wird einen wesentlichen Anteil am Zerfall Europas gehabt haben.

Im schwer gebeutelten Italien hat sich der Philosoph Giorgio Agamben zu Wort gemeldet. Agamben ist in den 1990er-Jahren mit Essays über Herrschaft, Recht und Entrechtung bekannt geworden und hat viel über Flüchtlinge, Lager und den Ausnahmezustand geschrieben – der Ausnahmezustand ist demnach der Rechtszustand, in dem jede Rechtsgültigkeit aufgehoben ist und der Souverän direkt über das „nackte Leben“ regiert. Jetzt hat Agamben in einem recht polemischen Text über die Ausgangsbeschränkungen in Italien geschrieben, der Ausnahmezustand sei jetzt da und alle Freiheiten geopfert. Zeigt sich hier auch eine Sehnsucht danach, dass endlich wirklich eintritt, was immer herbeigeschrieben wurde?
Wie gesagt: Die gegenwärtige Katastrophe samt polit-ökonomischen Dynamiken verlangt nach Erklärung und Interpretation. Und das Interpretament des Ausnahmezustands ist mehr als evident. Allerdings glaube ich nicht, und zwar ganz grundsätzlich, dass sich theoretische Diskurse jetzt weiter so fortsetzen lassen, als wäre nichts geschehen. 

Joseph Vogl
Joseph Vogl / diaphanes

Agamben, aber auch viele andere haben sich häufig auf den Begriff der Biopolitik bezogen, wie ihn Michel Foucault geprägt hat: Als Herrschaftsform, die auf das Leben und die  Körper der Bürgerinnen und Bürger zielt, die bestimmte Verhaltensweisen fördert und hervorbringt und andere behindert. Ein Begriff, der auch im Zusammenhang mit der Corona-Krise wieder häufig genannt wird.  
Der Schweizer Historiker Philipp Sarasin hat sich gerade in einem Aufsatz recht differenziert damit beschäftigt, ob und wie der Begriff der Biopolitik bei Michel Foucault für die jetzige Lage passend sei – ein Begriff, den Foucault im Übrigen sehr schnell wieder eingeklammert hat. Abgesehen davon, dass die biopolitische Sorge ums Leben von Bevölkerungen wohl nicht hinreicht, das Spektrum regierungstechnischer Interventionen heute zu fassen, geht es dabei vor allem um die Frage, auf welche Weise Epidemien und Regierungspraktiken miteinander korrespondieren. Foucault selbst beschreibt drei verschiedene Schauplätze. Erstens das mittelalterliche Lepra-Modell: Die Regierungsmacht reagiert mit Verbannung, Aussonderung und Ausschließung der Kranken. Zweitens das Pestmodell in der frühen Neuzeit: Aus der Überwachung und Einschließung der Pestkranken haben sich Disziplinarmechanismen, Kontrollnetze und die minutiöse Beobachtung von Individuen entwickelt. Schließlich die Pocken, seit Ende des 18. Jahrhunderts: eine Infektion, die zu ersten Impfmaßnahmen, Immunitätsstrategien, statistischen Erhebungen und Risikoabschätzungen führte. Jenseits von Verbannung und Quarantäne war das für Foucault ein Beispiel liberaler Gouvernementalität, verbunden mit der Frage, wie sich offene Milieus regieren und regulieren lassen: Daten sammeln, Statistiken erstellen, medizinische Feldzüge organisieren.

Damit sind wir bei den gegenwärtigen Strategien angekommen.
Ja, von hier aus ließe sich tatsächlich eine Linie zur gegenwärtigen Lage ziehen und das Schema eines neuen Gesellschaftsvertrags erahnen: Tracking, ein Gewinn an Bewegungsfreiheit gegen die Abgabe von Information. Allerdings ist in dieser Trias die Erfahrung der AIDS-Epidemie in den achtziger Jahren noch nicht verzeichnet, medizinisch und politisch. Damit kämen vielleicht weitere Parameter ins Spiel. Nach der anfänglichen Verfolgung von Homosexuellen und der Denunzierung von ‚Risikogruppen‘ hat sich nämlich eine Art Deinstitutionalisierung der Epidemie eingestellt. Ihre Verwaltung ist aus dem geschlossenen Bereich der medizinischen Beobachtung herausgetreten und wurde zum Teil wenigstens an andere staatliche, halb-staatliche und private Einrichtungen delegiert: an Schulen, Vereine, Selbsthilfegruppen, Familien, Medien – bis hin zur Entstehung neuer politischer Bündnisse wie ACT UP. Ich denke, dass heute alle diese unterschiedlichen Alternativen noch im Spiel sind und in verschiedenen Dosierungen miteinander kombiniert werden: Wegsperren, Überwachen, neue Solidarformen, Tracking ...

Wird Freiheit in Zukunft davon bestimmt werden, wie genau man getrackt werden kann?
Das alles ist im Augenblick noch nicht absehbar. Aber bereits jetzt hat sich das Tracking als lukratives Geschäftsmodell von Internetplattformen und sozialen Medien erwiesen, und es ist schwer vorstellbar, dass man sich dort das digitale Seuchengeschäft wird entgehen lassen. Diese Gewinner zumindest stehen schon fest.

In der Corona-Krise muss man ständig die eigenen Interessen mit denen der Gemeinschaft neu austarieren. Man ist viel bewusster Teil dieser Riesenmaschine Gesellschaft geworden.
Der Wirklichkeitszerfall, den wir gerade erleben, geht mit einer erhöhten Beobachterintensität einher, man spaziert mit geschärften Sinnen durch die Gegend. Türklinken, Einkaufskörbe, Ellenbogen oder Fußknöchel, Hände mit oder ohne Handschuhe, haptische Alarmzonen, Körperabstände, Minimalbewegungen, Blickrichtungen, akustische Signale wie Husten, Niesen oder Räuspern – all das gehört nun zum Signalement einer neuen sozialen Welt. Jeder Gang nach draußen folgt komplizierten Choreographien. Und ja, diese Sinneswelten und Tänze sind Experimente zur Erprobung eines neuen Kollektivs.

Slavoj Zizek hat gesagt, wir werden eine philosophische Revolution erfahren. Die große Frage jetzt scheint zu sein, wie viel Kontinuität wird es geben und wie viel Bruch?
Zizek ruft ein neues Denken der Infektion aus, eine Art Virologie für die Ansteckung durch Affekte, kulturelle Muster oder Gedankenabfälle jeglicher Art. Viren überall. Aber schon seit dem 19. Jahrhundert sind Ansteckung und Infektion attraktive Modelle zur Erklärung sozialer Kommunikation und zirkulierender Unvernunft geworden. Und natürlich wird die Viralität von Aufregern in den sozialen Netzwerken heute durch die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Erregers auf grausige Weise karikiert. Allerdings würde ich dem aktuellen Rausch des Epochalen gerne misstrauen und den Blick auf konkrete Problemlagen lenken: Welche Konsequenzen lassen sich für die Organisation des Gesundheitswesens ziehen? Hat man neue Verfahren zur Verteilung sozialer und ökonomischer Lasten getestet? Wie hat sich das Verhältnis von Staat und Wirtschaft verschoben? Werden die Sollbruchstellen in Europa halten, wird es ein Ende oder einen Neuanfang geben? Welche Prioritäten soll man mit einem Wiederaufbauprogramm setzen?

Nach Prognosen sollten wir jetzt nicht fragen? 
Es wird sich wahrscheinlich etwas geändert haben. Aber es kommt immer anders, als man denkt. 

Das Interview führte Elke Buhr, Chefredakteurin von monopol - Magazin für Kunst und Leben, in dem es zuerst erschien.
 

 

Christa Wallau | Fr, 17. April 2020 - 09:03

Na ja, nicht immer, aber sehr oft.
Auf jeden Fall wird es kein Zurück zu den
Zuständen geben, die vor dem Ausbrechen der Pandemie bestanden. Das dürfte - angesichts des
zeitlichen u. räumlichen Umfangs - inzwischen jedem klar geworden sein. Unendlich viele weitere gefährliche Viren warten zudem nur darauf, einen ähnlichen Angriff auf die Menschheit zu starten wie jetzt Covid 19.
Ich habe es bereits in einem anderen Kommentar geschrieben u. betone es hier wieder:
Der Gefahr durch das Virus steht die nicht minder große Gefahr gegenüber, daß einflußreiche u.
skrupellose Geschäftemacher diese Gelegenheit nutzen, um ihre eigenen, sehr egoistischen Pläne
zur Gewinnmaximierung durchzusetzen.

Der Menssch als solcher ändert sich nämlich nie!

So wie es nicht mehr gelungen ist, die Waffenproduktion auf der Welt zu stoppen, wird es in der Zukunft wahrscheinlich nicht mehr gelingen, den Überwachungsstaat, Zwangsimpfungen u.
zweifelhafte Ökodiktatur abzuschaffen.
Keine schönen Aussichten!

Mal wieder ein Kommentar, der überwiegend am Thema des eigentlichen Beitrags vorbeigeht.

Gerade in diesen Zeiten über "Zwangsimpfungen" zu jammern, ist schon bemerkenswert. Passt aber zur Dauerkritik der Dame an diesem "heruntergekommenen" Staat, zur Abwechslung heute mal als Ökodiktatur verschrien wird.

Und das in Zeiten, in denen fast die ganze Welt (Unbelehrbare ausgenommen) auf einen Impfstoff wartet.

Aber gut, vielleicht reicht Covid-19 ja noch nicht, vielleicht müssen ja noch ein paar (fast) ausgestorbene Seuchen zurückkehren.

Mehr Wasser auf die Mühlen derer, die fernab aller Realität zur Opposition gegen jedes (bessere) Wissen aufrufen.

Wenn man ein Selbstbild als Retter der Menschheit vor den "Bösen" hat, denkt man vielleicht, dass jemand liest, was man schreibt und dass dieser sich glücklich wähnt, dass er gewarnt worden ist. Realität: kaum jemand liest noch die immer gleiche Leier, man gähnt und geht gleich über in den Sommer.

Werter Herr Lenz,

den Vorwurf den Sie Frau Wallau gemacht haben, den haben Sie selbst auch begangen.

Sie haben sich nur an Frau Wallaus Worten "abgearbeitet", so wie wir es hier alle schon kennen.

Aber zu dem Inhalt des Artikels, da haben Sie nichts geschrieben...schade.

Das hat Sie leider nicht daran gehindert einzelne Aspekte, die Frau Wallau ansprach, aus ihrem Kontext losgelöst zu missdeuten.
Aber auch das kennen wir ja schon.

Zu dem Artikel:
Ich kann dem Autor, einem Diskurstheoretiker, kaum zustimmen.
Hier hat halt jemand sein Vergnügen am Diskurs ausgelebt...so what.

und mit ihm alles Leben, wir sehen auch nicht mehr so aus wie früher. Denke immer mal wieder darüber nach warum.
Sie werden sehen, dass sich überwiegend die melden, die wirklich Hilfe brauchen und die entdeckt werden, die sich unsittlich verhalten.
Aber letzteres bzw. sittliches Verhalten ist nicht immer ausgemacht, da es fast jeder anders definiert.
Ich hoffe also auf Einvernehmen, wenn es zu Entscheidungen kommt und wenn Kritik, dann in jedem Fall gesittet und auch auf diesen Wegen.
Das kann ich mir eigentlich anders auf Cicero nicht denken.

... lieber Herr Binder, indem ich den Dauerschatten nur noch schemenhaft wahrnehme.
Klagen und Argumentieren hilft da nichts, nur Ignorieren.

Warum sollte es mir im übrigen besser gehen als anderen mutigen Menschen, z. B. in der DDR, deren "Stalker" (bzw. die Nachfolger der Verfolger) nach dem unrühmlichen Ende des Unrechtsstaates, dem sie dienten, sogar wieder im Deutschen Bundestag sitzen dürfen?

Aber herzlichen Dank für Ihre freundliche Nachfrage.
Alles Gute!

Liebe Frau Wallau, Ihre Sätze kann ich nur unterstreichen - wie eigentlich alles, was Sie schreiben. Die unter der "harmlosen" Corona-Flagge segelnden Tracing Apps werden nun direkt in die Betriebssysteme von Google (Android) und Apple (iOS) integriert. Natürlich alles total datensicher, anonym, ohne GPS-Daten und nur zu unserem Besten. Aber wenn man schon mal dabei ist, könnte man doch sicher ein paar Funktionalitäten mehr einbauen, nur für den Notfall natürlich, als Antiterror-Variante...
(https://www.heise.de/newsticker/meldung/Coronavirus-Kontaktverfolgung-w…)

Urban Will | Fr, 17. April 2020 - 10:18

Das Entwicklerbad.

Oder: Das verderblich – verführerische Virus der Allmacht.
Aushebeln der Vernunft.
Grundrechtseinschränkungen auf Verdacht.
Man darf nicht nach MeckPomm in die Ferienwohnung, weil Frau Schwesig hier eine Gefahr sieht.
Nur als Beispiel.

Was entsteigt dem Entwicklerbad?
Es steht zu befürchten, dass es in Zukunft weit schneller zu massiven Eingriffen kommen wird, weil der oder die irgendwo „eine Gefahr“ sieht und dann wird pauschal entschieden.
Dient ja nur zum Besten.

Die Gesundheit hat Vorrang? Nein, nicht die Gesundheit, es ist der Glaube der Mächtigen an sich selbst.

Wir, das Volk?
Bloß nicht aufmucken. Still halten, sonst ist man der Feind und Zersetzer.

Ich mache mir große Sorgen.

... das Egoistische scheint dabei zwar keine Gesellschaftsgruppe auszunehmen, aber bei manchen "Gruppierungen" fällt mir eine Häufung schon auf. Ich bedaure in jedem Falle die Leidtragenden - aber auch hier siegt nicht immer die Gerechtigkeit :(

Ich mache mir auch große Sorgen, Herr Will. In meiner Heimat will ein grüner Stadtrat in Dresden die Wirtschaft gegen die Wand fahren und "absaufen" lassen und dann etwas Neues "probieren"!. Und keiner der Vorstandsmitglieder protestiert. Sehr aufschlussreich. Dazu ein Auszug von Stalins Toast vom 07.11.1937, dem 20. Jahrestag der Revolution, beim Essen im Haus Woroschilows (in „Metropol“ von Eugen Ruge):"... Und wir werden jeden dieser Feinde, auch wenn es ein alter Bolschewik ist, vernichten, einschließlich seiner Angehörigen und seiner Familie. Jeder, der durch seine Handlungen und durch sein Denken, ja auch sein Denken, wider die Einheit des sozialistischen Staates handelt, wird gnadenlos vernichtet. Auf die Vernichtung aller Feinde, bis zum Letzten, auf die Vernichtung der Feinde und der Sippschaft!". Ich hoffe, dass dem Entwicklerbad kein Totalitarismus, egal welcher Färbung und Ideologie, entsteigt.

nicht kommen, Lieber Herr Sonntag.

Ich denke, das Zeitalter der Stalins und Hitlers ist vorbei, grüne Stadträte oder auch Bundespolitiker sind nicht die „Kandidaten“, die es braucht, eine mörderische Diktatur aufzubauen.
Gottseidank. Solche sind nicht zu erwarten.

Diese grünen Tagträumer sind als gewählte Vertreter nun mal in den Ämtern und zu akzeptieren.
Die Realität wird sie irgendwann da wieder rauswerfen.

Was mir Sorge macht, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Grundrechte in die Tonne fliegen. Es fehlt mir der Sinn und Verstand.
800m² sind ok, 1000 oder 5000 nicht. Wieso?
Buchändler ja, Kirchen nein, Restaurants nein, Supermärkte schon von Beginn an ja... alles aus dem Bauch heraus.
Und sinnbildlich war es die liebe, brav daherkommende Frau Schwesig bei Lanz, als sie ihre meck-pommschen Grenzschließungen verteidigte.
Das liebe Lächeln mutierte zur Fratze, die Dame verkaufte einen völlig sinnlosen, eigenmächtigen Blödsinn als unabdingbar.
Das ist gefährlich.

Wilfried Nauck | Fr, 17. April 2020 - 10:21

Wenn es stimmt, dass das Durchschnittsvermögen in Italien und Spanien höher ist als in Deutschland, sähe ich überhaupt nicht ein, dass Deutschland für die Schulden anderer Staaten haftet. Wie war es denn in Griechenland: Kein Katasteramt, völlig desolates Steuersystem, die Reeder ausgenommen von der Steuer, die jeweilige Regierungspartei bediente ihre Klientel, dann bevorstehende Staatspleite und Hilfe-,Hilferufe, die unsere Kanzlerin gnädig erhörte (aus Dankbarkeit wurde sie dann in Pressebildern mit Hitlerbärtchen "verziert"). Wenn ein EU-Land von einer örtlichen Katastrophe betroffen wird, sollte mit sehr deutlicher einmaliger Unterstützung geholfen werden. Aber "dolce vita" dauerhaft auf Kosten Anderer lehne ich strikt ab. Insofern erscheint mir der Ruf nach mehr europäischer Solidarität in diesem Artikel sehr aus dem Elfenbeinturm zu kommen.

Genau so empfinde ich das auch. Solange andere Länder für Ihre Bürger deutlich niedrigere Steuern, höhere und frühere Renten , mehr Wohneigentum usw. haben, kann es nicht sein, dass wir deren Schulden übernehmen.

ein Artikel aus der nzz: Deutschland erwacht aus der Wohlstandsillusion ...........Vielen Bürgern und Unternehmen fehlen die Reserven. Dabei fällt ihnen auch das gönnerhafte europäische Pathos auf die Füsse. Und von aussen ballen sich die nehmenden Hände der EU-Südländer zu Fäusten. hhttps://www.nzz.ch/meinung/coronavirus-deutschland-erwacht-aus-der-wohl…
Viele Grüße CB

die wir momentan haben – und die ihre volle Wucht erst noch entfalten wird – die Staaten, deren Bürger zum größten Teil eine eigene Immobilie besitzen, auf jeden Fall besser dastehen als die, deren Bürger zur Miete wohnen. Vorteil Sp, I, GR.

Ja, die erste Hälfte des Artikels war die bekannte Linke Phrasendrescherei. Die zweite Hälfte fand ich dann schon interessant.

Meine volle Zustimmung, Herr Nauck. Vermögensverteilungen haben mich spätestens seit Ingangsetzung der EU-Griechenlandhilfen interessiert. Die geeignete Größe hierfür ist in der Statistik der Median. Beim reinen Durchschnitt heben die Reichen und Superreichen den Wert im Vergleich nach oben. Der Medianwert begrenzt den rechnerischen Einfluss der Superreichen und zeigt die Lebenswirklichkeit der Bevölkerung, indem er die Bevölkerung in zwei Hälften teilt: die ärmere Hälfte unterhalb dem Medianwert, die reichere Hälfte oberhalb.
Die Medianwerte zeigen (es gibt genug Ländervergleiche / Tabellen hierfür):
Innerhalb der alten EU-Länder ist Deutschland mit Ausnahme Portugals der arme Mann. Nur die Bevölkerung in den Ländern, die jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs lagen, ist noch ärmer. Die Behauptung der regierenden Politiker, DE sei ein reiches Land, ist mehr als strittig, sondern höchst fragwürdig. Ich komme zu einem ganz anderen Schluss. Auch deshalb: Keine Euro-Bonds.

dass D ein reiches Land sei und A. Merkel und H. Maas deshalb das Geld der hiesigen Steuerzahler großzügig verteilen, mag daran liegen, dass diese Politiker sich fast ausschließlich im Berliner Regierungsviertel bewegen und nach getaner Arbeit meist – zusammen – bei Borchard's speisen. Spesenrechnung inklusive.

gabriele bondzio | Fr, 17. April 2020 - 10:29

(...)hat die Bertelsmann Stiftung die Schließung von 600 Krankenhäusern in Deutschland empfohlen(...)von insgesamt 1.400 Krankenhäuser, was knapp die Hälfte wäre.
Wie viele Tote hätten DE, diese empfohlenen schlanken Strukturen nach Profit-Orientierung gekostet?
Eine eine strategische Reserve an Medikamenten und Medizinprodukten hätte längst angelegt werden sollen (siehe Norwegen), nachdem bereits 2012 Virologen und Epidemiologen vor einer Pandemie gewarnt haben. Jedoch waren Seuchen weder in der EU noch in DE vorgesehen
Auch das digitale Seuchengeschäft generiert jetzt schon ohne Zweifel Gewinner und Verlierer. Ich zweifle jedoch sehr an einem neuen Kollektiv. Zu dem alten, sehr tiefen Gräben werden Neue hinzukommen.
Es blitzt wie bei allen Krisen hervor, die Starken können die Krise überleben, die Schwachen werden auf der Strecke bleiben.

Aus Spanien und Italien hört man oft und besonders häufig von Deutschen in den dortigen Ländern, dass die dort wegen Merkel bei ihren Krankenhäusern sparen mussten und damit wir für die Toten verantwortlich sind. Interessant ist, dass Portugal und Griechenland sehr gut durch die Krise kamen, obwohl beide Länder sparen mussten. Der Unterschied zu Spanien und Italien zeigt sich darin, dass man schneller regierte und es deshalb zu weniger Infektionen und damit weniger Bedarf im Krankenhaus kam. Das heißt wir hätten mit deutlich weniger Krankenhäusern zurecht kommen können, wenn denn die Politik weniger schlafmützig wäre. So hätte man sich dann diverse Karneval Veranstaltungen, Starkbierfeste und Skigaudi schenken müssen. Sicher, das hätte dann Zustimmung beim Wähler gekostet, was wohl das eigentliche Motiv bei so mancher politischen Entscheidung der letzten Wochen war.

Frau Bondzio, es war leider nicht nur die Bertelsamnnstiftung sondern auch ein Mitglied der Regierungspartei SPD (Herr Lauterbach), welcher das deutsche Gesundheitswesen, gemäß dem Maastrichter Vertrag, "gesundschrumpfen" wollte (siehe https://www.cicero.de/aussenpolitik/coronakrise-italien-lombardei-gesun…). Ich denke, angesichts dieser Krise sollten die Ziele der EU neu definiert werden. Ein Verbund von Litauen bis Portugal kann nur funktionieren wenn die Aufgaben auf das Wesentlichste beschränkt werden! Die Interessenlagen, Kultur und Lebenswelten der Bürger unterscheiden sich stärker als uns die RRG Ideologie weißmachen will. Das was wir jetzt mit der EU erleben ist kopflastig und wird in Amtsstuben und Ideologiekonferenzen ausgebrütet.

Helmut Bachmann | Fr, 17. April 2020 - 10:33

Das Interview klingt ein wenig nach Monty Python. Wenn sich ein Philosoph in Politik und Wirtschaft verläuft, wird es offenbar schnell langweilig.

herbert binder | Fr, 17. April 2020 - 12:35

In reply to by Gast

Joseph Vogl folgt auf Alexander Kluge.
Beide außergewöhnliche Intellektuelle.
Aber wer braucht einen solchen Sprech?
Und wer kommt als Nächste/r?

Bernd Muhlack | Fr, 17. April 2020 - 17:28

In reply to by Gast

Nun ja, immerhin hat Herr Vogl kein Taschentuch auf dem Kopf!

Ich halte die Äußerungen des Herrn Vogl durchaus für bemerkenswert, wieso sollte ein Philosoph sich nicht solche Gedanken machen, sie gar kund tun?
Unser aller Herr Habeck von Habeck im Grünenland ist doch eben solch ein Wesen, nicht wahr?
(frei nach Theodor Fontane).

Es ist immer wieder interessant zu lesen, hören, wie sich "die Gesellschaft" nach Corona ändern wird, geändert hat.
Das wurde nach nine/eleven ebenfalls prognostiziert.
Hat sich etwas verändert?

Nicht für den Normalbürger, den Mann mit Hund und Hut.

Die Berichterstattung qua Corona sprengt schlicht jede Verhältnismäßigkeit.
Bedarf es wirklich so vieler Live-Ticker, Sondersendungen?

But now something completely different (Monty Python)
Ulrich Kienzle ist gestorben!
Der kongeniale Partner von Bodo Hauser, damals FRONTAL im ZDF.
Das war klasse, ohne jede PC!
Saddam u der Deoroller nannte man die beiden!

ARD/ZDF sind von diesem Format Galaxien entfernt!

Jürgen Keil | Fr, 17. April 2020 - 10:50

"Und ja, diese Sinneswelten und Tänze sind Experimente zur Erprobung eines neuen Kollektivs." Ein Text, voller akademischer Spekulationen und ein Tröpfchen EU- Wehmut!. Der Mensch ist wie er ist. So sollte man ihn auch nehmen und pragmatische Politik machen. Ein egoistisches Grundpotential ist, größer oder kleiner, in jeden Menschen angelegt. Das zeigt sich in Krisenzeiten eben wieder einmal ungeschminkt. Und ungeschminkt zeigt sich auch, was von der Europa- Gemeinschaftsbeschwörung (er meint natürlich die EU!) tatsächlich vorhanden ist. Wunschdenken und Träume kann man natürlich haben. In der Politik und in der Wirtschaft sind sie eher, und in Zeiten der Krise sind sie ganz bestimmt, untauglich.
Der Schluss bringt es auf den Punkt: „Es wird sich wahrscheinlich etwas geändert haben. Aber es kommt immer anders, als man denkt.“ Aber mal kann ja mal darüber geschwätzt haben.

Frau Buhr, vielen Dank für den außerordentlich guten Beitrag!

Prof. Vogl zählt ja zu den profiliertesten Kulturwissenschaftlern der Republik (im besten Sinne aufgeklärt-zeitgenössisch bis avantgardistisch). Ich würde Ihm eine Frage stellen wollen, die in diesem Zusammenhang vielleicht den richtigen Ort hat:

Herr Prof. Vogl, wir erkennen zwar noch nicht die endgültigen Konturen im „Entwicklerbad“, sehen aber schon bekannte Kontraste, die jedoch gespiegelt und gestürzt erscheinen. Will sagen, der utopische Standort gehört ja zum Menschen. Er steht immer über der ganzen menschlichen Existenz. Das treibt ihn immer wieder zur Kultivierung. Wird die Gesellschaft wiederzuerkennen sein, sollte es das eigentlich? Müssen wir aus dieser weltgeschichtlichen Situation nicht Konsequenzen ziehen und auch mit bestimmten Theorien brechen?

ein hoch interessanter, sehr lesenwerter Beitrag, der sich wohltuend abhebt von solchen Traktaten, die eigentlich nur eine bestimmte politische Agenda ausführen - ganz zu schweigen vom ewigen Merkel-Bashing.

Noch dazu eine extrem gute Schreibe! Da sieht man den Unterschied zu den oftmals gestelzt klingenden Wortakrobaten, deren peinliche Konstruktionen Geist versprühen sollen, aber oft nur peinlich klingen.

Dass jetzt hier auch gemeckert wird, wundert nicht; enthält der Beitrag doch bestimmte Wahrheiten, die so manchem nicht gefallen dürften.

Macht aber nichts.

Alessandro LaPorta | Fr, 17. April 2020 - 16:24

In reply to by Gast

Werter Herr Lenz,
Sie schreiben hier von "bestimmten Wahrheiten", die so manchem nicht gefallen dürften. Welche Wahrheiten meinen Sie denn?

Gisela Fimiani | Fr, 17. April 2020 - 11:17

1000 Zeichen Limit erlauben keine detaillierte Kritik. Sie erlauben aber, meiner Wahrnehmung Ausdruck zu verleihen. Der Zeitgeist scheint die Philosophen auf den Plan zu rufen, denn sie treten in Vielzahl auf. Leider scheinen etliche das platonische Verständnis ihrer selbst verinnerlicht zu haben. Im Gegensatz dazu meinte v. Hofmannsthal: „Die Philosophie ist die Richterin eines Zeitalters; es steht schlimm, wenn sie statt dessen sein Ausdruck ist.“ Wer dem Zeitgeist Konzessionen macht, gibt seine eigene Unabhängigkeit auf. Vogl verkörpert den eitlen Platoniker, der dem Zeitgeist anheim gefallen ist, der wolkige Ratschläge erteilt, ökonomisch unbeleckt ist, sich aber dennoch als politischer, sehr tendenziöser Scharfrichter in Szene setzt. Es sagt viel über einen Zeitgeist, der philosophische Propheten benötigt, die in Wahrheit das tun, wofür sie andere kritisieren: Sie kämpfen um ihren „hermeneutischen Vorsprung“ mit politischer Rhetorik. Eitelkeit schlägt Demut.

Ich glaube nicht, dass Eitelkeit das Hauptmotiv in solchen grundsätzlichen Fragen und Einstellungen ist. Ich gehe sehr davon aus, dass Herr Vogl, wie die meisten anderen, von diesen und anderen Ereignissen ehrlich aufgewühlt ist. Ich sehe ein Hauptmotiv (generell und vielleicht auch bei Herrn Vogl) eher darin, dass wir zwar alle weltoffen sein wollen, am Ende aber mit der Buntheit und Widersprüchlichkeit der Menschen in der Welt überfordert sind. Es ist vor diesem Hintergrund das Ringen um eine universelle Wahrheit und Deutungshoheit - und das Leiden, weil die Wahrheit am Ende doch wieder nur von uns so definiert und doch nicht von Gott, Marx, der Verfassung, den Menschenrechten, Europa etc. unhinterfragbar genauso gegeben ist.

Dr. Roland Mock | Fr, 17. April 2020 - 11:51

Selten habe ich solch einen Unsinn im „Cicero“ gelesen. Ich erwarte allerdings auch nichts anderes, wenn sich ein „Kulturwissenschaftler“ zum Thema Wirtschaft äußert.

Markus Michaelis | Fr, 17. April 2020 - 13:26

Herr Vogl sieht alles sehr (einseitig?) schlecht und den Menschen in seinen Motiven und seiner Denkfähigkeit abgründig.

Bringt das weiter und wird das der Wirklichkeit gerecht?

Daneben schimmert im Interview soetwas wie eine höhere Wahrheit durch, die am Horizont zu erahnen ist, aber durch die Schlechtigkeit in weiter Ferne steht. Es wird nur nebelhaft angedeutet, scheint sich aber um zeitgeistige Begriffe wie Europa, Solidarität etc. zu drehen.

Wird das der Realität gerecht? Kann man so die interessanten (und notwendigen) Diskussionen führen, in denen alles in ein Netz von Widersprüchen und Zielkonflikten eingebettet ist - bis in die Motivlagen des Einzelnen hinein und natürlich auch Begriffe wie Europa, Solidarität etc.

Ernst-Günther Konrad | Fr, 17. April 2020 - 15:26

das fiel mir nach dem Artikel ein. Mag Herr Vogl seine Sicht der Dinge für sich so verstehen und auch so leben. Meine Sicht der Dinge sind anders. Inzwischen tauchen manigfach "Experten" und "Spezialisten" auf, die plötzlich alle etwas zu sagen haben und nebenbei wird an sein wichtigstes Buch "erinnert". Grauselig wird es, wenn Philosophen etwas von Wirtschaft faseln und wie nebenbei für die Politik der Regierung werben und diese versuchen angepasst zu erklären. Sei es drum. Ich werde sein Buch nicht lesen.

Rob Schuberth | Fr, 17. April 2020 - 19:45

Hoppla, gleich zwei Artikel dir mir als Leser das einzig Gute an Euro- od. Corona-Bonds verklären wollen.

D wird keine gesonderte Verantwortung tragen, sollte es bald zu einem Bruch der EU kommen.

Denn daran tragen primär die Länder die Schuld, die nicht bereit waren, od. sind, die dringend notwendigen Reformen (zu mehr Steuerehrlichkeit, zu frühe u. hohe Renten etc.) durchzuführen.

Der Autor sieht m. E. nur den Dorn bei uns Deutschen, aber die vielen Balken der anderen, die blendet er aus.

Stefan Forbrig | Fr, 17. April 2020 - 19:51

"...Zerstörung des Rechtstaats wie in Ungarn, Polen oder Israel..."

So ein hanebüchener Unfug. Sorry.

Bernhard Pesch | Sa, 18. April 2020 - 04:09

Foucault? Zizek? Von welchem Alt Sechziger sind Sie denn indoktriniert worden Herr Vogl? Marxismus, Postmodernismus und das ganze linke Gefassele. Ich habe diese linken Ideologen und ihre zerstörerischen Ideen satt. Nachdem scheitern des Sozialismus kann sich die Linke nur noch auf die Zerstörung des Westens konzentrieren. Schöpferische Kraft war noch nie deren Stärke.