Diskussion über „suicidal empathy“ - Wenn Empathie zur Selbstzerstörung führt

Der Begriff „suicidal empathy“ beschreibt eine moralische Übersteuerung westlicher Politik: Empathie wird zum absoluten Maßstab erhoben und verdrängt Urteilskraft, Grenzziehung und langfristige Verantwortung – mit fatalen Folgen für Gesellschaft und Institutionen.

Autoreninfo

Shantanu Patni studiert Osteuropa-Studien an der Freien Universität Berlin. 

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Dies ist einer von zwei Beiträgen zum Thema „suicidal empathy“. Die Gegenrede von Ralf Hanselle lesen Sie zeitnah auf cicero.de.

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Stefan | Mo., 12. Januar 2026 - 17:56

Kognitive Verzerrungen (engl. cognitive biases) sind systematische, meist unbewusste Denkfehler, die unser Urteil, unsere Wahrnehmung, unsere Erinnerungen und unsere Entscheidungen in vorhersehbarer Weise verzerren.
Sie entstehen, weil das Gehirn in einer komplexen Welt mentale Abkürzungen (Heuristiken) nutzt, um schnell handlungsfähig zu sein – und genau diese Abkürzungen führen regelmäßig zu systematischen Abweichungen von der objektiven Realität.
Das emotionale Denken gaukelt manchen Leuten per se eine Realität vor die es eigentlich so gar nicht gibt.
Das Resultat sind 100 tausende Leute gegen Rechts auf der Straße wegen nichts und wieder nichts und nicht ein Gutmensch auf der Straße wegen dem terroristischen Anschlag im Berliner Süden auf das Energiesystem offensichtlich aus dem linken Spektrum.
Hier bewahrheitet sich in meinem Verständnis das oben angeführte.
Gefühle sind eben keine Fakten, jedoch die Regierung Merz nutzt dieses abstruse Denken offenbar für sich zum Machterhalt.

kluger Re-Aktionen bei vielen Menschen breiter ist.
Ich gehe nicht auf die Strasse, wenn ich Aktionen für "irrelevant" befinde und solche Leute schlicht nicht wähle.
Zwar sucht man schon lange nach dieser/n Gruppe/n, aber sie sind wohl zu clever für unsere Sicherheitsorgane?
Dennoch scheint es mir kein besonders großes Problem, sie annähernd zuzuordnen.
Diesen Bereich wähle ich ohnehin nicht und derzeit auch nicht den der, sehr übertrieben, "Bewegung statt Wissenschaft".
Die AfD und vielleicht nahestehende Gruppen wie z.B. österreichische "Identitäre", schätze ich in ihren Möglichkeiten und dem derzeitigen Verdruss am herkömmlichen Parteiensystem sehr viel gravierender ein und bin in Gedanken bei den Leuten auf der Strasse.
Ich bin auch bei Reinhard Mey "Nein, meine Söhne geb ich nicht" und so Manchem, für das mir die SPD steht.
Die Breite von Pistorius zu von Dohnanyi darf die SPD m.E. beibehalten.
Merz will m.E. keine Machtpolitik, sondern Politik machen, Kubicki Rechtsstaatlichkeit

in der Bundesrepublik ÜBERHAUPT KEINE GEFAHR einer DDR 2.0 oder wie man das nennt.
Es gab die DDR überhaupt nur, weil das 3. Reich besiegt worden war.
Das 3. Reich war hingegen das Ergebnis innenpolitischer Entwicklungen, wie auch die Bewertungen, die zum 1. Weltkrieg führten.
Da hatte Adenauer teils Recht, wenn er diesen dem Kaiserreich, bzw. seinem Adel zurechnete.
Es spielte aber viel mit hinein und zuletzt waren es die katastrophalen Folgen des Versailler Friedensvertrages IN der Weltwirtschaftskrise, die den 2. Weltkrieg als "Befreiung" erscheinen liessen.
Dazu kam das "Gespenst", das in Europa grassierte, der Kommunismus.
Dann lieber Hitler dachten sich evtl. viele?
Der war vlt. weniger aggressiv und brutal, als theatralisch und politisch unfähig angesichts der komplexen Probleme.
Derzeit durchlaufen wir die "Neuordnung der Welt".
Manchmal wache ich früh morgens auf und merke, dass es so schnell nicht vorübergehen wird.
Ich bin mal wieder dabei zu beten, dass es uns allen gelingt

Sabine Lehmann | Mo., 12. Januar 2026 - 19:08

Wenn ich denke, schlimmer kann es nicht mehr kommen, werde ich eines "Besseren" belehrt. Mein Fundstück der Woche illustriert auf geradezu ekelerregende Art die Selbstdemontage unseres Wertekanons, von dem ich bislang annahm, dieser sei im Grunde doch unantastbar, es gäbe Tabu-Grenzen über die sich weder Kirche noch Staat hinwegsetzen könnten. Ich wurde "bekehrt":
An Heiligabend wurde in der ARD die Christmette aus Stuttgart(Kirche Sankt Maria) übertragen, und wie jedes Jahr sollte auch eine Krippe zu sehen sein. Man muss nicht katholisch sein, um sich vorzustellen, wie eine Krippe traditionell auszusehen hat. Was da allerdings dargeboten wurde, sah aus wie am Set von "Alien-Teil IV":
Ein nackter Mensch, in Schleim-Reispapier eingehüllt, räkelte sich in widerwärtiger Weise am Boden in einem Haufen Stroh: "Schleim-Jesus"! SWR-Rundfunkpfarrer Steiger und Pastoralreferentin K. Leser hielten das für eine gute "Installation". "Elend & nackt":
https://x.com/Blickch/status/2004647075141619899

Wolfgang Z. Keller | Mo., 12. Januar 2026 - 19:15

... und danke für diesen wie ich finde ausgezeichneten Artikel.
Der hilft Leuten wie mir sehr, mich in diesem Gewirr von moralischen Behauptungen und "Vorschriften", partieller Unsicherheit bei eigenen Empfindungen und Denkweisen, dem jahrelangen, woken Gedöns (auch im ÖRR und den MsM) und andererseits stramm rechten "Volks- und Stammtischmeinungen" besser verorten und einordnen zu können.
Und ohne aus gut überlegten Gründen in irgendeiner Weise gläubig, aber wg. meiner jahrelangen, ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema ziemlich bibelfest zu sein: "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" heißt eben gerade NICHT "Liebe Deinen Nächsten MEHR wie Dich selbst"!
Oder, wie´s in Bayern schon immer so treffend heißt: "Name (z.B. Sepp), bist a guada Kerl, fast a kloana Depp!"
Den kann man/frau natürlich machen, muss es aber nicht - schon garnicht, damit andere sich dann selbst gut und erhaben fühlen!

Otmar Pilgerstorfer | Mo., 12. Januar 2026 - 20:07

Vor allem in Sozialberufen kennt man schon lange den Begriff "Abgrenzung" und weiss um dessen Bedeutung und Wichtigkeit.

Denn Abgrenzung stellt sicher, dass man selbst nicht durch grenzenloses Mitleid und daraus resultierende Überforderung ausbrennt und handlungsunfähig wird - also nicht mehr professsionell agieren kann.

Dasselbe Peinzip gilt auch für Gesellschaften.

So wie ein Sozialarbeiter nicht die Welt retten kann, kann es auch "der Westen" nicht.

Brigitte Miller | Mo., 12. Januar 2026 - 21:34

Ist „reife Gesellschaft“. Gegenwärtig kommt mir eher bunte Infantilisierung in den Sinn als Reife.
Echte Empathie ist oft nicht zu erkennen .

Chris Gustav | Di., 13. Januar 2026 - 09:53

ein wirklich toller wie auch wichtiger Artikel, der aufklärt über den Missbrauch von Empathie durch einschlägige Lobbys. Zu ergänzen wäre noch, weil eben Empathie immer nur begrenzt sein kann, dass gerad die "Gutmenschen" keinerlei Verständnis oder Empathie für Immigrationskritiker und deren Bedenken zu haben scheinen-welch ein Widerspruch!?

Karl-Heinz Weiß | Di., 13. Januar 2026 - 09:59

„Empathie wird zum absoluten Maßstab erhoben " : das mag vordergründig so sein. Musterbeispiele dieser Haltung waren Frau Baerbock und Herr Habeck. Wenn es "konkret" wurde, agierten beide aber sehr rustikal. Die Ex-Außenministerin drückte eine Spitzendiplomatin zur Seite, und Robert Habeck verlor gegenüber der Bundestagspräsidentin die Contenance. Selbstkritik? Fehlanzeige, und genau diese Scheinheiligkeit lässt viele Wähler an der Politik zweifeln.

Markus Michaelis | Di., 13. Januar 2026 - 12:35

Das Beispiel Unterweger könnte man so sehen, dass Empathie schon nur positiv ist, dass man nur falsch geurteilt hat, wer böse und wer gut ist.

Das tieferliegende Problem scheint mir damit verbunden, dass unsere Gesellschaft heute als Ideal die Überwindung jedes "Wir und Die" hat, also alle Menschen gleich zu allem gehören. Das hört sich empathisch an, ist aber auch anmaßend: wir haben nicht 8 Mrd Menschen gefragt, ob sie 1-1 zu uns und unserer Weltsicht gehören wollen und ob sie sich auch um unsere Sorgen genauso Gedanken machen wollen, wie um ihre Sorgen (eben mit einer Unterscheidung in Wir und Die). Es setzt unreflektiert auch oft voraus, dass es letztlich nur ein wahres Menschsein, eine wahre Gesellschaft gibt. Politische Prozesse werden so schwierig, weil es nicht gleichberechtigte, aber gegensätzliche Interessen und Entscheidungen verschiedener Wirs gibt, sondern absolut richtig und falsch.