J.D. Vance
US-Außenminister J.D. Vance / picture alliance/dpa/Pool AFP/AP | Ken Cedenoe

„Communion“ von J.D. Vance - Der Bekehrte und die Rückkehr des Glaubens

In „Communion“ erzählt J.D. Vance von seinem Weg zum Glauben. Das Buch ist mehr kulturphilosophischer Essay als Memoir – und wirft eine interessante Frage auf: Ist Religion der wirksamste Kitt, um eine Gesellschaft in polarisierten Zeiten zusammenzuhalten?

Lisa Davidson

Autoreninfo

Lisa Davidson ist Journalistin, freie Autorin und Podcast-Host. Sie lebt in der Nähe von Austin, Texas. 

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J.D. Vance lebt den amerikanischen Traum. Der Sohn einer drogenabhängigen Mutter aus dem verarmten Rust Belt schaffte es an die Yale Law School, wurde Bestsellerautor, Senator und schließlich Vizepräsident der Vereinigten Staaten. Nach klassischen Maßstäben amerikanischen Erfolgs hätte die Geschichte dort enden können. Doch genau an diesem Punkt beginnt Vance zu zweifeln, ob Ämter und Anerkennung wirklich das sind, was am Ende zählt. 

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Karl-Heinz Weiß | Fr., 24. Juli 2026 - 15:00

Ob es JD Vance gelingt, die katholische Soziallehre mit den Vorstellungen seines Förderers Peter Thiel zu verbinden, könnte spannend werden. Wahrscheinlich genau so unwahrscheinlich, wie die Kastenlehre des Hinduismus mit dem Katholizismus zu verbinden. Bei allen Vorbehalten gegen seinen Chef: dessen Fixierung auf "Deals" ist nicht verschwurbelt. JD Vance hat eine beeindruckende Biografie, aber seine "Erweckungserlebnisse“ erinnern an Politiker, die das Thema "Religion" für ganz und gar unreligiöse Zwecke missbrauchten..

Christa Wallau | Fr., 24. Juli 2026 - 15:19

"Katholisch zu sein bedeutet für ihn keine vorbehaltlose Zustimmung zu jeder Position aus Rom, sondern die Zugehörigkeit zu einer jahrtausendealten Tradition, mit der man ringt, zweifelt und auch widersprechen darf. Gerade dadurch unterscheidet sich sein Memoir von vielen politischen Glaubensbekenntnissen. Es lädt weniger zum Zustimmen als zum Weiterdenken ein."
Ähnlich wie Vance habe auch ich mich mein Leben lang zu Kirche und Glauben verhalten.
Jetzt - im Alter - bin ich mehr denn je davon überzeugt, daß der christliche Glaube zum Heil führt.
Er beglückt - richtig verstanden - die von Jesus erlösten Menschen schon hier auf Erden mit der Aussicht auf das ewige Leben in Fülle (!), und er verbindet die Gläubigen, wenn sie Jesus wirklich folgen, zu einer Einheit in Liebe u. Frieden.
Das ist das Idealbild.
Erstens sind jedoch auch die Christen weiterhin sündige Menschen u. zweitens sind nicht alle Menschen Christen. Daher bleiben die Zustände auf Erden ewig schlimm u. unbefriedigend.

Gerhard Hellriegel | Fr., 24. Juli 2026 - 21:15

"Sinn" bezieht sich auf Handlungen, nicht auf Ereignisse, wir reden von sinnvollem oder sinnlosem Tun.
"Sinn" fragt nach Wert, nach Verwertung, nach wertvoll, will verbessern, optimieren.

Natürlich handeln wir im Leben, aber ist das Leben selbst eine Handlung?
Das kann man sich vormachen, niemand hindert einen, und dann braucht es einen Sinn.
Eine perfekte "Anleitung zum Unglücklichsein".

Was, wenn das Leben ein Ereignis wäre, das halt läuft, wie es läuft?
Wenn es wie ein Regen, ein Blitz, wie ein Tag wäre? Was sollte ein "sinnvoller Regen" sein?

Überfordern wir uns nicht damit? Wozu muss ein Mensch ein großer Mann sein?

Markus Michaelis | Fr., 24. Juli 2026 - 23:05

Damit kann ich einiges anfangen. Christliche Nächstenliebe hat Widersprüche zu einer restriktive Migrationspolitik, gar auch gewalttätige wie bei ICE. Halt im katholischen Glauben und mit einer Hinduistin verheiratet zu sein hat Widersprüche. Nur mit Katholiken enger verkehren hat auch Widersprüche. Das Verhalten vieler (christlicher oder muslimischer) Migranten zu ihren Einwanderungsgesellschaften hat auch Widersprüche zu geforderten Werten. Menschenrechte haben Widersprüche zu Demokratie und Menschenwürde, weil vieles nicht verhandelbar sein soll, Menschen nur als Erfüller nicht verhandelbarer Pflichten auftreten sollen. Menschlichkeit und Gerechtigkeit haben viele Widersprüche in sich usw.

Weniger Werteorientierung und mehr Nachdenklichkeit und Entscheidungen für Prioritäten, weniger Durchsetzung von Wahrheiten, finde ich interessant. Glaube kann dazu beitragen diese Gegensätze zuzulassen, weil Menschen eben so sind. Er kann aber auch ins Gegenteil gehen: absolute Wahrheiten.

Brigitte Miller | Sa., 25. Juli 2026 - 17:02

Grenzen hat, haben muss, liegt an den real existierenden politischen Sachzwängen.
Nächstenliebe bei gleichzeitiger Feststellung, dass man die Grenzen schützen muss und darf, schliessen einander nicht aus.
Wenn wir hier im "Cicero" den Bericht von Jan Solwyn lesen, muss uns klar sein, w i e komplex das Thema ist.
Dass ein Einzelner keine Lösung für alles aufweisen kann, ist folgerichtig.

Thorwald Franke | So., 26. Juli 2026 - 12:14

Dass Materialismus nicht alles ist, ist philosphisch schnell erkennbar und JD Vance scheint hier auf der richtigen Spur. Von der Erkenntnis, dass Materialismus nicht genügt, zur Anerkennung von Christentum und katholischer Kirche ist jedoch ein weiter Weg. Hier sehe ich viel Raum für Kritik. Denn Christentum und katholische Kirche verlangen sehr viel Vertrauen in die korrekte Überlieferungsfähigkeit von Menschen und menschlichen Institutionen. Mir persönlich erscheinen philosophische Überlegungen glaubwürdiger. Weil sie plausibler sind, und weil sie keinen Glauben abverlangen, sondern vernünftiges Abwägen. Genau auf dieser weltanschaulichen Zwischenstufe stehen sehr viele Menschen unserer Zeit. Aber niemand spricht sie an. Es gibt immer die Pole Atheismus und traditionelle Religionen. Oder der Esoterik-Quatsch. Aber philosophische Überlegungen zur Religion? Fehlanzeige.