Nur noch 47 Prozent der Bürger sehen ARD und ZDF als verlässliche Quelle an / Dominik Herrmann

Cicero-Serie: Problemfall ÖRR - Wie ein kompletter Neustart aussehen könnte

Reformunwilligkeit, Wagenburgkultur und Selbstbedienungsmentalität – beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk kommt vieles zusammen. Die journalistischen Standards und personalpolitischen Sitten sind so misslich, dass nur ein echter Neustart helfen kann. Ein Vorschlag.

Autoreninfo

Peter Welchering ist ein deutscher Journalist, der viele Jahre für das ZDF sowie verschiedene ARD-Anstalten gearbeitet hat.

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Reformunwillen, Machtmissbrauch, Vertrauensverlust – der öffentlich-rechtliche Rundfunk steckt tief in der Krise. Der Fall der BR-Journalistin Julia Ruhs und aktuelle Umfragen, nach denen nur 47 Prozent der Bürger ARD und ZDF noch als verlässliche Quelle sehen, zeigen das ganze Ausmaß. Doch warum ist es so geworden, wie es geworden ist – und wie lässt sich das System noch retten? Die Cicero-Serie „Problemfall ÖRR“ sucht nach Antworten.

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Dorothee Sehrt-Irrek | Di., 11. November 2025 - 11:35

Sinn ergeben, aber abgesehen von der evtl. "Freude", die der Autor vlt. empfindet, den ÖRR abzuwickeln, könnte es sich beim "Neubau" dann wie bei manchen Kostenvoranschlägen entwickeln: Der tatsächliche "Bau" verschlingt dann zig Millionen mehr?
Ich schaue mir ganz sicher nicht Herrn Böhmermann an, aber ich habe doch Respekt vor seiner Reichweite und den Bedürfnissen
seiner Zuschauenden.
Die Abhängigkeit von der Politik kann eingedämmt werden, dann doch aber auch die Verbindlichkeit der Politik gegenüber den Anstalten, so in Richtung freiwillige Rundfunkbeiträge?
Ich habe aber jetzt ganz schnell gelesen und vieles kaum ausreichend bedacht.
Ich komme derzeit beim Cicero nicht mehr hinterher, angesichts der Vielzahl der Themen.
Erschwerend kommt hinzu, dass ich nicht mehr in das tägliche Programm schaue.
Meine Interessen werden durch Algorithmen via Youtube abgedeckt.
Nicht immer treffsicher, aber ich kann schliesslich selbst suchen.
Die Mediatheken des ÖRR mag ich sehr.

Markus Michaelis | Di., 11. November 2025 - 12:42

Trotzdem ist es so, dass der jetzige ÖRR auch viele Mitarbeiter hat, die für ihre Sache sehr engagiert sind (das ist ja teilweise das Problem) und damit auch Millionen Menschen ansprechen, die das genauso sehen.

Nur gibt es eben auch Millionen, die ganz andere Weltsichten haben. Um diese Vielfalt besser abzubilden und alle etwas zum Nachdenken anzuregen wäre es vielleicht besser, nicht zu zerschlagen. Etwas Geld aus dem jetzigen ÖRR nehmen muss man, weil alle sparen müssen und weil man mehr Vielfalt finanzieren muss. Für den ÖRR kann das auch eine Chance sein, nicht antikapitalistische Ökologie zu predigen, aber selber möglichst viel zu verdienen: eine Chance für mehr Ehrlichkeit.

Mit freiem Geld könnten vielleicht erstmal zwei neue Anstalten finanziert werden: eine mehr deutsch-europäisch-rechts-konservative, eine mehr weltoffene (Asien, neue Welt, Islam etc.).

Das bildet dann mehr Vielfalt ab und alle können sich aneinander reiben und vielleicht Standpunkte weiterentwickeln?

Markus Michaelis | Di., 11. November 2025 - 12:47

Jetzt weiß ich nicht, ob es einen Serverfehler gab: nochmal kurz: auch der jetzige ÖRR spricht für Millionen, nur eben nicht mehr für 90%. Statt zerschlagen vielleicht daher mehr Vielfalt.

Aus dem ÖRR etwas Geld abziehen: alle müssen sparen und der ÖRR kann ehrlicher werden. Nicht antikapitalistisch-ökologische Gerechtigkeit predigen, aber selber möglichst viel verdienen.

Damit gründen wir einen deutsch-europäisch-rechtskonservativen Sender und einen weltoffenen Sender (mehr Asien, neue Welt, Islam etc.). An der Vielfalt können sich dann alle reiben und der Zuschauer sieht, dass man die Welt sehr verschieden sehen kann.

Ernst-Günther Konrad | Di., 11. November 2025 - 13:02

Wäre das formale Problem der strukturellen Säuberung und Erneuerung gelöst, käme das nächste. Es müsste auch eine Aufarbeitung der zum einen über demissionierten Gehälter durchgeführt werden mit Rückforderungen und eine Art Besoldungstabelle erstellt werden. Dann müsste der Mittelbau (Redaktionen) des journalistischen Bereiches komplett entpolitisiert werden. Nein, nicht das die keine eigene politische Meinung haben dürfen, aber sie gehört eben nicht in die Redaktionsräume als Leitlinie mit entsprechenden Kontrollmechanismen. Journalisten haben dem Volk, das es bezahlt, neutral, allumfassend und ehrlich zu dienen. Ja, sie gehören anständig bezahlt, aber angeglichen an das Einkommen des Bürgers. Aufsichtsgremien gehören nicht mehr von Parteipolitikern Kirchen und sonstigen abhängigen und beeinflussbaren Institutionen eingesetzt und bestimmt. Sie sollten sich bewerben und durch ein unabhängiges Gremium gewählt werden, mit der Option, jederzeit entlassen zu werden. Es wäre ein Anfang.

zu regeln - aber wichtig ist, dass man/Politik endlich ernsthaftlich dieses Projekt eines komplett neu aufzustellenden nennen wir es 'Samrt-Rundfunks' überhaupt ERNSTHAFT! angeht. Dazu scheint mit dieser Vorschlag hier eine vernünftige Ausgangsbasis zu bieten.

Wichtig ist mMn dass der vorhandener ÖRR komplett!! und zu 100% abgewickelt wird in diesem Verfahren, denn sonst wird es keinen wirklichen Neuanfang geben und wir können und das alles sparen... Die Idee einer sog. 'ÖRR-Bad-Bank' genau dafür finde ich sehr gut, insbesondere um genau diese saubere Trennung Alt/Neu zu erreichen.

Allein: ich glaube NICHT, dass irgendeine der aktuell im BT sitzenden Kartellparteien eine Neuinitiierung eines neutralen Smart-ÖRR in irgendeiner Weise unterstützen würden..., eher im Gegenteil. Sitzen dort doch ihre langjährig implementieren und mühsam aufgebauten 'Meinungs-Sprachrohe*innen' a la Böhmermann, Slomka, Hallali, Thevesen und viele-viele linksgrünwoke Redakteur*innen im Hintergrund etc..

Bernhard Marquardt | Di., 11. November 2025 - 13:34

Eine neue „smarte öffentlich-rechtliche Anstalt“ würde keinesfalls und auf Dauer den erneuten Einfluss von Politik und Parteien unterbinden.
Die ÖRR sind, mit der Zwangsfinanzierung gepampert, zu Schoßhündchen ihrer politischen Gönner geworden.
Die werden sich dieses Mittel zur Beeinflussung der Bürger mit Klauen und Zähnen verteidigen.
Nein, entscheidend ist, die Finanzierung in die Hände der Verbraucher zu legen. Wie bei SKY kann der Nutzer via Jahresabonnement wählen, welche Sender er zu empfangen wünscht und dafür zahlt.
Die müssen dann mit den Einnahmen auskommen, die ihnen die Kunden via Abonnement zukommen lassen.
Das würde sich dann auch zuverlässig auswirken auf die schamlosen Einkünfte der ÖRR-Maden im zwangsfinanzierten Speck.
Die Folge wäre eine massive Gesundschrumpfung oder ein neues, wahrhaft öffentlich rechtliches Konzept, das die Glaubwürdigkeit eines Senders wiederherstellt.
Was sagt die Verbraucherschutzzentrale dazu?

Die schaut einfach nach dem CE-Kennzeichen..., das war's... ... 🤣

Kann nicht nachvollziehen, was die Verbraucherschutzzentrale da für eine Rolle spielen könnte - Sorry! Könnten Sie mich evtl. aufklären wie das gemeint ist...?

PS: reine Privatsender gibt's schon ewig, da können Sie sich an die Verbraucherschutzzentrale wenden, wenn Ihr Vertrag ein Knebelvertragen ist/wäre..., Sie können auch selber einen privaten (rechtskonservativen?) Sender starten... ... - aber hier geht's um den ÖRR.

Heidemarie Heim | Di., 11. November 2025 - 13:48

Lernen Schweine fliegen und um ein weiteres Beispiel zu nennen möchte ich die Froschpopulation sehen, die in suizidaler Absicht ihren geliebten heimischen Sumpf selbst trocken legt oder trocken legen lässt von in Interviews oder Talkshow rumstammelnden oder rumeiernden Politikern, wie sie der Zuschauer bei Lanz & Co. oder nahezu jeder Pressekonferenz seit Jahren erlebt, werter Herr Welchering! Gerade Sie als erfahrener Kenner dieses Frösche-Kartells müssten doch wissen, dass jeder Politiker und jede der etablierten Parteien sofort für immer "erledigt" wären und eliminiert würden von den medialen Scharfrichtern, die immer noch etliche Prozent treuer Geschworener (ÖR-Konsumenten) ihr eigen nennen. Nein, eher wird Eiskunstlauf neuer Volkssport in der Hölle. MfG

Jens Böhme | Di., 11. November 2025 - 14:35

Informationskontrolle und Informationshoheit kann man nicht reformieren. Fakten, Daten, Informationen. Das sind nötige Elemente der Steuerung von Massen, Gesellschaft und Staat. Eine völlig freie und unabhängige Gesellschaft ist Utopie, weil Mensch die Verschiedenheit braucht, um nicht zu verkümmern. Journalisten sind auch nur Menschen. Klappt das gewaltlose Miteinander auf Dauer nicht, wird schleichend auf verbale und dann physische Gewalt umgestellt. Egal, ob man sich Demokrat oder liberal nennt.

IngoFrank | Di., 11. November 2025 - 18:09

Ganz einfach ……
Beide haben mehr als Reformbedarf und beide sind nicht reformierbar weil dazu der politische Willen zu Reformen schlicht mehr als nur fehlt !
Gut gemeint aber nicht zielführend weil nicht im Ansatz machbar, da die unsägliche Liaison
Zwischen Medien & Politik bzw. die EU als Abscheibebahnhof für gescheiterte / überflüssige teils auch unterbelichtete Politiker benötigt wird …..
Mit besten Gruß a d Erfurter Republik

Thomas Hechinger | Di., 11. November 2025 - 23:43

Als ich den Satz „Die anschließende Abwicklung der Anstalten würde dann aus der bereits bestehenden journalistischen Insolvenz die rechtlichen Konsequenzen ziehen“ las, dachte ich: Das ist dieses Mal aber ein kurzer „Cicero“-Artikel. Und er bringt die Sache auf den Punkt: Abwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Doch dann ging der Artikel doch noch weiter: „Gleichzeitig sollte eine neue smarte öffentlich-rechtliche Anstalt aufgebaut werden, die den Namen auch verdient.“ Nein! Nichts sollte aufgebaut werden. Unnötig. Überflüssig. Wir brauchen keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk! Und der Glaube von Herrn Welchering, dieses Mal würde es gelingen, einen staats- und parteifernen Rundfunk zu gestalten, ist naiv. Das ist ungefähr so, wie wenn Sozialisten nach 53maligem Scheitern des Sozialismus verkünden, beim 54ten Mal den echten Sozialismus aufbauen zu wollen. (Ist übrigens jemandem aufgefallen, daß hier „The European“ als Quelle genannt wird? Gibt's den also wirklich?)

IH | Mi., 12. November 2025 - 08:02

So gut die Vorschläge von Herrn Welchering sind, so gering ist meine Hoffnung auf Umsetzung.
Ich sehe sie förmlich vor mir, die verantwortlichen Damen und Herren des ÖRR und die selbstgefälligen Rundfunkräte. Wie sie verständnislos ihre Köpfe schütteln und einfach weitermachen.
Eine effektive und allerdings utopische Maßnahme könnte von allen Beitragszahlern durch einen geschlossenen Boykott der Beitragszahlungen oder der Zahlung unter dem Vorbehalt der Erfüllung der geforderten Ausgewogenheit eingeleitet werden. Ich fürchte, nichts anderes wird diesen trägen und verwöhnten Koloss stoppen.