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(picture alliance) Boros' Bunker, innen die Kunst, oben der Hausherr.

Sammlertum - Christian Boros und sein Unternehmen Kunst

Mit seinem Medienunternehmen hat er das nötige Kleingeld verdient. Seine Leidenschaft aber gilt der Kunst. Er empfängt in seinem Glas-Beton-Kubus auf dem Dach des heute weltberühmten Kunstbunkers in der Berliner Reinhardtstraße

Manche Menschen laufen erst richtig zur Hochform auf, wenn sich ihnen diverse Hindernisse in den Weg stellen. Christian Boros jedenfalls scheint von einer Art herkulischem Kampfgeist getrieben zu sein. Kaum dass der Medienunternehmer einen Luftschutzbunker in Berlin-Mitte aufwendig zum Sammlerdomizil ausgebaut hatte, nahm er ein weiteres, nur mühsam zu bewältigendes architektonisches Mammutprojekt in Angriff: das ehemalige Pumpwerk am Halleschen Ufer. Als das Klinkerbauwerk aus dem 19. Jahrhundert von dem Berliner Liegenschaftsfonds 2008 zum Verkauf angeboten wurde, gehörte unter anderen Investor Nicolas Berggruen mit zu den Konkurrenten.

„Zum zweiten Mal habe ich mich in eine historische Berliner Immobilie verliebt und sie auch ergattert“, sagt der 47-jährige Boros mit deutlich triumphalem Unterton. Es sollte sich allerdings nach dem Kauf herausstellen, dass das ohnehin marode Gebäude vom Schwamm befallen war und zudem der Denkmalschutz verschärft seine Auflagen geltend machte. Egal, welche Blockaden sich auftürmten, das schwierige Kind konnte geschaukelt werden. Der Umbau steht jetzt jedenfalls kurz vor dem Abschluss: Im November schon wird der bislang mit seiner Kommunikationsagentur in Wuppertal ansässige Unternehmer mit über der Hälfte seiner Mitarbeiter und seinem relativ frisch gegründeten Berliner Kunstverlag Distanz im Pumpwerk einziehen.

Am liebsten aber empfängt Boros nach wie vor in seinem Penthouse. Wie ein minimalistischer Hochkaräter thront der Glas-Beton-Kubus auf dem Dach des heute weltberühmten Kunstbunkers in der Reinhardtstraße. Jeder Kunstgriff sitzt: die Murano-Vase aus den Fünfzigern auf der langen Holztafel ebenso wie die elegische Bildnisreihe von Elizabeth Peyton an den Sichtbetonwänden und die neuerdings parallel zur zeitgenössischen Kunst erworbenen Alten Meister.

Zusammengetragen hat Boros die Sammlung mit seiner Frau Karen. Vor einigen Wochen konnte man den hunderttausendsten Besucher in dem Privatmuseum begrüßen. „Wir nennen sie Gäste, nicht Besucher, weil sie bereitwillig das mit uns teilen, wofür wir brennen.“ Nächstes Frühjahr, zum Gallery Weekend, will man endlich mit der von vielen neugierig erwarteten zweiten Präsentation aufwarten. Weniger skulptural als bei dem letzten von Olafur Eliasson, Katja Strunz, Anselm Reyle dominierten Auftritt soll die Gruppenschau beschaffen sein. Und Boros schickt voraus: „Fast alle zentralen Arbeiten werden dennoch wieder von den Künstlern selbst installiert.“ Die etwas größeren Räume im Zentrum bespielen Alicja Kwade, Tomás Saraceno, Klara Lidén und Wolfgang Tillmans. Und viele der jetzt präsenten Arbeiten, etwa Kris Martins riesige stumme Glocke, die bisher über dem Empfang hängt, werden vielleicht auf Nimmerwiedersehen im Depot verschwinden. Christian Boros bereitet das jetzt schon Kopfschmerzen.

Im Engagement des Sammlers, Medien­unternehmers und Kunstverlegers verdichtet sich ein für Berliner Verhältnisse vergleichsweise forsches kulturelles Entrepreneurtum. „Ich habe mit der Sammlung eine große Visibilität erlangt“, sagt Boros. „Man glaubt mir, dass ich es ernst meine mit der Kultur, und man spürt, dass ich ein großes Sendungsbewusstsein habe.“ Er sitzt im Kuratorium der Freunde der Nationalgalerie, gestaltet das Kommunikationsdesign von Museen wie dem Düsseldorfer K 20/21, dem Essener Folkwang-Museum, dem Albertinum in Dresden, und seit neuerem suchen auch die Berliner Festspiele, die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz seinen Rat. Wenn ihm Kritiker etwaige Interessenkonflikte ankreiden, lässt er diesen Vorwurf an sich abperlen. „Viel Feind, viel Ehr!“, kommentiert er dann, gibt aber im selben Atemzug zu: „Ja, ich bin Teil des Systems. Es gibt kaum eine Trennung, ob ich jetzt als Privatperson, als Kunstsammler, als Inhaber einer Kommunikationsagentur oder als Verleger unterwegs bin. Es ist mein Glück, dass sich alles vermengt, verdichtet.“

Sieben Meter hohe Schwungräder besetzen die Eingangshalle des Pumpwerks in Kreuzberg. Von dort aus, wo einst Berliner Fäkalien beseitigt wurden, wird also Boros weiter Öl ins Kunstgetriebe pumpen. „Historisch haben wir sehr denkmalgerecht restauriert und einen Kontrapunkt in schwarzem Beton dagegengesetzt“, berichtet er. Der Architekt ist wie seinerzeit bei dem Bunkerumbau Jens Caspar. Und offenbar hat Boros so viel Geschmack an dem Immobilienrevier gefunden, dass er sich hier weiter als Investor umtun will.

Schöne Wohnungen für Kreative zu errichten, ist sein nächstes Wunschziel. Es wird nicht das letzte, groß angelegte Projekt bleiben. „Ich fühle mich im ganz altmodischen Sinn als Unternehmer“, sagt er mit fast schon kindlich anmutender Verschmitztheit. „Ich habe die Kraft und die Lust, jeden Tag etwas zu unternehmen!“

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