Protest
Protest gegen den Vortrag einer Biologin über Zweigeschlechtlichkeit 2022; Protest gegen einen Vortrag von Volker Beck 2024 / picture alliance/dpa; Christophe Gateau; Annette Riedl

Experiment zu Cancel Culture an Universitäten - „Konservative Positionen werden als Gefahr wahrgenommen“

Bis zu 50 Prozent der Studenten würden konservative Sprecher canceln. So das Ergebnis einer aktuellen Studie. Im Interview erklärt Richard Traunmüller, Professor für Empirische Demokratieforschung an der Uni Mannheim, das einfache Weltbild dahinter - und die Gefahren, die daraus erwachsen.

Ben Krischke

Autoreninfo

Ben Krischke ist Leiter Digitales bei Cicero, Mit-Herausgeber des Buches „Die Wokeness-Illusion“ und Mit-Autor des Buches „Der Selbstbetrug“ (Verlag Herder). Er lebt in München.

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Richard Traunmüller ist Professor für Empirische Demokratieforschung an der Universität Mannheim. Seine aktuelle Forschung befasst sich mit Fragen der Meinungsfreiheit, den Blindstellen kultureller Eliten sowie mit gesellschaftlich kontroversen Themen.

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Heidemarie Heim | So., 30. November 2025 - 15:14

Wieder ein sehr begrüßenswertes Interview werter Herr Krischke! Auch natürlich dank Herrn Prof. Traunmüller, welcher sich, so vermute ich mal, mit seinen Fallstudien bzw. Analysen nicht allzu viel Freunde macht in gewissen Kreisen;)! Dazu das zum ernsten Thema eigentlich unpassend amüsante Titelbild. Denn bei genauerer Betrachtung und Überlegung fand ich es zumindest kurios, wie angehende Wissenschaftler unter diesen Demonstrierenden so ganz unwissenschaftliche Formulierungen benützen wie "Kein Platz für dieses und jenes!" endend mit der Aufforderung "Verpisst Euch!" Dabei aber wie es der studentische Kleidercodex heutzutage vorsieht, gewandet mit "kulturell angeeignetem" Palästinenser-Tuch" all dieses u. jenes kämpferisch vertreten, was entweder jeden Palästinenser bzw. jede religiös fundamental geprägte Gesellschaft in Nahost auf die Barrikaden treiben würde was sexuelle Freiheiten o. auch nur die Gleichstellung von Frauen angeht! Finde den Fehler! Oder lieber doch nicht;-)? MfG

Natürlich benutzen die Demonstranten aus Gießen genau die Sprache, die sie gewohnt sind. Da der angeeignete Bildungsgrad bei heutigen Studenten vielleicht noch geringer ist als etwa 1933, kann man bei ihren simplen Parolen keine intellektuellen Höhenflüge erwarten.

Daher kehren sie schnell zu der "einfachen" Sprache zurück, die ihnen eigen ist und vielleicht ja auch ihre "wahre" Herkunft wiederspiegelt ("Ethnie" oder "Kultur").

Schon die deutschen Studenten von 1933 haben aktiv gegen die Aufklärung, gegen die "Verkopfung" und gegen das "undeutsche" in der Wissenschaft randaliert.

Heute wird der Aufstand gegen die anstrengende Aufklärung und gegen die anstrengende Wissenschaft mit anderen Parolen geführt. Aber die Ähnlichkeit zur alten Wissenschafts- und Sprachfeindlichkeit ist unübersehbar: Deutsche Studenten von 2025 tragen den Anti-Faschismus ebenso wie eine transrationale Monstranz vor sich her, wie ihre Vorgänger den Faschismus.

Wolfgang Borchardt | So., 30. November 2025 - 16:59

von dort kommt, wo man glauben machen will, dagegen zu kämpfen? Die Studierfähigkeit cancelwütiger Studenten und Studentinnen darf in Zweifel gezogen werden. Sicher ist die Überrepräsentanz sog. geisteswissenschaftlicher Studiengänge, deren Kerngeschäft das Diskutieren ist. Physik- oder Architekturstudenten haben schlicht keine Zeit für diese Mode. Das gilt auch für die Mitglieder der Studierendenräte, die dort mit Begeisterung ihre Ideologie vertreten. So, dass auch HS-Leitungen einknicken. Die Freiheit der Lehre wird eigentlich durch das GG, Artikel 5 garantiert. Aber nur eigentlich. HS verstoßen mittlerweile ungestört dagegen, getrieben von jakobinischen Studierenden.

Theodor Lanck | So., 30. November 2025 - 21:31

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie gerade Akademiker, auch angehende, sich so skepsisbefreit in Theorien hineinsteigern, komplett den Realitätsbezug verlieren und dann in gesteigerter Intoleranz jegliche Kritik und Widerspruch persönlich nehmen.Andererseits ist das nicht wirklich überraschend, gerade bei Geistes- und Sozialwissenschaftlern, da deren Selbstbild und Beruf(ung) aus dem Leben in der Theorie besteht.

Übrigens: Wenn Tocqueville sagt: "Je egalitärer eine Gesellschaft ist, desto mehr empört sie sich über kleine Ungerechtigkeiten", dann hat er ganz klassich Gleichheit mit Gerechtigkeit verwechselt bzw. gleichgesetzt. Ein typischer Denk- und Handlungsfehler der Linken.

Wolfgang Borchardt | Mo., 1. Dezember 2025 - 08:29

wie es vertreten wird. Gegenwärtig wird Artikel 5 - Freiheit der Lehre - nur schlecht vertreten. Es sind vor allem die geistes"wissenschaftlichen" Studiengänge, die den Pokal der absoluten Wahrheit an sich gerissen und den Boden des GG verlassen haben. Sie sind laut genug, um Dekane, Präsidenten oder Rektoren entweder in die Knie zu zwingen oder deren Unterstützung zu generieren. Um diese Situation zu heilen, wären nicht durchsetzbare Entscheidungen erforderlich. Zudem würde der "Kulturkampf" auf der Straße weitergehen. Hier Radikalisierung sich linke Jugend mit einem schwer verrständlichen Hang zurück ins Mittelalter, mindestens bis zu den Hochzeiten der Jakobiner. Das GG scheint ein verglühender Stern. Zahlreiche, ideologisch motivierte Änderungswünsche sind Beleg genug

Ernst-Günther Konrad | Mo., 1. Dezember 2025 - 08:30

Beide extremen Lager, Rechte wie Linke, versuchten schon immer, jeweils die *Kultur* des anderen zu ächten, zu verbieten und zu verteufeln. Die Nazis mit Kunst, Ethnie usw. Jetzt wieder die LINKE mit Denkverboten aller Art usw. Und die Geschichte wiederholt sich und wieder lernen die Menschen nicht. Es gibt nicht die eine *Wahrheit*. Es gibt nicht die eine *richtige* Lebensweise. Das haben und werden die extremen Ränder eh nicht kapieren. Das Opportunisten sich auf ihre Art durchmogeln, war auch schon immer eine Art *Lebensphilosophie*. Aber diese linke *Meinungsverdrängungszwang* wird auch an seine Grenzen kommen und hat sie bereits erreicht. Denn inzwischen fangen sie untereinander bereits an, sich selber zu canceln. Bas und die Juso. Boris Palmer und die links-woken. Unzählige Beispiele inzwischen. Die Versuche uns eine linke Mehrheit vorzutäuschen, die weiterhin die Gesellschaft bestimmt, sie zerbröselt immer mehr und mündet immer öfter in Gewalt. Gießen, AFD, Baumann Brand usw.