Dichterpunk Georg Büchner - Der Frühverglühte

Heute vor 200 Jahren kam Georg Büchner auf die Welt. Noch immer ist er ein Vorbild für alle, die sich nicht mit den Umständen abfinden wollen und sich dagegen auflehnen

Porträt von Georg Büchner
Redaktion Cicero

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

So erreichen Sie Christoph Schwennicke:

Mehr als 30 Jahre ist es her, dass ich diesen Einstieg zum ersten Mal gelesen habe. Er elektrisiert mich bis heute: „Den 20. Jänner ging Lenz durchs Gebirg.“ Was für ein lakonischer Satz zunächst, banal im Grunde, es folgt eine düster-nasskalte Bergszenerie – und dann das: „Müdigkeit spürte er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, daß er nicht auf dem Kopf gehn konnte.“ Bumm.

Georg Büchner wurde am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt geboren. 200 Jahre später hat sein Werk nichts von seiner Kraft verloren. Seine Sätze sind Starkstrom, sie klingen wie gute Riffs in einem Rocksong. Kein anderer deutscher Dichter hat mit so wenig Werk so viel Wirkung erzielt. Keiner hat pro Quadratzentimeter Text so viel Druck entfaltet wie er. Keiner hat Feinfühligkeit und Unerbittlichkeit so fulminant kombiniert. „Das wirkt wie gemalt und ist doch nur geschrieben“, urteilt Büchner-Biograf Hermann Kurzke über die Naturbeschreibungen im „Lenz“.

Er hat seine Tintensäure verspritzt, um gegen die Verhältnisse aufzubegehren. Die Obrigkeit hat ihn gejagt, weil sie spürte, welch ungeheure Kraft das Wort dieses 20-Jährigen hat. Er ist der erste Empörte, ein Vorbild für all jene, die sich heute nicht mit den Umständen abfinden wollen und sich auflehnen.

Live hard, die young

23 intensive Jahre, ein jäher Tod, ein früh verglühtes Genie – wie Franz Schubert, Mozart, James Dean, Jeff Buckley, Kurt Cobain. Live hard, die young, auch das ist Teil der Faszination Büchners.
 
Unser Illustrator Olaf Hajek hat Büchner in unsere Zeit transferiert und dessen Säure-Sätze illustriert. Der Regisseur Michael Thalheimer inszeniert gerade „Woyzeck“ in Stockholm und notiert für Cicero, was Büchner so aktuell macht. Die Biografen Hermann Kurzke und Jan-Christoph Hauschild streiten über ihre höchst unterschiedlichen Sichtweisen auf Büchner. Der Schriftsteller Georg Klein befasst sich mit dem Naturwissenschaftler im Dichter. Und Alexander Kissler porträtiert Sibylle Lewitscharoff, die diesjährige Büchner-Preisträgerin.

Büchner wollte Veränderung, und zwar grundsätzliche. Wir wollten auch Veränderung, und zwar beherzte. Dieser Cicero erscheint erstmals in einem neuen Gewand, das ihm die Editorial-Designerin Viola Schmieskors auf den Leib geschneidert hat. Ich könnte sehr viele Worte darüber verlieren, weshalb wir dieses neue Kleid so mögen. Aber wir machen den Cicero nicht für uns, sondern für Sie. Deshalb freuen wir uns auf Ihr Urteil.

Der neue Cicero ist derzeit am Kiosk oder in unserem Online-Shop erhältlich. Alles, was sie schon immer über den Dichterpunk Büchner wissen wollten, lesen Sie bei uns.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Um die Freischaltung kümmert sich die kleine Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.