Bernd Stegemann
Bernd Stegemann / J. Marguier

Bernd Stegemann im Gespräch mit Ralf Hanselle - Cicero Podcast Gesellschaft: „Die Brandmauerdebatte ist die neueste Spielart des Historikerstreits“ 

Was hat die aktuelle Debatte um die AfD mit einseitiger Erinnerungskultur zu tun? Und wie wirken transgenerative Traumata auf eine infantile Gesellschaft? Ein Cicero Podcast Gesellschaft über deutsche Dämonen und einen unauflöslichen Spuk der Geschichte.

Ralf Hanselle / Antje Berghäuser

Autoreninfo

Ralf Hanselle ist stellvertretender Chefredakteur von Cicero. Im Verlag zu Klampen erschien von ihm zuletzt das Buch „Homo digitalis. Obdachlose im Cyberspace“.

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Das Leiden an der deutschen Seele hat Tradition. Schon Thomas Mann überschrieb seine Tagebücher der Jahre 1933/34 mit den Worten „Leiden an Deutschland“. Der Publizist, Dramaturg und Professor an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Bernd Stegemann, tut es ihm in gewisser Weise gleich. Stegemanns aktuelles Buch heißt „Meine deutschen Dämonen“ und ist eine intensive und in Teilen auch intime Auseinandersetzung mit den Spuren, die der Nationalsozialismus im Gedächtnis seiner Familie und in seiner Biografie hinterlassen hat. Transgenerationale Traumatisierungen und eine Erinnerungskultur, die in Teilen einseitig gewesen ist, haben Stegemann zu der Überzeugung geführt, dass es den Deutschen als Einzelpersonen wie auch als Nation immer wieder schwerfällt, erwachsen zu sein und in diesem Sinne auch autonom zu handeln.

Im Cicero Podcast Gesellschaft spricht Bernd Stegemann gemeinsam mit Ralf Hanselle, dem stellvertretenden Chefredakteur von Cicero, über vernarbte Erinnerungen, halbfertige Geschichtsbilder und einen Aufarbeitungsdiskurs, der oft keinen Raum für die Opfergeschichten in zahlreichen deutschen Familien gelassen hat. Für Stegemann sind die Folgen dieser Lücke bis heute spürbar: „Wir können uns selbst nicht nur als Täter begreifen und unentwegt vor uns selber Angst haben. Wir laufen vor uns selbst davon wie ein trockener Alkoholiker, der die ganze Zeit Angst davor hat, auch nur einen winzigen Schluck aus irgendeiner rechten Pulle zu nehmen. Aktuell wird diese Angst mit der Brandmauerdebatte wieder geschürt“, zeigt sich der Dramaturg und Cicero-Kolumnist Stegemann überzeugt.

Bernd Stegemann und Ralf Hanselle
Bernd Stegemann (li.) und Ralf Hanselle in der Cicero-Redaktion / J. Marguier

Das Gespräch wurde am 18. August 2026 aufgezeichnet.

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Heidemarie Heim | Fr., 28. August 2026 - 22:49

Erinnerungen an meine Kindheit ( Baujahr 1958) und die wenn ich mich recht entsinne ausschließlich von meiner Mutter (Jahrgang 1928) erzählte Geschichten von unseren Familien. z.B. von "Der erzwungenen Hochzeit 1950", da die beiden Großelterfamilien gelinde ausgedrückt politisch ziemlich konträr drauf waren;) Allein das aus blauem Seidentaft selbst genähte Hochzeitskleid meiner Mama hatte eine besondere eigene Geschichte. Es entstand aus einem Geschenk an meine Oma mütterlicherseits von einer jüdischen Schneiderin u. Nachbarin, die ihre Pfälzer Heimat verließ und sich mit den Worten:" Hier Lisbeth,wenn Dein Hildegard mal heiratet,lass ihr ein schönes Kleid daraus nähen!" für immer verabschiedete.Oder die lediglich auf 2 kargen Seiten abgehandelte Geschichte des Holocaust in unseren damaligen Geschichtsbüchern u. der tödlich angefressene Blick unseres Geschichtslehrers älteren Datums,als ich ihm Fragen nach Auschwitz stellte.Bis hin zu Kohl und der missverstandenen Gnade später Geburt;)