Verkauf der Berliner Zeitung - Das schleichende Gift der Stasi

Der Millionär Holger Friedrich hat die Berliner Zeitung gekauft, um sie zu „retten“. Nach seiner Enttarnung als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) muss die Zeitung jetzt ihren Verleger retten. Der Fall zeigt die schwere Hypothek, welche die Staatssicherheit uns hinterlassen hat

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Als Pionier gestartet, als IM entlarvt: Holger und Silke Friedrich / picture alliance

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin für CICERO.

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Antje Hildebrandt

„Mama, wie schlimm war die Stasi?“ Mein Sohn, 15, soll in der Schule ein Referat über die Geheimpolizei der DDR  halten. 90.000 hauptamtliche Mitarbeiter, dreimal so viele Inoffizielle (IM’s). Ich gebe ihm einen Bericht über die Stasi-Verstrickung des neuen Verlegers der Berliner Zeitung, Holger Friedrich. Ich weiß nicht, ob mein Sohn einen Agenten-Thriller erwartet hat oder ein Drama mit der emotionalen Wucht der Wende-Serie „Weissensee“. Er legt die Zeitung enttäuscht zur Seite. Er sagt: „Aber Mama, das ist doch längst vorbei.“ 

Es ist nicht vorbei. Die DDR ist tot, aber die Staatssicherheit lebt weiter, wenn nicht als Institution, dann doch in den Köpfen derer, die sie ausspioniert, gedemütigt, gefoltert und gequält hat. Sie hat ein Klima des Misstrauens und der Angst erzeugt. Sie hat der Bundesrepublik eine schwere Hypothek hinterlassen. Menschen, die das Vertrauen in den Staat verloren haben, sind bis heute leichte Beute für Populisten. Sie wittern Gefahren, wo vielleicht gar keine Gefahren lauern. Sie glauben, wenn man ihnen einredet, die Regierung arbeite nicht für sie, sondern gegen sie. Die Grenze zwischen gesundem Misstrauen und Paranoia, sie verschwimmt immer häufiger.  

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P. Lobert | Di, 19. November 2019 - 15:13

Erstaunlicherweise löst es geradezu ein Beben aus in der bundesrepublikanischen Presselandschaft, die so schön gleichmäßig im Besitz neoliberaler transatlantischer Propagandisten befindlich ist, wenn plötzlich ein Presseorgan aus dieser Phalanx ausschert und einem ostdeutschen Unternehmer mit dedizierter Vergangenheit eignet.
Der wird natürlich sofort undifferenziert angegriffen und vernichtet.
Abwarten. Eventuell verstärkt diese Hatz ja die Verbindung der Ostdeutschen mit ihrem Blatt mehr, als sie selbigem schaden kann...

Heidrun Schuppan | Di, 19. November 2019 - 17:16

In reply to by P. Lobert

Für die Stasi gearbeitet zu haben bedeutet: Er ist einer von uns.

Wilfried Düring | Di, 19. November 2019 - 21:43

In reply to by Heidrun Schuppan

Holger Friedrich hat sich in seiner Zeitung ausführlich erklärt und die Umstände seiner damaligen Handlungen beschrieben. Den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen kann ich nicht überprüfen. Eine Urteil maße ich mir nicht an.
Ein Unternehmer wie Herr Friedrich hat das Recht (wie alle Anderen), eine Zeitung oder einen Verlag zu übernehmen! Warum nicht? Prinzipiell gibt es viel zu wenige Ost-Unternehmer und -Selbstständige, die sich in die wirtschaftliche und publizistische 'Elite' unseres Landes hocharbeiten (wollen)!
Manche feindseligen Reaktion erkläre ich mir damit, daß Friedrich keinen 'Stallgeruch' hat und (mglw. zu Recht) deshalb als ein 'besonderer' Konkurrent der seit Jahrzehnten Etablierten wahrgenommen wird.
Falls logisch zwingend, widerspruchs- und zweifelsfrei nachgewiesen werden sollte, daß der Erfolg des IT-Unternehmers Friedrich auch auf einer (finanziellen) 'Starthilfe' von DDR/SED/MfS und daher auf 'gewaschenem' Geld beruht; dann - nur dann - nehme ich diesen Beitrag zurück.

Günter Johannsen | Mi, 20. November 2019 - 11:25

In reply to by Heidrun Schuppan

Ich meine, die kommunistische Einheitsfront hat in Deutschland eh schon den Propaganda-Apparat in der Hand. Ist diese Übernahme jetzt ist nur ein weiterer Schritt in Richtung Systemwechsel? "Vorwärts nimmer, rückwärts immer?" brüllte seinerzeit der große Vordenker der Genossen - Erich Honecker - mit zittriger Stimme.

Tomas Poth | Di, 19. November 2019 - 15:58

oder vielleicht "integriert doch erst mal uns"?
Die unterschiedlich, jahrzehnte lang gelaufene Sozialisation, ist wohl noch das Trennende.
Wir "Wessis" haben im Laufe der Zeit einen Hang zum sozialistischen entwickelt, der auch durch einen EU-Sozialismus und totalitären Klimatismus verstärkt wird. Stößt dies nicht auf Widerstand bei unseren "Ossis", in Erinnerung an ihren überwundenen "real existierenden Sozialismus"? Die Gängelung, Entmündigung durch Partei und Staat, das Programm unserer RotGrünen Politiker.

Eine höchst wundersame Verbindung, die Sie da herstellen. Tatsächlich kann man der EU einen gewissen Hang zum Neo-Liberalismus vorwerfen, ist doch der freie Handel nicht von einer entsprechenden Sozialpolitik abgefedert.
Wenn die EU sozialistisch ist, dann ist Trump wohl ein Maoist.
Selbst bei den Ossis, die in Ratlosigkeit und Verwirrung bei der AfD gelandet sind, dürfte bei dem Gedanken an die EU wohl kaum die Erinnerung an die DDR hochkommen - da geht es um völlig unterschiedliche Universen.
Aber selbstverständlich ist die EU alleine durch ihren supranationalen Aufbau mit dem Ziel der Schaffung einer grenzenlosen, europäischen Gemeinschaft für jeden strammen Nationalisten pures Teufelszeug.

Wolfgang Brauns | Di, 19. November 2019 - 17:35

In reply to by Gerhard Lenz

... war eines der systembedingten Kennzeichen des Sozialismus.
So gesehen ist die EU alles andere als Neo-Liberal.
Und wie es National-Konglomeraten (man könnte auch Großreiche sagen) geschichtlich ergangen ist, bedarf keiner weiteren Erläuterung.
Nicht einmal ein "normaler" Staat, wie Südafrika schafft wirklich ein gedeihliches Zusammenleben. Erst mit Apartheid und nun mit umgekehrter Beinahe-Apartheid.
Und falls Sie darüber mit mir debattieren wollten, haben Sie sehr schlechte Karten, denn meine halbe Familie wohnt noch dort, nur die Jungen sind schon nach NZ ausgewandert.

Gerhard Lenz | Mi, 20. November 2019 - 10:27

In reply to by Wolfgang Brauns

...mit der EU vergleichen zu wollen, ist schon eine recht abenteuerliche Handlung. Schliesslich sind geschichtlicher Hintergrund und Struktur eine völlig andere. Stattdessen könnte ich in Anlehnung an Ihre Argumentation fragen, ob denn Russland, mit seinen vielen Völkern, ebenfalls ein nicht funktionierende Staat ist; von den USA, die natürlich ebenfalls einen ganz anderen geschichtlichen Hintergrund haben, ganz zu schweigen.
Wenn Sie die Planwirtschaft kennen, wissen Sie, dass das, was in der EU geschieht, absolut nichts damit zu tun hat - oder gab es im planwirtschaftlichen System einen liberalisierten Binnenmarkt, gab es überhaupt privatwirtschaftliche Marktteilnehmer (höchstens viellicht beim tolerierten Handel mit Karotten etc.). Nein, Sie setzen offensichtlich supranationale Strukturen, eine aus mehreren Staaten bestehend Gemeinschaft, mit Sozialismus gleich, weil eine solche eben in Widerspruch zum einzelnen Nationalstaat steht. Was natürlich völlig falsch ist.

...ist nun wirklich nicht Ihre Stärke.
Ich habe extra Südafrika als "normalen Staat" bezeichnet, damit es klar wird, daß es nicht nur "Großreichen" schlecht bekommt, wenn man "Mischen" will.
Und ja, auch der Sowjetunion ist ihre Inhomogenität beim Untergang des Imperiums gehörig um die Ohren geflogen. Selbst in dem neuen Staat Ukraine klappt das "Mischen" nicht, obwohl Russisch und Ukrainisch weniger weit auseinanderliegen, als Finnisch und Spanisch. Ach ja Spanien hat ja mit den Katalanen auch so seine Probleme. Merken Sie was?
Und daß Sie den planwirtschaftlichen Ansatz bei der EU nicht erkennen können, die DDR hatte übrigens selbst noch kurz vorm Untergang "Scheinselbstständige", war mir ohnehin klar. Hier schließt sich der Kreis zum ersten Satz meiner Antwort.

Wilfried Düring | Di, 19. November 2019 - 17:40

In reply to by Gerhard Lenz

'Die Ossis, die in Ratlosigkeit und Verwirrung bei der AfD gelandet sind', möchten vor allem das Leute wie Sie, Herr Lenz - geborene west-deutsche linke Bessermenschen - aus den Redaktionssuben der ÖR-Presse und aus den geisteswissenschaftlichen Fakultäten unserer Universitäten verschwinden und ggf. ENTFERNT werden. Über vieles Andere läßt sich in Ruhe reden - hinterher!
Wir haben es satt bis zum Stehkragen, daß Leute wie Sie, uns ständig Zensuren erteilen für unser Leben, unser Denken, unser Fühlen!
Sie wissen nichts von und über uns, wollen auch nicht zuhören und haben darum nicht das Recht über uns und unser Leben Urteile abgeben! Hören Sie auf, uns zu erklären, wie wir denken, was wir zu wollen haben und warum wir zu tun, was wir tun. Sagen Sie einfach, daß uns nicht verstehen.
Wir haben den 'vormundschaftlichen Staat' (Rolf Henrichs) ausgetauscht, gegen vormundschaftliche West-'Intellektuelle'. Immer mehr Menschen denken, daß das kein guter Tauch war.

lieber Herr Düring, meine ich mit dem Zitat nicht alle Ostdeutschen, sondern nur die, die die AfD unterstützen. Zur Klarstellung: Westdeutsche AfD-Wähler schätze ich im Grunde genauso ein, nur dass dort die Motivation, Rechtsaussen zu wählen, eine andere sein mag.
Aber Sie werden schon mit der Tatsache leben müssen, dass ich und viele andere Deutsche, die der AfD kritisch gegenüberstehen, uns über deren Wähler "Gedanken" machen. Das muss in der Demokratie, die Sie so lautstark verteidigen, ja wohl auch möglich sein. Oder darf man grundsätzlich nur die "Altparteien" und deren Wähler kritisieren?

Nun der "real existierende Sozialismus" der DDR war ja eher ein Totalitarismus, aus dem eine Nomenklatura einen höheren Nutzen für sich gezogen hat.
In der EU finden sich ähnliche Strukturen, eine Nomenklatura/Elite die einen höheren Nutzen für sich zieht. Gleichzeitig finden wir in der EU sozialistische Umverteilungsstrukturen, die Tüchtigeren "knechten" für die Low Performer.
Beide Systeme sind natürlich nicht direkt vergleichbar, man denke nur an Mauer mit Schießbefehl oder die unterschiedliche Versorgungslage.
Für ein geduldiges, sozialistisch gesinntes, buntes Schaf ist die Schur sicherlich eine Wohltat!

Günter Johannsen | Mi, 20. November 2019 - 11:32

In reply to by Tomas Poth

kann ja noch kommen. Jedenfalls ist die Gesinnungsschnüffelei der gewissen Stiftung für Sprachhygiene und der damit verbundene Gesinnungsterror fast schon salonfähig geworden. Beide Systeme nähern sich leider in erschreckender Weise an, weil eben gerade frühere System-Verstärker zunehmend die Schlüsselpositionen in Justiz, Politik und Journaille übernehmen . Ob das wohl System hat?!

Günter Johannsen | Mi, 20. November 2019 - 17:32

In reply to by Gerhard Lenz

Sechs ... setzen!
Aber wir wissen ja, dass dies Absicht ist: Verwirrung stiften! Das geht aber nur bei Menschen, die diese kommunistische Diktatur NICHT am eigenen Leib erleben durften!
Stellen die Täter sich jetzt als Opfer dar, Herr Lenz?

Frau Hildebrandt, in der Produktion ist die digitale Technik ein riesen Fortschritt (z.B. in der Systemsteuerung). In anderen Sektoren hat sie als Werkzeug eine Eigendynamik entwickelt, die auch die Privatheit gefährden kann. Ich muss gerade darüber nachdenken, ob die „Stasi“ und die „Gestapo“ der analoge Vorbote von Big Data war? Dann wäre Big Data ein totalitäres technisches System, dass die Privatheit gefährdet. In dieser digitalen Revolution der Moderne ist vieles möglich (heute kann ich programmierte „Follower“ in Indien und Pakistan kaufen). Von Berufs wegen bin ich jedoch kein „Maschinenstürmer“. Das Nachdenken über die Phänomene der digitalen Revolution hat gerade erst begonnen.

Andre Möller | Di, 19. November 2019 - 16:39

ich habe selten so einen schlechten, überaus unsachlichen und subjektiven Artikel im Cicero gelesen. Frau Hildebrandt, sie kennen die beiden Friedrichs doch gar nicht, bwerten sie aber und spekulieren in der Gegend herum, als wüssten sie alles haarklein und supergenau. Für mich typisch westdeutsch. Mir hat das Editorial der beiden Neu-Verleger jedenfalls gefallen. Ich bin auch nicht mit allem einverstanden, aber dass dieses Land an der journalistischen Front neue Köpfe und Gedanken braucht, sieht man ja an ihrem Artikel. Alles Stasi, außer Mutti. Ich kanns nicht mehr hören. Sie werfen hier absichtsvoll Dinge zusammen, die meies Erachtens nicht zusammen gehören. Das ist kein Journalismus. Bild-Zeituns-Niveau. Schade.

Wilfried Düring | Di, 19. November 2019 - 22:45

In reply to by Andre Möller

Mit der 'Aufarbeitung' und 'Bewältigung' der DDR- (und MfS-) 'Vergangenhei't gibt es ein grundsätzliches Problem.
Der berühmte Autor Ulrich Schacht (im DDR Frauen-Gefängnis Hoheneck geboren und daher 'Experte' für DDR-Unrecht) hat es in einem Appell 1994 so formuliert: 'Große Teile der Medien und der Intellektuellen versagen sich der Notwendigkeit einer konsequenten Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur. Vor allem steht aber die WEST-DEUTSCHE Vergangenheitsbewältigung aus, also die kritische Auseinandersetzung mit der über Jahrzehnte betriebenen Verharmlosung und Schönfärberei der SED Diktatur durch Politiker, Medien und Intellektuelle der alten Bundesrepublik.'
Schacht wurde unterstützt u.a. von: dem Politiker Arnold Vaatz, dem Autor Walter Kempowski, dem Historiker Michael Wolffsohn ...
Ulrich Schacht ist inzwischen verstorben. Sein Anliegen ist bleibt auch nach 25 Jahren aktuell. Die einseitige Fixierung auf den Osten entlastet die 'Appeaser' West. Und das ist so GEWOLLT!

Günter Johannsen | Mi, 20. November 2019 - 17:48

In reply to by Andre Möller

ist bei den Linken Nazi … Herr Möller (oder möchten sie lieber mit Genosse angesprochen werden?): Ihr Post ist unterhalb von Bild-Zeitungs-Niveau … ich würde "Neues Deutschland-Niveau". Frau Hildebrandt hat es nicht nötig, euch abgetakelten Kommunisten zu Kreuze kriechen!
Dieses bei vielen Ossis verhasste SED-Staatsorgan ´ND´ dürfte es gar nicht mehr geben und muss verboten werden. In ihrem SED/LINKE-Organ posten oft frühere MfS-Spitzel und Gesinnungsschergen … widerlich! Schaut man heute auf noch "real existierende" Seite ihrer "Freunde" vom MfS, dann kommt einem augenblicklich das Gruseln!

Dennis Staudmann | Di, 19. November 2019 - 17:08

Die Stasi verstand sich als "Schild und Schwert der Partei". Gemeint ist natürlich die SED. Man kann also SED und Stasi gar nicht voneinander trennen. Es gab eine ganze Reihe von Ländern des ehemaligen Ostblocks, in denen die kommunistisch/stalinistischen Parteien nach Ende der Diktatur verboten wurden. In Deutschland sah man dafür so wenig eine Möglichkeit, wie man diese auch nicht sah, um irgendeinen Täter aus der Staatsführung der DDR, der Justiz oder anderen Bereichen des Systems zu bestrafen. Und ganze 30 Jahre später diskutiert man ernsthaft darüber, ob die DDR ein Unrechtsstaat war. Auch die Tolerierung einer Landesregierung, geführt von der SED Rechtsnachfolgerin "Die Linke", ist für viele "Demokraten" durchaus vorstellbar. In Tschechien demonstrieren aktuell viele Menschen gegen eine solche Konstellation, aber in Deutschland sehen viele die Erben von Honecker und Krenz als Partei der Mitte, bei der nur der Name noch etwas irritiert. Friedrich ist also ein Mann der "Moderne".

"Und ganze 30 Jahre später diskutiert man ernsthaft darüber, ob die DDR ein Unrechtsstaat war."
Es wird eben nicht diskutiert, sondern pauschalisiert. Das politische Strafrecht war das einer Diktatur, also Unrecht. Beim Zivilrecht sah das zunehmend anders aus. 1975 habe ich mit dem Mietgesetz in der Hand in der Wohnungsverwaltung meinen Rechtsanspruch auf eine Wohnung durchgesetzt. War das Unrecht?
Beginnt der Rechtsstaat gefühlt nicht dort, wo der Durchschnittsbürger seine Rechte kennt und versteht und selbständig vertreten kann?
Übrigens: Israel verletzt seit Jahrzehnten und neuerdings zunehmend internationales Recht (Auswärtiges Amt), ist zu 80% theokratisch (Deutschlandradio), es gibt Apartheid gegenüber den arabischen Bürgern (Gabriel, Deutschlandradio) u.a.m. Nennen wir deshalb Israel einen Unrechtsstaat?
Also: Nicht pauschalisieren, sondern differenzieren, sonst handelt es sich nicht um Diskusson, sondern um Propaganda.

...ein Knollenblätterpilz im Essen ist, ist das Gericht dann ungiftig???

Für das Beispiel mit ihrer Durchsetzung des Rechtsanspruchs im Zivilrecht könnte ich mit meinem schlimmeren Erlebnis bei genau derselben Sache in genau demselben Jahr kontern. Schließlich der Hauptgrund für meine Flucht 1979.
Fazit, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer!

Jürgen Keil | Di, 19. November 2019 - 17:17

Frau Hildebrandt, so einfach ist das? „Menschen, die das Vertrauen in den Staat verloren haben, sind bis heute leichte Beute für Populisten. Sie wittern Gefahren, wo vielleicht gar keine Gefahren lauern.“ Ich bin es leid, als ehemaliger DDR- Bürger, mit solch schlichten pseudopsycholgischen Erklärungen verunglimpft zu werden. Ich habe nach der Wende erlebt, welch großes Vertrauen eine Mehrheit der DDR- Bürger in den bundesrepublikanischen Staat hatte. Die erste Landtagswahl in Sachsen hatte der CDU die absolute Mehrheit der Abgeordneten gebracht. Viele Menschen haben aber in der Folge dann das zweite Mal das Vertrauen in den Staat verloren. Warum wohl? Weil sie Erfahrungen, feine Sensoren aus ihrer DDR- Zeit mitgebracht haben. Weil sie Kampagnen und Propaganda, weil real erlebt, besser durchschauen, weltfremde, vom Volkswillen abgehobene Entscheidungen einer relativ kleinen Führungsgruppe schon einmal erlebt haben.

Günter Johannsen | Di, 19. November 2019 - 19:51

Den SED/MfS-Revanchisten ist es in großen Teilen gelungen, was man schon wenige Wochen nach 1989 befürchten musste: Anfangs waren die Menschen glücklich, dass sie den SED-Kommunismus überstanden hatten und ihre Welt schien jetzt offen zu sein für Erneuerung und wirkliche Demokratie. Aber in diesem Glückstaumel wurden die Menschen nachlässig gegenüber revanchistischen Interessen der früheren Machthaber. Jetzt war es für „alte Seilschaften“ leichtes Spiel, die Menschen so zu verwirren, dass die Aufarbeitung der Stasi-Verbrechen und vierzig Jahre SED-Bevormundung , „Betreutes Denken“ (MfS) und Verfolgung in den Hintergrund rückte. Moralische Werte konnten leicht verdreht – die Vorzeichen ausgetauscht werden … aus böse wurde gut und aus gut böse! Heute nun holen sie sich zurück, von dem sie immer noch glauben, dass es ihnen gehört. Ehrliche Demokraten dürfen das nicht zulassen! Um es mit Kurt Tucholsky zu sagen: "Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf!"

Armin Latell | Mi, 20. November 2019 - 09:27

ihrer politischen Führung, Institutionen, Gesellschaft, noch immer arm, sich aber für sexy haltend, wo ein asozialer Mob Gut oder Böse definiert, ideologische Haltung an Stelle von Recht und Ordnung das Sagen hat, Denkmäler für Drogendealer aufgestellt werden, ein Enkel des kriminellen DDR Regimes, K. Lederer, als Kultursenator zuständig für die Aufarbeitung des himmelschreienden Unrechts des Denunzianten und Inquisitionsstaates ist und einen H. Knabe feuern kann und sehr vieles mehr-kurzum: Sodom und Gomorrha. Ob sich zu einer Kahane jetzt noch ein Ehepaar Friedrich gesellt, who cares. Wieder ein trefflicher Beweis für ihre Heuchelei, wenn ehemalige „gute Sozialisten“ doch sehr gut im und vom System des Klassenfeindes leben können und ganz offensichtlich trotzdem nichts dazugelernt haben. Es ist so traurig, vor allem für die Opfer dieser A…kriecher.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 20. November 2019 - 09:44

Cui bono, fragt der Lateiner. Ich kenne das Verlegerehepaar nicht. Kann sein, dass sie überzeugte Stasispitzel waren, kann sein, dass sie beide oder einer gezwungen waren mit zu machen. Das gab es es auch in unserer dunklen Zeit von 1933-1945. Beide Male wurde es versäumt, zeitnah nach Ende dieser Diktaturen die jeweilige Zeit aufzuarbeiten und differenziert die einzelnen Personen zu durchleuchten. So wie es müßig ist, noch heute Nazi's zu enttarnen und zur Verantwortung zu ziehen, nach 70 Jahren lebt da keiner mehr oder ist steinalt. So müßig ist es nach 30 Jahren ehrlich und klar die DDR aufzuarbeiten. Warum? Weil man es nicht will. Da haben viele Dreck am Stecken. Auch für diese beiden gilt die Unschuldsvermutung. Das sie erst nach Druck zugaben MfS-Mitarbeiter gewesen zu sein ist nicht von Vorteil, aber nicht ein Beleg für eine überzeugte Gesinung. Hier sollten die Untersuchungen abgewartet werden. Ich bin misstrauisch. Warum gerade jetzt? Warum nicht viel früher? Also Uffpasse.

Wilfried Düring | Mi, 20. November 2019 - 13:28

In reply to by Ernst-Günther Konrad

Lieber Herr Konrad,
ich möchte Sie korrigieren. Es wird öffentlich über die 'Vergangenheit' des Unternehmers/Verlegers Holger Friedrich und seine - zeitlich vglw. eng befristete - 'Zusammenarbeit' mit dem MfS diskutiert. Entsprechende Anfragen/Vorwürfe richten sich nach meinem Kenntnisstand NICHT gegen seine Frau Silke!
Ansonsten wird man sehen wie sich die Berliner Zeitung unter den neuen Verlegern entwickelt. Prinzipiell begrüße ich es (Schlagwort 'Vielfalt'), wenn ein Quereinsteiger EINE oder ZWEI Zeitung(en) übernimmt (nicht einen ganzen Medien-Konzern). Glück auf den Weg.
Die Akten des Herrn Friedrich werden ja nun von Hochkarätern geprüft (Birthler, Kowalczuk). Warten wir also den Bericht ab; auch wenn mein persönliches Vertrauen in Frau Birthler erschüttert ist ('Fall' Hubertus Knabe).
Der ehemalige linksradikale 'Sponti' und 68'-er Thomas Schmid brachte es bis zum Feuilletonchef der 'Wochenpost' und zum Chefredakteur der 'Welt'. Über DIESE 'Vergangenheit' wurde nie diskutiert!

Günter Johannsen | Mi, 20. November 2019 - 18:03

In reply to by Wilfried Düring

in Frau Marianne Birthler ist gleichfalls durch den "Fall" Hubertus Knabe sehr getrübt. Und ich bin enttäuscht, dass die sich auf eine solch verlogene Hetz-Kampagne eingelassen hat. Das war eindeutig eine von der SED/LINKEN angezettelte antidemokratische Schmierenkomödie. Ekelerregend! Frau Birthler kenne ich aus meiner Zeit als Kreisjugendwart in Bad Freienwalde. Mit ihr war ich 3 Jahre zusammen in der Jugendkammer der Landeskirche Berlin-Brandenburg. Da habe ich sie ganz anders erlebt!