Berlinale-Direktor Dieter Kosslick
Berlinale-Direktor Dieter Kosslick hinterlässt das Festival rundum renovierbedürftig / picture alliance

Berlinale - Konkurrenz für die "Goldene Himbeere"

Die diesjährigen Berliner Filmfestspiele waren ein Desaster. Als Festival des Misslungenen haben sie keine Zukunft. Das Können muss wieder mehr zählen als das Wollen

Alexander Kissler

Autoreninfo

Alexander Kissler ist Redakteur im Berliner Büro der NZZ. Zuvor war er Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero. Er verfasste zahlreiche Sachbücher, u.a. „Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet“, „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“ und „Widerworte. Warum mit Phrasen Schluss sein muss“.

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Der langjährige Festivaldirektor Dieter Kosslick verlässt die Berlinale im Moment einer fundamentalen Krise. Der von Kosslick letztmals verantwortete Jahrgang 2019 der Internationalen Filmfestspiele Berlin war ein Desaster: Stars auf dem Roten Teppich blieben ebenso die Ausnahme wie packende Geschichten, spannende Erzählweisen, überraschende Perspektiven, herausragendes Acting, originelle Kompositionen, pfiffige Kameras. Da Kosslick erwiesenermaßen ein herzlicher Mensch ist, kann es für dieses Debakel nur einen Grund geben: Er will seinen Nachfolgern Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek die denkbar besten Startbedingungen geben. Von jetzt an kann es nur bergauf gehen.

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Ernst-Günther Konrad | Do., 14. Februar 2019 - 12:42

Masse statt Klasse. Schwimmen im Mainestream. Unterdrückung kritischer zu gesellschaftspolitischer Themen. Was in der Tagespolitik stattfindet, hält bei der Filmkunst nicht an. Wie bestellt, so geliefert. Viele Promis gehen deshalb vermutlich nicht mehr hin, um nicht statt filmkunstkritischer Aussagen, plötzlich etwas politisch unkorrektes zu sagen. Wo sind die Filmemacher, die etwas können und nicht nur etwas wollen, fragen Sie zurecht Herr Kissler. Mein Haus, mein Auto, mein Schiff ist synonym für eine satte nicht mehr wissbegierige, oberflächliche und scheingemütliche Gesellschaft. Man will unterhalten werden und nicht nachdenken müssen. Je mehr Blut und Knall desto besser. Ach so, etwas Voyeurismus durch ordentlich viel nackte Haut und Sexszenen muss auch sein. Etwas weniger kann auch mehr sein. Die Hälfte an Auswahlfilmen, Mut zu kritischen Filminhalten. Ja, das wünsche ich mir. Das bedeutet aber auch Kritikfähigkeit. Ja, neue Ideen braucht das Land und neue Leute in der Jury.

Maria Fischer | Do., 14. Februar 2019 - 13:08

Herr Kissler. Sehr guter Kommentar.

Meine Meinung:
Wo es keine Freiheit gibt, da gibt es auch keine Kunst.

Bernd Schiebener | Do., 14. Februar 2019 - 14:30

Ich befürchte der Mann hat recht ! Am besten an der Berlinale fand ich noch die aussagekräftige Bewertung der Klamotten auf dem roten Teppich : Aha, naja, soso - nervenzerfetzende Spannung pur. ( Quelle : Leute heute ZDF )