Geschreddertes Banksy-Bild - „Banksy macht nicht nur Kunst, er ist Kunst“

Erst ließ der Künstler Banksy sein Werk bei einer Auktion zerstören – und schuf so ein neues Werk. Dann enthüllte er, die Schredder-Aktion sei schiefgelaufen. Alles nur ein Marketing-Gag? Fragen an den Bilderkritiker Georg Seeßlen

Zwei Mitarbeiter von Sotheby's halten das geschredderte Banksy-Bild
In einem Video erklärte der Street-Art-Künstler Banksy, dass er „Girl with Balloon“ komplett schreddern lassen wollte/ picture alliance

Autoreninfo

Alexandra von Michel studiert Staatswissenschaften und schreibt für Cicero Online.

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Georg Seeßlen ist Film-und Kulturkritiker – oder, wie er selbst sagt, Bilderkritiker – und arbeitet als freier Journalist und Autor. Dabei schreibt er ebenso über pornografischen Film, wie über Rechtsextremismus oder Clint Eastwood. Für sein medienpublizistisches Werk erhielt er 2017 den Bert-Donnepp-Preis.

Ein Mädchen, das einem Herzballon hinterherschaut – das ist ja nun eigentlich ziemlich kitschig. Wie kann es sein, dass ein Bild, das eher an die IKEA-Dekoabteilung erinnert, für knapp eine Million Pfund verkauft wird?
Das erinnert ein wenig an den „Ist das Kunst oder kann das weg?“-Kalauer. Aura und Charisma eines Kunstwerks speisen sich aber aus sehr unterschiedlichen, manchmal sogar widersprüchlichen Impulsen. Was für den einen nichts als ein Pop-Zitat gebrauchsgrafischer Konvention ist, das ist für den anderen eine Wiedergewinnung von Direktheit und Unschuld in der Kunst, oder für die dritte ein kolossal gelungener Witz, für die vierte ein hoch selbstreferenzieller Akt der Appropriation und so weiter. Jedes Kunstwerk ist eine doppelte Frage an die Adressaten: Was bedeute ich (euch)? und: Was bin ich (euch) wert? Die Frage ist nun: Wer antwortet? Ist es ausschließlich ein exklusiver Kunstmarkt, der Werke wie Kapitalanlagen mit Risiken und Chancen der Wertsteigerung behandelt? Ist es ein „Kunstbetrieb“, die so genannte „artworld“ aus Kuratoren, Journalisten, Galeristen, die in geschlossenen Zirkeln Bedeutung und Wert eines Kunstwerks ausdiskutieren (Irrtümer und Sackgassen eingeschlossen)? Oder ist es eine mehr oder weniger Kunst-affine Öffentlichkeit, also eine demokratische Resonanz, die sich nach Geschmack und Wissen ein mittleres Urteil bildet (und an den Rändern immer wieder Raum lässt für ganz und gar abweichende Meinungen)? Wahrscheinlich ist es ein kompliziertes Ineinander der drei Instanzen. 

Banksy freilich hat eine ganz eigene Formen- und Themensprache entwickelt (in der Humor eine wichtige Rolle spielt). Man erkennt eine Arbeit von ihm sofort. Bedeutung und Wert eines Banksy sind daher immer auch in Beziehung zu anderen Banksys, zu einer Künstler-Biographie namens Banksy zu sehen. Banksy macht nicht nur Kunst, er ist Kunst. Jedes Bild, jeder Auftritt ist Teil dieses Meta-Kunstwerkes, Teil von etwas, das Joseph Beuys wahrscheinlich unter seine Vorstellung von der „sozialen Plastik“ eingereiht hätte. Das kann man mögen oder nicht. Nur ignorieren kann man es nicht.  

Kunstexperten gehen inzwischen davon aus, dass sich der Wert des Bildes durch seine „Zerstörung“ nun mindestens verdoppelt hat – ist das realistisch? 
In einer Fetischisierung des „Originals“ ist das sich selbst zerstörende Kunstwerk vermutlich zugleich die Erfüllung der Fantasie vom „Einmaligen“ als auch ihr Ende. Was indes den Wert so nachhaltig steigert, ist vielleicht der Umstand, dass die Zerstörung nicht vollständig gelang (oder gelingen sollte). Im jetzigen Zustand zeigt das Bild sowohl sich selbst als auch den Prozess der Zerstörung. Es ist also weder ein „fertiges“ Bild (das man fälschen, reproduzieren oder verleihen kann) noch ist es ausschließlich temporäres Ereignis, eine surrealistische oder dadaistische Performance, ein Gestus der Anti-Haltung, sondern etwas zwischen alledem, ein Höhepunkt von „Authentizität“. Ob das so intendiert war? Banksy sagt nein. Daran, dass man nun einen gefrorenen Augenblick einer künstlerischen Performance hat, was übrigens nicht nur für einen mehr oder weniger irrationalen, mehr oder weniger „perversen“ Kunstmarkt von Bedeutung ist, sondern durchaus auch als Ausstellungsstück im Museum oder sogar für den Kunstunterricht, ändert das wenig. Wie man es auch dreht und wendet: Das Stück sagt etwas aus über die Widersprüche zwischen Kunstmarkt, Kunstbetrieb und Kunstinteresse von uns normalen Menschen. Würde man da allerdings eine eindeutige Aussage erwarten, würde man das falsche von der Kunst erwarten.

Die Käuferin möchte das Bild behalten und begreift es als „ein Stück Kunstgeschichte“ – ist das nicht ein bisschen übertrieben?
Warum sollte das übertrieben sein? Jedes Bild, auch das verkorkste, ruinierte oder veränderte, ist Teil der Kunstgeschichte. Vielleicht ist aber auch gemeint, dass es ein Stück im Kunst-Diskurs ist. Dann ist die Frage sehr einfach zu beantworten, nämlich dahingehend, ob die Beziehung zwischen Kunst, Kunstmarkt und Kunstbetrieb vorher und nachher anders gesehen wird, oder ob alles beim alten bleibt. Die Antwort liegt also nicht im Bild selbst, sondern in der Reaktion darauf. Dass wir, einschließlich vieler Menschen, die ansonsten gar nicht übermäßig an Kunst-Diskussionen interessiert sind, so angelegentlich über die ganze Angelegenheit streiten, zeigt zumindest die Möglichkeit auf, dass uns da irgend etwas von tieferem Interesse begegnet. 

Das Aktionshaus Sotheby's wiederum feiert das sich selbst zerstörende Bild als „erstes Kunstwerk der Geschichte, das während einer Auktion live entstanden ist“. Ist die Idee wirklich so neu?
Nein, schon William Turner hat an seinen Bildern noch während der großen Kunstausstellung in London gearbeitet, und das galt damals nicht weniger als provokativ. Tatsächlich ging es auch damals schon darum, zu belegen, dass ein Kunstwerk einerseits sowieso nie „fertig“ ist (auch Michelangelo, van Gogh oder Paul Klee werden immer wieder neu gesehen und verändern sich durch den Zusammenhang, in dem sie gesehen werden) und das andererseits etwas davon immer noch dem Künstler „gehört“. Spätere Eingriffe des Künstlers sind Teil der Kunst-Mythologie, bis hin zu E.T.A. Hoffmanns Gruselgeschichte vom „Cardillac“, der sich von seinen Werken nicht trennen konnte. Worum es geht, ist, dass Kunstwerke nicht einfach nur Objekte sind, die den Besitzer wechseln.  

Nach der Aktion kommentierte Banksy ein Bild von der Aktion auf Instagram mit den Auktionatorworten „going, going, gone“ – wie ist das wohl gemeint?
Poetischer kann man ja kaum den Zusammenhang von Verkaufen und Zerstören ausdrücken. 

Sotheby’s gibt sich ahnungslos, will weder in die Aktion eingeweiht noch daran beteiligt gewesen sein. Den im Rahmen versteckten Schredder habe man nicht bemerkt, weil Banksy darum gebeten habe, den Rahmen als Teil des Kunstwerkes nicht zu entfernen. Glauben Sie das?
Sotheby’s selbst inszeniert sich vollkommen widersprüchlich, nämlich zugleich als ahnungsloses Opfer und als komplizenhafter Mit-Künstler. Das hat sicher mit der Doppelfunktion in Markt und Betrieb zu tun. Ein Auktionshaus ist ein Ort, an dem dies und jenes gesagt werden kann und darf, die Wahrheit gehört meiner Ansicht nicht unbedingt dazu. Auf jeden Fall hat man es geschafft, nicht als „blamiert“ da zu stehen. Vielleicht nimmt das der Sache ein wenig die satirische Schärfe, es hilft uns andererseits aber auch dabei, sie nicht auf ein bloßes „Des Kaisers neue Kleider“-Narrativ zu reduzieren. Wenn es nur darum gegangen wäre, den Kunstmark „bloßzustellen“, wäre der Aufwand wohl vergeudet.

Den Zuschlag erhielt die angebliche Bieterin über Telefon. Inzwischen geht das Gerücht um, Banksy selbst wäre sowohl Einlieferer als auch Käufer gewesen. Was sagen Sie dazu?
Alle Gerüchte werden Teil des Meta-Kunstwerks Banksy. 

Sie haben Künstler wie Banksy 2011 in einem Beitrag für das Magazin konkret „Genie der Selbstvermarktung“, aber auch „Genie  des Selbstverrats“genannt. Wie ist das gemeint?
Es entsteht ein neuer Widerspruch dadurch, dass Künstler nicht mehr allein primäre Produzenten sein wollen, sondern über ihren Weg in die Öffentlichkeit und über ihre Wert-Bestimmung auf dem Markt zumindest mitbestimmen wollen. Dabei entsteht ein neuer Künstler-Typus, der zugleich Produzent, Vermittler, Performer, Agent und Unternehmer in eigener Sache ist (natürlich nicht ohne einschlägige Beratung bei alledem); was einen Aspekt der Emanzipation hat, hat konsequenterweise auch einen der Korruption. Wenn vorher die Kunst die Frage nach ihrer Vermarktbarkeit in sich trug (die Erzeugung von „unverkäuflicher Kunst“ ist dabei durchaus als Ideal entstanden), dann wird nach dieser Wandlung, die bezeichnenderweise in der Brit Art der Thatcher-Ära am eindrücklichsten geschah, die Vermarktung selbst zum Teil der Kunst. Wahrscheinlich passiert das meiste davon zwischen den Antipoden Damien Hirst und Banksy. Keiner von ihnen hat eine endgültige Lösung zu bieten, beide sind, gerade in ihrer Unterschiedlichkeit, gute Fragesteller. Beide parodieren den Kunstmarkt, wenn auch von verschiedenen Seiten her. Der eine wie ein „Animator“, der die Blödheit seiner Kunden selber kaum fassen kann, der andere als „Aktivist“, der immer wieder zu einem politischen und moralischen Bewusstsein der Kunst zurückkehrt.

Hat Banksy mit seiner Schredder-Performance inklusive Wertsteigerung den Kunstmarkt denn nun erfolgreich persifliert, oder im Grunde nur selbst ziemlich clever bedient?
Aus dieser Falle kommt höchstens jemand wie Herbert Achternbusch heraus, der ganz radikal einfach nichts mehr macht. Wer widerspruchsfrei in der artworld leben will, muss auf Kunst verzichten oder so tun, als gebe es die Widersprüche nicht. In der Kunst ist ja nur verschärft, was im Alltag und im Beruf für jeden von uns gilt: Kritische Distanz und „Mitmachen“, um des eigenen Überlebens willen, Teil von etwas zu sein, das man kritisieren und verändern möchte, Ideen haben, die von falschen Personen und falschen Institutionen zu falschen Zielen verwendet werden usw. Einer wie Banksy macht diesen Widerspruch immerhin sichtbar: Kreativität, sogar kritische Energie ist der Rohstoff unserer Zeit. Auch in der „Kreativwirtschaft“ gilt das Rezept, dass die besten Ideen für das System von jenen stammen, die das System im Grunde ihres Herzens ablehnen. Jede Idee zum Kunstmarkt, und sei sie noch so kritisch, muss es irgendwie zu diesem Kunstmarkt schaffen, um überhaupt zur Kenntnis genommen zu werden. Dass er mit seiner Aktion eine Öffentlichkeit geschaffen hat, die über den engen Zirkel der artworld hinaus geht, diesen vielleicht sogar kritisch beobachten kann, ist ein Erfolg. Im übrigen ist die Kritik an der Kapitalisierung der Kunst keineswegs die Forderung danach, dass Künstlerinnen und Künstler sich durch Hunger und Selbstausbeutung legitimieren sollen. 

Banksys Arbeiten bestehen meist aus sehr plakativen Aussagen zu aktuellen, oft politischen Themen. Eine zweite Ebene, die über das unmittelbar Abgebildete hinausgeht, beinhalten sie selten. Ist das eigentlich wirklich Kunst und nur stilvoller Aktionismus?
Die Beziehung zwischen Kunst und Aktivismus wird, will mir scheinen, derzeit neu definiert. Der Raum der Kunst verändert sich ebenso wie das, was man „Öffentlichkeit“ nennt. Die Kunst ist immer, allerdings derzeit in einem schon prekären Stadium, eine Art kulturelles Schlachtfeld zwischen privater Aneignung und öffentlicher Wirkung. Und um den Kreis zu schließen: Was „wirklich Kunst“ ist, wird in ziemlich komplizierten Beziehungen und Verhandlungen bestimmt. Es ist wichtig, diesen Prozess nicht einfach fatalistisch zu akzeptieren, oder, umgekehrt, sich einfach ausgeschlossen zu fühlen, von einer artworld, die macht was sie will. Gerade in ihrer Uneindeutigkeit, ihrer Widersprüchlichkeit sehe ich in Banksys Aktion eine Einladung, an dem Diskurs teil zu haben, die Fetischisierung und Kapitalisierung in der Kunst nicht unwidersprochen hinzunehmen. Wirklich Kunst ist das, was uns als solche gilt. Meine persönliche Meinung: Ja, Banksy macht wirklich Kunst. 

der zeichner | Di, 23. Oktober 2018 - 19:14

Natürlich ist dies Kunst. Keine Frage. Kunst kommt ja nicht von Können, sondern von "Denken können". Und zum Denken hat die Aktion bei vielen Menschen gefürhrt.

Viel spannender jedoch ist doch die Frage ob die Käuferin nicht einen erheblichen Schadensersatzanspruch gegenüber ihm hat, da der Kaufvertrag ja schon zustande gekommen ist und er sich dann an ihrem Besitz in zerstörerischer Art und Weise zuschaffen gemacht hat. Er also für den zu erwartenden zukünftigen Gewinnzuwachs in den nächsten Jahren pekunär haftbar gemacht werden kann. Wandlung im sinne von Kunstersatz ist ja nicht möglich, da das Original dabei ja zerstört wurde. So eine Klage wäre aussichtsreich und daher sehr, sehr spannend!!!!

Mathias Trostdorf | Mi, 24. Oktober 2018 - 16:30

In reply to by der zeichner

Eigenartiger Kunstbegriff.
Bei mir hat das kein "Denken" ausgelöst.
Weder das Bild, noch das Geschreddere.
Und "spannend" ich das nicht.
Ich mag die Sachen von Banksy als das was sie sind, "street art".
Aber viele weitaus weniger talentierte "Künstlerlnnen" heute haben das Glück, daß ihnen aus der Hand gefressen wird- weil Händler und Galeristen es verstehen, einen Hype zu schaffen, der oft nicht gerechtfertigt ist. Wenn "Kunstwerke" privaten Sammlern soviel Geld wert sind, ist das für mich vollkommen in Ordnung.
Schwierig finde ich, wenn Steuergelder dafür aufgebracht werden.

Dimitri Gales | Di, 23. Oktober 2018 - 19:55

was der Artikel aussagen will: Der heutige Künstler hat mit dem ehemaligen Bohemien, dem Künstlerfürsten oder einsamen Genie nichts mehr zu tun, das war mal. Heute geht es um persönlichen und kommerziellen Erfolg, um exhibitionistischen Narzissmus des Künstlers, um marketingorientierte Selbstdarstellung. Auch hier gibt es wenige Gewinner, viele Verlierer.
Ich als Sammler kenne das Auktionswesen ganz gut. Die grösseren Auktionshäuser sind völlig finanzorientiert, die internationalen funktionieren wie Finanzinstitute oder Banken - da geht nur noch um kurzfristigen Gewinn. Die Preise für die Werke werden hochgeschaukelt, Marketing und Publicity sind hierbei unabdingbare Mittel geworden.

Dr. Florian Bode | Di, 23. Oktober 2018 - 21:10

Als Klimax der Selbstreferenzialität hat Banksy dieses Interview unter Pseudonym selbst gegeben, die Fragen waren abgesprochen. Es ist zuviel stupid money im (Kunst-)Markt.

Stefan Schlegel | Di, 23. Oktober 2018 - 21:31

Ich kann es nicht verstehen, dass man für Gemälde o.ä. Millionen ausgeben kann. Hier wird eine Klientel hofiert, die geradezu vor Geld stinkt und sich nach Exklusivität sehnt. Experten die sagen, dass Bild sei durch seine Zerstörung wertvoller geworden sind in meinen Augen eher Märchenerzähler. Käufer dieser sündhaft teuren Kunstwerke sind in meinen Augen meistens Menschen die viel Geld mit wenig Aufwand verdienen. Wenn man bedenkt, dass in unserem Land viele Menschen auf Tafelläden o.ä. angewiesen sind, viel Kinderarmut existiert… braucht man dieser Klientel keine „CHARAKTERLICHE STÄRKE“ attestieren. Der Kulturanspruch der oberen 10.000 ist einfach nur peinlich und schäbig.

Samuel Roh | Mi, 24. Oktober 2018 - 08:52

Spätrömische Dekadenz von allerfeinster Güte

Bernhard Jasper | Mi, 24. Oktober 2018 - 10:42

Die Zeit der Schablonen-Graffiti-Sprayer scheint vorbei. Ich sprüh es an jede Häuserwand im öffentlichen Raum erzielt keine Aufmerksamkeit mehr. Die Verbreitung erfolgt hier über „Instagram“, ein Online-Dienst zum Teilen von Bildern und Stories, besonders geeignet für pubertierende Teenager und andere Werbetreibende aus der „Kreativwirtschaft“.

Und dann noch dieser anmaßende Vergleich mit der Arbeitsweise eines William Turner. Merke: Ein Kunstwerk ist fertig, wenn man daran nichts mehr besser machen kann. Und Schönheit ist erst mal das Gegenteil von Zerstörung, Auflösung und Beschädigung.

In der Sache ist es noch nicht einmal „Anti-Kunst“, dieser Begriff hat seinen Ursprung im „Dada“, die angesichts der Trümmer einer zerstörten Gesellschaftsstruktur den Widerspruch zwischen der Praxis des Lebens und der Schönheit der Kunst durch Proklamationen der „Anti-Kunst“ beenden wollte.

Wenn man überhaupt über Kunst sprechen kann, dann nur mit dem richtigen Interpretationsschlüssel.

Paul J. Meier | Mi, 24. Oktober 2018 - 13:12

Die Pervertierung eines Kunstwerkes beginnt mit der Veräußerung. Wenn jemand ein Bild in seinen Besitz(!) nimmt, gleicht das einer Defloration des Unschuldigen. Der Kunstmarkt ist zweifellos dekadent, weil er nur einer finanziellen Elite vorbehalten ist und oftmals nur gekauft wird, weil man es sich leisten kann etwas zu erwerben, was einem vom Normalo unterscheidet, das einem in gewissem Sinne erhöht. Einen solchen Prozess hat
Bansky imho vorweggenommen und dass über seine Aktion so viel diskutiert wird, zeigt dass Kunst mehr sein kann als bloßer Adrenalinkitzel narzisstischer Neurotiker. Buddhistische Mönche legen in mühevoller Arbeit wunderschöne Mandalas und zerstören sie dann mit einem einzigen Wisch, so demonstrieren sie Schönheit und Vergänglichkeit des Daseins. Wahres Genie, wie etwa van Gogh oder C. D. Friedrich, die kaum einmal ein Bild verkauften, identifiziert sich am kreativen Prozess. Ein kluges Interview und willkommene Abwechslung im politischen Alltag.

Bernhard Jasper | Mi, 24. Oktober 2018 - 17:18

Wohlwollend könnte man von Poesie sprechen. Diese Poesie ist eine Poesie des Kaputten, der Zerstörung. Das Kaputte ist der Extremfall des Ruinösen, der die Grenze zum Müll verwischt. In der Bildenden Kunst wurden Prozesse schon immer betont.

wolfgang püschel | Do, 25. Oktober 2018 - 14:19

1. Kitschbild
2.Bemerkenswerte Interaktion

____________________________ 25.X.2018

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