Nina Pater
Prototyp der Frau, die auf Quoten und Förderpläne nie angewiesen war: Nina Pater / © hr/Ben Knabe

ARD im Selbstzerstörungsmodus (Teil II)  - Aufstand gegen die Unfähigen und Ahnungslosen 

Wer bei den Öffentlich-Rechtlichen nicht opportunistisch-woke ist, wer sein journalistisches Handwerk versteht und auch mal Kritik übt, läuft Gefahr, abserviert oder auf gut klingende, aber unbedeutende Posten weggelobt zu werden. Beim Hessischen Rundfunk traf es jetzt die erfahrende Journalistin Nina Pater. Doch gegen diese Entscheidung gibt es massiven Widerstand aus der Belegschaft.

Autoreninfo

Jens Peter Paul war Zeitungsredakteur, Politischer Korrespondent für den Hessischen Rundfunk in Bonn und Berlin, und ist seit 2004 TV-Produzent in Berlin. Er promovierte zur Entstehungsgeschichte des Euro: Bilanz einer gescheiterten Kommunikation.

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Verursacht wird sie in den Chefetagen, aber statt findet die Krise der öffentlich-rechtlichen Anstalten in den Redaktionen – beziehungsweise dem, was von ihnen nach -zig Umstrukturierungen, Reformen und Change-Management-Operationen sowie einer zunehmenden Unterwanderung durch Marketingleute und fachfremde Berater aller Art übrig ist. Ein besonders krasses Beispiel liefert in diesen Tagen der Hessische Rundfunk (HR). Gerade erst halbwegs im neuen Amt angekommen, sieht sich Intendant Florian Hager (46) bereits mit einem Aufstand seiner verbliebenen Fernseh-Kreativen konfrontiert. Zu verdanken hat er den seiner Programmdirektorin und Stellvertreterin Gabriele Holzner (62), deren Belegschaft sie als „eine Katastrophe für diesen Sender“ (ein langjähriger Redakteur und Moderator) betrachtet. Ihre jüngste Aktion brachte nun das Fass zum Überlaufen:    

„Das Signal dieser Personalentscheidung ist verheerend! Wer etwas wagt, seine Meinung konsequent äußert und sich einsetzt für den Hessischen Rundfunk und seine größte Marke hessenschau, der wird abserviert.“ (Auszug aus einem von 107 Mitarbeitern am 10. November 2022 verfassten und unterschriebenen Protestbrief an den Intendanten des Hessischen Rundfunks Florian Hager und seine Geschäftsleitung.)  

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Peter Sommerhalder | So., 27. November 2022 - 13:36

hat Deutschland das Bedürfnis/die Überheblichkeit die eigene Bevölkerung und sogar die ganze Welt erziehen zu wollen...?

Dies ist für mich als Aussenstehender nicht zu verstehen...

Tomas Poth | So., 27. November 2022 - 13:48

Im Gegenteil, die sind sich vollkommen bewußt wie sie ihr Geld verdienen und die Geldquelle am sprudeln halten.
Der ÖRR muß zerschlagen werden, auf reine Nachrichtenformate und Bildungsformate zurückgestutzt, von allen politischen Einflüssen gereinigt werden.
9€ Jahresticket pro Haushalt reicht dafür!
Alle anderen Formate, die ganze Meinungsmache und Unterhaltungen des ÖRR sind als private Dienstleistungen anzubieten und zu verkaufen.

Die vielen, völlig überteuerten Riesen-"Sauställe", die den ÖRR in Deutschland bilden, können gar nicht mehr ausgemistet werden.
Wer sollte und könnte das denn leisten???
Etwas die bisherigen Nutznießer des Systems selbst?
Oder die Parlamente?
Völlig illusorisch!
Nein, alle "Sauställe" müssen total abgerissen und durch kleine, saubere Häuser ersetzt werden, in denen transparent mit möglichst kleinen Mitarbeiterstäben gearbeitet wird und aus denen ausschließlich Information (Nachrichten) und Bildung (Dokumentationen usw.) für eine geringe Zwangsgebühr geliefert werden.
Alles andere gehört auf den freien Markt, auf dem sich dann jeder aussuchen kann, was er für sein Geld hören und sehen möchte.

Auch wenn wir hier zurecht über diesen ÖRR schimpfen, sollten wir nicht alle, die dort arbeiten über einen Kamm scheren, denn es dürfte einige geben, die lautlos gingen und andere, die sicherlich versucht haben gegenzusteuern und eben wie auch immer "abserviert" werden und wurden. Ich denke, dass dort einige mit der Faust in der Tasche existenzabhängig arbeiten und nur deshalb "mitmachen". Auch beim ÖRR kann sich nur etwas ändern, wenn die Politik diesen konsequent stutzt und entpolitisiert (ein Witz am Rande, das machen unsere Politiker - außer der AFD - natürlich nicht) und auch die Bürger, dem ÖRR und der Politik nicht nur die gelbe, sondern die rote Karte zeigen und dieses Medium entschieden meiden und die Politik abstrafen.
Danke Herr Paul für den Einblick beim HR, aus dessen Innenleben man als Hesse wenig bis gar nichts oder eben "geschönt" erfährt. Ich denke mal, das ist in anderen Anstalten nicht besser. Deshalb am Ball bleiben. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Jens Böhme | So., 27. November 2022 - 14:12

Eigentlich müssen Diverse und Non-Binäre sowie Nichtweisse und Behinderte mit Quoten in Führungspositionen berücksichtigt werden.

BHZentner | So., 27. November 2022 - 16:13

aber,laßt die Quotierten(m?/w/d) im Haltungswettbewerb(mit Hifle internalisierter Externer,siehe auch Framing-Gutachten des MDR für die ARD) aufeinander los und es kommt zu Haltungsschäden für...
...jedenfalls scheint es auch die Kompetenten, Wohlmeinenden, dem ganzen Treiben irgendwie Kompetenz entgegensetzenden (w/m), an den Kragen zu gehen.
Und die Bürger?... saßen stumm, glotzend um das Empfangsgerät herum.
Nicht vergessen: Am 15.November war (Quartals-)Zahltag für dieses Schmierentheater.

Gerhard Lenz | So., 27. November 2022 - 18:24

dass Frau Pater in Herrn Pauls wiederholtem Verriß einer ÖRR-Anstalt nicht selbst zu Wort kommt.

Denn sie kommentiert die von Herr Paul beobachtete Deprofessionalisierung des Senderbetriebes wie folgt:

"Das (die Versetzung) ist echt kein leichter Schritt - und doch bin ich sicher, dass es am Ende der richtige sein wird."

Aber selbst wenn die Personalentscheidung der HR-Leitung zweifelhaft ist, was ja durch die Reaktion zahlreicher Kollegen bestätigt scheint, handelt es sich am Ende doch nur um eine typisch Maßnahme im Rahmen der unternehmerischen Freiheit, so wie sie jeden Tag überall in der Republik geschieht. Denn am Ende interessiert nicht, ob Herr Dings hier oder Frau Bumms dort arbeitet, sondern welches Produkt der/die Hörer*in oder Zuschauer*in am Ende erhält. Und dass das nach Frau Paters Versetzung ein völlig anderes sein wird, wage ich zu bezweifeln.

Daran ändert auch der zunehmend inflationäre Gebrauch des Adjektivs "woke" durch Cicero-Autoren (und Foristen) nichts.

Hallo Herr Lenz, wenn es eine ganz normale unternehmerische Entscheidung wäre, warum gibt es dann solchen Protest? Und seit wann verfügen echte, freie Unternehmer über Kunden, die zahlen müssen, ob sie wollen oder nicht? Ich fürchte, sie werden begreifen müssen, dass es hier um mehr geht als um politisches Geschacher Links vs. Rechts. Hier geht es inzwischen um die Substanz. Ob überhaupt noch ein brauchbares Produkt herauskommt, oder eher gar nicht mehr, bei zwangszahlender "Kundschaft".

Gisela Hachenberg | So., 27. November 2022 - 20:16

Wieder ein toller und gut recherchierter Beitrag von Ihnen, werter Herr Paul. Man glaubt kaum und ist fassungslos zu lesen, wie es in den Fernseh „Anstalten“ zugeht. Und dieser ganze Zirkus kostet viel Geld. Wenn dann das Programm dementsprechend gut wäre, könnte man damit leben. Aber nein, es wird immer schlechter! Ich habe die ganze Woche die Kiste nicht angemacht. Nur Wiederholungen! Wenn man kein Fußballfan ist, hat man schlechte Karten.
Bin gespannt, was aus diesem speziellen „Krimi“ wird.

ines Schulte | So., 27. November 2022 - 20:44

Scheint es mir nur so, oder sind gerade ungewöhnlich viele Frauen der Führungsetagen in unliebsames Gerede gekommen? Ob RBB, MDR, BR, jetzt HR ... Mal geht es um unangemessenen Lebensstil mal um fehlendes Fingerspitzengefühl in Personalfragen. Eigentlich dachte sich der/die unbedarfte Bürger/in, mit Frauen an der Spitze wird doch alles besser, das ewige Konkurrenzdenken und von oben herab-Entscheiden gehört der Vergangenheit an.??...

Thomas Hechinger | So., 27. November 2022 - 22:01

Es ist eine Seuche, die die gesamte Gesellschaft durchzieht, ob das die Deutsche Bahn, der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk, die staatliche Verwaltung oder sogar Privatunternehmen sind. Leute aus den Geschwätzwissenschaften, die von der eigentlichen Materie keine Ahnung haben, machen sich auf der oberen und mittleren Führungsebene breit und blockieren mit ihren Quasselrunden und ihrem Achtsamkeitsgetue die eigentliche Arbeit. Es ist nur wenig polemisch, wenn ich vorschlage, die Deutsche Bahn möge ihre Beauftragten für Gender, Diversität und anderes solches Zeug entlassen. Für zehn Entlassene kann sie hundert Mitarbeiter einstellen, die in der Lage sind, mit einem Schraubenschlüssel umzugehen, ein defektes Signal zu reparieren oder die Bordtoilette mit frischer Seife zu bestücken. Es sind die Über-40-Jährigen, die Deutschland am Laufen halten, die den Quatsch so weit mitmachen, daß sie nicht auffallen, und ansonsten ihren Dienst verrichten, wie es ihr Pflichtgefühl ihnen aufträgt.

Thorwald Franke | Mo., 28. November 2022 - 12:29

So manches in diesem Artikel erinnert an Vorgänge auch anderswo. Was man so aus manchen Ministerien hört, oder aus DAX-Unternehmen, liest sich ähnlich. Woke Seilschaften werden installiert. Achtsamkeit wird wichtiger als der eigentliche Auftrag. Marketing wird wichtiger als Machen.

Irgendwie erinnert es auch an den Hof von Versailles. Dort war es wichtig, galant zu sein, die neuesten Tänze zu kennen und schlagfertig Gedichte vortragen zu können, aber nicht wichtig, seine Amtsgeschäfte gut zu führen. Es war eine abgehobene Klasse, die gar nicht mehr verstand, was Realität außerhalb des Hofes ist.

Christa Wallau | Di., 29. November 2022 - 00:39

Antwort auf von Thorwald Franke

und der gesamten sog. "Elite" in Deutschland mit den degenerierten Aristokraten des 18. Jahrhunderts ist durchaus angebracht, lieber Herr Franke. Ich habe ihn schon vor längerer Zeit gezogen.
Im Grunde leben wir in Deutschland nur noch in einer Schein-Demokratie. Man kann mit Fug und Recht von einem modernen Feudalismus sprechen, der sich bei uns breit gemacht hat. Das arbeitende Volk interessiert keinen Politiker und keinen Manager mehr. Es muß nur mit "Bürgergeld" ruhiggestellt und mit immer neuen Bedrohungs-Ängsten bei der Stange gehalten werden.
So können diejenigen, die es "nach oben" geschafft haben,in aller Ruhe ihre unanständig hohen Gehälter beziehen, ihre Seilschaften pflegen und ihre Parties feiern - so lange der Rubel (d. h. der Euro) rollt!
"Nach uns die Sintflut!" - so lautet ihre Devise.

Holger Zittlau | Di., 29. November 2022 - 09:41

Vielen Dank an Herrn Paul für diesen exellenten Artikel, der meinen Eindruck vom HR faktenreich und erschreckend zugleich untermauert hat.
Als langjähriger Zuschauer gerade der "Hessenschau" (zurückgehend noch bis in die Schwarz-Weiß-Ära des Fernsehens) musste ich in den letzten Jahren immer mehr feststellen, dass hier eine bewährte Sendung an die woke Wand gefahren worden ist. Emotion, gute Stimmung, durchdesigntes Ambiente, dem Zeitgeist geschuldete Einseitigkeit in der Berichterstattung - falls man das so überhaupt noch nennen kann - dies sind meine Eindrücke gewesen, die mich veranlasst haben, auf entsprechende Formate beim MDR zurückzugreifen.