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Hans Kollhoff über europäische Städte: „Wir erleben einen Qualitätsverfall ohnegleichen“ / Max Kratzer

Stadtplaner Hans Kollhoff über zeitgenössische Architektur - „Das Ergebnis ist grauenvoll“

Der Architekt und Stadtplaner Hans Kollhoff über die Zumutungen des modernen Bauens, über den Niedergang der europäischen Stadt – und warum durch die Corona-Krise einiges auch wieder besser werden könnte.

Alexander Marguier

Autoreninfo

Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Hans Kollhoff ist einer der bekanntesten deutschen Architekten. Der 73 Jahre alte gebürtige Thüringer studierte Architektur in Karlsruhe und Wien und ging dann zur Cornell University in den Vereinigten Staaten, wo er Assistent von Oswald Mathias Ungers war. 1984 machte er sich mit einem eigenen Architekturbüro selbstständig. Zu seinen bekanntesten Bauten zählen der Kollhoff-Tower am Potsdamer Platz in Berlin und das Main-Plaza-Wohnhochhaus in Frankfurt am Main.

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Yvonne Stange | So., 13. September 2020 - 13:09

... sind leider eine aussterbende Art. Ein alter, weißer Mann halt mit seinen altmodischen Ansichten... Es wird alles dem Konsum und dem Profit geopfert. Es stirbt ein Teil unserer Identität, ach was soll`s, eine typisch deutsche Kultur ist doch eh nicht erkennbar. Denkt mal jemand nach darüber, wieso es keine kleinen Läden und Geschäfte mehr gibt? Sie können dem Preisdruck der Verkaufskonzerne einfach nicht standhalten. Und jeder hat nicht das Geld in der Tasche, in elitären, kleinen Nobelläden einzukaufen. Der Zug ist abgefahren. Innenstädte heute erfüllen mich mit Grauen und ich meide sie. Und das nicht nur am Abend....

Bernd Muhlack | So., 13. September 2020 - 20:31

Ich bin in Koblenz geboren und aufgewachsen.
Eine schöne Kindheit und eine ebenso schöne Jugend.

Eine große Wohnung und ... ein Erkerzimmer!
Insgesamt sieben Fenster!
Genial, wunderschön!

Ich könnte zu diesem tollen Artikel unendlich schreiben, bin ein Stadtmensch.

Warum gibt es keine Kommentare - sehr schade!

Koblenz?
Die Altstadt sowie die Rheinlagen sind prima.
Die Innenstadt, Fußgängerzonen sind eher suboptimal.
Ja, Koblenz ist einen Besuch wert!

Herr Kollhoff beschwört unter städtebaulichen Gesichtspunkten „Stadträume“- im Gegensinn- zur „Raum-Stadt“, ein zeitweiliges Leitbild der städtebaulichen Moderne.

Die Vorstellung der „Raum-Stadt“ (aufgelockerte Bebauung- Licht, Luft, hygienische Verhältnisse), entwickelte sich aufgrund der katastrophalen Wohnverhältnisse der 20er Jahre. Dieses Konzept ist jedoch besonders in den 70er Jahren pervertiert worden- heute oft soziale Brennpunkte. Die Stadt zerfiel in Teilstädte.

Seit dem Ende der 60er Jahre ging man jedoch auch wieder den Spuren der Vergangenheit nach, setze an einzelnen Objekten an, entdeckte die traditionelle Stadt neu und befasste sich wieder mit „Stadträumen“- als Reaktion auf diese pervertierte Moderne. Stadtwohnungen schienen wieder akzeptabel, Räume wurden vom Verkehr befreit für Fußgänger, Fassaden schön-gemacht.
Heute sind der wachsende Verkehr, sowie eine wahnwitzige Immobilien-Spekulation die zerstörerischen Kräfte der europäischen Stadt.

Fußläufig entfernt, gibt ein beliebtes Fischfachgeschäfts (gegründet 1909) auf. Das Ehepaar kann die angekündigte Mieterhöhung für das kleine Ladengeschäft nicht mehr tragen. Es lohnt sich einfach nicht mehr, obwohl sie sich über Kundschaft nicht beklagen kann.

Austauschbare Konsum-Ketten werden diesen liebenswerten Einzelhandel verdrängen. Eine beklagenswerte Entwicklung. Eine Revision unseres Bildes der Moderne ist insgesamt angezeigt, um die städtebaulichen Strukturen- im Sinne ihrer architektonischen Qualitäten- die ja vorhanden sind, neu zu entdecken. Es könnte nämlich auch sein, dass in der Spätmoderne die individuelle Produktion eine Renaissance erlebt.

P.S.: Und gilt das alles nicht auch für die Landwirtschaft, oder für gut erzählte und verfilmte Geschichten. Das Risiko für den „return on Investment“ scheint zu groß, um Qualitäten zu produzieren.

P.S.: Und die „Grünen“ werden noch stärker werden.

Bernd Muhlack | Mo., 14. September 2020 - 19:52

Antwort auf von Bernhard Jasper

Zitat:
"Tradition seit 1909
Fußläufig entfernt, gibt ein beliebtes Fischfachgeschäfts (gegründet 1909) auf.
Das Ehepaar kann die angekündigte Mieterhöhung für das kleine Ladengeschäft nicht mehr tragen. Es lohnt sich einfach nicht mehr, obwohl sie sich über Kundschaft nicht beklagen kann."

Welch ein Zufall und Duplizität der Ereignisse!

In der Koblenzer Altstadt gab es anner Ecke Görgenstraße/Entenpfuhl früher ein Fischgeschäft - Karbach?
Mein Opa kaufte dort Freitags von der Arbeit heimlaufend immer ein - das war klasse!
In der Stadt benötigt man bekanntlich kein Auto.
Das Geschäft gibt es schon lange nicht mehr, statt dessen: Asia Chopsticks Corner.

Nebenan war ein HiFi-Geschäft - ebenfalls schon lange passé.
Ein Tattoo-Shop.

Schade dass ich jetzt kein Königsbacher Bier habe - die Koblenzer Brauerei gibt es noch.
Passt sehr gut zu Matjes oder Brathering.

Wie Sie Ihre Geburts-und Aufwachsstadt schildern, lieber Herr Muhlack,machen
sie Koblenz zu einem Schmuckstück. Pflanzen Sie einen dicken Baum vor
Ihre Haustüre. Grün ist Leben aber nicht die in unserer Politik.
Vor ca. 40 Jahren zogen wir nach München. In meiner Geburtsstadt Bayreuth
genoß ich noch das Flair unseres Lebens. Wir wuchsen innerhalb der
Wgnerfamilie auf inmitten Park, Garten und Festspielhaus. Atmeten Natur
ein.
Nun leben wir seit 40 Jahren in München. Das ehemalige schöne München gibt
es nicht mehr. München ist nunmehr Deutschlands zubetonierteste Stadt. Ein
Ende ist nicht absehbar. Hoch, höher und schrill. Münchner sind bereits Exoten.
Der Englische Garten wurde ein verwahrloster Grillplatz. Denkmäler werden geschändet.
Letzte Woche wurde am Viktualienmarkt die alte Bronzefigur der Ida Schumach-
er, ein Münchner Original, übelst zerschlagen. Ihr Beruf war unter weiteren die
"Trambahnschienenritzenreinigungsdame". Ein Beruf mit Tradition ohne Zukunft.
MfG

Ernst-Günther Konrad | Mo., 14. September 2020 - 09:09

Selbst gewähltes Schicksal der Großstädter sage ich da nur. Traditionsgeschäfte verschwinden, der Nachwuchs fehlt oder will/kann nicht übernehmen, weil die umsatzbringende Klientel aus den Städten "vertrieben" wurde. Grundstückspekulanten, die auf engstem Raum, hoch, höher, am höchsten funktional und gewinnbringend bauen. Handyladen, Sishas, Spielotheken,türkische Cafes, arabischer Supermarkt, mal ein Discounter mit Bäcker, Banken, das war es. Wohnraum über den alten Geschäftsgebäuden, wenn die nicht abgerissen wurden, weichen für Ärzte, Rechtsanwälte, Finanzdienstleister. Der Erhalt und die Renovierung alter Gebäude werden mit wahnsinnigen Denkmalschutzauflagen versehen, sind nicht gewinnbringend. Andere verwahrloste Wohngebäude werden für allerlei Menschen, die selbst kaum arbeiten, deren Miete der Staat zahlt freigehalten. Einer muss ja in die Sisha. Das Flair der Innenstädte wurde sukzessive durch Radwege, fehlende Treffpunkte für alte und länger hier lebende Menschen zerstört.

Deswegen behauptete meine Großmutter auch immer, dass die Älteren für neue Gedanken Platz machen müssen.
Und diese Wandlung kann man in der Familie, im Betrieb, in der Gesellschaft & in der Innen -& Außenarchitektur sehen & wahrnehmen. Egal, ob es einen gefällt oder nicht. Nichts ist für ewig. Keine tausend Jahre & Gott sei Dank. Wie beim Wetter ;-
Krux für mich persönlich (!!!) die < Bausünden in meiner Heimatstadt Dresden (obwohl für mich noch immer eine der mit schönsten ...)
Und leider immer weniger Rückzugs-Orte für die Erholung & Erquickung der Seele :(
(um auch mal zu verarbeiten, statt zu konsumieren)
Grundtenor der jungen Familien bei der letzten Hausfeier:
"Freunde sind viel wichtiger im Leben als Familie". War sprachlos,
Ja, ich leide selbst unter dem:
- immer schneller - immer mehr -
Werte, dass ist was für alte Leute.
Dafür Sicherheit-für alles!

Nur nicht für Demut

Passt was nicht, wird neu gekauft, egal ob "Stück", "Mann" oder "Partei". Alles im Internet erhältlich.

Habe gerade einen Besuch in einer mittelalterlichen Stadt in der Südheide gemacht. Imposantes herzoglichliches Schloss, französischer Garten und wunderschöne , baulich intakte Altstadt. Allerdings drängt sich der Eindruck auf, dass zwar das Geschäfts-und Gastronomieleben funktioniert, aber nur wenige Leute dort wirklich wohnen. Hin-und wieder sind auch Leerstände von eigentlich prächtigen Fachwerkbauten im Inneren und der Peripherie auffallend. In diesen Zeiten, wo Geld wie Milch und Honig für diverse Hilfsprojekte fliesst, müsste mal jemand auf die Idee kommen, jungen Leuten einen spürbaren Zuschuss für den Kauf und die Restaurierung von alten Häusern zu gewähren, statt für Neubauten auf der grünen Wiese.Immerhin geht es hier um einen Kulturerhalt und ein ökologisches Bewusstsein, den Flächenverbrauch im Umland nicht weiter voranzutreiben. Viereckige Beton-Kästen prägen zu häufig unsere Innenstädte und sehen schon nach wenigen Jahrzehnten trostlos und heruntergekommen aus